Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem das motorische System betrifft. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet einen komplementären Ansatz zur Behandlung der Symptome und zur Verbesserung der Lebensqualität von Parkinson-Patienten. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung der TCM, insbesondere die Implantat-Ohr-Akupunktur, bei der Behandlung von Morbus Parkinson.
Einführung in Morbus Parkinson
Morbus Parkinson wurde erstmals 1817 von James Parkinson umfassend beschrieben und manifestiert sich typischerweise zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr. Die Erkrankungshäufigkeit liegt bei etwa 1:200 bis 500, was bedeutet, dass etwa jeder 200. bis 500. Mensch an Morbus Parkinson leidet. Die Hauptsymptome sind Akinese (Bewegungsverarmung), Rigor (Muskelversteifung) und Tremor (Zittern in Ruhe). Hinzu kommen oft vegetative Symptome wie Temperaturregulationsstörungen, Kreislaufdysregulationen, Obstipation, erhöhte Talgsekretion und depressive Verstimmungen.
Ursachen und Entstehung
Die Ursache der Parkinson-Symptome liegt im vermehrten Untergang dopaminerger Nervenzellen in der Substantia nigra im Mittelhirn. Diese Zellen produzieren den Nervenbotenstoff Dopamin, der für die Steuerung der Bewegungen unerlässlich ist. Ein Mangel an Dopamin führt zu den charakteristischen motorischen Störungen.
Epidemiologische Aspekte
Interessanterweise gibt es transkulturelle Unterschiede in der Häufigkeit von Morbus Parkinson. In der schwarzen Bevölkerung ist die Erkrankungshäufigkeit geringer als in der weißen Bevölkerung. Auch in der asiatischen Bevölkerung liegt die Inzidenz niedriger als in Europa und Amerika. Studien deuten darauf hin, dass Umweltfaktoren wie Pflanzenschutzmittel und oxidativer Stress eine Rolle bei der Entstehung von Morbus Parkinson spielen könnten.
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bei Morbus Parkinson
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Morbus Parkinson, der sowohl körperliche als auch seelische und energetische Aspekte berücksichtigt.
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TCM-Syndrome bei Parkinson
Die TCM lehrt, dass Parkinson-Syndrome auf drei Hauptursachen zurückzuführen sind:
- Depletio von Qi und Xue (Qi- und Blutmangel): Ein Mangel an Energie und Blut kann zu einer Unterversorgung der Muskeln führen, was sich in Zittern und Steifheit äußert.
- Depletio von Yin renale und Ying hepatis (Nieren- und Leber-Yin-Mangel): Ein Mangel an Yin kann zu innerer Unruhe und Nervosität führen, was die Symptome verstärken kann.
- Depletio von Qi lienale et stomachi (Milz- und Magen-Qi-Mangel): Ein Mangel an Verdauungskraft kann zu Müdigkeit und Schwäche führen, was die allgemeine Lebensqualität beeinträchtigt.
Behandlungsmethoden der TCM
Die TCM verwendet verschiedene Methoden zur Behandlung von Morbus Parkinson:
- Akupunktur: Durch das Setzen von Nadeln an spezifischen Akupunkturpunkten können Blockaden im Energiefluss (Qi) gelöst und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.
- Chinesische Kräutermedizin: Spezielle Kräuterrezepturen können die Symptome lindern und das Allgemeinbefinden verbessern.
- Tuina-Massage: Diese spezielle Form der Massage kann Muskelverspannungen lösen und die Durchblutung fördern.
- Qi-Gong-Übungen: Diese sanften Bewegungsübungen können die Energiebahnen (Meridiane) öffnen und den Energiefluss harmonisieren.
- Ernährungsempfehlungen: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten kann den Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgen und den Stoffwechsel unterstützen.
Die Rolle von "Wind" in der TCM-Erklärung von Parkinson
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird Morbus Parkinson oft auf einen Mangel an Blut oder Yin zurückgeführt, wobei "Wind" als Auslöser fungiert. Wenn der Körper nicht mehr ausreichend Blut für seine zahlreichen Muskeln produzieren kann, kommt es an verschiedenen Stellen des Körpers zu einer Unterversorgung. Dies kann zur Bildung von sogenanntem "inneren Wind" führen. Daraus ergeben sich typische Wind-Symptome:
- Muskelzittern, ähnlich dem Blätterzittern eines Baumes (Tremor).
- Wind blockiert den reibungslosen Fluss von Qi und Blut an verschiedenen Stellen des Körpers. Die Muskeln versteifen sich infolge dessen (Akinese, Rigor).
