Nerv Nachrichten Test: Umfassende Untersuchung des Nervensystems

Einführung

Die Diagnose und Überwachung von Erkrankungen des Nervensystems erfordert präzise und zuverlässige Testmethoden. Der Nerv Nachrichten Test umfasst eine Vielzahl von Untersuchungen, die von der klinischen Untersuchung einzelner Nerven bis hin zu komplexen bildgebenden und elektrophysiologischen Verfahren reichen. Ziel ist es, eine umfassende Beurteilung der Nervenfunktion zu ermöglichen, um eine frühzeitige Diagnose und gezielte Therapie zu gewährleisten.

Klinische Untersuchung der Hirnnerven

Die klinische Untersuchung der Hirnnerven ist ein grundlegender Bestandteil der neurologischen Diagnostik. Sie ermöglicht eine erste Beurteilung der Funktion der einzelnen Hirnnerven und kann Hinweise auf spezifische Läsionen geben.

I. N. Olfactorius (Riechnerv)

Die Prüfung des Riechnervs erfolgt durch die Präsentation verschiedener Gerüche, die der Patient mit geschlossenen Augen identifizieren soll. Typische Testsubstanzen sind Kaffee, Vanille und Pfefferminze. Jedes Nasenloch wird separat geprüft, indem das andere zugehalten wird. In Verdachtsfällen kann eine Prüfung mit einem Trigeminusreizstoff (Ammoniak) erfolgen.

II. N. Opticus (Sehnerv)

Der Visus wird mit standardisierten Sehprobentafeln für jedes Auge einzeln getestet. Alternativ kann der Patient einen Text lesen. Das Gesichtsfeld wird durch fingerperimetrische Diagnostik in jedem Quadranten einzeln geprüft. Der Fundus wird auf Auffälligkeiten der Papille (scharfe Begrenzung, Prominenz, Verbreiterung, gestaute Gefäße, Abblassung) untersucht. Der Farbsinn wird mit Ishihara-Tafeln geprüft.

III, IV, VI. N. Oculomotorius, N. Trochlearis, N. Abducens (Augenbewegungsnerven)

Die Pupillen werden auf Anisokorie (Größenunterschied), Entrundung, Miosis (Verengung) oder Mydriasis (Erweiterung) untersucht. Die Pupillenreaktion auf Lichteinfall wird direkt und konsensuell geprüft. Die Okulomotorik wird auf Schielstellung untersucht.

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V. N. Trigeminus (Drillingsnerv)

Die motorische Funktion des Nervus trigeminus wird durch Prüfung der Muskeln M. masseter und M. temporalis bei festem Kieferschluss im Seitenvergleich geprüft. Der M. pterygoideus wird auf Abweichung zur ipsilateralen Seite bei Parese geprüft, ebenso die Kieferöffnung gegen Widerstand. Der Masseterreflex wird durch Schlag auf den auf das Kinn gelegten Finger des Untersuchers bei leicht geöffnetem Mund ausgelöst. Der Kornealreflex wird durch Betupfen der Cornea mit einem Wattestäbchen von der Seite geprüft.

VII. N. Facialis (Gesichtsnerv)

Der Patient wird aufgefordert, die Zähne zu zeigen, zu pfeifen, die Backen aufzublasen, den Mund zu spitzen, die Augen zuzukneifen (ggf. gegen Widerstand) und die Stirn zu runzeln (ggf. gegen Widerstand). Es wird auf Befunde wie Wimpernzeichen (Signe de cils), Bell-Phänomen, asymmetrische Nasolabialfalte, Hängen des Mundwinkels und Synkinesien (unwillkürliches Blinzeln beim Lächeln) geachtet.

VIII. N. Vestibulocochlearis (Hör- und Gleichgewichtsnerv)

Die Funktion des Nervus vestibulocochlearis wird durch Hörprüfungen und Gleichgewichtstests untersucht.

IX. N. Glossopharyngeus, X. N. Vagus (Zungen-Rachen-Nerv, Vagusnerv)

Die Funktion dieser Nerven wird durch Prüfung des Gaumensegels (Abweichen zur gesunden Seite bei Parese) und des Würgereflexes geprüft.

XI. N. Accessorius (Beinerv)

Der M. sternocleidomastoideus wird durch Drehen des Kopfes zur Gegenseite getestet. Es wird auf Muskelatrophie oder -hypertrophie geachtet.

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XII. N. Hypoglossus (Zungennerv)

Die Funktion des Zungennervs wird durch Inspektion der Zunge auf Atrophie und Faszikulationen geprüft. Der Patient wird aufgefordert, die Zunge herauszustrecken. Bei einer Parese weicht die Zunge zur betroffenen Seite ab.

Elektrophysiologische Untersuchungen

Neurographie (NLG)

Die Neurographie (NLG) dient der Untersuchung von Nerven. Durch elektrische Reizung wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen. Die NLG dient dem Nachweis von Nervenschädigungen.

