Elektrische Zigaretten (E-Zigaretten) erfreuen sich wachsender Beliebtheit als Alternative zu herkömmlichen Tabakzigaretten. Sie funktionieren, indem sie ein Liquid erhitzen und verdampfen, das dann inhaliert wird. Die Zusammensetzung dieser Liquids ist ein wichtiger Aspekt, der die potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen des Dampfens beeinflusst. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Inhaltsstoffe von E-Zigaretten-Liquids, ihre Funktionen und die damit verbundenen Risiken.
Funktionsweise von E-Zigaretten und Tabakerhitzern
E-Zigaretten bestehen aus einem kleinen Tank mit Liquid und einer Heizspirale. Die Heizspirale wird durch eine Batterie oder einen Akku erhitzt und sorgt dafür, dass die Flüssigkeit verdampft und inhaliert werden kann. Es gibt E-Zigaretten mit gefüllten Flüssigkeitstanks, die nach Gebrauch ausgetauscht werden, und Modelle mit fest eingebauten Tanks zum selbst Befüllen. Einige E-Zigaretten bieten sogar Software zur Einstellung der elektrischen Spannung der Heizspirale und zur Auswertung von Nutzungsdaten.
Tabakerhitzer funktionieren anders. Sie bestehen aus einer Hülle mit einem Akku, in die ein Tabakstift (Stick) eingeführt wird. Der Tabak wird mithilfe des Akkus auf 250 bis 350 Grad erhitzt und bildet dann ein Aerosol, das eingeatmet wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Zigaretten wird der Tabak in Erhitzern nicht verbrannt, wodurch kein Tabakrauch, keine Asche und kein Zigarettengeruch entstehen.
Gesetzliche Regelungen und Inhaltsstoffe von E-Liquids
Die EU-Tabakproduktrichtlinie regelt, welche Inhaltsstoffe die Liquids enthalten dürfen. Üblicherweise enthalten E-Liquids destilliertes Wasser, die Zusatzstoffe Propylenglykol und/oder Glycerin, verschiedene Aromastoffe und meist Nikotin. Es gibt aber auch Liquids ohne Nikotin. In Deutschland darf eine Füllung höchstens 10 Milliliter Liquid mit bis zu 20 mg Nikotin enthalten. Zum Vergleich: 20 mg Nikotin entsprechen etwa dem Nikotingehalt einer herkömmlichen Schachtel Zigaretten.
Hauptbestandteile von E-Liquids
- Propylenglykol (PG): Ein klarer, farbloser und nahezu geruchloser Stoff, der als Lebensmittelzusatzstoff E1520 zugelassen ist. PG dient als Trägerstoff für Aromen und Nikotin und ist für die Dampfentwicklung verantwortlich. Einige Menschen reagieren allergisch auf PG, was sich in Unwohlsein und Übelkeit äußern kann.
- Glycerin (VG): Auch pflanzliches Glycerin genannt, ist ein Zuckeralkohol, der als Lebensmittelzusatzstoff E422 zugelassen ist. VG ist ebenfalls eine klare, farb- und geruchlose Flüssigkeit, die jedoch dickflüssiger als PG ist. Es sorgt für eine dichtere Dampfentwicklung und verleiht dem Dampf mehr Standfestigkeit. VG kann Aromen verfälschen oder überdecken, da es leicht süßlich schmeckt.
- Wasser: Bi-destilliertes Wasser wird zur Regulierung der Viskosität (Zähflüssigkeit) des E-Liquids verwendet. Es macht ungefähr einen Anteil von fünf bis zehn Prozent in einem Liquid aus.
- Aromen: Für den Geschmack der E-Liquids werden größtenteils dieselben Aromen wie in der Lebensmittelindustrie verwendet. Es gibt eine große Vielfalt an Geschmacksrichtungen, von Tabak über Minze bis hin zu Schokolade und Früchten. Die Aromen können natürliche, naturidentische oder künstliche Aromastoffe sein. Einige Aromastoffe können jedoch die Schleimhäute und Atemwege reizen.
- Nikotin: Ein Nervengift und psychoaktiver Wirkstoff, der stark abhängig macht. Der Nikotingehalt in E-Liquids kann variieren und wird in mg/ml gemessen. Es gibt Nikotin-Liquids mit unterschiedlichen Stärken, von sehr niedrig (3mg/ml) bis hoch (18mg/ml). Beim Selbstmischen von Liquids kann der Nikotingehalt frei variiert werden.
