Viele Menschen fühlen sich durch die nächtlichen Rufe und Aktivitäten von Elstern gestört. Dieses Phänomen ist jedoch nicht neu und hat verschiedene Ursachen, die im Verhalten und der Lebensweise dieser intelligenten Vögel liegen.
Ursachen des nächtlichen Lärms
Gerd Bauschmann, Wissenschaftler bei der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, erklärt, dass das momentane Verhalten der Elstern mit der Zeit nach der Brutzeit zusammenhängt: „Nach der Brutzeit, die im Juli oder August zu Ende ist, verlassen sie ihre Reviere. Sie sammeln sich gemeinsam mit den Jungvögeln, die jetzt endlich aus dem Nest dürfen, in größeren Gruppen.“ Diese Gruppenbildung führt zu lautstarken Auseinandersetzungen, da Elstern von Natur aus streitlustig sind.
Im Winter bilden Elstern sogenannte Schlafplatzgemeinschaften. Matthias Werner, ebenfalls Wissenschaftler bei der Staatlichen Vogelschutzwarte, ergänzt: „20 bis 30 Tiere tun sich zusammen und suchen sich gemeinsame Schlafplätze. Teilweise hat diese Suche schon begonnen.“ Der Vorteil dieser Schlafplatzgemeinschaften liegt im Schutz vor Angreifern. Durch das Zusammenschließen können sie sich besser verteidigen.
Die hohe Anzahl an Elstern, die nun aufeinandertreffen, führt oft zu der Annahme, dass die Population insgesamt zugenommen hat. Dies ist jedoch nicht der Fall.
Lebensraumveränderungen: Vom Land in die Stadt
Ingolf Grabow vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) betont, dass sich vor allem der Aufenthaltsort der Elstern verändert hat, nicht aber ihr Gesamtbestand. Auch wenn es für Frankfurt keine belastbaren Zahlen gibt, sei - wenn überhaupt - ein leichter Rückgang der Population feststellbar.
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Elstern und andere Rabenvögel sind immer häufiger in Städten anzutreffen - so auch in Frankfurt. Dies liegt vor allem am Nahrungsangebot: „In den Stadtrandbezirken, im Grüngürtel und in Kleingartenanlagen kommen Elstern leicht an Futter“, erklärt Grabow. „Auf dem Land hingegen gibt es wegen der ’Agrarwüsten’ für sie weniger Nahrung.“
Ein weiterer Grund für die Abwanderung in die Städte ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft: „Pestizide, Herbizide und all die anderen Gifte sind schädlich für die Vögel“, so Grabow. Werner nennt zudem den Schutz vor Jagd als einen Grund: „Elstern dürfen gejagt werden. In den Städten sind sie aber sicher, weil dort nicht geschossen wird“, erklärt er.
Zudem ist es in der Stadt wärmer als auf dem Land, da es viele windgeschützte Bereiche gibt, wie Innenhöfe, Stahlgitterkonstruktionen und Leitungsmasten. „Elstern haben eine Körpertemperatur von 41 bis 42 Grad. Je weniger Energie ein Tier aufbringen muss, um diese aufrechtzuerhalten, desto besser.“
Die Elster: Ein echter Allesfresser
„Rabenvögel sind sehr intelligente Tiere“, weiß Grabow. Diese Intelligenz hilft der Elster besonders bei der Nahrungssuche. Sie leert oft Mülleimer an Grillplätzen oder in Parks, um nach Essensresten zu suchen. Auch Hecken, Komposthaufen oder Tierkadaver an Straßenrändern dienen als Nahrungsquelle. Somit spielen Elstern eine wichtige Rolle bei der Beseitigung biologischer Abfälle.
Das Vorurteil, dass Elstern gelegentlich die Eier und Jungvögel kleinerer Vogelarten fressen, stimmt, wie Grabow bestätigt: „Das macht aber nur einen kleinen Teil ihrer Ernährung aus.“ Die Populationen von Kleinvogelarten werden durch die Elstern nicht gefährdet. Es ist Teil der Natur, dass sich ein Räuber teilweise von anderen Tieren ernährt.
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Die Elster gehört zur Familie der Rabenvögel. Auf ihrem Speiseplan stehen neben Insekten, Kleintieren und Sämereien auch Aas. Daher sind Elstern oft in der Nähe von Straßen zu beobachten, wo sie die Reste überfahrener Tiere fressen.
