Die Rolle von Dopaminrezeptoren bei Belohnung, Sucht und Gesundheit

Das Gefühl, sich mit Dingen zu belohnen, die Freude bereiten, ist ein grundlegender Aspekt des menschlichen Verhaltens. Dieser Mechanismus, der durch das Belohnungssystem des Gehirns gesteuert wird, kann jedoch außer Kontrolle geraten und zu Abhängigkeit führen. In der heutigen schnelllebigen Welt, in der Unterhaltung und Ablenkung allgegenwärtig sind, ist es wichtig, die Rolle von Dopaminrezeptoren und ihre Auswirkungen auf unser Wohlbefinden zu verstehen.

Das Belohnungssystem und Dopamin

Evolutionär betrachtet ist das Belohnungssystem ein überlebenswichtiger Mechanismus. Wenn wir etwas tun, das unser Überleben und das unserer Spezies sichert, fühlen wir uns gut, und wir wiederholen dieses Verhalten gerne. In der frühen Menschheitsgeschichte bezog sich dies vor allem auf kalorienreiche Nahrung, soziale Nähe, Sex und spielerisches Lernen.

In der heutigen Zeit hat dieses System jedoch vielfältige, zum Teil intensivere Formen angenommen:

  • Nahrung: Nicht mehr nur natürliche Nahrung, sondern speziell für Höchstgenuss designte Zuckerbomben.
  • Soziale Interaktion: Nicht mehr nur persönliche Kontakte, sondern soziale Bestätigung über Social Media.
  • Sexualität: Nicht mehr nur Sex, sondern auch Pornographie.
  • Lernen: Nicht mehr nur spielerisches Lernen, sondern Glücksspiel und Gaming.

All diese Aktivitäten, die uns als Belohnung ein angenehmes Gefühl verheißen, werden von dem Botenstoff Dopamin gesteuert. Dopamin hat einen motivations- und antriebssteigernden Effekt und bringt uns dazu, uns den „Glücklichmachern“ zuzuwenden. Im Gegensatz zu anderen Glückshormonen wie Serotonin, die eher im Moment wirken, sorgt Dopamin langfristig dafür, dass wir immer wieder eine „Dosis“ unserer Belohnung haben wollen.

Dopamin wird hauptsächlich von dopaminergen Nervenzellen in der Substantia nigra pars compacta und im ventralen Tegmentum ausgeschüttet. Diese Nervenzellen projizieren über ihre Axone in verschiedene Regionen des Gehirns, wie das Striatum und den präfrontalen Kortex (PFC), und beeinflussen dort verschiedene Funktionen wie Bewegung, Erlernen von Gewohnheiten, Belohnung und Motivation. Auch noradrenerge Nervenzellen können Dopamin ausschütten, insbesondere im PFC.

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Wenn das Belohnungssystem außer Kontrolle gerät

Problematisch wird es, wenn dieses Belohnungssystem außer Kontrolle gerät und als angenehm erlebtes Verhalten suchtartige Züge annimmt. Starkes Verlangen, das gewünschte Verhalten auszuüben, fortschreitender Kontrollverlust über Dauer und Häufigkeit des Verhaltens, Unfähigkeit zu verzichten, Toleranzbildung (man benötigt immer höhere Dosen für einen ähnlichen „Kick“) und Entzugserscheinungen (z. B. Nervosität oder Aggression) sind Anzeichen dafür, dass ein Verhalten problematisch geworden ist. Schließlich findet ein Rückzug aus dem Sozialleben statt, weil das eigene Interesse (fast) nur noch dem süchtig machenden Verhalten gilt.

Es ist wichtig zu beachten, dass ernsthafte Suchterkrankungen, bei denen mehrere der genannten Symptome in starkem Maße zutreffen, immer in Begleitung eines erfahrenen Psychologen bzw. Arztes behandelt werden sollten.

Dopaminfasten als möglicher Ansatz

Der kalifornische Verhaltenspsychologe Cameron Sepah hat das Konzept des Dopaminfastens 2019 auf Basis wissenschaftlich-empirischer Untersuchungen geprägt und bekannt gemacht. Die Grundidee besagt, dass wir impulsives, dopaminvermitteltes Verhalten wie exzessive Smartphone-Nutzung oder Gaming in den Griff bekommen, wenn wir bewusst in bestimmten Zeiten darauf verzichten: stunden-, tage- oder auch wochenweise.

