Die vorzeitige Ejakulation ist ein weit verbreitetes Problem, das viele Männer betrifft und erhebliche Auswirkungen auf ihr Selbstwertgefühl, ihre Beziehungen und ihre allgemeine Lebensqualität haben kann. Es ist wichtig zu verstehen, dass "zu früh" subjektiv sein kann und von den Wünschen der Partner abhängt. Offiziell spricht man von vorzeitiger Ejakulation, wenn die Zeit nach der Penetration unter 1 bis 3 Minuten liegt.
Ursachen und Einflussfaktoren
Die Ursachen für vorzeitige Ejakulation sind vielfältig und können sowohl physische als auch psychische Faktoren umfassen.
Psychische Faktoren: Stress, Angst, Depressionen, Leistungsdruck und Beziehungsprobleme können eine wesentliche Rolle spielen.
Physische Faktoren: Hormonelle Ungleichgewichte, Nervenschäden, Infektionen der Prostata oder Harnröhre, ein verkürztes Vorhautbändchen, Medikamente, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum können ebenfalls zu vorzeitiger Ejakulation beitragen.
Nervensystem: Schädigungen im zentralen (ZNS) oder peripheren Nervensystem (PNS), beispielsweise durch Krankheiten wie Parkinson, Multiple Sklerose, Diabetes oder Schlaganfälle, können die Signalübertragung beeinträchtigen, die für eine Erektion und Ejakulation notwendig ist.
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Genetische Veranlagung: Es gibt Hinweise darauf, dass die Neigung zu vorzeitiger Ejakulation genetisch bedingt sein kann.
Die Rolle des Nervensystems
Das Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle bei der sexuellen Funktion, einschließlich der Erektion und Ejakulation. Das zentrale Nervensystem (ZNS), bestehend aus Gehirn und Rückenmark, ist die Steuerzentrale, die sexuelle Reize verarbeitet und Signale an den Körper sendet. Das periphere Nervensystem (PNS) verbindet das ZNS mit den Organen und Muskeln und ermöglicht so die sexuelle Reaktion.
Wie eine Erektion entsteht
- Sexuelle Reize: Sinnliche Reize wie Berührung, Geruch, Sehen oder Hören sowie Erinnerungen und Fantasien aktivieren den Hypothalamus im Gehirn.
- Signalübertragung: Das Signal wandert vom Gehirn in das Rückenmark.
- Reflexauslösung: Im Rückenmark wird ein Reflex ausgelöst, der zu einem Anstieg des Blutflusses in den Penis führt, während sich gleichzeitig die Venen, die Blut abtransportieren, zusammenziehen.
- Erektion: Das Blut staut sich im Penis und führt zu einer Erektion.
Neurogene erektile Dysfunktion
Störungen im Nervensystem, ob durch Schädigung von Nerven oder neurologische Erkrankungen wie Parkinson, können die Funktion der Sexualorgane beeinträchtigen. Man spricht in diesem Fall von neurogener erektiler Dysfunktion (Neurogene ED). Experten schätzen, dass sich 10-19 Prozent aller Fälle von erektiler Dysfunktion auf neurogene (nervlich bedingte) Ursachen zurückführen lassen.
Auswirkungen von Nervenschädigungen
- Rückenmarksverletzungen: Fast 80 Prozent aller Männer mit Rückenmarksverletzungen erleben Erektionsstörungen.
- Multiple Sklerose (MS): Bis zu 70 % der MS-Patienten leiden an erektiler Dysfunktion.
- Parkinson: 42 bis 79 Prozent der Erkrankten sind von Erektionsstörungen betroffen.
- Schlaganfall: Zwischen 17 % und 48 % der Erkrankten sind von Erektionsstörungen betroffen.
- Diabetes mellitus: Der chronisch erhöhte Blutzucker bei Diabetespatienten führt zur Schädigung der Blutgefäße, die auch die Nerven versorgen.
- Urologische Operationen: Vor allem durch Operationen an der Prostata können Nervenschädigungen entstehen, die die sexuellen Funktionen beeinflussen.
- Nervenschädigungen durch schädliche Substanzen: Chemotherapien, Alkohol- und Drogenmissbrauch können sowohl die Nervenzellen im Gehirn als auch die peripheren Nerven schädigen.
- Nervenkompression (eingeklemmter Nerv): Ob durch eine falsche Bewegung oder durch lang anhaltenden Druck - auch physische Aktivitäten können in seltenen Fällen Nerven schädigen, die für die Erektionsfähigkeit wichtig sind.
Diagnose und Therapie
Autonome Nervenschäden, die zu Erektionsstörungen führen, können auch Beschwerden in angrenzenden Organen wie Blase oder Darm verursachen. Wurden Nerven im Beckenbereich durch äußere Einflüsse verletzt, können Symptome wie Brennen, Stechen oder Taubheit im unteren Beckenbereich, Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs, Harndrang und häufiges Wasserlassen auftreten.
Zur Diagnose von Nervenschäden können neurologische Tests wie die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und die Elektromyografie eingesetzt werden.
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Die Behandlung der neurogenen erektilen Dysfunktion umfasst:
- PDE-5-Inhibitoren: Medikamente wie Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis) und Vardenafil verbessern den Blutfluss zum Penis und unterstützen eine Erektion.
- Vakuum-Therapie: Eine Penispumpe erzeugt ein Vakuum, das Blut in den Penis zieht und so eine Erektion ermöglicht.
- Penisinjektionstherapie: Medikamente werden direkt in den Penis injiziert, um eine Erektion zu erzeugen.
- Chirurgische Eingriffe: In seltenen Fällen können chirurgische Eingriffe erforderlich sein, um Nervenschäden zu beheben oder eine Penisprothese zu implantieren.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, psychische Faktoren wie Stress, Angst und Depressionen zu bewältigen, die zu Erektionsstörungen beitragen können.
Die Rolle des Serotonins
Serotonin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle bei der Regulierung verschiedener Körperfunktionen spielt, darunter Stimmung, Schlaf und sexuelle Funktion. Es hat eine hemmende Wirkung auf die Ejakulation, was bedeutet, dass es dazu beitragen kann, den Samenerguss hinauszuzögern.
Serotoninmangel und vorzeitige Ejakulation
Ein Serotoninmangel kann zu einem Kontrollverlust über die Ejakulation führen, was zu einer vorzeitigen Ejakulation führen kann. Studien haben gezeigt, dass Männer mit vorzeitiger Ejakulation häufig einen niedrigeren Serotoninspiegel haben.
Behandlung mit SSRI
Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) sind eine Klasse von Antidepressiva, die den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen. Sie werden häufig zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, können aber auch bei der Behandlung von vorzeitiger Ejakulation wirksam sein. Dapoxetin ist ein SSRI, das speziell für die Behandlung von vorzeitiger Ejakulation zugelassen ist.
Natürliche Möglichkeiten zur Steigerung des Serotoninspiegels
- Tryptophanreiche Ernährung: Tryptophan ist eine Aminosäure, die für die Herstellung von Serotonin benötigt wird. Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Tryptophan sind Käse, Erdnüsse, Sojabohnen, Weizenkleie, Erbsen, Eier und Fisch.
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Körperliche Aktivität kann den Serotoninspiegel im Körper erhöhen.
- Stressbewältigung: Stress kann den Serotoninspiegel senken. Es ist wichtig, Stress zu vermeiden oder zu bewältigen, beispielsweise durch Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation.
- Johanniskraut: Johanniskraut ist ein pflanzliches Heilmittel, dem nachgesagt wird, dass es dazu beitragen kann, den Serotoninspiegel zu erhöhen.
Die Rolle des Beckenbodens
Die Beckenbodenmuskulatur spielt eine wichtige Rolle bei der sexuellen Funktion und Orgasmuskontrolle. Eine starke Beckenbodenmuskulatur kann helfen, die Ejakulation hinauszuzögern und die sexuelle Leistungsfähigkeit zu verbessern.
