Eine eitrige Sinusitis, also eine Entzündung der Nasennebenhöhlen mit Eiterbildung, kann nach einer Hirntumoroperation auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Behandlungen und Komplikationen dieser Erkrankung.
Ursachen einer eitrigen Sinusitis nach Hirntumor-OP
Krebspatienten sind während und nach ihrer Krebstherapie häufig anfälliger für Entzündungen und Infektionen, da ihr Immunsystem geschwächt ist. Die wesentlichen Gründe für eine Immunschwäche sind die Tumorerkrankung selbst und/oder die Therapie. Ein schlechter Allgemeinzustand, Mangelernährung infolge der Krebserkrankung, hohes Lebensalter und Begleiterkrankungen können die Infektionsanfälligkeit weiter verstärken.
Verschiedene Faktoren können eine Sinusitis nach einer Hirntumor-OP begünstigen:
- Immunschwäche: Krebserkrankungen und ihre Therapien, wie Chemotherapie und Strahlentherapie, schwächen das Immunsystem. Eine Chemotherapie kann beispielsweise die Anzahl der Granulozyten, einer Art weißer Blutkörperchen, reduzieren, die für die Abwehr von Bakterien und Pilzen wichtig sind.
- Haut- und Schleimhautschädigungen: Krebserkrankungen und Strahlentherapie können Haut- und Schleimhautschädigungen verursachen. Funktioniert die Haut oder Schleimhaut infolge der Bestrahlung nicht mehr als schützende Barriere, ist es für Krankheitserreger leichter, in den Körper einzudringen.
- Organ- und Gewebeschäden: Der Tumor selbst kann Organ- und Gewebeschäden verursachen, die das Infektionsrisiko erhöhen.
- Erhöhte Infektionsgefahr durch Krebstherapien: Bestimmte Krebstherapien erhöhen das Infektionsrisiko.
- Anatomische Veränderungen: Voroperationen an der Nase können zu chronischen Beschwerden führen.
- Weitere Faktoren: Anatomische Besonderheiten und Varianten, Voroperationen, Allergien oder ein gestörtes Schleimhautmilieu in der Nase können zu chronischen Beschwerden führen, die durch gängige medikamentöse Therapien nicht mehr ausreichend und dauerhaft gelindert werden können.
Symptome einer eitrigen Sinusitis
Die Symptome einer eitrigen Sinusitis können vielfältig sein und ähneln denen einer normalen Nasennebenhöhlenentzündung, können aber aufgrund der Begleitumstände (z.B. geschwächtes Immunsystem) schwerwiegender sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Behinderte Nasenatmung
- Druckschmerz im Gesicht
- Nasenausfluss (eitrige Sekretion)
- Mundgeruch
- Veränderter Geruchs- und Geschmackssinn
- Abgeschlagenheit und Müdigkeit
- Kopfschmerzen über der Nase, im Stirnbereich und über und unter den Augen.
- Zunehmendes Druckgefühl im Kopf, das Schmerzen verursachen kann, wenn man sich nach vorn beugt.
- Ein anhaltender, ungewöhnlicher Geruch in der Nase
Diagnose einer eitrigen Sinusitis
Zur Diagnose einer eitrigen Sinusitis werden verschiedene Methoden eingesetzt:
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- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach seinen Beschwerden und deren Dauer.
- Endoskopie: Eine Nasenspiegelung mit einem Endoskop ermöglicht die Beurteilung der Nasenhöhle und der Nasennebenhöhlen.
- Bildgebung: Eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) kann die Ausdehnung der Entzündung und mögliche Komplikationen darstellen.
- Abstrich: Ein Abstrich aus der Nase kann zur Bestimmung der beteiligten Erreger dienen.
- Blutuntersuchungen: Entzündungsparameter im Blut können auf eine Infektion hinweisen.
Behandlung einer eitrigen Sinusitis
Die Behandlung einer eitrigen Sinusitis zielt darauf ab, die Entzündung zu bekämpfen, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.
- Medikamentöse Therapie:
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt.
- Kortisonhaltige Nasensprays: Sie wirken entzündungshemmend und abschwellend.
- Abschwellende Nasensprays: Sie können kurzfristig die Nasenatmung verbessern, sollten aber nicht über einen längeren Zeitraum angewendet werden.
- Schmerzmittel: Sie lindern Kopf- und Gesichtsschmerzen.
