Der Ellenbogen ist ein komplexes Gelenk, das täglich vielfältigen Belastungen ausgesetzt ist. Ob beim Schreiben, Heben oder Sport, das Gelenk wird auf unterschiedliche Weise beansprucht. Schmerzen im Ellenbogen, oft nach Verletzungen wie Radiusköpfchenfrakturen oder Ellenbogenluxationen, oder nach Operationen, erfordern eine adäquate Unterstützung des Gelenks. In solchen Fällen kann eine Ellenbogenorthese ärztlich verordnet werden.
Ein gesundes Ellenbogengelenk ermöglicht eine reibungslose Beugung, Streckung und Drehung. Bei Schmerzen und Verletzungen können Ellenbogenorthesen eine entlastende Haltung des Arms fördern und den Heilungsprozess unterstützen. Die durchdachte Konstruktion und Materialauswahl vieler Orthesen gewährleisten einen komfortablen Sitz. Eine immobilisierende Ellenbogenschiene kann zusätzlich für eine neutrale Ellenbogenposition sorgen.
Das Ulnarisrinnensyndrom (Kubitaltunnelsyndrom)
Das Ulnarisrinnensyndrom, auch Kubitaltunnelsyndrom genannt, ist eine Nervenkompression des Nervus ulnaris im Bereich des Ellenbogens. Der Nervus ulnaris verläuft am Ellenbogen durch eine knöcherne Rinne, den sogenannten Sulcus ulnaris oder Kubitaltunnel. Dieser Tunnel soll den Nerv vor Druckschädigung bei Bewegungen im Ellenbogengelenk schützen.
Ursachen und Risikofaktoren
- Überlastung und wiederholte belastende Bewegungen: Sportliche Aktivitäten oder berufliche Tätigkeiten, die den Arm stark beanspruchen, können zur Entstehung des Syndroms beitragen.
- Verletzungen und Traumata: Direkte Schläge oder Stürze auf den Ellenbogen können den Nervus ulnaris schädigen.
- Angeborene Enge des Kubitaltunnels: Bei manchen Menschen ist der Kubitaltunnel von Geburt an enger ausgebildet, was das Risiko einer Nervenkompression erhöht.
- Fehlbildungen an Knochenvorsprüngen: Auch Fehlbildungen können Druck auf den Nervus ulnaris ausüben.
Symptome
Die Nervenkompression bzw. Schädigung führt anfangs zu Gefühlsstörungen wie Taubheitsgefühl, Kribbeln (Ameisenlaufen) und Schmerzen im Versorgungsbereich des Nervus ulnaris. Diese Symptome sind hauptsächlich am Unterarm (kleinfingerseitig) und an den Fingern (vor allem rund um den kleinen Finger und Ringfinger) lokalisiert. Im späteren Verlauf kann es zu Kraftlosigkeit/Muskelschwäche an der Hand kommen. Betroffene können dadurch selbst einfache Bewegungen am Handgelenk und den Fingern nicht mehr, oder nur sehr schwer ausüben. Ein Symptom des Spätstadiums ist die sogenannte Krallenhand. Ein beidseitiges Vorkommen ist in etwa 20 % der Fälle zu beobachten.
- Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühl oder Kribbeln, vor allem am Unterarm und der Hand (kleiner Finger und Ringfinger).
- Schmerzen: Im Bereich des Ellenbogens, Unterarms und der Hand.
- Kraftlosigkeit und Muskelschwäche: Schwierigkeiten bei der Ausführung von Bewegungen mit Hand und Fingern.
- Krallenhand: Im Spätstadium kann es zu einer Fehlstellung der Hand kommen.
Diagnose
Neben der allgemeinen Anamnese (systematische Befragung zum Gesundheitszustand) kann der Arzt die Ulnarisrinne des Patienten tastend untersuchen. Dabei können evtl. Froment-Zeichen: Aufgrund der herabgesetzten Muskelaktivität bzw. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie z. B. MRT oder ein Ultraschall helfen, morphologische Veränderungen des Gewebes zu erkennen.
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- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und Beschreibung der Symptome.
- Körperliche Untersuchung: Tasten der Ulnarisrinne und neurologische Tests zur Überprüfung der Nervenfunktion.
- Bildgebende Verfahren: MRT oder Ultraschall zur Darstellung von Nerv und umliegendem Gewebe.
Ellenbogenorthesen als Therapieoption
Die konservative Therapie (ohne Operation) erfolgt oftmals durch eine Ruhigstellung des Ellenbogengelenks in ca. 30° Beugestellung durch eine gepolsterte Orthese, wie z. B. die BORT KubiFX Ellenbogen-Orthese oder die BORT KubiTal® Ellenbogen-Polster-Bandage. Gegebenenfalls wird das Handgelenk ebenfalls immobilisiert.
Ellenbogenorthesen spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung des Ulnarisrinnensyndroms. Sie können sowohl konservativ als auch postoperativ eingesetzt werden, um den Heilungsprozess zu unterstützen und die Symptome zu lindern.
