Hirnstimulation und Entzugssymptome: Ursachen, Behandlung und Umgang mit "elektrischen Schocks" im Gehirn

Viele Menschen, die mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen zu kämpfen haben, erleben, dass Standardbehandlungen wie Medikamente oder Psychotherapie nicht immer die gewünschte Wirkung erzielen. Glücklicherweise gibt es alternative Behandlungsmethoden, wie die Hirnstimulation, die neue Hoffnung geben können. Allerdings können auch beim Absetzen von Medikamenten unerwünschte Symptome auftreten, darunter sogenannte "Brain Zaps" oder "elektrische Schocks" im Gehirn. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Hirnstimulation, die Ursachen und Begleiterscheinungen von Brain Zaps und gibt Ratschläge zum Umgang mit diesen Symptomen.

Hirnstimulation als Alternative bei therapieresistenten Depressionen

Bei einem Drittel bis zur Hälfte der Patient:innen mit Depressionen schlagen Standardtherapien nicht an. In solchen Fällen können Hirnstimulationsmethoden eine wirksame Alternative darstellen. Diese nicht-invasiven Ansätze beinhalten keinen chirurgischen Eingriff in den Schädel.

Elektrokonvulsionstherapie (EKT)

Bei der EKT werden elektrische Ströme per Elektrode an der Kopfhaut angelegt. Kurze Stromimpulse lösen einen Krampfanfall aus, ähnlich einem epileptischen Anfall. Obwohl der genaue Mechanismus noch nicht vollständig verstanden ist, hat die EKT therapeutische Effekte. Psychiater berichten von Besserungsraten zwischen 50 und 90 Prozent bei schwerer und therapieresistenter Depression. Die EKT wird heute nur noch unter Kurznarkose durchgeführt, wobei ein muskelentspannendes Mittel die typischen Muskelzuckungen während des Krampfanfalls verhindert. Mögliche Nebenwirkungen sind vorübergehende Gedächtnisstörungen.

Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)

Auch bei der rTMS wird nichtinvasiv durch die Schädeldecke hindurch gearbeitet. Statt generelle Krampfanfälle auszulösen, werden nur die Hirnareale stimuliert, die von der Depression betroffen sein könnten. Dazu sendet eine an die Kopfhaut angelegte Magnetspule eine Reihe von magnetischen Impulsen aus, die elektrische Ströme im Hirn erzeugen. Bisherigen Studien zufolge zeigt die Magnetstimulation eine Wirksamkeit von bis zu 70 Prozent. Die rTMS wird in der Nationalen Versorgungsleitlinie vor allem bei therapieresistenten Depressionen empfohlen.

Wirkungsweise der Hirnstimulation

Wie genau sich die therapeutische Wirkung der nicht-invasiven Stimulationsverfahren erklären lässt, ist noch unklar. Elektroimpulse könnten helfen, das Gleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn wiederherzustellen oder auch die neue Verknüpfung von Nervenzellen anregen. Bei einigen Erkrankungen ist es sinnvoll, die Gehirnaktivität zu hemmen, während bei anderen eine Erregung nötig ist.

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Weitere somatische Therapien

Neben der EKT und rTMS gibt es weitere somatische, d.h. körperbezogene Therapien, die zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. Dazu gehören:

  • Lichttherapie: Tägliche Exposition gegenüber einer starken Lichtquelle (2.500 bis 10.000 Lux) für 30 bis 40 Minuten, besonders wirksam bei saisonal bedingter Depression (Winterdepression).
  • Therapeutischer Schlafentzug: Zwei- bis dreimal pro Woche bleiben die Patienten eine Nacht oder die zweite Nachthälfte wach, um die Wirkung von Medikamenten und Psychotherapie zu unterstützen.
  • Bewegung: Sport und Rehabilitationssport können die Behandlung einer Depression unterstützen und die Bewegungsfähigkeit verbessern.

Brain Zaps: Ursachen und Begleiterscheinungen

Brain Zaps werden oft als kurze, elektrische Schock-Empfindungen beschrieben, die sich im Gehirn ausbreiten. Sie sind ein häufig beschriebenes Absetzsymptom beim Absetzen von SSRIs (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) und anderen Psychopharmaka.

Ursachen von Brain Zaps

Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass sie mit abrupten Veränderungen des Serotonin-Spiegels im Gehirn zu tun haben. SSRIs beeinflussen die Signalübertragung zwischen Nervenzellen, und wenn die Medikation plötzlich gestoppt wird, kommt es zu einer Art Entzug, was zu diesen Symptomen führen kann.