Weitere Inhaltsstoffe, die in manchen Liquids vorkommen können, sind Glycerintriacetat (E1518) und Benzylalkohol.
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Risiken und gesundheitliche Auswirkungen
Durch das Erhitzen des Liquids in E-Zigaretten entstehen teils ähnliche gesundheitsschädliche Substanzen wie beim Rauchen einer Zigarette. Dazu gehören freie Radikale und das als krebsfördernd geltende Formaldehyd. Aus den Metallteilen und dem Heizdraht der E-Zigarette können auch Metalle wie Chrom und Nickel in den Dampf gelangen und inhaliert werden.
Bekannt ist, dass das Inhalieren die Atemwege reizen und kurzzeitig die Lungenfunktion und Abwehrmechanismen der Atemwege beeinträchtigen kann. Wenn E-Zigaretten Nikotin enthalten, können sie ähnlich abhängig machen wie normale Zigaretten.
Vergleich mit Tabakzigaretten
Studien zeigen, dass bei der Nutzung von E-Zigaretten weniger Schadstoffe in den Körper gelangen als beim Rauchen von Tabak. E-Zigaretten kommen ohne Tabak aus, wodurch weniger Kohlenmonoxid eingeatmet wird. Kohlenmonoxid beeinträchtigt den Sauerstofftransport im Blut.
Jedoch setzen E-Zigaretten andere schädliche Substanzen frei, und Langzeituntersuchungen zu ihren gesundheitlichen Folgen gibt es bisher nicht. Daher ist noch ungeklärt, welche Gesundheitsrisiken der regelmäßige Griff zur E-Zigarette langfristig mit sich bringt.
Passivdampfen
Der Gebrauch von E-Zigaretten in Innenräumen führt zu einer hohen Belastung mit feinen und ultrafeinen Partikeln, ähnlich wie bei klassischen Zigaretten. Die verschiedenen Bestandteile des Dampfes können je nach Dauer der Exposition und Konzentration der Stoffe in der Luft gesundheitliche Folgen haben. Besonders Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem können schon auf geringe Konzentrationen reagieren.
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Der Umwelt und Mensch-Informationsdienst des BfR empfiehlt, dass für Unbeteiligte grundsätzlich die Möglichkeit bestehen sollte, das Einatmen von Aerosolen zu vermeiden.
Tipps für Dampfer
- E-Liquids beim Fachhändler kaufen: Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit reguliert die Bestandteile von E-Zigaretten und E-Liquids sowie Informations- und Verpackungsvorgaben.
- Liquids geschützt aufbewahren: Liquids sollten geschützt aufbewahrt werden, damit sie nicht in die Hände von Kindern gelangen.
- Auf die Inhaltsstoffe achten: Allergiker sollten vor der Bestellung das Sicherheitsdatenblatt oder die Verpackung des Liquids prüfen, um sicherzustellen, dass sie nicht auf einen deklarierungspflichtigen Inhaltsstoff allergisch sind.
- Nikotingehalt selbst wählen: Der Dampfer kann den Nikotingehalt seines Liquids selbst wählen und so auch sukzessive auf ein Minimum reduzieren.
- Einweg-E-Zigaretten vermeiden: Aufgrund der im Equipment und in Liquids enthaltenen Inhaltsstoffe konnten in Studien, je nach verwendeter E-Zigarette, krebserregende Aldehyde sowie verschiedene Carbonylverbindungen im Dampf nachgewiesen werden.
- E-Zigarette für einen Rauchstopp nutzen: Wer die E-Zigarette für einen Rauchstopp nutzt, sollte sie möglichst für einen begrenzten Zeitraum verwenden. Viele Menschen, die zur E-Zigarette greifen, rauchen aber weiter zusätzlich Tabakzigaretten.
Selbstmischen von Liquids
Wenn Sie Liquids selbst mischen, können Sie die Dampfkonsistenz, den Geschmack und den Nikotingehalt individuell selbst gestalten und zudem Geld sparen. Hierzu benötigen Sie die Hauptbestandteile (Base, Liquidaroma und bei Bedarf Nikotinshots) und das entsprechende Zubehör. Bei der Base ist auf das VG/PG-Mischverhältnis zu achten, das maßgeblich die Beschaffenheit des Liquids und des Dampfs festlegt.
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