- Hausmittel:
- Nasenspülungen mit Salzlösungen: Sie befeuchten die Nasenschleimhaut und fördern den Abtransport von Sekret.
- Inhalationen mit Kochsalzlösung: Sie befeuchten die Atemwege und lösen Schleim.
- Operation: In einigen Fällen, insbesondere bei chronischen Verläufen oder Komplikationen, kann eine Operation erforderlich sein.
- Funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie (FESS): Sie stellt heutzutage den Goldstandard in der Therapie dar, sie ist ein schonendes minimalinvasives Operationsverfahren, mit dem chronische Nasennebenhöhlenentzündungen optimal behandelt werden können.
- Erweiterung der Nasennebenhöhlenöffnungen: Bei der sogenannten „FESS" werden möglicherweise vorhandene Engstellen im Naseninneren therapiert, die natürlichen Öffnungen der Nasennebenhöhlen aufgesucht und mit speziellen Instrumenten erweitert.
Komplikationen einer eitrigen Sinusitis
Wird eine eitrige Sinusitis nicht oder nicht ausreichend behandelt, kann es zu Komplikationen kommen:
- Ausdehnung der Entzündung auf die Augenhöhle (Orbitalphlegmone): Ein Warnzeichen dafür sind gerötete und geschwollene Augenlider (Lidödem). Bei einer schweren Infektion der Augenhöhle, einem Eitereinbruch in die Augenhöhle (Orbitaphlegmone), handelt es sich um eine Notfallsituation.
- Hirnhautentzündung (Meningitis): Über Defekte in der Schädelbasis können Bakterien in das Gehirn dringen und zu Hirnhautentzündungen führen.
- Gehirnentzündung (Enzephalitis): Eine Entzündung kann sich direkt auf das Gehirn ausbreiten.
- Gehirnabszess: Gelangen Krankheitserreger in das Hirn, können sie es infizieren. Dabei kann es zu einer örtlichen Entzündung kommen. Sammelt sich dadurch Eiter in einer Art Kapsel an und bildet einen neuen Hohlraum im betreffenden Gewebe, sprechen Mediziner von einem Hirnabszess.
Prävention einer eitrigen Sinusitis
Einige Maßnahmen können dazu beitragen, einer eitrigen Sinusitis vorzubeugen:
- Stärkung des Immunsystems: Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßiger Bewegung kann das Immunsystem stärken.
- Vermeidung von Reizstoffen: Rauchen und andere Reizstoffe können die Nasenschleimhaut schädigen und das Risiko einer Sinusitis erhöhen.
- Ausreichende Luftfeuchtigkeit: Trockene Luft kann die Nasenschleimhaut austrocknen und anfälliger für Infektionen machen.
- Konsequente Behandlung von Erkältungen: Eine rechtzeitige und konsequente Behandlung von Erkältungen kann verhindern, dass sich eine Sinusitis entwickelt.
Tumoren der Nase und Nasennebenhöhlen
Bösartige Tumoren der Nasennebenhöhlen sind selten und können durch verschiedene Symptome auffällig werden: Betroffen leiden mitunter an häufigem Nasenbluten oder einer einseitig behinderten Nasenatmung, haben Schmerzen über dem Mittelgesicht, einen übelriechenden Ausfluss aus der Nase oder bemerken eine Formveränderung von Oberkiefer oder der Wangenregion. Die Entnahme einer Gewebeprobe zur Diagnosesicherung kann in einem unkomplizierten chirurgischen Vorgehen zeitnah in unserer Klinik angeboten und durchgeführt werden. In Abhängigkeit von der Tumorart, muss eine individuelle Therapie geplant werden. Viele Tumoren können je nach Lokalisation durch die Nasenlöcher (endoskopisch) oder offen chirurgisch behandelt werden. Die Art der Operation und des Zugangs wird nach Besprechung der Erkrankung in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz geplant und gemeinsam mit dem Patienten besprochen. Neben der endoskopischen Operation steht eine Vielzahl offener Zugänge zur Verfügung, welche je nach Lage und Ausdehnung des Tumors zum Einsatz kommen. Die Betreuung nach einem mehr oder weniger ausgedehnten Eingriff wird unter Anderem auf unserer hausinternen Intensivstation sichergestellt und ermöglicht eine individualisierte und intensive Nachsorge. Wir stehen für ein ausführliches Gespräch mit Betroffenen und deren Angehörigen zur Klärung sämtlicher Fragen jederzeit zur Verfügung.
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