Durch die exzessive Nutzung sind wir permanent extrem hohe Dosen von Dopamin gewohnt, es entsteht ein gewisser Abnutzungseffekt und wir empfinden nur noch wenig Freude bei gleichzeitig Überhand nehmendem Konsum. Mit Phasen des Dopaminfastens ahmen wir in gewisser Weise „Dürrezeiten“ nach, die der frühe Mensch ganz automatisch erlebte. In jeder Religion gibt es zudem Verzichtübungen, Fastenarten und zur Mäßigkeit aufrufende Gebote. Auch bei der Kindererziehung haben wir den instinktiven Impuls, unseren Kindern nicht einfach unbegrenzt alles zu erlauben, was Spaß macht. Es deutet also menschheitsgeschichtlich alles darauf hin, dass uns Phasen des Verzichts zwischendurch guttun, wir als Menschen dafür ausgelegt sind und uns bewusst dazu entscheiden.

Die Vorteile des Dopaminfastens können vielfältig sein:

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  • Steigerung der Motivation fürs Arbeitsleben: Motivation hat auch etwas mit der Aussicht auf Belohnung zu tun.
  • Verbesserung sozialer Beziehungen: Indem wir uns wieder mehr an dem erfreuen, was wir auch im „Normalzustand“ bereits haben, empfinden wir verstärkt Dankbarkeit.
  • Wachstum des Selbstwirksamkeitsgefühls: Wenn wir den „Trieb“ durch unseren Verstandeswillen „besiegen“, holen wir uns dadurch Kontrolle über unser Verhalten zurück und spüren unsere eigene Kraft.
  • Mehr Zeit für Produktivität: Indem wir (eher konsumorientiertes) Verhalten reduzieren, dem wir uns bisher übermäßig hingegeben haben, ist plötzlich wieder mehr Zeit übrig - die wir produktiv und kreativ nutzen können und in der wir wirklich etwas (er)schaffen. Das zu tun, steigert unser Selbstwertgefühl.

Wie man Dopaminfasten praktiziert

  1. Erkennen problematischer Verhaltensweisen: Beobachten Sie sich im Alltag: Wie oft öffnen Sie Instagram? Wie häufig gehen Sie zu spät ins Bett, weil Sie noch im Internet surfen? Wie viele Tafeln Schokolade essen Sie in der Woche - oder gar am Tag? Dass Sie ein bestimmtes Thema angehen sollten, erkennen Sie auch daran, dass Sie sich trotz viel Zeit damit bzw. großer Menge davon nicht wirklich erfüllt fühlen.
  2. Identifizieren Sie Ihre eigentlichen Sehnsüchte: Fühlen Sie in sich hinein, wonach Sie sich EIGENTLICH sehnen, was Ihnen Ihr Verhalten jedoch gar nicht im erhofften Maße gibt. Lieben Sie es, wenn in Social Media Daumen und Herzen aufploppen? Dann wünschen Sie sich soziale Bestätigung und Liebe. Glüht bei Ihnen der Controller der Spielekonsole? Dann fehlen Ihnen vielleicht Abenteuer und Aufregung im „real life“.
  3. Ersetzen Sie negative Gewohnheiten durch positive: Überlegen Sie, wie Sie Ihre Ziele mit positiveren und wirklich erfüllenden Gewohnheiten erreichen könnten.
  4. Setzen Sie sich Regeln: Hierzu können Sie sich Regeln aufstellen (und am besten schriftlich festhalten), wie „Ab 20 Uhr beginnt meine screenfreie Zeit“, „Ich trinke nur noch eine Tasse Kaffee am Tag“ oder „Jeden Monat kaufe ich nur ein Kleidungsstück“.
  5. Nutzen Sie das "Gewohnheitstausch"-Prinzip: Verknüpfen Sie die alte, zu reduzierende Gewohnheit mit einer neuen, der Sie in Ihrem Leben mehr Raum verschaffen wollen: Zum Beispiel gönnen Sie sich weiterhin Ihre Lieblingsserie auf Netflix, aber nur, wenn Sie dabei auf dem Laufband im Gym trainieren. Oder Sie essen ein Stück Sahnetorte - immer wenn Sie 30 Seiten in einem Sachbuch lesen und sich weiterbilden.
  6. Betonen Sie die Fülle: Eine Einstellung, welche die Fülle („abundance“) betont - also das, was wir bereits haben und wofür wir dankbar sein können - ist eine wesentlich positivere Grundlage zum Regulieren der eigenen Gewohnheiten als ein Mindset des Mangels („scarcity“). Sagen Sie sich stattdessen: „Ich erlebe interessante Dinge und lasse mich von der Natur inspirieren“, „Ich fühle mich schön, nehme ein Bad und betreibe Self-Care.“ oder „Ich ändere Dinge in meinem Leben zum Besseren und beginne mit dem Aufräumen meiner Küche.“.

