Hirnströme messen in der Neurologie: Ein umfassender Überblick

Die Messung der Hirnströme, auch bekannt als Elektroenzephalographie (EEG), ist ein weit verbreitetes und wichtiges diagnostisches Verfahren in der Neurologie. Es ermöglicht die Beurteilung der bioelektrischen Aktivität des Gehirns und liefert wertvolle Informationen über dessen Funktion. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der EEG, ihre Anwendungen, Durchführung und andere relevante Aspekte der neurologischen Diagnostik.

Was ist ein Elektroenzephalogramm (EEG)?

Die Elektroenzephalographie (EEG) ist eine Untersuchungsmethode zur Messung und Darstellung der bioelektrischen Aktivität des Gehirns. Sie ist die älteste und am weitesten verbreitete neurologische Zusatzdiagnostik

Schmerzlose und risikofreie Diagnostik

Bei der EEG werden an bestimmten Punkten über der Kopfhaut Elektroden angebracht. Mittels Verstärkersystem lassen sich dann die sogenannten Hirnströme grafisch darstellen und aufzeichnen (Elektroenzephalogramm, EEG). Eine EEG-Ableitung dauert in der Regel 30 Minuten. Sie ist schmerzlos, risikofrei und kann beliebig oft wiederholt werden.

Anwendungsbereiche der Elektroenzephalographie

Die EEG findet breite Anwendung in der neurologischen Diagnostik und wird insbesondere eingesetzt bei:

  • Diagnostik und medikamentöser Steuerung von Epilepsie: Das EEG ist ein wichtiges Instrument zur Erkennung epileptischer Anfälle und zur Anpassung der medikamentösen Therapie.
  • Abklärung nach Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall oder Hirnblutung: Hier kann das EEG Aufschluss über das Risiko epileptischer Anfälle und das Ausmaß von Hirnfunktionsstörungen geben.
  • Klärung unklarer Bewusstlosigkeit: Das EEG kann helfen, die Ursache einer Bewusstlosigkeit zu ermitteln.
  • Hirntodbestimmung: Das EEG ist ein wichtiges Kriterium bei der Feststellung des Hirntods.
  • Überwachung der Narkose während Operationen.
  • Auskunft über die Hirnfunktion auf Intensivstationen oder in Schlaflaboren.
  • Verdacht auf Nervenerkrankungen oder Hirnschädigungen.

Provokationsverfahren zur Erhöhung der Aussagekraft

Um die Aussagekraft der EEG zu erhöhen, können zusätzlich zur normalen Ableitung sogenannte Provokationsverfahren eingesetzt werden. Dazu gehören:

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  • Hyperventilation (Mehratmung): Durch verstärktes Atmen kann die Hirnaktivität beeinflusst und bestimmte Auffälligkeiten sichtbar gemacht werden.
  • Photostimulation: Flackerndes Licht kann ebenfalls die Hirnaktivität anregen und diagnostische Hinweise liefern.
  • Kurzschlaf-EEG nach Schlafentzug: Diese Methode wird eingesetzt, um schlafbezogene Auffälligkeiten im EEG zu erkennen.

Wie wird ein EEG durchgeführt?

Für ein EEG werden normalerweise 21 Elektroden verwendet. Um das Anbringen zu erleichtern, sind sie meist samt Kabeln in einer Haube zum Aufsetzen auf den Kopf befestigt. Vor der Untersuchung werden die Elektroden mit Kontaktgel bestrichen. Eine Rasur ist nicht nötig. Die Haare sollten aber gewaschen sein und ohne Rückstände von Produkten wie Festiger, Gel oder Haarspray.

Gemessen wird in entspannter, möglichst ruhiger Haltung im Liegen oder Sitzen. Während der Untersuchung gibt eine medizinische Fachkraft Anweisungen, zum Beispiel die Augen zu öffnen oder heftig ein- und auszuatmen. Manchmal werden auch bestimmte Reize wie flackerndes Licht eingesetzt, um die Hirnaktivität anzuregen.

Interpretation des Elektroenzephalogramms

Anders als eine Herzkurve beim EKG zeigt ein Elektroenzephalogramm keine Zackenmuster, sondern mehrere Wellen. Der Verlauf der Wellen hängt vor allem davon ab, wie aktiv das Gehirn gerade ist - also ob man wach ist oder schläft, konzentriert oder müde. Bei jedem Menschen zeigt sich ein für ihn typisches normales EEG-Bild. Das bedeutet, dass „normale“ EEGs sehr unterschiedlich aussehen können. Bei Kindern ist die Spannbreite noch ausgeprägter, zudem verläuft das Wellenmuster bei ihnen viel langsamer und unregelmäßiger als bei Erwachsenen.

