Pochende Kopfschmerzen, Sehstörungen und Übelkeit - Migräne kann das Leben stark beeinträchtigen. Viele Betroffene suchen nach Wegen, die Schmerzen ohne Medikamente zu lindern, besonders während der Schwangerschaft, wenn Vorsicht geboten ist. Es gibt verschiedene Hausmittel und alternative Methoden, die unterstützend wirken können.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen auszeichnet. Diese Kopfschmerzen können von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein. Migräneattacken können Stunden bis Tage andauern und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Akute Migräne behandeln ohne Medikamente
Sobald sich eine Migräneattacke ankündigt, ist es wichtig, schnell zu handeln. Hier sind einige Sofortmaßnahmen, die helfen können:
- Rückzug in einen dunklen, ruhigen Raum: Eines der besten Hausmittel gegen Migräne mit Aura (aber auch ohne) ist es, sich gleich zu Beginn der ersten Anzeichen einer Attacke in einen dunklen, ruhigen Raum zurückzuziehen. Das hilft auch gegen die Symptome der Aura.
- Kühle Kompressen: Legen Sie sich einen mit kaltem Wasser getränkten Waschlappen auf die Stirn und gönnen Sie sich Ruhe. Eisbeutel können zusätzlich Linderung verschaffen. Noch wirkungsvoller ist es, ein gut verträgliches Schmerzmittel zu nehmen.
- Pfefferminzöl: Eine Studie gibt an, dass das enthaltene Menthol die Migräne-Attacke verhindern kann. Das Öl kühlt und hat eine durchblutungsfördernde sowie entkrampfende Wirkung, außerdem blockiert es das Weiterleiten von Schmerz-Impulsen. Sie können ein paar Tropfen Pfefferminzöl auf Stirn, Schläfen und Nacken auftragen und sanft einmassieren (achten Sie darauf, dass es nicht in die Augen kommt). Pfefferminze kann auch als Tee bei Migräne hilfreich sein. Die ätherischen Öle beruhigen zudem gleichzeitig den Magen.
Hausmittel gegen Migräne
Es gibt eine Vielzahl von Hausmitteln, die bei Migräne unterstützend wirken können. Hier sind einige der bekanntesten und wirksamsten:
- Ingwer: Die scharfe Knolle ist als wirksames Mittel gegen Übelkeit bekannt, aber sie kann auch Migräne-Schmerzen lindern oder sogar beseitigen. Hinzu kommt, dass die Schärfe des Ingwers den Magensaft-Fluss und die Darmbewegungen anregt. Sie können ihn also auch als Migräne-Übelkeit-Hausmittel ausprobieren. Bei akutem Kopfweh können Sie einfach eine Scheibe geschälten Ingwers kauen. Wenn Ihnen das zu scharf ist, helfen auch geriebener Ingwer mit Orangensaft oder Ingwertee mit Honig. Für den Tee zerkleinern Sie ein kleinfingerkuppen-großes Stück Ingwer grob und übergießen es mit 150 ml kochendem Wasser, 10 bis 15 Minuten ziehen lassen, abseihen und nach Belieben mit etwas Honig gesüßt trinken. Ingwer können Sie auch als Ingwerpaste auf die Stirn auftragen. Das hilft insbesondere, wenn Kopfschmerzen bei einem Schnupfen oder einer Nasennebenhöhlenentzündung auftreten. Zur Herstellung der Ingwerpaste reiben Sie einen Teelöffel frischen Ingwer und vermischen ihn mit 1 bis 2 gemahlenen Nelken (oder einer Messerspitze Nelkenpulver). Diese Paste tragen Sie auf die Stirn auf und lassen sie etwa 15 Minuten einwirken. Mit lauwarmen Wasser abwaschen und anschließend noch einmal 10 bis 15 Minuten ruhen. Eine gerötete Stirn ist danach ganz normal und kein Grund zur Besorgnis. Vielmehr sehen Sie so das Ergebnis der gesteigerten Durchblutung, die den Kopfschmerz lindern sollte.
- Magnesium: Experten vermuten, dass das Mengenelement, das zum Beispiel bei der Kontraktion der Muskeln im Körper eine Rolle spielt, auch bei Migräne wirksam sein kann. 300 Milligramm sollten Frauen pro Tag zuführen, bei Männern sind es 350 Milligramm (Referenzwerte D-A-C-H). Bei Schwangeren und Kindern werden Magnesiumsalze als Vorbeugung gegen Migräne empfohlen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Magnesium die menstruationsbedingte Migräne verhindern bzw. lindern kann. Bei dieser Form treten die Anfälle meist einen oder zwei Tage vor dem Beginn der Periode auf. In der Regel wird die menstruationsbedingte Migräne mit Analgetika oder Triptanen behandelt. Es kann aber hilfreich sein, auf eine ausreichende Zufuhr von Magnesium zu achten.
- Lavendel: Lavendel ist seit langem als Haushaltsmittel mit gewissen Heilkräften beliebt. Aber, dass das ätherische Öl Migräneschmerzen verringern kann, ist noch gar nicht so lange bekannt.
