Einführung
Das Glioblastom ist ein aggressiver Hirntumor, der von den Gliazellen ausgeht, den Stützzellen des Gehirns. Es ist die häufigste bösartige Form des Hirntumors bei Erwachsenen und wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Grad IV eingestuft, dem höchsten Schweregrad. Da ein Glioblastom in der Regel nicht heilbar ist, konzentriert sich die Behandlung auf die Verlangsamung des Tumorwachstums und die Linderung der Symptome. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, den Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten im Endstadium eines Glioblastoms.
Was ist ein Glioblastom?
Das Glioblastom, früher auch als Glioblastoma multiforme bekannt, ist ein bösartiger Hirntumor, der zu den Gliomen gehört. Gliome sind Tumoren, die in der Regel nur im Gehirn entstehen und von den Gliazellen ausgehen. Das Glioblastom ist der häufigste primäre bösartige Hirntumor bei Erwachsenen. Jährlich erkranken etwa drei von 100.000 Personen an einem solchen Hirntumor.
Die Tumorzellen des Glioblastoms stammen von speziellen Zellen des zentralen Nervensystems ab, den Gliazellen. Sie erfüllen viele wichtige Funktionen, wie beispielsweise die Positionierung und Nährstoffversorgung der Nervenzellen.
Formen des Glioblastoms
Je nach Entstehung unterscheidet man zwischen primärem und sekundärem Glioblastom:
- Primäres Glioblastom: Es entsteht direkt aus gesunden Gliazellen und ist die häufigere Form. Es entwickelt sich schnell, meist innerhalb weniger Wochen, und betrifft vorwiegend ältere Personen im sechsten bis siebten Lebensjahrzehnt. Diese Form tritt bei etwa 90% der Patient:innen auf, entwickelt sich ohne Vorläufer und wächst sehr aggressiv.
- Sekundäres Glioblastom: Es entwickelt sich aus einem Hirntumor niedrigeren WHO-Grades und stellt das Endstadium einer länger verlaufenden Tumorerkrankung dar. Der Altersgipfel der Betroffenen liegt zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Heute wird diese Form als Astrozytom, IDH-mutiert, WHO-Grad 4 bezeichnet. Es entsteht meist aus einem niedriggradigen Astrozytom, betrifft eher jüngere Menschen und hat eine etwas günstigere Prognose.
Die früher übliche Einteilung in "Glioblastom, IDH-Wildtyp" und "Glioblastom, IDH-mutiert" gilt nach der aktuellen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation nicht mehr. Es gibt nur eine Hirntumor-Variante, die Mediziner formal als Glioblastom bezeichnen. Die sekundären Glioblastome, die sich aus einem Astrozytom Grad 2 oder 3 entwickeln, sind nach der neuen Einteilung "Astrozytome, IDH-mutiert, Grad 4"."IDH-mutiert" steht übrigens für eine punktuelle Veränderung in einem bestimmten Gen, genauer des Enzyms Isocitratdehydrogenase-1- oder -2-Gen. Dieses Enzym ist am Zellstoffwechsel beteiligt. Nach einer IDH-Mutation suchen Mediziner gezielt bei allen Hirntumoren, um diese entsprechend zu klassifizieren.
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Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige Faktoren, die das Risiko erhöhen können:
- Ionisierende Strahlen: Eine Strahlentherapie im Kopfbereich, beispielsweise aufgrund einer anderen Tumorerkrankung, kann das Risiko erhöhen.
- Erbliche Krankheitsbilder: Bestimmte genetische Erkrankungen wie Neurofibromatose, Tuberöse Sklerose, Turcot-Syndrom, Lynch-Syndrom und Li-Fraumeni-Syndrom können das Risiko für Hirntumoren generell erhöhen.
- Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken. Ungefähr 7 von 10 Glioblastomen werden im Alter zwischen 55 und 80 Jahren diagnostiziert.
- Radiofrequenzfelder: Bislang besteht noch kein eindeutig belegter Zusammenhang zwischen der Entstehung allgemein von Gliazell-Tumoren (Gliome) und einwirkender Radiofrequenzstrahlung, wie sie etwa in der mobilen Kommunikation (mobile Telefone, Antennen des Mobilfunknetzes etc.) Verwendung findet.
Symptome im Endstadium
Die Symptome eines Glioblastoms sind vielfältig und hängen von der Lage und Größe des Tumors ab. Im Endstadium, wenn der Tumor eine beträchtliche Größe erreicht hat, können folgende Symptome auftreten:
- Kopfschmerzen: Insbesondere nachts und in den frühen Morgenstunden, oft verbunden mit Übelkeit und Erbrechen. Die Kopfschmerzen können im Laufe der Zeit immer heftiger werden und auf Medikamente schlecht ansprechen.
- Erhöhter Hirndruck: Dies kann zu morgendlichem Erbrechen und Schläfrigkeit führen, im schlimmsten Fall bis hin zum Koma.
- Neurologische Ausfälle: Je nach betroffenem Gehirnbereich können Sprachstörungen, Schwierigkeiten beim Sprechen oder Bewegen, Lähmungserscheinungen, Sehstörungen oder epileptische Anfälle auftreten.
- Wesensveränderungen: Veränderungen der Persönlichkeit, Antriebslosigkeit, Apathie, Verwirrtheitszustände oder inadäquates Verhalten können auftreten. Angehörige berichten häufig von aggressivem oder gehässigem Verhalten.
- Krampfanfälle: Diese können fokal (örtlich begrenzt) oder generalisiert (den ganzen Körper betreffend) sein.
- Schluckstörungen: Wenn der Tumor auf die Nerven drückt, die das Schlucken kontrollieren, kann dies zu Schwierigkeiten beim Essen und der Einnahme von Medikamenten führen. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Aspiration (Einatmen von Flüssigkeiten oder Nahrung in die Lunge).
- Müdigkeit und Schwäche: Die Patienten sind im Endstadium oft sehr geschwächt, bettlägerig und auf Pflege angewiesen.
- Bewusstseinsverlust und Verwirrung: Wenn ein Hirntumor groß genug ist, kann er zur Bewusstlosigkeit führen.
Im Endstadium der Erkrankung kommt es durch einen wachsenden Tumor im Gehirn zu einem Hirnödem, zu neurologischen Ausfällen, Bewusstseinsverlust und vieles mehr. Eine rasante Abnahme des Allgemeinzustandes bei einem wachsenden Tumor in einem sensibelen Areal spricht für das Endstadium eines Glioblastoms.
Diagnose
Die Diagnose eines Glioblastoms erfolgt in der Regel durch Fachärzte für Nervenheilkunde (Neurologen). Folgende Untersuchungen werden durchgeführt:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, Erfragung der Symptome und des zeitlichen Verlaufs, sowie eventueller Vorerkrankungen.
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der neurologischen Funktionen, wie z.B. Reflexe, Koordination, Sensibilität, Sehen, Hören und Gleichgewicht.
- Neuropsychologische Tests: Beurteilung der kognitiven Fähigkeiten, z.B. mit dem Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder dem Montreal Cognitive Assessment (MoCa).
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomografie (MRT) ist das wichtigste diagnostische Verfahren. Alternativ kann eine Computertomografie (CT) durchgeführt werden, wenn eine MRT nicht möglich ist. Eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) kann helfen, Bereiche mit erhöhter Stoffwechselrate sichtbar zu machen.
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur Untersuchung im Labor, um die genaue Art des Tumors und seine Eigenschaften zu bestimmen. Dabei wird auch die MGMT-Promotor-Methylierung untersucht, die eine Aussage über die Wirksamkeit bestimmter Therapien ermöglicht.
Behandlung im Endstadium
Da ein Glioblastom im Endstadium in der Regel nicht mehr heilbar ist, konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität. Folgende Maßnahmen können eingesetzt werden:
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- Steroide: Können helfen, die Schwellung des Gehirns (Hirnödem) zu reduzieren und dadurch Kopfschmerzen, Übelkeit und andere Symptome zu lindern.
- Antiepileptika: Zur Kontrolle von Krampfanfällen.
- Schmerzmittel: Zur Linderung von Schmerzen.
- Palliative Versorgung: Ein multidisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegekräften, Psychologen und Sozialarbeitern unterstützt den Patienten und seine Familie bei der Bewältigung der körperlichen, emotionalen und sozialen Belastungen der Erkrankung. Die Palliativmedizin kann die Symptome und den Stress einer unheilbaren Krankheit lindern. Sie kann Patienten und ihren Familien auch helfen, mit den praktischen Problemen umzugehen, die mit einer unheilbaren Diagnose einhergehen.
- Hospiz: Wenn die häusliche Versorgung nicht mehr möglich ist, kann ein Hospiz eine würdevolle und professionelle Betreuung in der letzten Lebensphase bieten.
Leben mit einem Glioblastom im Endstadium
Das Leben mit einem Glioblastom im Endstadium ist sowohl für den Patienten als auch für seine Angehörigen eine große Herausforderung. Es ist wichtig, sich professionelle Hilfe und Unterstützung zu suchen, um die körperlichen und emotionalen Belastungen zu bewältigen. Folgende Aspekte können hilfreich sein:
- Offene Kommunikation: Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie und Ihren Freunden über Ihre Ängste und Bedürfnisse.
- Psychologische Unterstützung: Ein Psychologe oder Psychoonkologe kann Ihnen helfen, mit der Diagnose und den damit verbundenen Ängsten und Depressionen umzugehen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.
- Rehabilitation: Eine Rehabilitation kann stationär oder ambulant sinnvoll sein, insbesondere wenn es darum geht, Symptome und Funktionen wie die muskuläre Beweglichkeit oder die Sprache zu verbessern.
- Patientenverfügung: Treffen Sie frühzeitig Entscheidungen über Ihre medizinische Versorgung und halten Sie diese in einer Patientenverfügung fest.
- Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV): In Deutschland gibt es die SAPV. Dort versorgen medizinische Teams aus Ärzten und Krankenschwestern Schwerkranke Patienten zu Hause.
Prognose
Die Prognose für Patienten mit einem Glioblastom ist trotz intensiver Forschung und Behandlungsmöglichkeiten weiterhin schlecht. Die mittlere Überlebenszeit beträgt ohne Therapie etwa drei Monate. Mit bestmöglicher Therapie kann diese Spanne auf bis zu zwei Jahre ausgedehnt werden. Nur ein kleiner Teil der Patienten (etwa 5-10%) überlebt fünf Jahre und länger. Verschiedene Faktoren können die Prognose beeinflussen, wie z.B. das Alter, der allgemeine Gesundheitszustand, die Vollständigkeit der Tumorentfernung und bestimmte genetische Eigenschaften des Tumors.
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