Brennende Schmerzen im Bereich des Nervus tibialis: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Brennende Schmerzen im Bereich des Nervus tibialis, auch Schienbeinnerv genannt, können sehr belastend sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Um die bestmögliche Behandlung zu finden, ist es wichtig, die Ursachen dieser Schmerzen zu verstehen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die möglichen Ursachen brennender Schmerzen im Bereich des Nervus tibialis und die verschiedenen Behandlungsansätze.

Anatomie und Funktion des Nervus tibialis

Der Nervus tibialis ist ein wichtiger Nerv im Unterschenkel und Fuß. Er ist ein medialer Anteil des Nervus ischiadicus, der in Höhe des Oberschenkels verläuft. In Höhe des Innenknöchels tritt der Nerv wieder an die Oberfläche und erreicht gemeinsam mit der Arterie und mehreren Venen (Arteria und Vena tibialis posterior) den Tarsaltunnel zwischen dem Innenknöchel und der Achillessehne. Meistens teilt sich der Nervus tibialis innerhalb des Tarsaltunnels in seine Endäste. Diese Äste versorgen sensibel den plantaren Vorfuß bis zu den Zehen und motorisch die Muskulatur der Fußsohle und insbesondere die Zehenbeuger.

Mögliche Ursachen für brennende Schmerzen im Bereich des Nervus tibialis

Brennende Schmerzen im Bereich des Nervus tibialis können verschiedene Ursachen haben. Einige der häufigsten Ursachen sind:

Tarsaltunnelsyndrom

Das Tarsaltunnelsyndrom ist ein Nervenengpasssyndrom, bei dem der Nervus tibialis im Tarsaltunnel am Innenknöchel eingeengt wird. Diese Einengung kann zu einer Fehlfunktion des Nervs führen, die sich in brennenden Schmerzen, Kribbeln, Ameisenlaufen, Krämpfen und Taubheitsgefühl an der Fußsohle äußern kann. Die Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten und werden oft unter Belastung oder nachts verstärkt. Gängige Schmerzmittel sind oft wirkungslos.

Die Ursachen für das Tarsaltunnelsyndrom können vielfältig sein. In einigen Fällen ist die Ursache idiopathisch, d.h. unbekannt. In anderen Fällen kann das Syndrom durch posttraumatische Veränderungen oder Raumforderungen im Tarsaltunnel verursacht werden. Häufig findet man aber intraoperativ nur ein, die Nerven einengendes, Retinaculum (Halteband) und sonst keine konkrete Ursache.

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Intraneurale Ganglienzysten

Intraneurale Ganglienzysten sind seltene, zystische Veränderungen innerhalb eines Nervs. Diese Zysten können auf den Nervus tibialis drücken und zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Muskelschwäche im Versorgungsgebiet des Nervs führen.

Morton-Neuralgie

Die Morton-Neuralgie ist eine schmerzhafte Nervenreizung im Bereich der Fußsohle zwischen den Mittelfußknochen. Es handelt sich um eine Verdickung eines Plantarnervenastes - meist durch chronischen Druck oder wiederholte Reibung. Dies kann auch zu brennenden Schmerzen im Bereich des Nervus tibialis führen.

Periphere Neuropathie

Eine periphere Neuropathie ist eine Schädigung der peripheren Nerven, die verschiedene Ursachen haben kann, wie z.B. Diabetes mellitus, Alkoholkonsum oder bestimmte Medikamente. Brennschmerzen können auch durch eine Small Fibre PNP verursacht werden.

Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP)

Die CIDP ist eine autoimmunologisch bedingte Erkrankung des peripheren Nervensystems, die zu Schwäche, Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Brennschmerzen in den Extremitäten führen kann.

Vaskulitische Neuropathien

Vaskulitische Neuropathien sind Erkrankungen des peripheren Nervensystems, bei denen es durch entzündliche Veränderungen der Blutgefäße zu einer Nervenschädigung kommt.

