Entzündete Herde im Gehirn: Cannabis als Therapieoption und Risiken

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der Entzündungsherde im Gehirn und Rückenmark auftreten. Diese Herde können verschiedene Symptome verursachen, darunter Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Gleichgewichtsstörungen und motorische Einschränkungen. Die Behandlung von MS zielt darauf ab, die Entzündung zu reduzieren, Schübe zu verhindern und die Symptome zu lindern. In diesem Zusammenhang wird Cannabis als mögliche Therapieoption diskutiert, wobei sowohl potenzielle Vorteile als auch Risiken berücksichtigt werden müssen.

Multiple Sklerose und Entzündungsherde im Gehirn

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheide angreift, die die Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark umgibt. Dieser Angriff führt zu Entzündungen und Schäden an der Myelinscheide, was die Kommunikation zwischen den Nervenzellen beeinträchtigt. Die Folge sind vielfältige neurologische Symptome, die je nach Lokalisation der Entzündungsherde variieren können.

Diagnose und Verlauf: Die Diagnose von MS basiert auf verschiedenen Kriterien, darunter klinische Symptome, MRT-Befunde und Liquoranalyse. Die räumliche und zeitliche Dissemination der Läsionen im zentralen Nervensystem ist ein wichtiges diagnostisches Kriterium. Dies bedeutet, dass Läsionen an verschiedenen Stellen im Gehirn und Rückenmark sowie zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten müssen. Der Verlauf von MS ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Patienten treten Schübe auf, gefolgt von Phasen der Remission, während bei anderen die Erkrankung kontinuierlich fortschreitet.

Therapie: Die Therapie von MS umfasst verschiedene Ansätze, darunter:

  • Verlaufsmodifizierende Therapien: Diese Medikamente zielen darauf ab, die Entzündung zu reduzieren, Schübe zu verhindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Zu den verfügbaren Medikamenten gehören Interferone, Glatirameracetat, Natalizumab, Fingolimod, Dimethylfumarat, Teriflunomid und Ocrelizumab.
  • Symptomatische Therapien: Diese Medikamente zielen darauf ab, die Symptome von MS zu lindern, wie z. B. Spastik, Schmerzen, Müdigkeit und Blasenstörungen.
  • Rehabilitation: Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie können helfen, dieFunktion und Lebensqualität von Patienten mit MS zu verbessern.

Cannabis als Therapieoption bei MS

Cannabis enthält verschiedene Wirkstoffe, darunter Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC). CBD hat entzündungshemmende, schmerzlindernde und angstlösende Eigenschaften, während THC psychoaktive Wirkungen hat. Einige Studien haben gezeigt, dass Cannabis bei der Behandlung von MS-Symptomen wie Spastik, Schmerzen und Schlafstörungen hilfreich sein kann.

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Wirkungsweise: CBD interagiert mit dem Endocannabinoid-System des Körpers, das eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Entzündungen, Schmerzen und anderen physiologischen Prozessen spielt. Durch die Aktivierung von Cannabinoid-Rezeptoren kann CBD Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern. THC wirkt ebenfalls auf das Endocannabinoid-System, kann aber auch psychoaktive Wirkungen haben.

Anwendungsformen: Cannabis kann in verschiedenen Formen angewendet werden, darunter:

  • Cannabisblüten: Diese können geraucht oder verdampft werden.
  • Cannabisöle: Diese können oral eingenommen oder unter die Zunge geträufelt werden.
  • Cannabiskapseln: Diese enthalten eine bestimmte Dosis an CBD oder THC.
  • Cannabissprays: Diese werden im Mund angewendet. Ein bekanntes Spray ist Sativex®, das sowohl CBD als auch THC enthält und unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.

Studienlage: Die Studienlage zur Wirksamkeit von Cannabis bei MS ist noch begrenzt, aber einige Studien haben vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Eine Studie aus dem Jahr 2012 ergab, dass Cannabisextrakt die Spastik bei MS-Patienten reduzieren kann. Eine andere Studie aus dem Jahr 2018 zeigte, dass CBD-Öl die Schmerzen bei MS-Patienten lindern kann. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Cannabis bei der Behandlung von Schlafstörungen und Angstzuständen bei MS hilfreich sein kann.

Risiken und Nebenwirkungen von Cannabis

Die Verwendung von Cannabis ist nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Psychoaktive Wirkungen: THC kann psychoaktive Wirkungen wie Angstzustände, Paranoia und Halluzinationen verursachen. Diese Wirkungen können besonders bei Menschen mit psychischen Erkrankungen problematisch sein.
  • Beeinträchtigung der kognitiven Funktion: Cannabis kann die kognitive Funktion beeinträchtigen, einschließlich Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Entscheidungsfindung.
  • Atemwegsprobleme: Das Rauchen von Cannabis kann Atemwegsprobleme verursachen, wie z. B. chronische Bronchitis.
  • Abhängigkeit: Cannabis kann abhängig machen, insbesondere bei regelmäßigem Gebrauch.
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Cannabis kann mit anderen Medikamenten interagieren, was zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann.
  • Mögliche negative Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung: Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen kann der Cannabiskonsum negative Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung haben.

Kontraindikationen: Cannabis sollte nicht von Personen mit folgenden Erkrankungen verwendet werden:

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  • Psychische Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolare Störung
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Atemwegserkrankungen
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Cannabis und Entzündungen im Gehirn: Weitere Aspekte

Neben MS gibt es auch andere Erkrankungen, die mit Entzündungen im Gehirn einhergehen können, wie z. B. Meningitis und Depressionen.

Meningitis: Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute, die das Gehirn und Rückenmark umgeben. Sie wird häufig durch bakterielle oder virale Infektionen verursacht. Die Symptome einer Meningitis sind Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Eine bakterielle Meningitis muss umgehend mit Antibiotika behandelt werden, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Cannabis bei der Behandlung von Meningitis hilfreich ist.

Depressionen: Studien haben gezeigt, dass unbehandelte Depressionen Entzündungen im Gehirn hervorrufen können. Es gibt Hinweise darauf, dass Cannabinoide wie CBD und THC antidepressive Wirkungen haben könnten. Einige Studien haben gezeigt, dass CBD angstlösende und antidepressive Wirkungen haben kann. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um die Wirksamkeit von Cannabis bei der Behandlung von Depressionen zu bestätigen.

Rechtliche Aspekte

Die rechtliche Situation von Cannabis ist in vielen Ländern und Regionen unterschiedlich. In einigen Ländern ist Cannabis für medizinische Zwecke legal, während es in anderen Ländern illegal ist. In Deutschland ist Cannabis seit 2017 für schwerkranke Patienten auf Rezept erhältlich. Die Kosten für die Behandlung werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen, nachdem der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Verordnung geprüft hat.

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