Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens visuelle Phänomene, die beunruhigend sein können. Dazu gehören auch Wahrnehmungen, die fälschlicherweise als das Sehen des eigenen Gehirns interpretiert werden können. In Wirklichkeit handelt es sich meist um harmlose Erscheinungen, die jedoch in seltenen Fällen auch auf ernsthafte Erkrankungen hindeuten können. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über mögliche Ursachen und Erklärungen geben.
Was sind Mouches Volantes?
Viele Menschen nehmen beim Sehen Punkte, Linien oder dunkle Flecken wahr. In der Augenheilkunde spricht man von Glaskörpertrübungen, auch bekannt als "Mouches Volantes" (französisch für "fliegende Mücken"). Diese Objekte scheinen sich im Sichtfeld zu bewegen und haben oft die Gestalt von dunklen Punkten oder Flecken. Sie können aber auch wie verschnörkelte Linien, Ringe oder sogar Spinnweben wirken.
Entstehung von Mouches Volantes
„Mouches Volantes“ entstehen dadurch, dass im Augeninneren etwas geschieht, das von der Netzhaut als Reiz von außen wahrgenommen wird. Wenn man auf etwas Helles blickt, wirken diese Objekte noch intensiver. Bei dem Versuch, die Objekte direkt zu fokussieren, scheinen sie aus dem Blickfeld zu verschwinden.
Harmlosigkeit und Gewöhnung
Bei vielen Menschen treten solche Symptome gelegentlich auf und bessern sich nach einiger Zeit von allein. Auch „Augenrollen“, also das gezielte Bewegen der Augäpfel von links nach rechts und von oben nach unten, kann helfen, die Störungen zu beseitigen. Vorbeugen kann man „Mouches Volantes“ leider nicht. Nur durch ein Zusammenspiel von Auge, Augenmuskeln und Gehirn ist das Sehen möglich. Mouches Volantes beeinträchtigen die Sehkraft in der Regel nicht.
Altersbedingte Veränderungen
„Mouches Volantes“ kommen häufig dann vor, wenn sich das Auge im höheren Alter verändert - vor allem der Glaskörper, eine gelartige Substanz, die den Augapfel füllt. Etwa ab dem 50. Lebensjahr beginnt dieser zu schrumpfen und sich von der Netzhaut abzulösen. