Krampfanfälle bei Englischen Bulldoggen: Ursachen und Behandlung

Epilepsie, auch bekannt als "Fallsucht", ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Hunden und kann in jedem Alter auftreten. Sie ist durch wiederholte Fehlfunktionen des Gehirns gekennzeichnet, die durch eine vorübergehende Störung des Gleichgewichts zwischen elektrischer Ladung und Entladung der Nervenzellen verursacht werden.

Was ist Epilepsie?

Bei Epilepsie geben ganze Neuronenverbände gleichzeitig unkontrolliert Stromstöße ab. Das Großhirn reagiert auf diese überschießende elektrische Aktivität mit einem epileptischen Anfall. Die Anfälle können unterschiedlich stark sein und hören in den meisten Fällen von selbst wieder auf.

Arten von Epilepsie

Tierärzte unterteilen epileptische Erkrankungen grob in zwei Gruppen:

  • Partielle oder fokale Epilepsie: Hier umfasst der elektrische "Kurzschluss" nur einzelne Bereiche des Gehirns und äußert sich lediglich an einzelnen Körperstellen. Oft werden diese Anfälle von Tierbesitzern nicht als solche erkannt, da sie ohne Bewusstseinstrübung ablaufen. Symptome können Zuckungen der Lefzen, einer Gliedmaße oder einzelner Muskeln sein.
  • Generalisierte Epilepsie: Bei dieser Form sind von Anfang an beide Großhirnhälften beteiligt. Der Anfall breitet sich in der Folge über den gesamten Tierkörper aus. Der tonische Anfall, bei dem sich die Skelettmuskulatur hochgradig anspannt, ist bei Hunden am häufigsten.

Stadien eines generalisierten epileptischen Anfalls

Ein generalisierter epileptischer Anfall verläuft typischerweise in drei Stadien:

  1. Vorwarnstadium: Der Anfall kündigt sich durch leicht verändertes Verhalten an. Der Hund ist unruhig, leckt die Lippen, speichelt oder uriniert vermehrt.
  2. Anfallsstadium: Der Anfall beginnt plötzlich mit einer Versteifung der Skelettmuskulatur. Der Hund fällt mit ausgestreckten Beinen um, ist nicht mehr ansprechbar und verliert das Bewusstsein. Krampfartige Muskelzuckungen und Paddelbewegungen sind typisch. Blase und Darm können sich entleeren, und der Hund kann stark speicheln oder winseln. Meist dauert dieser Zustand etwa zwei Minuten.
  3. Nachanfallsstadium: Nach dem Anfall ist der Hund meist erschöpft und benommen. Einige Tiere erholen sich schnell, während andere noch Stunden später mit neurologischen Ausfällen wie Drangwandern, Sehstörungen, Desorientierung, Steifheit, wackligem Gang oder verändertem Hunger- und Durstgefühl zu kämpfen haben.

Ursachen von Krampfanfällen bei Englischen Bulldoggen

Epilepsien können angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Die Ursachen sind vielfältig:

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  • Primäre (idiopathische) Epilepsie: Die genaue Ursache ist unbekannt. Das Gehirn der Tiere weist keine anatomischen Veränderungen auf, und die Tiere zeigen zwischen den Anfällen keine klinischen Symptome. Bei einigen Rassen, wie dem Rhodesian Ridgeback, wurde eine genetische Veranlagung nachgewiesen.
  • Strukturelle (sekundäre symptomatische) Epilepsie: Hier lösen andere Erkrankungen des Gehirns die Anfälle aus. Ursachen können Hirntumore, Schädeltraumata, Hirnblutungen oder Gehirn(haut)entzündungen sein. Veränderungen im Gehirn sind im MRT sichtbar.
  • Metabolische Epilepsie: Stoffwechselerkrankungen wie eine gestörte Leberfunktion, Unterzuckerung oder Veränderungen der Blutsalze (insbesondere des Kalziumspiegels) erhöhen das Anfallsrisiko.

Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose erfolgt im Ausschlussverfahren. Zunächst müssen andere Ursachen für die Krampfanfälle ausgeschlossen werden. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT können strukturelle Hirnveränderungen identifizieren. Erst wenn alle anderen Ursachen ausgeschlossen sind, kann von einer genetischen Epilepsie ausgegangen werden.

Behandlung von Krampfanfällen bei Englischen Bulldoggen

Die Behandlung hängt von der Ursache und der Art der Epilepsie ab:

  • Strukturelle Epilepsie: Die Grunderkrankung wird behandelt. Bei Infektionen hängt die Therapie von der Art der Infektion ab. Zusätzlich werden Antiepileptika eingesetzt.
  • Genetische Epilepsie: Da diese Form nicht heilbar ist, zielt die medikamentöse Dauertherapie darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und abzuschwächen. Tierbesitzer müssen die Tabletten konsequent verabreichen und ein Anfalls-Tagebuch führen.

Was tun, wenn Ihr Hund einen Krampfanfall hat?

Es ist wichtig, ruhig zu bleiben, auch wenn der Anblick eines krampfenden Hundes beängstigend ist. Dunkeln Sie den Raum ab, wenn möglich, und lassen Sie Ihren Hund Ihre Anwesenheit spüren. Verabreichen Sie Ihrem krampfenden Hund keinesfalls oral Medikamente, da er im Krampfzustand keine Kontrolle über seine Kiefermuskulatur hat und Sie beißen könnte.

Wann ist ein Tierarztbesuch erforderlich?

Ein einzelner Anfall hat zunächst keine gesundheitlichen Folgen. Lebensbedrohlich wird es jedoch, wenn ein Anfall länger als zehn Minuten dauert oder sich die Anfälle so schnell wiederholen, dass der Hund dazwischen nicht mehr zu Bewusstsein kommt (Status epilepticus). In diesem Fall muss das Tier unverzüglich auf die Intensivstation. Auch Serienanfälle (mehrere innerhalb eines Tages) können zu bleibenden Hirnschäden oder einem Status epilepticus führen.

Weitere neurologische Erkrankungen bei Hunden

Neben Epilepsie gibt es noch weitere neurologische Erkrankungen, die bei Hunden auftreten können, darunter:

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  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall kann auf das Rückenmark drücken und neurologische Symptome verursachen.
  • Schädel-Hirn-Trauma: Eine Schädigung des Gehirns durch einen Unfall kann zu Bewusstseinsstörungen, Bewegungsstörungen, veränderten Pupillenreaktionen und Benommenheit führen.
  • Virusinfektionen: Verschiedene Viren können Nervenerkrankungen auslösen, darunter Tollwut, FSME und Aujeszky-Krankheit.

Häufige Krankheiten älterer Hunde

Im Alter können bei Hunden verschiedene Gesundheitsprobleme auftreten, die ihre Lebensqualität beeinträchtigen können. Dazu gehören:

  • Probleme des Bewegungsapparates: Arthrose und andere Gelenkerkrankungen können zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.
  • Zahnprobleme: Parodontitis und andere Zahnerkrankungen sind häufig und können zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen.
  • Innere Erkrankungen: Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen und hormonelle Störungen wie das Cushing-Syndrom oder die Hypothyreose können auftreten.
  • Inkontinenz: Harn- oder Stuhlinkontinenz kann für Hunde und ihre Besitzer sehr belastend sein.
  • Krebs: Das Risiko, dass Hunde bösartige Tumore entwickeln, steigt mit zunehmendem Alter.
  • Augenerkrankungen: Grauer Star (Katarakt) und Glaukom können die Sehkraft beeinträchtigen.

Überwachung der Gesundheit älterer Hunde

Regelmäßige Tierarztbesuche sind wichtig, um altersbedingte Beschwerden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Ein Hundetracker kann helfen, die Vitalwerte, Aktivität und den Schlaf des Hundes zu überwachen und mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen.

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