Englische Agenten: Eine Geschichte von Tradition, Innovation und Kontroversen

Der britische Geheimdienst blickt auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück, die von unkonventionellen Methoden, bahnbrechenden Erfolgen und tiefgreifenden Skandalen geprägt ist. Von den Anfängen im Schatten des Ersten Weltkriegs bis zur heutigen Rolle im digitalen Zeitalter hat sich der britische Geheimdienst immer wieder neu erfunden, um den Herausforderungen seiner Zeit gerecht zu werden.

Die Anfänge: Spionagefieber und die Geburt von MI5 und MI6

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte in Großbritannien ein regelrechtes "Spionagefieber". Die Angst vor deutschen Agenten, die angeblich das Land infiltrierten, war allgegenwärtig. Sensationsjournalisten und Romanautoren schürten die antideutsche Hysterie, und die Bevölkerung war fest davon überzeugt, dass es auf der Insel nur so von Spionen wimmelte.

In diesem Klima beschloss das britische Parlament im Jahr 1909, einen Sonderausschuss zur Untersuchung der Spionagegefahr einzusetzen. Das Ergebnis war die Gründung des Secret Intelligence Bureau, das am 1. Oktober desselben Jahres seine Arbeit aufnahm. Es bestand aus einer Inlands- und einer Auslandsabteilung, die später als MI5 und MI6 bekannt wurden.

MI5, der Inlandsgeheimdienst, sollte das Land vor feindlichen Spionen schützen, während MI6, der Auslandsgeheimdienst, selbst Spione ins Ausland schicken sollte. Die Kürzel MI stehen für Military Intelligence, Section 5 und 6.

Unkonventionelle Methoden und exzentrische Persönlichkeiten

Von Anfang an setzte der britische Geheimdienst auf unkonventionelle Methoden und rekrutierte exzentrische Persönlichkeiten. Der erste Leiter des SIS, Mansfield Cumming, meldete beispielsweise eine Briefkastenfirma an, um besser im Verborgenen zu agieren. Augenzeugen zufolge rammte er in Gesprächen mit neuen Rekruten sein Taschenmesser in sein Holzbein und studierte die Reaktion des Gegenübers. Er unterschrieb mit einem "C" in grüner Tinte, was zum Codenamen für den Chef der britischen Auslandsspionage wurde.

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Ein weiteres frühes Mitglied des SIS besaß angeblich einen Ring mit einem besonders schnell wirkenden Gift aus Peru und eine Krawattennadel mit eingebauter Kamera. Trotz aller Exzentrik stellte sich Erfolg ein: Bereits Anfang der 1930er-Jahre besaß die Organisation ein weltweites Netzwerk aus Spionage-Profis.

Erfolge im Zweiten Weltkrieg: Enigma und Doppelagenten

Während des Zweiten Weltkriegs spielte der britische Geheimdienst eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung Nazi-Deutschlands. Eine talentierte SIS-Einheit aus jungen Frauen knackte den Code der Enigma-Maschine, mit der die Nazis ihre Kommunikation verschlüsselten. Das auf diese Weise gewonnene Wissen ermöglichte den Alliierten die Durchführung des D-Day in der Normandie und schwächte die Kampfkraft Nazi-Deutschlands massiv.

Auch im Bereich der Doppelagenten war der britische Geheimdienst erfolgreich. Im Jahr 1974 gelang es dem SIS, ein hochrangiges KGB-Mitglied als Doppelagenten zu verpflichten. Der SIS bekam somit einen tiefen Einblick in die Geschehnisse hinter dem Eisernen Vorhang.

Umgekehrt fütterte der MI5 im Zweiten Weltkrieg deutsche Spione mit gefälschten Informationen. Die Government Code and Cypher School fing Funksprüche der Kriegsgegner ab und versuchte sie zu entschlüsseln.

Skandale und Kontroversen: Die Cambridge Five und die neue Mitteilsamkeit

Trotz seiner Erfolge war der britische Geheimdienst auch immer wieder in Skandale und Kontroversen verwickelt. Anfang der 1950er-Jahre flog ein Spionagering britischer Diplomaten und Agenten auf, die Informationen des britischen Geheimdienstes an den KGB weitergegeben hatten. Es handelte sich um fünf ehemalige Studenten der Eliteuniversität Cambridge, genannt "Cambridge Five", darunter Kim Philby, der Verbindungsmann der Briten zu den US-Geheimdiensten.

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In jüngerer Zeit hat der britische Geheimdienst eine neue Strategie der "Mitteilsamkeit" eingeschlagen. So veröffentlicht der SIS regelmäßig Tweets und Enthüllungen, die weltweit für Aufsehen sorgen. Diese neue Strategie wird von einigen als clevere Propaganda kritisiert, während andere sie als legitimes Mittel zur Bekämpfung von Desinformation betrachten.

Die Rolle des GCHQ im digitalen Zeitalter

Neben MI5 und MI6 spielt auch die Zentrale für Regierungskommunikation (GCHQ) eine wichtige Rolle im britischen Geheimdienstapparat. Der GCHQ ist für digitale Geheimdienstinformationen zuständig und wirkte zentral bei globalen Spionagenetzwerken wie Echelon und Lauschangriffen wie Tempora und Prism mit.

Britische Spione in der Fiktion: James Bond und andere

Der britische Geheimdienst hat auch in der Fiktion eine wichtige Rolle gespielt. Der weltweit bekannteste britische Geheimagent ist zweifellos James Bond, der für den Secret Intelligence Service (SIS) arbeitet. Die Figur des James Bond wurde von Ian Fleming geschaffen, der selbst während des Zweiten Weltkriegs für den britischen Marinegeheimdienst arbeitete.

Auch andere Autoren haben sich mit dem Thema Spionage auseinandergesetzt. Joseph Conrad schrieb 1907 den Roman "Der Geheimagent", in dem er das Leben eines Agenten in London schildert. Graham Greene veröffentlichte 1978 den Roman "Der menschliche Faktor", in dem er die moralischen Dilemmata eines Doppelagenten thematisiert. John le Carré schrieb 1963 den Roman "Der Spion, der aus der Kälte kam", der als einer der besten Spionageromane aller Zeiten gilt.

Die Agentenausrüstung: Zwischen Fiktion und Realität

Bei James Bonds Quartiermeister Q ist nie sicher, ob das Sandwich echt ist oder explodiert, wenn einer hineinbeißt. Qs Labor gleicht einem Museum für Agentenausrüstung, eine Erfindung des James-Bond-Schöpfers Ian Fleming und der Filmindustrie.

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Doch es ist mehr dran an den Gerätschaften als gedacht. Beinahe wäre eine Absurdität des englischen Geheimdienstes in den Annalen der Geschichte verschwunden, die zeigt, dass die Abteilung Q des MI 6 wohl nicht nur der Fantasie entsprungen ist: der Ausstellungsraum der "Special Operations Executive", kurz SOE, im Londoner Natural History Museum.

Die Sondertruppe wurde 1940 von Winston Churchill geschaffen für Sabotageakte in Deutschland und in besetzten Gebieten. Sie galt als seine Geheimarmee. Weil ihr Hauptquartier in der Baker Street lag, wurden ihre Mitglieder auch als "Baker Street Irregulars", als Baker-Street-Spezialeinheit, bezeichnet nach den Hilfsdetektiven, durch die Sherlock Holmes Informationen bekam.

In sechs Räumen wurden nach Themen geordnet Exponate aus so aufregend klingenden Bereichen wie "Brandsätze und Sprengladungen" oder "Tarnung von Sprengstoffen" gezeigt: als Kohle oder Brennholz getarnte Bomben, die unters Brennmaterial von Zügen gemischt werden konnten, explodierender Tierdung - je nach Einsatzgebiet den Exkrementen von Pferden, Eseln oder Kamelen nachempfunden; auch Attrappen in Obst- und Gemüseform, um sie unter echte Lebensmittel zu schmuggeln.

Zu den absurderen Erfindungen gehörten in ausgestopfte Ratten eingenähte Sprengsätze und Schuhe, die Barfußabdrücke hinterließen, um den Feind zu verwirren. Auch neue Maschinenpistolen, Revolver und Haftminen sowie Schwimmausrüstungen und mit Fallschirm abwerfbare Miniaturmotorräder waren zu sehen.

Bekannte Spionagefälle: Agenten, Informanten, Verräter

Die Geschichte des britischen Geheimdienstes ist reich an bekannten Spionagefällen, die von Agenten, Informanten und Verrätern geprägt sind. Zu den bekanntesten Fällen gehören:

  • Kim Philby: Ein Mitglied der Cambridge Five, der jahrelang als Doppelagent für den KGB arbeitete und wichtige Informationen an die Sowjetunion weitergab.
  • Oleg Gordijewski: Ein hochrangiger KGB-Offizier, der mehr als zehn Jahre lang den britischen Geheimdienst MI6 mit Informationen versorgte und 1985 mit Hilfe britischer Agenten aus der Sowjetunion floh.
  • Fritz Kolbe: Ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, der ab 1943 unter dem Decknamen „George Wood“ geheime Informationen an die Amerikaner lieferte, unter anderem über die Dechiffrierung amerikanischer Geheimcodes, das V-Waffenprogramm, NS-Spione und den D-Day.
  • Aldrich Hazen Ames: Ein CIA-Agent, der Geheiminformationen an die Sowjetunion verkaufte und dadurch die Hinrichtung von mindestens zehn CIA-Spionen und die Vereitelung von hundert Geheimoperationen verursachte.

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