Missverständnisse und wichtige Hinweise

Viele Medien haben das Konzept des Dopaminfastens verzerrt und übertrieben dargestellt: Man solle nicht nur auf Smartphone, Internet und Gaming verzichten, sondern auch auf Kontakt zu anderen Menschen, Lesen und andere schöne Erlebnisse. Das war nicht die Intention des Konzepterfinders Cameron Sepah: Dopamin ist per se etwas Gutes bzw. Neutrales - lediglich die extreme Dopaminausschüttung durch eine gewisse Tätigkeit soll reguliert werden. Zu geringe Dosen von Dopamin können langfristig auch in eine depressive Verstimmung führen.

Achten Sie deshalb darauf, sich beim Dopaminfasten nicht von allem abzuschneiden, was Ihnen Freude bereitet. Reduzieren Sie nur das Verhalten, was bei Ihnen aus dem Ruder gelaufen ist, und behalten Sie sich Genuss in anderen Bereichen bei.

Dopaminmangel und seine Auswirkungen

Nicht nur ein Dopaminüberschuss kann zu Problemen führen, auch ein Dopaminmangel kann vielfältige Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit haben. Ein Dopaminmangel liegt vor, wenn die Dopamin-Konzentration im Körper oder Gehirn unter dem normalen Bereich liegt.

Allgemeine Symptome, die bei Dopaminmangel auftreten können, sind zum Beispiel:

  • Müdigkeit
  • Nervosität, Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Interessen-, Motivationsmangel

Gravierende Auswirkungen zeigen sich bei der Parkinson-Krankheit, der bekanntesten Erkrankung im Zusammenhang mit Dopaminmangel. Aus noch ungeklärter Ursache sterben hier fortschreitend Dopamin-produzierende Nervenzellen im Gehirn ab. Der resultierende Dopaminmangel ruft typische Parkinson-Symptome hervor wie:

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  • Unwillkürliches Zittern (Tremor), etwa der Hände
  • Muskelsteife (Rigor)
  • Verlangsamte Bewegungen (Bradykinesie) bis hin zu Bewegungslosigkeit (Akinesie)
  • Gangstörungen
  • Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen

Auch beim primären Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist Dopaminmangel - neben anderen Faktoren - offenbar ein beteiligter Faktor. Bei Schizophrenie ist ebenfalls ein gestörter Dopaminstoffwechsel eine mögliche Hypothese zur Krankheitsentstehung. Es gibt Hinweise, dass bei schizophrenen Psychosen in manchen Hirnregionen ein Überschuss an Dopamin besteht, während es in einer anderen Hirnregion an dem Botenstoff mangelt.

Zu wenig Dopamin an bestimmten Stellen im Gehirn scheint zudem bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eine der beteiligten Ursachen zu sein. Die Betroffenen leiden beispielsweise unter Konzentrationsproblemen, Hyperaktivität und Impulsivität.

Auch einigen anderen psychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen (mit Symptomen wie Antriebs- und Freudlosigkeit) könnten Störungen in sogenannten dopaminergen Systemen zugrunde liegen, vermuten Experten.

Menschen, die von Drogen wie Kokain oder Amphetamine abhängig sind, entwickeln einen Dopaminmangel, wenn sie den Konsum einstellen. Dies verursacht Entzugssymptome wie Depression, Antriebslosigkeit und erhöhtes Verlangen nach der Droge.

Behandlung von Dopaminmangel

Die Behandlung eines Dopaminmangels richtet sich nach der Ursache und den individuellen Symptomen. Einige Beispiele:

  • Parkinson-Krankheit: Medikamentöse Behandlungen zielen darauf ab, den bestehenden Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Betroffene erhalten dafür oft Levodopa - eine Dopaminvorstufe, welche die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Ebenfalls eingesetzt werden Dopaminagonisten (ahmen die Dopamin-Wirkung nach) sowie MAO-B- und COMT-Inhibitoren (hemmen den Dopamin-Abbau). In fortgeschrittenen Fällen kommt eine tiefe Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“) in Betracht.
  • Restless-Legs-Syndrom: Wenn eine Behandlung mit Eisenpräparaten nicht hilft oder nicht sinnvoll oder möglich ist, erhalten die Betroffenen Dopaminagonisten - also Medikamente, welche die Dopamin-Wirkung im Gehirn imitieren. Vorübergehend, aber nicht dauerhaft kann auch die Dopamin-Vorstufe Levodopa gegeben werden.
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): Bei ADHS verschreiben Ärzte oft Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetamin, um die Konzentration der Nervenbotenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn zu erhöhen.

