Engegefühl im Hals: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Ein Engegefühl im Hals, oft als "Kloß im Hals" oder "Globusgefühl" bezeichnet, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Es kann sich als unangenehmes Druckgefühl, Fremdkörpergefühl oder Engegefühl im Hals bemerkbar machen. Obwohl die Ursachen vielfältig sein können und oft harmlos sind, ist es wichtig, die Beschwerden ärztlich abklären zu lassen, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen.

Symptome des Engegefühls im Hals

Die Symptome eines Engegefühls im Hals können vielfältig sein und von Person zu Person unterschiedlich wahrgenommen werden. Häufige Beschwerden sind:

  • Dauerhaftes Kloßgefühl im Hals, als ob ein Fremdkörper steckt
  • Druckgefühl oder Engegefühl im Hals
  • Schluckstörungen (Dysphagie), Schwierigkeiten beim Schlucken oder das Gefühl, dass die Nahrung im Hals stecken bleibt
  • Häufiges Schlucken, um das Kloßgefühl zu lindern
  • Nahrungsaufstoßen, besonders bei Reflux
  • Vermehrtem Speichelfluss (Hypersalivation)
  • Ängste und depressive Verstimmungen, besonders bei langanhaltenden Beschwerden
  • Verschlucken, besonders bei Schluckbeschwerden
  • Heiserkeit, besonders bei starker Stimmbelastung oder Reflux

Mögliche Ursachen für ein Engegefühl im Hals

Die Ursachen für ein Engegefühl im Hals sind vielfältig und können sowohl organische als auch psychische Ursachen haben.

Organische Ursachen

  • Erkrankungen an Hals und Kehlkopf: Erkrankungen wie Kehlkopfentzündungen, gutartige Veränderungen wie Polypen oder Knötchen auf den Stimmbändern, Kehlkopfpapillome (verursacht durch Papillomviren) oder Stimmbandlähmungen können ein Engegefühl im Hals verursachen. Auch bösartige Tumore des Kehlkopfes können diese Symptome auslösen.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Eine vergrößerte Schilddrüse (Struma), Schilddrüsenknoten, Morbus Hashimoto oder eine Schilddrüsenüberfunktion können Druck auf den Hals ausüben und ein Engegefühl verursachen. Schilddrüsenerkrankungen spielten mit 4 % eine eher untergeordnete Rolle.
  • Infektionen: Hartnäckige Erkältungen mit Rachenentzündung oder Reizungen und reaktive Entzündungen nach bakteriellen oder viralen Infekten von Mund-, Rachenhöhle, Kehlkopf oder Nasenschleimhäuten können ein Globusgefühl verursachen.
  • Refluxerkrankung (Gastroösophagealer Reflux): Aufsteigende Magensäure kann die Speiseröhre und den Rachen reizen und ein Engegefühl verursachen. Die Refluxerkrankung (Flüssigkeit aus Magen und Speiseröhre) lag in 25 % der Fälle vor.
  • Verengung der Luftröhre (Trachealstenose): Angeborene oder erworbene Verengungen der Luftröhre, z.B. durch Tumore, Narbengewebe oder Fremdkörper, können zu Atemnot und einem Engegefühl führen.
  • Zysten und Fisteln im Bereich der Halsweichteile: Anlagebedingte mediane oder laterale Halszysten können durch Druck auf umliegendes Gewebe ein Engegefühl verursachen.
  • Halslymphknotenvergrößerungen: Infektionen, Tumore oder Metastasen können zu einer Vergrößerung der Halslymphknoten führen, was ein Engegefühl verursachen kann.
  • Leukoplakie: Weiße Flecken in der Mundhöhle, die sich nicht abwischen lassen, können sich zu bösartigen Tumoren entwickeln und ein Engegefühl verursachen.
  • Störungen im Bereich des oberen Speiseröhrenschließmuskels: Störungen in diesem Bereich können das Schlucken beeinträchtigen und ein Engegefühl verursachen.
  • Tumore: Selten können Tumore im Halsbereich ein Globusgefühl verursachen. Der Hals-Nasen-Ohrenarzt schließt Tumorerkrankungen (eher selten), aus.
  • Zahnentzündungen: Verschleppte Zahnentzündungen können zu einem Globusgefühl führen.
  • Kiefergelenkstörungen: Störungen des Kiefergelenkes können ein Globusgefühl auslösen.
  • HWS-Problematiken: Es kann an einer zu großen Anspannung der kleinen Kehlkopfmuskeln liegen. Viele Menschen haben Probleme mit der Halswirbelsäule, die zu Verspannungen im Nacken führen, die sich auf die Muskulatur am vorderen Hals und auf die Kehlkopfmuskulatur ausdehnt.