- Mutterkraut: Mutterkraut sieht ein bisschen aus wie die Kamille. Es ist seit Urzeiten als Mittel gegen Kopfschmerzen und Fieber bekannt. Es gibt mehrere Studien, die ergaben, dass CO2-Extrakt aus Mutterkraut die Zahl der Migräneanfälle reduzieren kann. Auch für Pestwurzextrakt gibt es Studien, die die Wirksamkeit gegen Migräne belegen.
- Weidenrinde: Seit der Antike wird Weidenrinde als Mittel gegen Schmerzen genutzt. Das liegt vor allem an der Salicylsäure, die daraus gebildet wird - in Form von Acetylsalicylsäure kennt heute jeder diesen Wirkstoff. Ein Kräutertee aus Weidenrinde kann als Hausmittel Migräne zumindest lindern.
- Koffein und Zitrone: Bei Migräne erweitern sich die Blutgefäße im Gehirn. Koffein sorgt dafür, dass sie sich wieder verengen. Die Zitrone wiederum fördert die Schmerzhemmung des Körpers und liefert Vitamin C.
Vorbeugende Maßnahmen und langfristige Strategien
Neben der Behandlung akuter Attacken ist es wichtig, Migräne vorzubeugen und langfristige Strategien zu entwickeln:
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- Entspannungstechniken: Hausmittel, aber auch die Behandlung mit Medikamenten, lassen sich gut durch Entspannungstechniken ergänzen. Für diese Techniken gibt es Studien, die die positive Wirkung bestätigen und die generell empfohlen werden, um besser mit Stress und besonderen Herausforderungen fertig zu werden. Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder auch Meditation können Ihnen dabei helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Neben einer entspannenden Wirkung wird die Informationsverarbeitung während der Kopfschmerzphase heruntergefahren, was Schmerzen verringern kann.
- Regelmäßiger Sport: Lauftraining ist geeignet, um den Symptomen von Migräne vorzubeugen. Die erhöhte Sauerstoffversorgung regt Stoffwechselvorgänge und die Durchblutung an und hilft darüber hinaus bei der allgemeinen Entspannung. Achten Sie darauf, sich vor dem Training sanft aufzuwärmen und es mit Tempo und Intensität nicht zu übertreiben. Ideal sind drei bis vier Tage pro Woche, an denen Sie jeweils eine halbe Stunde trainieren.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Die DMKG empfiehlt zudem eine Kognitive Verhaltenstherapie. Sie kann helfen, zu hohe Ansprüche an sich selbst, aber auch ungünstige Erwartungen wie die Furcht vor dem nächsten Migräneanfall zu lindern. Durch die starken Schmerzen bei einer Migräneattacke leidet vor allem auch die Psyche . Allein die Angst vor der nächsten Schmerzepisode kann innerlichen Stress auslösen, der ein neuerliches Auftreten von Migräne wahrscheinlicher macht. Viele Migräne-Betroffene berichten von solchen Ängsten, depressiven Verstimmungen und einem Gefühl der Machtlosigkeit, wenn die Schmerzen erneut auftreten. Auch, wenn sie in diesem Sinne kein Hausmittel ist, können Sie mit einer kognitiven Verhaltenstherapie Techniken erlernen , die Ihnen in diesen Situationen helfen nicht in Panik zu verfallen und einen besseren Umgang mit den Schmerzen zu erlernen.
- Migräne-Tagebuch: Ein Migräne-Tagebuch hilft dabei, Ihre persönlichen Triggerfaktoren besser kennenzulernen. Durch das regelmäßige Beobachten und Festhalten Ihrer Migräne-Verläufe erhalten Sie wichtige Erkenntnisse , um Migräne-Anfälle zu reduzieren. Wir raten Ihnen dazu Migräne-Trigger ausgewogen zu steuern , anstatt diese strikt zu vermeiden, denn sonst erzeugen Sie nur unnötigen Stress und damit womöglich die nächste Migräneattacke. Notiere, wann deine Migräne auftritt, was du gegessen hast, wie dein Stresslevel war und ob äußere Faktoren wie das Wetter eine Rolle gespielt haben. Auch die Bildschirmzeit kann ein Trigger sein, daher sind regelmäßige Pausen besonders wichtig.
- Ernährung: Die Ernährung bei Migräne ist ein komplexes Thema und kann Diäten, Fasten, Entgiftungen und Darmreinigungen umfassen. Generell ist es vorteilhaft, den Körper nicht allzu großen Schwankungen auszusetzen. Versuchen Sie deshalb Blutzuckerschwankungen zu minimieren, regelmäßige Tagesabläufe und Schlafzyklen einzuhalten und Suchtstoffe wie Koffein, Alkohol und Nikotin zu meiden. Ein Verzicht auf Fertigprodukte, Gluten und tierische Lebensmittel hat bei einigen Migräne-Leidenden zu Verbesserungen geführt. Die Auslöser für Migräne sind immer individuell. Ihr Körper reagiert anders auf bestimmte Nahrungsmittel oder Umweltreize als der einer anderen Person. Oft heißt es einfach auszuprobieren welche Inhaltsstoffe ihre Migräne-Beschwerden verstärken. Achten Sie auf jeden Fall auch immer darauf genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
- Regelmäßiger Tagesablauf: Achten Sie auf einen geregelten Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten und Bettruhe. Gewöhnen Sie sich einen geregelten Tagesablauf an, auch das kann hilfreich sein.
- Stressmanagement: Bei der Arbeit muss das Projekt heute noch fertig werden, du überlegst währenddessen schon, was du danach einkaufen musst, an der Ampel wird von hinten gehupt, kaum zu Hause, hustet das Kind und du musst in die Apotheke und eigentlich wolltest du abends noch zum Sport. Bei manchen Menschen löst so ein Tag Stress aus, andere fühlen sich bei vollem Terminkalender gar nicht gestresst. Wenn du Migräne hast, ist es für dich ganz besonders wichtig, frühzeitig wahrzunehmen, wenn ein Gefühl von Stress aufkommt. Denn dann kannst du rechtzeitig die Notbremse ziehen. Es gibt einige Methoden, die bei Migräne zum Abbau von Stress und zur Entspannung besonders gut erforscht sind. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson hilft dir, durch gezieltes An- und Entspannen einzelner Muskelgruppen Stress abzubauen. Autogenes Training kann deinen Körper und Geist in einen entspannten Zustand versetzen. Meditation und Achtsamkeit sind bewährte Methoden, um Stress besser zu verarbeiten und bewusster mit deinen Triggern umzugehen. Yoga und Atemübungen kombinieren Bewegung, Atemkontrolle und Entspannung - eine bewährte Methode zur Vorbeugung von Migräneattacken.
Weitere alternative Behandlungsmethoden
Neben den genannten Hausmitteln gibt es noch weitere alternative Behandlungsmethoden, die bei Migräne in Betracht gezogen werden können:
- Akupunktur: So konnte gezeigt werden, dass zum Beispiel Akupunktur zur Migränevorbeugung beitragen kann.
- Osteopathie und Chiropraktik: Manche Menschen können außerdem durch osteopathische Behandlung oder Chiropraktik Linderung bei Verspannungen oder Fehlhaltungen erfahren.
- Biofeedback und Neurostimulation: Biofeedback hilft dir, deine Muskelspannung und Stressreaktionen bewusst zu steuern, um Migräneattacken zu reduzieren. Auch Neurostimulation, beispielsweise durch die sogenannte transkutane Vagusnervstimulation, kann für manche Menschen mit Migräne eine sinnvolle Ergänzung sein. Bei dieser Methode wird der Vagusnerv im Bereich der Haut der Ohrmuschel mit elektronischen Reizen stimuliert.
- Homöopathie: Auch, wenn du ein homöopathisches Mittel, beispielsweise Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze), gegen deine Migräne einsetzen möchtest, besprich dies besser mit einem speziell ausgebildeten Arzt mit dem Zusatz „Alternativmedizin“. In der Regel gilt die Homöopathie bei Migräne als sanfte Methode, die die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen soll und so zu einer Linderung beitragen kann. Das Gleiche gilt für Hausmittel gegen Migräne, die gern eingesetzt werden, um Migräne natürlich zu behandeln.
Wann zum Arzt?
Es ist wichtig, einen Arzt zu konsultieren, wenn:
- Sie nach drei Tagen keine Besserung Ihrer Beschwerden spüren.
- Sie Arzneimittel gegen eine andere Krankheit einnehmen müssen, sollten Sie auf mögliche Wechselwirkungen mit Hausmitteln gegen Migräne achten. So sollten Sie zum Beispiel Ingwer nicht zusammen mit Blutverdünnern einnehmen. Ähnliches gilt für die Kombination aus der Antibabypille und Johanniskraut.
- Erste Hinweise, ob es sich bei Ihren Kopfschmerzen um Migräne handeln könnte, gibt Ihnen unser hilfreicher Selbst-Check.
- Bevor du eine akute Migräne ohne Medikamente behandelst, solltest du deinen Arzt danach fragen, welche Methoden geeignet sind.
Medikamentöse Behandlung als Ergänzung
Auch wenn dieser Artikel sich auf die medikamentenfreie Behandlung von Migräne konzentriert, ist es wichtig zu wissen, dass es Situationen gibt, in denen Medikamente notwendig sein können. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) gibt eine herausgehobene Empfehlung für die fixe Kombination (2 Tabletten) aus Acetylsalicylsäure (250 bis 265 mg), Paracetamol (250 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg).
Ein individuell passendes Migräne-Medikament ist enorm wichtig bei Migräne. Schließlich handelt es sich nicht um irgendeine Form des Kopfschmerzes, sondern um eine komplexe neurologische Erkrankung. Sich allein auf das Medikament zu verlassen, wäre aber ebenso falsch. Medikamente gegen Übelkeit (Antiemetika), frei verkäufliche Schmerzmittel oder spezielle Migränemittel (Triptane) - Beispiele für Arzneien, mit denen ein Migräniker im Laufe seines Lebens in Kontakt kommen kann. Sie dämmen die hämmernden Kopfschmerzen ein oder helfen gegen Begleitsymptome wie Übelkeit oder Sehstörungen.
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