Medikamentenbedingte Ursachen

Die häufigste Ursache für Brain Zaps ist das Absetzen oder Reduzieren bestimmter Medikamente, die auf das Serotonin-System im Gehirn einwirken. Dazu gehören:

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs): SSRIs wie Fluoxetin (Prozac), Sertralin (Zoloft), Escitalopram (Lexapro) und Paroxetin (Paxil) gehören zu den am häufigsten verschriebenen Antidepressiva.
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs): SNRIs wie Venlafaxin (Effexor) und Duloxetin (Cymbalta) wirken auf zwei Neurotransmittersysteme: Serotonin und Noradrenalin.
  • Benzodiazepine und andere angstlösende Medikamente: Medikamente wie Diazepam (Valium), Alprazolam (Xanax) und Lorazepam (Tavor) wirken beruhigend, indem sie den GABA-Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen.
  • Schlafmittel (Hypnotika): Medikamente wie Zolpidem (Ambien) und Zopiclon (Ximovan) können beim Absetzen ähnliche Effekte wie Benzodiazepine hervorrufen.
  • Andere Psychopharmaka: Auch das Absetzen anderer Psychopharmaka wie trizyklischer Antidepressiva, MAO-Hemmer oder bestimmter Neuroleptika kann mit Brain Zaps verbunden sein.

Weitere Auslöser für Brain Zaps

Obwohl Medikamente die häufigste Ursache sind, können Brain Zaps auch durch andere Faktoren ausgelöst oder verstärkt werden:

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  • Stress und Erschöpfung: Anhaltender Stress versetzt den Körper in einen Alarmzustand und kann die empfindliche Balance der Neurotransmitter stören.
  • Schlafmangel und gestörte Schlafmuster: Bei chronischem Schlafmangel oder stark gestörten Schlafmustern kann es zu Unregelmäßigkeiten in der neuronalen Aktivität kommen.
  • Alkohol und andere Substanzen: Alkohol, Koffein und bestimmte Drogen können den Neurotransmitterhaushalt im Gehirn beeinflussen.
  • Nährstoffmängel: Bestimmte Vitamine und Mineralstoffe spielen eine wichtige Rolle für die gesunde Funktion des Nervensystems. Insbesondere Mängel an B-Vitaminen, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren können die Empfindlichkeit des Nervensystems erhöhen.
  • Hormonelle Schwankungen: Einige Frauen berichten von Brain Zaps in Verbindung mit hormonellen Veränderungen - während des Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft oder in der Menopause.

Das Spektrum der Brain-Zap-Empfindungen

Die Empfindung von Brain Zaps kann von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Manche beschreiben sie als:

  • Elektrische Entladungen
  • Summende Vibrationen
  • "Brain Shivers"
  • "Brain Drops"
  • Lichtblitze oder optische Störungen

Diese Empfindungen dauern typischerweise nur Sekundenbruchteile bis wenige Sekunden an, können aber mehrmals täglich auftreten.

Begleitsymptome von Brain Zaps

Häufig werden Brain Zaps von einer Reihe weiterer Empfindungen begleitet:

  • Momentaner Schwindel
  • Kurzzeitige Desorientierung
  • Ohrgeräusche
  • Übelkeit
  • Herzrasen
  • Angstwelle

Die Neurobiologie hinter Brain Zaps

Bei Brain Zaps gerät das fein abgestimmte Zusammenspiel der Neurotransmitter im Gehirn kurzzeitig aus dem Takt. Dies geschieht besonders häufig, wenn der Spiegel bestimmter Neurotransmitter - vor allem Serotonin - plötzlichen Schwankungen unterliegt. Die Rolle der Raphe-Kerne, Ansammlungen von Nervenzellen im Hirnstamm, die für die Produktion von Serotonin zuständig sind, ist hierbei besonders interessant.

Umgang mit Brain Zaps

Obwohl Brain Zaps in der Regel harmlos sind, können sie sehr unangenehm und beunruhigend sein. Hier sind einige Strategien, die helfen können, die Symptome zu lindern:

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  • Langsames Ausschleichen: In Absprache mit dem Arzt sollte eine schrittweise Dosisreduktion erfolgen, um Absetzsymptome zu minimieren.
  • Omega-3-Fettsäuren: Einige berichten, dass diese die Symptome lindern können.
  • Reize runterfahren: Keine schnellen Bewegungen, kein Dauer-Scan, kein Katastrophenfilm im Kopf.
  • Geduld: Die Stromschläge gehen weg. Wirklich. Meist nach ein paar Tagen bis Wochen.
  • Nährstoffmängel ausgleichen: Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von B-Vitaminen, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren.
  • Stress reduzieren: Entspannungsübungen, Meditation und Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Neurotransmitterbalance zu verbessern.
  • Ausreichend Schlaf: Achten Sie auf regelmäßige Schlafzeiten und eine gute Schlafhygiene, um die Regeneration des Gehirns zu unterstützen.

Wann ärztliche Hilfe ratsam ist

In folgenden Situationen sollten Sie einen Arzt aufsuchen:

  • Plötzliches Auftreten ohne erkennbare Ursache
  • Zunehmende Intensität oder Häufigkeit
  • Begleitende neurologische Symptome
  • Starke psychische Belastung

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