Wenn ein EEG zur Diagnose eingesetzt wird, wird darauf geachtet, wie häufig die Wellen auftreten (Frequenz) und wie hoch sie sind (Amplitude). Abweichungen von typischen Wellenmustern können auf eine Erkrankung oder Störung hinweisen. Zum Beispiel fallen epileptische Krampfanfälle durch besonders hohe und steile Wellen (sogenannte Spikewellen) auf.

Weitere neurologische Untersuchungsmethoden

Neben der EEG gibt es eine Reihe weiterer technischer bzw. apparativer Untersuchungen in der Neurologie, die zur Diagnose und Beurteilung von neurologischen Erkrankungen eingesetzt werden. Zu den häufigsten gehören:

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  • Angiografie: Darstellung der Blutgefäße im Gehirn mittels Röntgenverfahren (intraarterielle Angiografie) oder Magnetresonanz-Angiografie (MRA). Die CT-Angiografie ist eine weitere Möglichkeit, bei der ein Kontrastmittel gespritzt wird. Diese Methoden werden bei Verdacht auf Gefäßverschlüsse, krankhafte Veränderungen der Arterien oder Gefäßmissbildungen eingesetzt.
  • Computertomografie (CT): Ein Verfahren der Röntgendiagnostik, das eine direkte Darstellung von Knochen aber auch von Weichteilstrukturen ermöglicht. Bei der CT des Gehirns lassen sich geringe Veränderungen des Hirngewebes z.B. infolge von Durchblutungsstörungen, Blutungen oder Tumoren erkennen.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Ein computergestütztes bildgebendes Verfahren, das auf dem Prinzip der Kernspinresonanz beruht. Die MRT ermöglicht eine sehr gute Weichteildarstellung und wird häufig für Untersuchungen des Gehirns eingesetzt.
  • Doppler-Sonografie: Eine Ultraschalluntersuchung zur Messung der Durchblutung der Halsschlagadern und der Arterien des Kopfes. Sie dient der Diagnose von Gefäßerkrankungen.
  • Elektromyographie (EMG): Mit sehr feinen Elektroden werden einzelne Muskeln punktiert, um deren elektrische Aktivität zu messen und Erkrankungen der Muskeln und der Nerven zu erkennen.
  • Elektroneurographie (NLG): Mit Stromreizen, die über eine Elektrode an der Haut verabreicht werden, wird die Nervenleitung gemessen um Erkrankungen der Nerven zu erkennen.
  • Evozierte Potentiale (VEP, AEP, SEP): Hier werden bioelektrische Aktivitäten des Gehirns registriert, die als Reaktion auf bestimmte Reize (visuell, akustisch, sensibel) von außen entstehen.
    • Visuell evozierte Potentiale (VEP): Die am Sehen beteiligten Strukturen des Nervensystems werden untersucht, wobei eine Elektrode am Hinterkopf die Veränderung der Hirnströme misst, während der Untersuchte auf einen Bildschirm mit bestimmten Mustern blickt.
    • Akustisch evozierte Potentiale (AEP): Die am Hören beteiligten Strukturen des Nervensystems werden untersucht, wobei eine Elektrode am Hinterkopf die Veränderung der Hirnströme durch Klickgeräusche misst, die der Untersuchte über einen Kopfhörer hört. Hierdurch können Aussagen unter anderem über die Funktion des Hirnstamms gemacht werden, der zum Beispiel bei der Entstehung von Schwindel eine Rolle spielt.
    • Sensibel evozierte Potentiale (SEP): Bestimmte Nervenbahnen des peripheren und zentralen Nervensystems werden untersucht, wobei eine Elektrode am Kopf die Veränderung der Hirnströme misst, während der Untersuchte Stromreize an der Hand oder am Fuß, manchmal auch am Gesicht, über eine Elektrode bekommt.
  • Neuropsychologische Screeningverfahren: Diese dienen mit standardisierten Fragebögen zur Erkennung von z.B.
  • Laboruntersuchungen: In ein Labor werden Blutproben der Patienten gesendet.

Neurologische Untersuchung: Ein umfassender Ansatz

Die Diagnose neurologischer Erkrankungen ist anspruchsvoll, weil das Nervensystem an nahezu allen Vorgängen im Körper beteiligt ist. Der Neurologe oder die Neurologin stellt gezielte Fragen zu typischen Merkmalen des vermuteten neurologischen Krankheitsbilds. Die Anamnese ist die Grundlage für weitere Untersuchungen.

Allgemeine körperliche Untersuchung

Hat die neurologische Erkrankung äußere Anzeichen? Der Arzt oder die Ärztin überprüft den Gang und die Körperhaltung oder Veränderungen der Haut.

Untersuchung der Hirnnerven

Probleme mit den Hirnnerven können die Sinneswahrnehmung beeinträchtigen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken) oder zu anderen Schwierigkeiten, etwa bei der Bewegung von Augen- oder den Gesichtsmuskeln führen. Jeder einzelne der insgesamt zwölf Hirnnerven hat eine bestimmte Aufgabe. Einzelne Funktionstests geben Hinweise, welcher Nerv betroffen ist.