- Wind wechselt gerne seine Richtung und kann verschiedene Muskelgruppen beeinflussen.
- Wind kann plötzlich auftreten (Gang- und Standunsicherheit).
Die Bedeutung von Puls- und Zungendiagnose
Die genaue Ursache von Morbus Parkinson kann mithilfe von Puls- und Zungendiagnosen sowie durch gezielte Befragung zu Lebensgewohnheiten ermittelt werden. Diese Diagnosemethoden ermöglichen es dem TCM-Therapeuten, ein individuelles Behandlungskonzept zu erstellen, das auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist.
Implantat-Ohr-Akupunktur (I-O-A) bei Morbus Parkinson
Die Implantat-Ohr-Akupunktur (I-O-A) ist eine spezielle Form der Akupunktur, bei der kleine Titan-Nadeln dauerhaft in bestimmte Akupunkturpunkte am Ohr implantiert werden. Diese Methode wird seit einigen Jahren in Deutschland bei neurologischen Erkrankungen eingesetzt, wobei über Verbesserungen der Symptome und der Lebensqualität bei Parkinson-Patienten berichtet wird.
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Anwendung und Durchführung
Bei der I-O-A werden kleine Nadeln aus medizinischem Rein-Titan an französische und chinesische Ohr-Akupunkturpunkte gesetzt und implantiert. Die Auswahl der Punkte erfolgt nach sorgfältiger Diagnose mittels RAC (Reflexe auriculocardiaque) und der Very-Point-Technik (nach Gleditsch). Es werden nur Titan-Nadeln gesetzt, wenn übereinstimmend nach RAC und Very-Point-Technik aktive Punkte gefunden wurden.
Ergebnisse einer prospektiven Verlaufsbeobachtung
Eine prospektive Verlaufsbeobachtung mit 79 Parkinson-Patienten über einen Zeitraum von 6 Monaten nach der Implantation zeigte vielversprechende Ergebnisse. Die Patienten erhielten im Schnitt 11,2 Nadeln (Range 3 - 37). Vier Wochen nach der Implantation berichteten 51% der Patienten von einer signifikanten Verbesserung zum Ausgangsbefund. Nach acht Wochen war diese Zahl auf 62% angestiegen. In der Endpunktauswertung nach 24 Wochen zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Symptome Tremor, Rigor, Bewegungsverlangsamung und Schmerzen. Bei 21% der Patienten konnte zudem eine Reduzierung der Parkinson-Medikation erreicht werden.
Mögliche Wirkmechanismen
Die genauen Wirkmechanismen der I-O-A sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass die dauerhafte Stimulation der Akupunkturpunkte am Ohr das vegetative Nervensystem beeinflusst und die Freisetzung von Neurotransmittern wie Dopamin und Endorphinen anregt. Dies könnte zu einer Verbesserung der motorischen Funktionen und einer Reduzierung der Schmerzen führen.
Ergänzende Maßnahmen
Im Sinne einer ganzheitlichen Beratung und Aufklärung der Patienten sollten auch zusätzliche Maßnahmen wie die Entgiftung des Körpers und die Verbesserung der Gehirndurchblutung erwähnt werden. Diese Maßnahmen sind zwar nicht kausal für die Entstehung von Morbus Parkinson verantwortlich, können aber die Folgeerscheinungen der Grunderkrankung lindern.
Schulmedizinische Therapie und TCM im Vergleich
Die schulmedizinische Therapie des Parkinson-Syndroms stellt eine wesentliche Säule in der Behandlung der Parkinsonsymptome dar. Gerade in den letzten Jahren hat die Wissenschaft eine Fülle von neuen Therapiestrategien und Medikamenten entwickelt, darunter L-Dopa, MAO-B-Hemmer, Entacapon, Dopaminagonisten, Anticholinergika und Glutamatantagonisten.
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Die TCM kann als Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Eine Kombination aus beiden Therapieansätzen kannSynergieeffekte erzielen und zu besseren Ergebnissen führen.
Zukünftige Forschung und Perspektiven
Die Ergebnisse der bisherigen Studien zur I-O-A bei Morbus Parkinson sind vielversprechend, aber es bedarf weiterer Forschung, um die Wirksamkeit und die Wirkmechanismen dieser Methode besser zu verstehen. Zukünftig sollten neben Patientenbefragungen auch objektivere Messmethoden wie der Parkinson's Disease Questionnaire (PDQ 39) und die DATSCAN-Methode eingesetzt werden, um die Ergebnisse zu validieren.