Erscheinungsbild und Verhalten der Elster
Die Elster ist etwas kleiner als ihre nächste Verwandte, die Rabenkrähe. Neben den langen Schwanzfedern (Stoß) ist ihre Färbung ein besonderes Merkmal: Schultern und Bauch sind weiß, wohingegen Kopf, Brust, Rücken, Schwingen und Stoß dunkel, grün bis blau schimmern. Im Frühjahr ist das Gefieder matt gefärbt, wird aber im Jahresverlauf immer glänzender. Am auffälligsten schimmern mittelalte Vögel kurz nach der Mauser. Jungvögel unterscheiden sich kaum von den Altvögeln, ihr Gefieder wirkt lediglich etwas matter gefärbt und die Stoßfedern sind kürzer. Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht in der Färbung, aber die Männchen sind etwas kräftiger gebaut.
Das Flugbild der Elster ist geradlinig mit kurzen Gleitphasen. Im Flug fallen die weißen Handschwingen (äußere Flügelfedern) auf. Das „tschek-tschek-tschek“ oder auch das „tschaka!“ der Elster sind sowohl Alarm- als auch Warnrufe und dienen der Revierverteidigung oder dem Anzeigen einer drohenden Gefahr. Zur Kommunikation mit dem Partner lässt die Elster manchmal leise einen plaudernden Gesang hören, der mit Pfeifen untersetzt und sehr variabel sein kann.
Verbreitung und Lebensraum
In Bayern brütet die Elster flächendeckend außerhalb der Alpen. In den Alpen kommt sie ausschließlich in Tallagen vor. Schätzungen zufolge gibt es zwischen 85.000 und 235.000 Brutpaare in Bayern. Ursprünglich war die Elster ein Vogel des Grünlands. Inzwischen gehören zum Lebensraum der Elster neben halboffenen Landschaften mit Gehölzen auch städtische Gebiete. Geschlossene Waldgebiete und enge Tallagen werden von Elstern eher gemieden.
Die Elster ist ein Kulturfolger, die sich gut an veränderte Lebensbedingungen und von Menschen geprägte Landschaften anpassen kann. Das Vorkommen der Elster in Siedlungsbereichen ist in den letzten Jahren häufiger geworden. Dort kommt sie vor allem in Gärten, Parks und auf Friedhöfen vor. Die Gesamtpopulation ist natürlichen Schwankungen unterworfen, insgesamt jedoch als stabil anzusehen. Entgegen der Vermutung, es sei in den vergangenen Jahren zu einer explosionsartigen Vermehrung der Elster gekommen, verschiebt sich lediglich ihr Lebensraum in menschliche Ortschaften. Aufgrund von Veränderungen in der Landnutzung und einem geringeren Feinddruck in Siedlungsgebieten, ist der städtische Bereich für die Elster ein zunehmend attraktiverer Lebensraum.
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Fortpflanzung und Verhalten während der Brutzeit
Die Elster ist ein Standvogel und in der Brutsaison äußerst reviertreu. Ihre Nester baut die Elster in hohe Einzelbäume oder im Gebüsch, sowohl in Waldrandlagen als auch in Alleen und Parkanlagen. Während der Brutzeit leben die Vögel paarweise. Üblicherweise schließen sich Elsternpaare in monogamen Dauerehen zusammen, manchmal entstehen aber auch Jahresehen. Zunächst beginnt das Paar mehrere Nester zu bauen, bis es sich für eines entscheidet und dieses dann ausbaut. Nester werden fast jedes Jahr neu gebaut, nur vereinzelt nutzen Elstern ein Nest aus dem Vorjahr, das sie zuvor ausbessern.
Das Nest der Elster wird als Kugelnest bezeichnet, da die Nestmulde mit Lehm ausgestrichen und anschließend kuppelförmig mit Reisig überdeckt wird. Neststandorte anderer Brutpaare sind bei der Elster nicht selten <100m voneinander entfernt. Nach der etwa 6-wöchigen Aufzucht-/Führungszeit, die sich in jeweils 3 Wochen Brut- und 3 Wochen Nestlingszeit aufteilt, streichen die jungen Elstern die ersten 1 bis 2 Lebensjahre in lockeren Trupps umher. Dabei bevorzugen sie halboffene Landschaften. Jungvögel, die noch nicht am Brutgeschäft teilnehmen, finden sich in sogenannten Schlafgesellschaften auf hohen Bäumen ein.
Ernährung und Intelligenz der Elster
Die Elster ist ein Allesfresser. Von Bedeutung für die Nahrungssuche sind Lebensräume mit Kurzrasen und vegetationsfreien Stellen. Zur Brutzeit besteht der Speiseplan der Elster vorwiegend aus Insekten, Wirbellosen wie Schnecken und Regenwürmern, sowie Kleintieren. Auch Gelege von Kleinvögeln werden nicht verschmäht. Der zweifelhafte Ruf der Elster ist auf eine Eigenart in ihrem Nahrungsverhalten zurückzuführen: Gelegentlich beschafft sie sich ihre Nahrung als Nesträuber. Auch wenn die Entnahme einzelner Küken aus den Nestern kleiner Singvögel einen zeitweisen Verlust für die lokale Population darstellen kann, entsteht dadurch kein langfristiger negativer Einfluss auf die Bestände dieser Arten.
Im Winter ernährt sich die Elster überwiegend von Sämereien wie Weizen, Mais, Hülsenfrüchten, Eicheln, Bucheckern, sowie Früchten und Aas. Aus diesem Grund können Elstern häufig in der Nähe von Straßen beobachtet werden, denn hier beseitigen sie die Reste überfahrener Tiere. Auch sonst sieht man sie oft Futter suchend auf Rasenflächen am Boden. Hat die Elster ihre Beute entdeckt, läuft oder hüpft sie rasch darauf zu und packt sie mit dem Schnabel.
Die Elster besitzt die Fähigkeit, Gegenstände wiederzufinden (Objektpermanenz). Dies ist besonders wichtig für das Anlegen von Nahrungsreserven für den Winter. Um die Verstecke vor Nahrungsräubern zu schützen, verlagert die Elster ihre Vorräte immer wieder an andere Orte.
Balz und Aufzucht der Jungen
Die Balz der Elster beginnt je nach Witterungsbedingungen Mitte Februar bis März. Danach folgt die Brut- und Legezeit, in der das Weibchen etwa 5 bis 7 Eier legt und diese im Schnitt 17 Tage lang bebrütet. Während dieser Zeit kümmert sich das Männchen um die Nahrungssuche. Nachdem die jungen Elsternküken geschlüpft sind, folgt ab Anfang Juni die 22 bis 27-tägige Nestlingszeit. Als Nesthocker bleiben die frisch geschlüpften Elstern in dieser Zeit noch im Nest und sind vollständig von den beiden Elterntieren abhängig. Zwischen Juli und August folgt darauf eine etwa 6-wöchige Führungsphase, bei denen die Jungen noch bei ihren Eltern bleiben. Danach schließen sich die jungen Elstern zu Trupps zusammen und leben selbständig und unabhängig von den Elterntieren.
Im Anschluss zwischen Juni und Mitte Oktober vollziehen die Elstern ihre Jahresmauser.
Intelligenz und Ruf der Elster
Der Elster werden oftmals zwei Eigenschaften zugeschrieben: „diebisch“ und intelligent. Entgegen der allgemeinen Meinung klaut die Elster nicht nur glitzernde und glänzende Dinge, sondern zeigt grundsätzlich Interesse an allen möglichen Gegenständen. Sie tut dies vor allem aus Neugierde. Ihren Ruf als besonders intelligentes Tier hat die Elster nicht unbegründet. Ihr Gehirn gilt als eines der höchst entwickelten unter den Singvögeln. Neben der örtlichen Verlagerung von Objekten ist sie in der Lage, Artgenossen individuell wieder zu erkennen.
Was tun bei nächtlicher Ruhestörung durch Elstern?
Die Frage, was man tun kann, wenn Elstern nachts im Garten Radau machen, ist berechtigt. Oftmals vermutet man eine späte Brut oder ein Nachgelege nach Verlust des ersten Geleges.
Maßnahmen zur Vergrämung von Elstern
Wenn sich Elstern im Garten oder auf dem Grundstück breitmachen, ist schnelles Handeln sinnvoll. Die Tiere sind sehr lernfähig und gewöhnen sich an bestimmte Reize. Deshalb empfiehlt sich eine Kombination mehrerer Methoden. Elstern sind sehr schlau und merken sich, dass sie auf dem Grundstück nicht sicher sind.
- Visuelle Abschreckung: Geräte wie Flashing Lights erzeugen Lichtblitze in der Dunkelheit, die Elstern irritieren und vertreiben. Diese Methode ist besonders effektiv in den frühen Morgenstunden oder am Abend, wenn die Tiere aktiv werden. Auch sich bewegende Objekte wie reflektierende Wimpelketten, CDs oder speziell gestaltete Windspiele können hilfreich sein. Vogelscheuchen wirken besonders gut in Kombination mit anderen Mitteln. Werden sie regelmäßig versetzt und verändert, bleibt der Abschreckungseffekt länger bestehen.