Elektromyographie (EMG)

Das EMG ist eine Muskeluntersuchung mit Hilfe einer Nadelelektrode, die die Aktivität von Muskelfasern erfasst und dadurch Auskunft über die Muskelstruktur und Nerven gibt. Bei Verdacht auf Myasthenie werden weitere Untersuchungen angeboten (Serienstimulation und Einzelfaser-EMG).

Evozierte Potentiale

Mittels evozierter Potentiale werden periphere und zentrale Nervenbahnen untersucht. Sensibel evozierte Potentiale (SEP) werden nach elektrischer Reizung peripherer Nerven (N. medianus, N. ulnaris, N. tibialis, N. trigeminus) vom Kopf abgeleitet. Visuell evozierte Potentiale (VEP) messen die Leitung über den Sehnerven bis zur Sehrinde im Hinterkopf. Akustisch evozierte Potentiale (AEP) testen durch Klickgeräusche den Hör- und Gleichgewichtsnerven. Magnetisch evozierte Potentiale (MEP) messen mit Hilfe von Magnetimpulsen die Leitung des N. facialis im Gesicht oder die motorische Nervenbahn vom Gehirn zu den Armen und Beinen.

Bildgebende Verfahren

Nervensonografie

Mit Hilfe hochauflösender Ultraschallsonden werden periphere Nerven, Nervenplexus und oberflächennahe Nervenwurzeln untersucht. Diese schmerzfreie Methode erlaubt die Diagnostik von umschriebenen Nervenschädigungen wie beim Carpaltunnelsyndrom oder nach Unfällen sowie von bestimmten Polyneuropathien.

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Duplexsonographie

Die Arterien, die das Gehirn mit Blut versorgen, werden am Hals und durch den Schädelknochen mit Ultraschall dargestellt. Die Strömung des Blutes wird farbkodiert gemessen. Neben Strömungsstörungen durch Verengungen der Arterien werden auch Ablagerungen (Arteriosklerose) beurteilt. Die Duplexsonographie ist eine wichtige Diagnostik zur Beurteilung des Schlaganfall-Risikos.

Video-Kopfimpulstest

Mit dem Video-Kopfimpulstest kann die Funktion der Gleichgewichtsorgane im Innenohr getestet werden. Die Untersuchung ist bei Schwindelerkrankungen und Gleichgewichtsstörungen sinnvoll. Eine weitere Untersuchung des Gleichgewichtssinns kann durch die Messung der subjektiven visuellen Vertikalen erfolgen.

EEG

Die Elektronenzephalographie (EEG) dient der Untersuchung der Funktion des Gehirns. Das EEG wird z.B. bei Epilepsien und anderen Anfällen mit Bewusstseinsverlust aber auch bei Gedächnisstörungen und Demenzen eingesetzt.

Weitere diagnostische Verfahren

Lumbalpunktion

Die Lumbalpunktion ist eine wichtige Untersuchung bei entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems wie MS, Neuroborreliose und bei bestimmten Formen der Polyneuropathie. Die schonende Punktion des Duralsackes (Nervenwassersack) erfolgt im Bereich der unteren LWS, um wenige Milliliter Liquor (Nervenwasser) zu entnehmen, das anschließend in einem Speziallabor untersucht wird. Anschließend ist eine Ruhezeit in der Praxis erforderlich.

Demenztest

Die kognitiven Funktionen (Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Abstraktion, Sprache u.a.) werden mit standardisierten Tests geprüft (Demenztest).

Riechtest

Mit Hilfe von Riechstiften (Sniffin Sticks) kann das Riechvermögen untersucht werden. Der Riechtest ist hilfreich in der Diagnostik z.B. von Parkinson-Syndromen.

Tremoranalyse

Ein Zittern kann durch verschiedene Erkrankungen verursacht werden. Eine Messung und Analyse von Zittern kann mit Hilfe von Oberflächen-EMG, Beschleunigungssensoren (Accelerometern) und Spektralanalyse erfolgen.

Autonome Funktionstests

Das autonome Nervensystem reguliert sämtliche vegetative Körperfunktionen. Erkrankungen des zentralen Nervensystems oder Polyneuropathien können mit Störungen des autonomen Nervensystems einhergehen. Die anatomische und funktionelle Einteilung in parasympathisches und sympathisches autonomes Nervensystem ermöglicht die Zuordnung einzelner Testverfahren, die meist als Testbatterie im Rahmen der neurophysiologischen Diagnostik durchgeführt werden. Zu den Tests gehören die Blutdruckmessung beim Aufstehen (Orthostasebelastung), beim anhaltenden Faustschluss, die sympathische Hautreaktion (SSR), der thermoregulatorische Schweißtest und der Ninhydrintest.

Nervenkompressionssyndrome der oberen Extremität

Nervenkompressionssyndrome sind chronische Irritationen oder Druckläsionen peripherer Nerven innerhalb anatomischer Engpässe.

Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) ist eine Schädigung des N. medianus im Karpalkanal der Hohlhand und das häufigste Engpasssyndrom eines peripheren Nervs. Typische Symptome sind nächtliche Parästhesien der radialen Finger. Die Diagnose erfolgt durch Anamnese, klinische Untersuchung (Phalen-Test, Hoffmann-Tinel-Zeichen) und elektrophysiologische Untersuchung (EMG, NLG). Im Frühstadium kommen konservative Behandlungsmethoden infrage, eine dauerhafte Beschwerdefreiheit bringt im Allgemeinen nur eine operative Behandlung.

Proximale Kompressionen des N. medianus

Im Bereich des Ellenbogens können verschiedene anatomische Strukturen für die Kompression des N. medianus verantwortlich sein. Die Symptome sind ähnlich dem KTS, es treten aber keine nächtlichen Parästhesien auf. Zusätzlich kann eine Schwäche des Faustschlusses auftreten. Charakteristische klinische Befunde sind der lokale Druckschmerz über dem N. medianus in der Ellenbeuge und ein positives Hoffmann-Tinel-Zeichen an der vermuteten Kompressionsstelle.

Kompression des N. interosseus anterior (NIA)

Der N. interosseus anterior ist ein rein motorischer Ast des N. medianus. Im Gegensatz zum PTS finden sich beim NIA keine sensiblen Ausfälle. Charakteristisch ist eine Beugeschwäche von Daumen und Zeigefinger im Endgelenk, mit der Unfähigkeit, ein „O“ zu formen.

Kubitaltunnelsyndrom (KUTS)

Das Kubitaltunnelsyndrom (KUTS) ist eine Einengung des N. ulnaris auf Höhe des Ellenbogens. Die Symptome können akut auftreten als Sensibilitätsminderung am Kleinfinger, an der Ulnarseite des Ringfingers und an der ulnaren Handkante sowie als ziehende Schmerzen vom Ellenbogen zum Unterarm. Eine Schwäche und motorische Ausfälle der Hand sind spätere Symptome. Bei der klinischen Untersuchung ist das Hoffmann-Tinel-Zeichen häufig positiv.

Kompression des N. ulnaris in der Loge de Guyon

Der N. ulnaris zieht gemeinsam mit der A. ulnaris durch die Loge de Guyon am Handgelenk. Die Symptome entsprechen im Wesentlichen denen beim KUTS. Die Patienten klagen meist über Schmerzen in Kombination mit Parästhesien des Klein- und Ringfingers und des Hypothenars, die Sensibilität am Handrücken ist jedoch intakt.

Kompression des N. radialis

Der N. radialis teilt sich knapp distal des Ellenbogengelenks in einen sensiblen R. superficialis und einen motorischen R. profundus auf. Beim Nervus-interosseus-posterior-Syndrom (NIP) handelt es sich um eine Einengung des R. profundus im proximalen Unterarmdrittel beim Eintritt in die Supinatorloge. Beim NIP liegt ein ausschließlich motorisches Lähmungsbild ohne Sensibilitätsausfälle vor.

Upper Limb Tension Tests (ULTT)

Um zu unterscheiden, um welchen Nerven es sich handelt, gibt es bestimmte Tests, die wir durchführen können, um diesen genau zuordnen zu können. Diese Tests nennt man “ULTT” = Upper Limb Tension Tests.

  • ULTT 1: Testet vor allem den Nervus Medianus.
  • ULTT 2: Testet ebenso den Nervus medianus.
  • ULTT 3: Testet den Nervus Radialis.
  • ULTT 4: Testet den Nervus Ulnaris.

Innovative Ansätze in der Diagnostik

Smartphone-basierte Tests mit KI-Auswertung

Ein Magdeburger Forschungsteam entwickelt spielerische Testaufgaben auf dem Smartphone kombiniert mit einer sensorgestützten Einlegesohle, um Nervenschäden und kognitive Einschränkungen bei Menschen mit Diabetes zu erkennen. Die Kombination aus spielerischem Ansatz, sensibler Messtechnik und KI-Auswertung eröffnet laut den Forschern neue Möglichkeiten, die Diagnostik zu vereinfachen und für den klinischen Alltag zugänglich zu machen. „Ein Nerven-TÜV, der durch maschinelles Lernen immer präziser wird, könnte Routineuntersuchungen revolutionieren“, erklärt Mertens.

Spurling-Test bei Nackenbeschwerden

Bei ausstrahlenden Schmerzen in den Arm sollte überprüft werden, ob die Ursache für die Nerven-Irritation in der Halswirbelsäule zu finden ist. Die neue Leitlinie zur Behandlung von Nackenschmerzen empfiehlt dazu den Spurling-Test. Der Spurling-Test ist ein gutes Bestätigungsinstrument, wenn der Verdacht auf eine Nervenwurzelkompression der Halswirbelsäule besteht. Ein positiver Befund gibt deutliche Hinweise auf eine bestehende Radikulopathie - ein negativer Befund schließt diese jedoch nicht sauber aus. Deshalb sollte der Test immer im Zusammenspiel mit anderen Untersuchungen interpretiert werden.

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