Die Sehnerventzündung, auch Optikusneuritis genannt, ist eine entzündliche Erkrankung des Sehnervs, die zu Sehstörungen und Schmerzen führen kann. Homöopathische Behandlungen werden oft als ergänzende oder alternative Therapieoption in Betracht gezogen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Anwendung von Homöopathie bei Sehnerventzündung, einschließlich möglicher Mittel, Anwendungsbereiche und wichtiger Hinweise.
Was ist eine Sehnerventzündung?
Die Sehnerventzündung ist eine Entzündung des Nervus opticus, der für die Übertragung visueller Informationen vom Auge zum Gehirn verantwortlich ist. Diese Entzündung kann verschiedene Ursachen haben, darunter Autoimmunerkrankungen, Infektionen oder unbekannte Faktoren. In etwa 30 % der Fälle ist die Retrobulbärneuritis ein Frühsymptom der Multiplen Sklerose, wobei hauptsächlich Frauen zwischen 20 und 45 Jahren betroffen sind.
Formen der Sehnerventzündung
Augenärzte unterscheiden zwischen typischen und atypischen Formen der Sehnerventzündung:
- Typische Form: Häufigste Ursachen sind Multiple Sklerose (MS) und idiopathische Sehnervenentzündungen (ohne erkennbare Ursache). Der Entzündungsprozess beruht auf einer Immunreaktion gegen das Sehnervengewebe.
- Atypische Form: Seltenere Ursachen sind Lupus erythematodes, Sarkoidose und Infektionen wie Borreliose oder Syphilis. Weitere seltene Ursachen sind Medikamente (z. B. Ethambutol, Tamoxifen) und Vergiftungen (z. B. Alkohol, Nikotin).
Symptome der Sehnerventzündung
Typische Symptome einer Sehnerventzündung sind:
- Schmerzen hinter dem Auge, die sich bei Augenbewegungen oder Druck auf den Augapfel verstärken.
- Rasche Sehverschlechterung bis hin zur Erblindung, meist einseitig.
- Blinde Stelle in der Mitte des Gesichtsfeldes (Zentralskotom).
- Gestörtes Farbsehen, Farben wirken dunkler und matter.
- Verminderte Kontrastwahrnehmung (Nebel).
Homöopathische Behandlung der Sehnerventzündung
Die Homöopathie betrachtet den Menschen als Ganzes und zielt darauf ab, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Bei der Behandlung einer Sehnerventzündung werden homöopathische Mittel eingesetzt, die auf die individuellen Symptome und Konstitution des Patienten abgestimmt sind.
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Das Ähnlichkeitsprinzip
Homöopathische Mittel werden nach dem Ähnlichkeitsprinzip ausgewählt. Das bedeutet, dass ein Mittel eingesetzt wird, das bei einem gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorrufen würde, wie sie der kranke Mensch zeigt. Dieses Prinzip soll die körpereigenen Heilungskräfte anregen.
Potenzierung
Homöopathische Mittel werden potenziert, d. h. sie werden in mehreren Schritten verdünnt und verschüttelt oder verrieben. Durch diese Potenzierung soll die Wirksamkeit des Mittels gesteigert werden, auch wenn die Ausgangssubstanz stark verdünnt ist.
Anwendung von Euphrasia
Euphrasia, auch Augentrost genannt, ist ein häufig verwendetes homöopathisches Mittel bei Augenbeschwerden. Es wird aus der Heilpflanze Euphrasia officinalis gewonnen, die auf europäischen Bergwiesen wächst.
Anwendungsgebiete von Euphrasia
Euphrasia wird vor allem bei entzündlichen und allergischen Prozessen mit Beteiligung der Augen eingesetzt. Dazu gehören:
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
- Heuschnupfen und andere allergische Schnupfenarten
- Erkältung mit Schnupfen, Husten und eventuell Fieber
- Bronchitis
Wirkung von Euphrasia
Ersten Studien zufolge enthält Augentrostkraut den Wirkstoff Aucubin, der die Bildung von Zytokinen unterdrückt. Zytokine sind Stoffe, die von den Zellen der Hornhaut ausgeschüttet werden, um Entzündungszellen anzulocken. Euphrasia wirkt also entzündungshemmend.