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Diagnostik

Um die Ursache der brennenden Schmerzen im Bereich des Nervus tibialis zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich:

  • Anamnese und klinische Untersuchung: Der Arzt wird zunächst die Krankengeschichte des Patienten erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen, um die Symptome zu beurteilen und mögliche Ursachen einzugrenzen. Ein Hoffmann-Tinelsches Zeichen - elektrisierende Missempfindungen bei Beklopfen des Nervs - ist bei mehr als der Hälfte der Patienten auszulösen.
  • Elektrophysiologische Untersuchung: Die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) kann gemessen werden, um die Funktion des Nervus tibialis zu überprüfen und festzustellen, ob eine Nervenschädigung vorliegt. Für einige sensible Nerven, insbesondere für die distalen an den UE (N. plantaris medialisbds, N saphenus bds) können doch deutlich verlangsamte NLG abgeleitet werden, teils konnten keine Reizantworten evoziert werden, wobei dies eventuell auch technisch/physiologisch bedingt sein konnte.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT oder Ultraschall eingesetzt werden, um den Tarsaltunnel und die umliegenden Strukturen zu beurteilen und mögliche Raumforderungen oder andere Ursachen für die Nervenkompression zu identifizieren. Eine Kernspintomografie sollte erfolgen, um ein Lipom oder einen gutartigen Tumor auszuschließen.
  • Nervenbiopsie: In seltenen Fällen kann eine Nervenbiopsie erforderlich sein, um die Diagnose einer vaskulitischen Neuropathie oder einer anderen entzündlichen Erkrankung zu bestätigen.
  • Untersuchung von Hautstanzen: Untersuchung von Hautstanzen zur Abklärung einer Small Fibre PNP.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von brennenden Schmerzen im Bereich des Nervus tibialis richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten:

Konservative Behandlung

  • Ruhigstellung: Die Ruhigstellung der distalen unteren Extremitäten kann helfen, den Nervus tibialis zu entlasten und die Entzündung zu reduzieren.
  • Kühlung: Kühlung des betroffenen Bereichs kann ebenfalls helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern.
  • Orthopädische Maßnahmen: Orthopädische Schuheinlagen oder Nachtlagerungsschienen können helfen, den Fuß zu stabilisieren und den Druck auf den Nervus tibialis zu verringern.
  • Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Kortison können zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt werden. Auch Infiltrationen mit Lokalanästhestika oder Corticoidpräparate in Frage. Letztere sollte allerdings nicht oft durchgeführt werden, wegen des erhöhten Risikos und mäßigem Erfolges.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und die Nervenfunktion zu fördern.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Wenn die brennenden Schmerzen durch eine Grunderkrankung wie rheumatoide Arthritis oder Hypothyreose verursacht werden, ist die Behandlung dieser Erkrankung ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Operative Behandlung

Wenn die konservative Behandlung nicht erfolgreich ist, kann eine operative Entlastung des Nervus tibialis in Erwägung gezogen werden. Ziel der Operation ist die Entlastung des eingeengten Nervs, was mittels Durchtrennung des Haltebandes der Beugesehnen (Retinaculum flexorum) gelingt. Die heute angewandten minimalinvasiven OP-Methoden verkürzen den Heilungsprozess im Vergleich zu früher erheblich. In der modernen Fußchirurgie wird das Tarsaltunnelsyndrom häufig erfolgreich mittels Endoskopie (Schlüsselloch-Verfahren) operiert.

Weitere operative Verfahren

  • Dekompression des Nervus tibialis: Bei der Dekompression des Nervus tibialis wird der Tarsaltunnel erweitert, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren.
  • Entfernung von Raumforderungen: Wenn eine Raumforderung wie eine Ganglienzyste oder ein Tumor auf den Nervus tibialis drückt, kann diese operativ entfernt werden.
  • Neurektomie: In seltenen Fällen kann eine Neurektomie, d.h. die Durchtrennung des Nervs, erforderlich sein, um die Schmerzen zu lindern.

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