Überprüfung der Reflexe

Reflexe sind wichtig für die Diagnose von neurologischen Erkrankungen. Reflexe sind unwillkürliche Reaktionen des Nervensystems auf den plötzlichen äußeren Reiz und geben Hinweise, ob eine Störung im zentralen oder peripheren Nervensystem vorliegt. Hier kommt auch der bekannte Reflexhammer zum Einsatz, mit dem auf verschiedene Gelenksehnen geklopft wird, wodurch sich der entsprechende Muskel reflexhaft zusammenzieht und sich das entsprechende Körperteil bewegt.

Untersuchung der Beweglichkeit

Der Neurologe oder die Neurologin überprüft den Bewegungsapparat und die Muskulatur, um zum Beispiel eine Muskelschwäche und das Muster einer Muskelschwäche zu erkennen. Die Versuche schließen die Feinbeweglichkeit mit ein. Dazu gehören zum Beispiel spezielle Bewegungen der Gliedmaßen, Krafttests oder bestimmte Arm-Bein-Halteversuche. Zur Testung der Feinmotorik sollen Patienten und Patientinnen etwa Knöpfe öffnen und schließen oder Schreibproben abgeben.

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Untersuchung der Bewegungskoordination

Kann das Nervensystem das Zusammenspiel einzelner Muskeln und Bewegungsabläufe ausreichend koordinieren? Um das festzustellen, führen Patienten und Patientinnen etwa den Finger bei offenen und geschlossenen Augen zur Nase.

Überprüfung der Sensibilität

Dabei stehen die Berührungswahrnehmung und das Schmerz- und Temperaturempfinden im Fokus. Untersuchungsmethoden sind das Berühren der Haut mit den Fingern oder Watte, mit kalten oder warmen Gegenständen, das Piksen mit einer Nadel oder das Spüren von Vibration mit Hilfe einer Stimmgabel.

Untersuchung des vegetativen Nervensystems

Hier rücken unwillkürliche Körpervorgänge wie Gefäßsystem, Kreislauf, Atmung, Schwitzen, Wasserlassen und Verdauung ins Blickfeld.

Untersuchung der kognitiven Fähigkeiten und psychischer Probleme

Die Leistungsfähigkeit des Gehirns lässt sich anhand von standardisierten Tests überprüfen. Auch für Gedächtnisprobleme gibt es spezielle Fragen und Tests. Konzentrationsprobleme oder eine Energiemangel oder Antriebsschwäche können auch auf psychische Probleme hindeuten, weshalb der Neurologe oder die Neurologin auf mögliche Anzeichen besonders achtet.

Die Rolle der Telemedizin in der Neurologie

TeleClinic ist eine Service-Plattform für Patienten und Ärzte, die unter anderem einen Zugang zu ärztlichen Videosprechstunden über ein externes zertifiziertes Videomodul bereitstellt. TeleClinic selbst ist kein Gesundheitsdienstleister, insbesondere kein Arzt, kein MVZ und keine Apotheke. TeleClinic gewährleistet einen gleichberechtigten Zugang zur Plattform und Anfragen für Videosprechstunden können flexibel gestellt werden. Die Ärzte können frei entscheiden, wann sie die Plattform nutzen und Termine vergeben, hiernach richtet sich die Terminverfügbarkeit.

Ärzte können nach durchgeführter telemedizinischer Behandlung gemäß den jeweils geltenden gesetzlichen Anforderungen und rechtlichen Rahmenbedingungen über TeleClinic elektronische Rezepte (u.a. Kassenrezept, Privatrezept, Empfehlungsrezept) ausstellen. Patienten können verordnete Rezepte in der Apotheke Ihrer Wahl einlösen. Elektronische Privatrezepte müssen vom Patienten in voller Höhe selbst bezahlt werden. Privatversicherte können diese zur Kostenerstattung einreichen.

Nach der Berufsordnung für Ärzte beraten Ärzte in Deutschland im persönlichen Kontakt. Sie können dabei Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen. Über das externe zertifizierte Videomodul ist eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien nur im Einzelfall möglich, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird. TeleClinic unterstützt über seine Plattform sowohl den Kontakt von Patienten mit ihren bestehenden behandelnden Ärzten vor Ort wie, soweit im Einzelfall vertretbar, auch mit behandelnden Ärzten im Rahmen der Telemedizin.

Neurologie und Psychiatrie: Konservative Fächer

Neurologie und Psychiatrie sind keine operativen sondern sogenannte konservative Fächer. Die Therapien bestehen in erster Linie aus dem Einsatz von Medikamenten und Rehabilitation in jeder Form. Ein großer Schwerpunkt in der Neurologie und Psychiatrie ist die diagnostische Abklärung körperlich-neurologischer und auch psychischer Beschwerden.

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