Filme, die sich mit dem menschlichen Gehirn auseinandersetzen, bieten ein breites Spektrum an Interpretationen und Darstellungsweisen. Von wissenschaftlichen Dokumentationen bis hin zu fiktiven Horror- und Komödie-Streifen ist das Gehirn ein faszinierendes und vielschichtiges Thema, das Filmemacher immer wieder aufs Neue inspiriert. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene filmische Ansätze, die sich mit dem Gehirn beschäftigen, und analysiert ihre Stärken und Schwächen.
"Free the Mind": Zwischen Wissenschaft, Meditation und Kriegstrauma
Die Dokumentation "Free the Mind" der dänischen Regisseurin Phie Ambo präsentiert sich zunächst als ein unübersichtliches Konglomerat verschiedener Elemente. Spektakuläre Animationen des menschlichen Gehirns, die an den Science-Fiction-Klassiker "Fantastic Voyage" erinnern, wechseln sich ab mit Erläuterungen des US-Hirnforschers Richard Davidson, der das Gehirn als "Terra incognita des Denkens und Fühlens" beschreibt. Diese wissenschaftlichen Ausführungen werden durch Zeichentricksequenzen ergänzt, wobei Davidson selbst, ein Anhänger des Dalai Lama, wie eine Mischung aus "Hyper-Nerd und New-Age-Guru" wirkt.
Im Zentrum des Films stehen jedoch die eigentlichen Protagonisten: Steve und Rich, zwei Veteranen des Afghanistan- bzw. Irakkriegs, die an posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) leiden, sowie der kleine Will, der nach einer schwierigen Kindheit unter Hyperaktivität und Angstzuständen leidet. Die Verbindung zwischen diesen unterschiedlichen Schicksalen erschließt sich dem Zuschauer erst allmählich. Die Animationen "entzündeter Gehirne" korrelieren unweigerlich mit den gezeichneten Gesichtern der Veteranen, die entfernt an Travis Bickle aus "Taxi Driver" erinnern. Die Frage, die sich aufdrängt, ist, was die Kriegsveteranen mit dem kleinen Will verbindet. Beide Veteranen haben Schreckliches erlebt, während der kleine Junge sich dem Schrecken der Welt von Anfang an zu widersetzen scheint. Es entsteht eine Sehnsucht nach der verletzlichen Unschuld der Kindheit.
"Free the Mind" ist ein Film, der sich zwischen Wissenschaft, Meditation und der Auseinandersetzung mit Kriegstraumata bewegt. Im Kern ist er jedoch ein Veteranenfilm. Wie in vielen Filmen dieses Subgenres steht die Suche nach einem Neuanfang im Mittelpunkt. Allerdings gelingt es "Free the Mind" nicht, die allumfassende Atmosphäre der Heilung zu vermitteln, die John Huston in seiner Dokumentation "Let There Be Light" (1946) über Veteranen des Zweiten Weltkriegs so eindrücklich dargestellt hat. Ein Grund dafür mag sein, dass Regisseurin Ambo die gesellschaftlichen und moralischen Probleme der Kriegsheimkehrer zugunsten einer rein neurologischen Analyse vernachlässigt. Zudem folgt der Film kritiklos den Therapieansätzen von Richard Davidson, die recht simpel erscheinen und den Eindruck erwecken, als könnte man die Grausamkeiten des Krieges mit ein paar Atemübungen hinwegfegen. Die Meditationsübungen wirken wie eine Art Abfederung, die den Aufruhr in Watte packt. Ein Beispiel dafür ist die Aussage des Veteranen Rich, der auf die Frage nach dem Verbleib seiner Ehefrau nicht sagt, dass sie ihn verlassen habe, sondern dass sie sich beide im "Prozess der Trennung" befänden.