Wirkungsweise von Ellenbogenorthesen
- Ruhigstellung des Ellenbogengelenks: Die Orthese fixiert den Ellenbogen in einer bestimmten Position, um den Nervus ulnaris zu entlasten und weitere Reizungen zu vermeiden.
- Neutralstellung des Ellenbogens: Viele Orthesen sind so konzipiert, dass sie den Ellenbogen in einer neutralen Position halten, in der der Ulnarnerv am wenigsten belastet wird.
- Druckentlastung: Durch die Fixierung des Ellenbogens wird der Druck auf den Nervus ulnaris reduziert, was zu einer Schmerzlinderung führen kann.
- Unterstützung des Heilungsprozesses: Nach einer Operation kann eine Ellenbogenorthese dazu beitragen, das Gelenk zu stabilisieren und den Heilungsprozess zu fördern.
Arten von Ellenbogenorthesen
Es gibt verschiedene Arten von Ellenbogenorthesen, die je nach Bedarf und Schweregrad des Ulnarisrinnensyndroms eingesetzt werden können.
- Immobilisierende Ellenbogenschiene: Diese Schiene fixiert den Ellenbogen vollständig in einer bestimmten Position. Sie wird häufig bei akuten Beschwerden oder nach Operationen eingesetzt.
- Ellenbogenorthese mit Bewegungseinschränkung: Diese Orthese ermöglicht eine begrenzte Bewegung des Ellenbogens, um die Muskeln zu aktivieren und die Gelenkfunktion zu erhalten. Sie wird häufig in der Rehabilitation eingesetzt.
- Ellenbogenbandage: Eine Bandage übt Druck auf das Ellenbogengelenk aus und kann so Schmerzen lindern und die Stabilität verbessern. Sie ist jedoch weniger stabilisierend als eine Orthese.
Auswahl der richtigen Ellenbogenorthese
Die Auswahl der richtigen Ellenbogenorthese sollte in Absprache mit einem Arzt oder Therapeuten erfolgen. Dieser kann die individuellen Bedürfnisse des Patienten berücksichtigen und die passende Orthese empfehlen.
Kriterien für die Auswahl:
- Schweregrad des Ulnarisrinnensyndroms: Bei leichten Beschwerden kann eine Bandage ausreichend sein, während bei stärkeren Beschwerden eine immobilisierende Orthese erforderlich sein kann.
- Aktivitätsniveau des Patienten: Aktive Patienten benötigen möglicherweise eine Orthese, die eine gewisse Bewegungsfreiheit ermöglicht.
- Komfort: Die Orthese sollte bequem zu tragen sein und nicht scheuern oder drücken.
- Passform: Die Orthese sollte richtig passen, um ihre volle Wirkung entfalten zu können.
Anwendung und Tragedauer
Die Ellenbogenorthese sollte gemäß den Anweisungen des Arztes oder Therapeuten angelegt und getragen werden. Die Tragedauer hängt von der Art der Orthese und dem Schweregrad des Ulnarisrinnensyndroms ab. In der Regel wird die Orthese tagsüber und/oder nachts getragen.
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Ergänzende Maßnahmen
Neben der Ellenbogenorthese können weitere Maßnahmen zur Behandlung des Ulnarisrinnensyndroms beitragen:
- Schonung des Ellenbogens: Vermeidung von Tätigkeiten, die den Ellenbogen belasten.
- Physiotherapie: Übungen zur Kräftigung der Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit.
- Ergotherapie: Anpassung der Arbeitsumgebung und Erlernen von schonenden Bewegungsabläufen.
- Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente zur Linderung der Beschwerden.
Spezielle Orthesen und Bandagen
- Reh4mat Cubital-Tunnel-Syndrom-Ellbogen-Schiene: Diese Schiene fixiert den Ellbogen in einer neutralen Position, um den Ulnarnerv am wenigsten zu belasten. Sie ist leicht, an die anatomischen Formen des Arms angepasst und mit einem weichen Futter versehen. Eine formbare Aluminiumschiene ermöglicht eine individuelle Anpassung.
- Bauerfeind Ellenbogenbandagen: Diese Bandagen üben bei Bewegung einen leichten Wechseldruck aus und massieren den Ellenbogen. Das regt die Durchblutung an und trägt zum Heilungsprozess bei. Anatomisch geformte Massagepads verstärken die schmerzlindernde Wirkung.
Waschen und Pflege von Ellenbogenbandagen
Ellenbogenbandagen, die direkt auf der Haut anliegen, sollten regelmäßig gewaschen werden. Dies dient nicht nur der Hygiene, sondern wirkt sich auch positiv auf die komprimierende Funktion des Strickgewebes aus. Die einzelnen Fasern gewinnen an Spannung bzw. ziehen sich wieder in ihre ursprüngliche Position zurück. Die Bandage sollte am besten in einem Wäschenetz bei 30° Grad gewaschen werden. Der Schleudergang sollte 500 Umdrehungen pro Minute nicht überschreiten. Vermeiden Sie den Einsatz eines Trockners und lassen Sie die Ellenbogenbandage am besten an der frischen Luft trocknen.
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