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Leitsymptome von Euphrasia
Die Leitsymptome von Euphrasia sind:
- Brennende oder juckende Augen mit roten Lidrändern und Druckgefühl
- Tränende oder trockene Augen
- Heißer und scharfer Tränenfluss, während aus der Nase mildes Sekret abfließt
- Fremdkörpergefühl bei trockenen Augen
- Lichtempfindlichkeit
- Geschwollene und mit eitrigem Schleim verklebte Lider am Morgen
- Gerötete Augenwinkel
- Starke Niesanfälle und trockener Husten bei Heuschnupfen
- Lockerer Husten mit viel Schleim und wässrigem Sekretfluss aus der Nase bei Erkältungen
Anwendung von Euphrasia
Euphrasia ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter Globuli (kleine Kügelchen), Augentropfen und Tabletten. Die Dosierung hängt von der Art der Beschwerden und dem Alter des Patienten ab.
- Globuli: Säuglinge (bis 12 Monate) erhalten 1 Kügelchen, Babys (1-3 Jahre) 2 Globuli und größere Kinder 3 Globuli. Die Globuli werden einfach in die Wangentasche gelegt.
- Augentropfen: Die Augentropfen werden in den Bindehautsack eingeträufelt.
- Tabletten: Die Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen.
Wann ist Euphrasia geeignet?
- Allergisch bedingte Beschwerden
- Akutstadium einer Bindehautentzündung mit schmerzhaftem und rotem Auge
- Chronische oder durch Masern verursachte Bindehautentzündung
- Augenentzündung durch scharfen Wind oder ein Trauma
- Chronische allergische Reaktionen oder Erkältung
Andere homöopathische Mittel
Neben Euphrasia gibt es weitere homöopathische Mittel, die bei Sehnerventzündung in Betracht gezogen werden können. Die Wahl des geeigneten Mittels hängt von den individuellen Symptomen und der Konstitution des Patienten ab. Ein erfahrener Homöopath kann das passende Mittel auswählen.
Grenzen der Homöopathie
Es ist wichtig zu beachten, dass die Homöopathie bei schweren Erkrankungen wie der Sehnerventzündung ihre Grenzen hat. In solchen Fällen sollte die homöopathische Behandlung immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen und die schulmedizinische Behandlung ergänzen, nicht ersetzen.
Schulmedizinische Behandlung der Sehnerventzündung
Die schulmedizinische Behandlung der Sehnerventzündung umfasst in der Regel eine intravenöse und orale Kortison-Stoßtherapie. Diese Therapie beschleunigt das Abklingen der Entzündung, hat aber keinen Einfluss auf das endgültige Sehvermögen. Bei bakteriellen oder viralen Infektionen werden zusätzlich Antibiotika bzw. Virostatika eingesetzt.
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Komplementäre Maßnahmen
Neben der homöopathischen und schulmedizinischen Behandlung können komplementäre Maßnahmen den Heilungsprozess unterstützen:
- Akupunktur: Akupunktur kann den Verlauf einer Sehnerventzündung günstig beeinflussen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann das Immunsystem stärken und die Heilung fördern.
- Ausreichend Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Körpers.
- Vermeidung von Stress: Stress kann das Immunsystem schwächen und den Heilungsprozess verzögern.
- Augen-Klima verbessern: Ist die Luftfeuchtigkeit gering, trocknet auch das Auge verstärkt aus. Um die Luftfeuchtigkeit in geschlossenen Räumen zu erhöhen, sollte man nicht zu stark zu heizen und regelmäßg lüften. Aber Achtung: Zugluft sollte dabei unbedingt vermieden werden, z. B., indem man vor dem Schlafen lüftet statt sich nachts unter das offene Fenster zu legen. Wer gar nicht ohne Frischluft schlafen möchte, kann die Augen mit einer Schlafmaske schützen. Reicht das nicht aus, können Luftbefeuchter zum Einsatz kommen.
- Bildschirmpausen einlegen: Damit die Arbeit am PC nicht zu trockenen Augen führt, sollten regelmäßig Bildschirmpausen eingelegt werden, bei denen der Blick am besten aus dem Fenster in die Ferne schweift. Immer wieder bewusst zu blinzeln hilft zudem, den Tränenfilm besser zu verteilen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Bei den oben genannten Symptomen sollte am gleichen Tag ein Arzt aufgesucht werden. Bei starken Schmerzen im Bereich der Augen oder einem plötzlichen Nachlassen des Sehvermögens ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. Bei länger anhaltenden oder unklaren Beschwerden muss ein Arzt aufgesucht werden.
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