"Das Gehirn" (The Brain): Horror-Trash mit gesellschaftskritischem Unterton
Der Film "Das Gehirn" (Originaltitel: "The Brain") von Ed Hunt aus dem Jahr 1988 genießt in Fankreisen Kultstatus. Hunt, der bereits als Teenager Filmregisseur werden wollte, begann seine Karriere mit Erotikfilmen, bevor er sich dem Science-Fiction- und Horror-Genre zuwandte. "Das Gehirn" ist ein trashiger Horrorfilm, der jedoch auch gesellschaftskritische Elemente enthält.
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Die Handlung des Films ist ebenso absurd wie unterhaltsam: In Meadowvale-Country steigt die Anzahl der Selbstmorde und mysteriösen Unfälle, seit Dr. Blake (David Gale) dort seine TV-Sendung "Unabhängiges Denken" ausstrahlt. Der Junge Jim Majelewski entdeckt, dass sich hinter der Fassade des seriösen Wissenschaftlers ein außerirdisches Monster verbirgt. Dieses Monster manipuliert die Bevölkerung durch seine TV-Sendung und steigert so seine Macht und seinen Einfluss.
"Das Gehirn" ist ein "herrlicher Horror-Shlocker", der mit dem Zeigefinger in Richtung Massenhypnose und Beeinflussung durch das TV-Medium agiert. Der Film bedient sich dabei einer Reihe von surrealen und grotesken Elementen. So fließt beispielsweise Blut aus einem Plüschteddy, eine Monsterkralle greift aus dem Fernseher und Greifarme wachsen aus den Wänden. Die Frage, die sich stellt, ist, ob dies alles nur Halluzinationen oder Realität ist.
Obwohl "Das Gehirn" in erster Linie ein unterhaltsamer Trash-Film ist, weist er auch Ähnlichkeiten zu dem Film "Sie leben" auf, der ebenfalls die Manipulation der Bevölkerung durch eine versteckte Macht thematisiert. Allerdings kann "Das Gehirn" mit einigen anderen 80er-Jahre-Horrorfilmen nicht ganz mithalten, da er stellenweise etwas langatmig ist. Die Morde, die im Film zu sehen sind, sind nicht besonders spektakulär.
"Das Superhirn" (Le Cerveau): Eine Komödie mit Hindernissen
"Das Superhirn" (Originaltitel: "Le Cerveau") ist eine französische Komödie aus dem Jahr 1969 unter der Regie von Gérard Oury. Oury, der in den 60er Jahren mit Filmen wie "Die große Sause" große Erfolge feierte, konnte für "Das Superhirn" eine erstklassige Besetzung gewinnen, darunter Jean-Paul Belmondo, Bourvil, David Niven und Eli Wallach.
Die Handlung des Films dreht sich um Arthur (Belmondo), der aus dem Gefängnis ausbricht, um mit Hilfe seines Freundes Anatole (Bourvil) einen Zug zu überfallen, der Geld der Nato transportiert. Was die beiden nicht wissen, ist, dass auch das Superhirn (Niven), ein gerissener Verbrecher und Colonel der Nato, ein Auge auf den Zug geworfen hat. Es kommt zu einem Wettkampf um das begehrte Geld.
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"Das Superhirn" hat in Europa viele Fans und wird als "Gute-Laune-Film" bezeichnet, der "unglaublich komisch und temporeich" sei. Allerdings ist die Komik des Films nicht jedermanns Sache. Einige Kritiker bemängeln, dass der Film zu slapstickhaft sei und nicht wirklich komisch. So wird beispielsweise David Niven als Superhirn in einer Szene gezeigt, in der sein Kopf aufgrund der Größe seines Gehirns immer wieder zur Seite fällt. Dies wird in einer slapstickhaften Weise dargestellt, die an Stummfilme der 20er Jahre erinnert. Auch die Zimmerverwüstung in der Mitte des Films erinnert stark an den Stil der "Pink Panther"-Filme von Blake Edwards.
Obwohl "Das Superhirn" in der ersten Hälfte des Films einige Schwächen aufweist, kann Gérard Oury diese Plattheit in der zweiten Hälfte durch einige überraschende Wendungen teilweise wieder gutmachen und unterhält als temporeiche Verfolgungsjagd zumeist durchaus beachtlich.
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