Psychische Ursachen

  • Psychische Faktoren: Angst, Stress, Depressionen, Krebsphobie sind häufig Auslöser mit vermehrter Anspannung der Halsmuskulatur, nervaler Überreizung, falscher Atmung und falscher Stimmbandbeanspruchung. Psychische Faktoren waren mit 28% die häufigste Ursache eines unklaren Globusgefühls.
  • Verspannungen: Verspannungen in Muskeln und Bindegewebe des vorderen Halses sind eine häufige Ursache für ein Globusgefühl. Verspanntes Bindegewebe am Hals vorn erzeugt häufig auch andere Hals-Beschwerden wie Reizhusten und -Räuspern, Angstgefühl im Hals und Luftnot im Hals.
  • Fehlhaltung: Eine schlechte Körperhaltung kann zu Verspannungen im Nacken- und Halsbereich führen und ein Engegefühl verursachen.
  • Atavistische Halsrippe: Diese eigentlich harmlose Anomalie, ein Relikt der Evolution, ist bei etwa jedem hundertsten Menschen am siebten Halswirbel zu finden und verursacht meist keine Beschwerden. Manchmal engt sie aber auch Nerven und/oder Blutgefäße ein und führt zu einem TOS.
  • Belastende Situationen: Jeder kennt den volkstümlichen Ausdruck „einen Kloß im Hals haben“ für die Reaktion auf eine schockierende oder traurig stimmende Situation.

Medikamente

  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Mittel gegen Parkinson-Erkrankung, sogar auch Blutdrucksenker können als Nebenwirkung ein Globusgefühl verursachen.

Diagnose des Engegefühls im Hals

Die Diagnose eines Engegefühls im Hals umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen.

Anamnese

Der Arzt wird zunächst ausführlich nach den Beschwerden, Begleitsymptomen und der Krankengeschichte fragen. Dabei sind folgende Fragen wichtig:

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  • Seit wann besteht das Engegefühl?
  • Wie fühlt es sich an (Druck, Kloß, Fremdkörper)?
  • Gibt es Begleitsymptome wie Schluckbeschwerden, Heiserkeit oder Schmerzen?
  • Sind Vorerkrankungen bekannt (z.B. Schilddrüsenerkrankungen, Reflux)?
  • Werden Medikamente eingenommen?
  • Gibt es psychische Belastungen oder Stress?

Körperliche Untersuchung

Der Arzt wird den Hals, den Rachen und die Mundhöhle gründlich untersuchen. Dabei achtet er auf:

  • Veränderungen der Schleimhaut
  • Vergrößerungen der Schilddrüse oder der Lymphknoten
  • Beweglichkeit des Kehlkopfes
  • Verspannungen der Halsmuskulatur

Weiterführende Diagnostik

Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, um die Ursache des Engegefühls zu ermitteln. Dazu gehören:

  • Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Untersuchung (HNO): Der HNO-Arzt kann den Kehlkopf, die Luftröhre und die Speiseröhre mit speziellen Instrumenten untersuchen (Laryngoskopie, Ösophagoskopie). Auch eine Untersuchung der oberen Luft- und Schluckwege in Vollnarkose (Panendoskopie) kann erfolgen.
  • Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse: Hiermit können Größe und Struktur der Schilddrüse beurteilt werden.
  • Blutuntersuchungen: Entzündungswerte, Schilddrüsenwerte und andere Parameter können Hinweise auf die Ursache des Engegefühls geben.
  • Röntgenuntersuchung oder Computertomographie (CT): Diese bildgebenden Verfahren können Veränderungen der Luftröhre, der Speiseröhre oder der Halswirbelsäule darstellen.
  • Magenspiegelung (Gastroskopie): Bei Verdacht auf Reflux kann eine Magenspiegelung durchgeführt werden, um die Speiseröhre und den Magen zu beurteilen.
  • Manuelle Untersuchung: Untersucht man den Hals des Patienten mit diesen quer am Hals unten liegenden Missempfindungen, findet man sehr häufig an der vom Patienten gezeigten Stelle eine Narbe.

Behandlung des Engegefühls im Hals

Die Behandlung des Engegefühls im Hals richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Behandlung organischer Ursachen

  • Medikamentöse Behandlung: Bei Entzündungen können entzündungshemmende Medikamente oder Antibiotika eingesetzt werden. Bei Reflux helfen Säureblocker, die Produktion von Magensäure zu reduzieren.
  • Operative Eingriffe: Gutartige Veränderungen wie Polypen oder Zysten können operativ entfernt werden. Bei bösartigen Tumoren sind je nach Stadium und Ausdehnung des Tumors Operationen, Strahlentherapie oder Chemotherapie erforderlich. Kehlkopftumore behandeln wir innerhalb des fachübergreifenden Kopf-Hals-Tumorzentrums.
  • Logopädie: Bei Stimmbandlähmungen oder anderen Stimmstörungen kann eine logopädische Behandlung helfen, die Stimme zu verbessern.
  • Physiotherapie: Bei Verspannungen der Halsmuskulatur kann Physiotherapie helfen, die Muskeln zu lockern und die Haltung zu verbessern. Geschickte Lockerungen von Dysfunktionen der Wirbelgelenke, muskelentspannende Maßnahmen, Anleitung zur Eigenbehandlung und Änderungen im Arbeitsumfeld helfen, die Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Die eigene Gymnastik zur Vorbeugung HWS-bedingter Erkrankungen kann nicht hoch genug bewertet werden!

Behandlung psychischer Ursachen

  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und Verspannungen zu lösen.
  • Psychotherapie: Bei psychischen Belastungen wie Angst oder Depressionen kann eine Psychotherapie sinnvoll sein.
  • Manuelle Therapie: Behandelt man Bindegewebe / Faszien und Muskeln an dieser Stelle (die weiter oben oder weiter unten am Hals sein kann) verschwindet das Kloßgefühl!

Allgemeine Maßnahmen

  • Stressreduktion: Stress vermeiden oder reduzieren.
  • Ernährungsumstellung: Bei Reflux auf säurehaltige Speisen und Getränke verzichten.
  • Atemübungen: Atemübungen können helfen, die Halsmuskulatur zu entspannen.
  • Vermeidung von Reizstoffen: Rauchen und Alkohol vermeiden.

Was Sie selbst tun können

  • Beobachten Sie Ihre Symptome: Wann tritt das Engegefühl auf? Gibt es bestimmte Auslöser?
  • Achten Sie auf Ihre Körperhaltung: Sitzen Sie aufrecht und vermeiden Sie es, den Kopf nach vorne zu schieben.
  • Machen Sie Entspannungsübungen: Regelmäßige Entspannungsübungen können helfen, Stress abzubauen und Verspannungen zu lösen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Schildern Sie Ihre Beschwerden ausführlich und lassen Sie sich untersuchen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Engegefühl im Hals sollte immer ärztlich abgeklärt werden, wenn:

  • Die Beschwerden länger als ein paar Tage anhalten
  • Die Beschwerden sich verschlimmern
  • Begleitsymptome wie Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Schmerzen oder Atemnot auftreten
  • Ein Verdacht auf eine ernsthafte Erkrankung besteht

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