- Wassersprenger mit Bewegungsmelder: Diese sind besonders tierfreundlich und wirkungsvoll. Sie erkennen die Annäherung eines Vogels und lösen eine kurze Wasserfontäne aus, die Elstern erschreckt, ohne sie zu verletzen. Der Lerneffekt ist hoch: Die Tiere merken sich die unangenehme Erfahrung und meiden den Ort künftig.
- Akustische Abschreckung: Elstern nehmen bestimmte Ultraschallfrequenzen wahr, die für den Menschen nicht hörbar sind. Guard-Soundgeräte senden gezielte Töne aus, die von den Vögeln als unangenehm empfunden werden. Diese Form der Vergrämung funktioniert besonders gut in Kombination mit visuellen Mitteln. Für den Menschen ist Ultraschall nicht hörbar, Elstern jedoch vernehmen diese Geräusche deutlich und empfinden sie als sehr unangenehm. Auf diese Weise lassen sich die Elstern nachhaltig verscheuchen.
- Vogelscheuchen: Neben technischen Lösungen bietet auch der klassische Vogelschreck gute Ergebnisse. Vogelscheuchen in Falkenform, reflektierende Eulenattrappen oder sich bewegende Tiernachbildungen erzeugen den Eindruck von Gefahr und sorgen dafür, dass Elstern den Bereich meiden. Ein Black Hawk Kite, der einem Falken ähnelt, kann ebenfalls hilfreich sein. Es reicht ein schwacher Windzug aus, um Elstern und andere Vögel zu vertreiben, da Elstern vor diesem Raubvogel großen Respekt haben.
- Kombinierter Einsatz: In Regionen mit großer Elsterpopulation ist der kombinierte Einsatz unterschiedlicher Maßnahmen ratsam. Das hilft, neue Elstern und ansässige Vögel nachhaltig und wirksam vom Grundstück zu verjagen. Durch die Kombination von visuellen Abschreckungsmitteln wie Vogelscheuchen oder Blinklichtern und akustischen Maßnahmen lässt sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Elstern das Grundstück in Zukunft meiden werden.
Ergänzend dazu sollten potenzielle Futterquellen vermieden werden: offene Kompostbehälter, herumliegende Essensreste oder frei zugängliches Tierfutter locken Elstern unnötig an.
Weitere Tipps zur Abschreckung
- Stellen Sie Gegenstände auf, die sich im Wind bewegen, wie z.B. Windspiele oder Wimpelketten.
- Verwenden Sie Geräte, die unangenehme Geräusche oder Geräusche von Raubtieren erzeugen, um Elstern zu vertreiben.
- Stellen Sie sicher, dass bestimmte Nahrungsmittel wie Obst oder Samen nicht in der Nähe des Hauses oder Gartens vorhanden sind.
- Wenn alle anderen Methoden nicht funktionieren, kann man eine Lebendfalle verwenden, um Elstern einzufangen und sie an einem Ort freizulassen, an dem sie keine Probleme verursachen können.
Es ist wichtig zu beachten, dass Elstern intelligente und anpassungsfähige Vögel sind. Daher kann es notwendig sein, verschiedene Methoden zu kombinieren, um sie wirksam zu vertreiben. Trotz gelegentlicher Belästigung sollten Elstern nicht verletzt oder getötet werden, da sie als geschützte Wildtiere gelten.
Am wirkungsvollsten ist es, bereits vor Beginn der Brutzeit - also im späten Winter oder frühen Frühjahr - Maßnahmen zu ergreifen. Zu diesem Zeitpunkt suchen Elstern aktiv nach geeigneten Nistplätzen.
Sicherheitshinweise
Die von Elsterschreck-Geräten erzeugten Ultraschallfrequenzen sind für das menschliche Gehör nicht hörbar und stellen keine Gefahr für Menschen oder Haustiere wie Hunde oder Katzen dar. Elstern stehen unter Naturschutz. Nester dürfen nur außerhalb der Brutzeit und mit behördlicher Genehmigung entfernt werden. Wer Nester ohne Genehmigung beseitigt, riskiert ein Bußgeld.
Bei starker oder wiederkehrender Elsternbelästigung empfiehlt sich der kombinierte Einsatz aus Ultraschall, Lichtblitzen, Wasserabwehr und visuellen Reizen.
Massenschlafplätze: Ein faszinierendes Naturschauspiel
Neben den Problemen, die Elstern verursachen können, sollte man auch die faszinierenden Aspekte ihres Verhaltens nicht vergessen. Massenschlafplätze sind ein solches Phänomen. Wenn die Abendsonne den Horizont berührt und Dutzende Elstern sich schackernd im Feldgehölz einfinden, kann man erahnen, weshalb Massenvögel die Menschen schon vor Jahrtausenden beeindruckt haben.
Auffällig sind Raben- und Saatkrähenschlafplätze, die sich im Spätsommer bilden und in den Wintermonaten oft tausende Köpfe zählen. Die Massierung täuscht eine Überbevölkerung vor, denn überwiegend sind es Vögel aus großen Einzugsbereichen und Wintergäste aus Nord- und Osteuropa.
Außer Krähen, Dohlen, Elstern und Kolkraben lieben es auch Stare, Drosseln, Schwalben, Pieper und Bachstelzen gesellig zu schlafen. Gleiches gilt für Kormorane, Möwen, Kornweihen, Schwarz- und Rotmilane. Die Gemeinschaft gewährt Schutz vor Feinden, Informationen über ergiebige Nahrungsquellen und man kann einen Brutpartner kennen lernen.
Oft liegen Schlafplätze erstaunlich menschennah. In vielen europäischen Städten fallen abends Starenwolken mit zehn- bis hunderttausenden Vögeln ein. Auf der Hauptstraße einer süddeutschen Großstadt schlafen bis zu 250 Bachstelzen in einem Baum und Krähen zieht es auf Überlandleitungen und in Industriegebiete. Dabei zeigen sie große Toleranz gegenüber Lärm und anderen Störungen.
Schlafplatzbeobachtungen sind im Winter mitten in der Stadt möglich. Man braucht nur etwas Zeit am Spätnachmittag, offene Augen, ein Fernglas und warme Kleidung. Am Abendhimmel kreisende Krähenschwärme weisen den Weg. Viele Schlafplätze lassen sich gut aus der Distanz einsehen.
Das faszinierende Naturschauspiel beginnt weit ab vom Krähenschlafplatz. Auf Feldern, Müllkippen und anderen Nahrungsplätzen scharen sich nachmittags die ersten Trupps. Sie bilden größere Schwärme und brechen vor Sonnenuntergang zum Schlafplatz auf. Im Dämmerlicht treffen dort aus allen Himmelsrichtungen Schwärme ein. Vom Himmel schweben sie herab, um mit anwesenden Vögeln zu kreisen und sich dann niederzulassen. Elstern sind fast alle vor Sonnenuntergang da, Saatkrähen kommen oft so spät, dass sich ihre schwarzen Silhouetten kaum mehr gegen den Nachthimmel abheben. Zehntausende Saatkrähen treffen sich manchmal an einem, über Jahre traditionellen Schlafplatz.
Im Schwarm herrscht eine soziale Struktur: Dominante Vögel bekommen die geschützteren Plätze. Strommasten und Leitungstrassen sind wahre Kristallisationspunkte für die Krähen. Erst sitzen nur wenige Vögel auf den Drähten, dann folgen immer mehr. Häufig fliegt die Schar auf, kreist krächzend und lässt sich erneut nieder. Diese Prozedur zieht sich oft bis in die Dunkelheit. Mit ihrer Hilfe wird die "Schwarm-Stimmung" übertragen, die die Masse von Individuen synchronisiert und koordiniert.
Morgens verlassen die Vögel mit Sonnenaufgang den Schutz der Vegetation, setzen sich in die Baumkronen und starten truppweise zur Nahrungssuche in die Umgebung. Im Frühling ziehen die Saatkrähen in ihre Brutgebiete zurück und bei Standvögeln wie Elstern erwachen Bruttrieb und Territorialität. Ab März verkleinern sich die Schlafgemeinschaften und lösen sich im April oft ganz auf. Nur Nichtbrüter bevölkern auch im Sommer Schlafplätze während die Brutpartner paarweise in ihrem Revier nächtigen.
Trotz der Unbeliebtheit vieler Schlafplatz-Arten sind die allabendlichen Treffen ein atemberaubendes Naturereignis und Ausdruck des Sozialverhaltens der Vögel. Probleme treten auf, wenn sich Anwohner gestört fühlen, da die Kakophonie aus tausend Kehlen und Kotkleckse zu Klagen und Verfolgungsforderungen führen können.