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Beckenbodentraining
Beckenbodentraining kann helfen, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und die Kontrolle über die Ejakulation zu verbessern.
- Lokalisierung der Beckenbodenmuskulatur: Am besten spürt man die Beckenbodenmuskulatur, wenn man mitten im Wasserlassen versucht, den Urinstrahl zu stoppen.
- Anspannen und Entspannen: Spannen Sie die beim Wasserlassen lokalisierten Muskeln 3 Sekunden lang an, lassen Sie sie wieder los (entspannen Sie 5 Sekunden lang) und spannen Sie sie erneut für 3 Sekunden an.
- Steigerung der Anspannungsdauer: Sobald Sie darin gut sind, erhöhen Sie die Zahl der Sekunden.
- Achten Sie auf die Atmung: Atmen Sie während des Beckenbodentrainings gleichmässig und ruhig.
Yoga
Yoga kann ebenfalls helfen, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und die sexuelle Funktion zu verbessern. Studien haben gezeigt, dass Yoga bei Männern mit vorzeitiger Ejakulation die Zeit bis zur Ejakulation verlängern kann.
- Geeignete Yoga-Übungen: Lotossitz (alternativ Schneidersitz), Wechselatmung, Vorbeuge im Sitzen, Kobra, Bogen, Schulterstand (Kerze), Pflug, Tiefenentspannung.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Neben Medikamenten, Beckenbodentraining und Yoga gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten für vorzeitige Ejakulation:
- Verzögerungsmittel: Lokalanästhetika wie Benzocain oder Lidocain können auf die Eichel aufgetragen werden, um die Empfindlichkeit zu verringern und die Ejakulation hinauszuzögern.
- Kondome: Herkömmliche Kondome können die Überempfindlichkeit der Eichel etwas vermindern. Es gibt auch spezielle Kondome, die mit einem Betäubungsmittel versehen sind.
- Drück-Technik: Sobald Sie merken, dass Sie sich kurz vor dem Höhepunkt befinden, halten Sie inne und drücken Ihren Penis an der Stelle zwischen Schaft und Eichel zusammen.
- Stop-Start-Technik: Stimulieren Sie den Penis bis kurz vor der Ejakulation, halten Sie dann inne, bis die Erregung abflacht, und stimulieren Sie dann erneut.
- Masturbation vor dem Sex: Masturbation ein bis zwei Stunden vor dem Sex kann helfen, die Kontrolle über die Ejakulation zu verbessern.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, psychische Faktoren wie Stress, Angst und Depressionen zu bewältigen, die zu vorzeitiger Ejakulation beitragen können.
Naturheilkundliche Ansätze
In der Naturheilkunde liegt der Fokus bei einer vorzeitigen Ejakulation auf der Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen und der Förderung der allgemeinen Gesundheit und des Wohlbefindens.
- Stressmanagement: Maßnahmen zur Stressreduktion wie Entspannungstechniken, Meditation und Yoga.
- Selbstwertgefühl: Maßnahmen zur Verbesserung des Selbstwertgefühls und des Selbstbewusstseins.
- Körperliches Training: Maßnahmen, die direkt den Penis trainieren, z. B. Beckenbodentraining.
- Vitalstoffe: Eine gute Versorgung mit allen Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere Zink, Rhodiola Rosea, Folsäure und Biotin.
- Ayurveda: Im Ayurveda werden u. a. Muira puama, Kamini Vidrawan Ras und Yauvanamrit Vati zur Behandlung der vorzeitigen Ejakulation eingesetzt.
- Traditionelle Chinesische Medizin (TCM): In der TCM werden chinesische Kräutermedizin wie Tabletten mit Yimusake oder Qilin eingesetzt.
Die Bedeutung der Kommunikation
Eine offene und ehrliche Kommunikation mit dem Partner ist entscheidend für die Bewältigung der vorzeitigen Ejakulation. Es ist wichtig, über die Probleme zu sprechen, Erwartungen zu klären und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
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