Was Sie selbst tun können

Bei einem leichten Dopaminmangel hilft möglicherweise auch eine Lebensstil-Anpassung:

  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit eiweißreichen Lebensmitteln (z.B. Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch) versorgt den Körper mit wichtigen Aminosäuren, die zur Dopaminproduktion benötigt werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel: In ärztlicher Absprache kann zum Ausgleich eines Dopaminmangels die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein, etwa mit L-Tyrosin (Ausgangsstoff von Dopamin) oder Vitamin D (beeinflusst die Dopaminbildung).
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Freisetzung von Dopamin und verbessert die Rezeptorfunktion. Mindestens 30 Minuten moderate Bewegung pro Tag sind empfehlenswert.
  • Stressreduktion: Stressreduktion kann ebenfalls helfen, einem Dopaminmangel entgegenzuwirken. Techniken wie Meditation, Yoga, Achtsamkeits- und Atemübungen können den Stresspegel senken und die Dopaminproduktion positiv beeinflussen.
  • Ausreichend Schlaf: Ausreichend Schlaf unterstützt die Regulierung der Dopaminspiegel und fördert das allgemeine Wohlbefinden. Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene und sieben bis acht Stunden guten Schlafes pro Nacht.
  • Soziale Interaktionen: Positive soziale Interaktionen fördern die Freisetzung von Dopamin und verbessern die Stimmung. Treffen sie sich beispielsweise regelmäßig mit guten Freunden.
  • Hobbys und Interessen: Pflegen Sie Ihre Hobbys und Interessen wie Malen, Musik hören oder Aufenthalte in der Natur. Das kann ebenfalls die Dopaminausschüttung unterstützen.
  • Verzicht auf Drogen und Alkohol: Verzichten Sie auf illegale Drogen und Alkohol, um die (Dopamin-produzierenden) Hirnzellen zu schützen und den Botenstoff-Haushalt im Gehirn in der Balance zu halten.

Ursachen für Dopaminmangel

Mit zunehmendem Alter nehmen die Dopaminproduktion und die Funktion der Dopamin-Rezeptoren natürlicherweise allmählich ab. Daneben können ungünstige Lebensstilfaktoren einen Dopaminmangel begünstigen:

  • Eine extrem eiweißarme Ernährung oder ein Mangel an essentiellen Eiweißbausteinen (Aminosäuren) - besonders Tyrosin und Phenylalanin - beeinträchtigt die Dopaminsynthese.
  • Ein sitzender Lebensstil, Bewegungsmangel und schlechte Schlafqualität wirken sich ebenfalls negativ auf den Dopaminspiegel aus.
  • Der chronische Konsum von Alkohol oder Freizeitdrogen schädigt Dopamin-produzierende Nervenzellen und kann so langfristig einen Dopaminmangel auslösen.
  • Die Exposition gegenüber Umweltgiften oder Stress kann die Bildung des Botenstoffes beeinträchtigen oder die Funktion seiner Rezeptoren stören und so zu einem Mangel beitragen.
  • Darüber hinaus können verschiedene genetische Faktoren die Dopamin-Synthese, den Dopamin-Stoffwechsel oder die Funktion der Dopamin-Andockstellen (Rezeptoren) auf den Nervenzellen so beeinflussen, dass die verfügbare Menge an Dopamin beziehungsweise die vorhandene Dopaminwirkung nicht ausreichend ist.

Die Rolle von Dopamin bei Adipositas und Diabetes

Signale aus dem Gehirn spielen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Adipositas und Diabetes. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff hierbei. Wissenschaftler haben untersucht, wie Veränderungen im Adipositas-Risiko-Gen FTO und Varianten des Gens für den Dopamin-Rezeptor D2 zusammenwirken. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen, bei denen beide Gene verändert sind, ein höheres Risiko haben, an Adipositas und Diabetes zu erkranken.

Studien zeigen, dass verändertes FTO einen Einfluss auf die Dopamin-Signalgebung im Gehirn hat und so zu einer stärkeren Nahrungsaufnahme führt. Wenn die Information, dass man schon gegessen hat, nicht korrekt weitergeleitet wird, steigt das Verlangen nach Essen. Gründe hierfür können unter anderen eine nicht genügende Anzahl von Dopamin-D2-Rezeptoren sein, an die der Botenstoff bindet.

Menschen mit verändertem FTO und weniger Dopamin-D2-Rezeptoren haben einen höheren Körperfett-Anteil, größeren Bauchumfang sowie eine geringe Empfindlichkeit gegen Insulin im Körper. Zudem konnte auch in einer für den Dopamin-Stoffwechsel wichtigen Region des Gehirns, dem Nukleus caudatus, eine veränderte Insulin-Empfindlichkeit festgestellt werden.

Dopamin und Sucht

Dopamin spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Suchtverhalten. Dopamin hat die Aufgabe, auf mögliche Belohnungen hinzuweisen, also eine belohnungsankündigende Wirkung. Wenn wir etwas Positives erleben, wird Dopamin ausgeschüttet und markiert diese Situation als wichtig. Situationen, die mit Belohnungen einhergehen, werden gewissermaßen durch das Dopamin „gelikt“ und dann im Suchtgedächtnis abgespeichert als etwas, das mit Belohnung verbunden ist.

Soziale Medien nutzen diese Lernmechanismen unseres Gehirns. Sie bekommen beispielsweise in sozialen Netzwerken nette Kommentare, dann assoziieren wir das mit dem Handy. Die Belohnungserwartung setzt dann in dem Moment ein, in dem wir aufs Handy gucken oder wenn das Handy vibriert. Das Handy im Raum wird dann immer wichtiger und die anderen Sachen, die im Raum sind, nimmt man weniger wahr - weil sie nicht so relevant sind wie das, was mit dem Dopamin markiert wurde, in diesem Fall das Handy.

Gerade die Gehirne von Jugendlichen reagieren besonders empfindlich auf die Ausschüttung von Dopamin. Das Gehirn von Jugendlichen ist besonders sensibel für neue Prägungen, sich also auf neue Belohnungsreize auszurichten. In der Jugend werden neue Präferenzen gesetzt und da spielt das Dopamin eine große Rolle. In heutigen Zeiten beinhaltet das die Gefahr sich stark auf das Handy und soziale Netzwerke auszurichten und das wird man dann auch schwer wieder los.

Dopamin als Medikament

Dopamin ist ein biogenes Amin aus der Gruppe der Katecholamine, das aus Tyrosin synthetisiert wird. Die Substanz ist ein wichtiger Neurotransmitter und die unmittelbare Vorstufe von Adrenalin und Noradrenalin. Dopaminerge Neurone kommen vor allem im Gehirn, aber auch in der Körperperipherie beispielsweise an den Nieren und am Herzen vor.

Dopamin wird zur Therapie lebensbedrohlicher Schockzustände sowie bei drohenden Schockzuständen angewendet, dazu zählen beispielsweise:

  • Herzversagen, auch infarktbedingt (kardiogener Schock)
  • Postoperative Schockzustände
  • Schwere Infektionen (infektiös-toxischer Schock)
  • Überempfindlichkeitsreaktionen (anaphylaktischer Schock)
  • Starker Blutdruckabfall (schwere Hypotensionen)
  • Beginnendes beziehungsweise manifestes akutes Nierenversagen

Dopamin wirkt im Gegensatz zu anderen Katecholaminen bereits in niedrigen Konzentrationen von 1-2 µg/kg KG/min vasodilatorisch auf die Mesenterial- und Nierengefäße, sodass deren Durchblutung gefördert wird und auch die Diurese steigt. In etwas höheren Konzentrationen ab 2-10 µg/kg KG/min stimuliert Dopamin β-Rezeptoren am Herzen und führt so zur Steigerung des Herzminutenvolumens. Ab mehr als 10 µg/kg KG/min werden zudem α-Adrenorezeptoren stimuliert und es kommt zur peripheren Vasokonstriktion.

Im zentralen Nervensystem spielt Dopamin eine Rolle bei der Steuerung der (extrapyramidalen) Motorik und der Aktivierung des Belohnungssystems. Weiterhin nimmt die Substanz Einfluss auf das Denken, Verhalten und Empfinden, ist beteiligt an der Hormonsekretion der Hypophyse durch Hemmung der Prolaktin-Sekretion sowie an der Initiierung des Brechreizes.

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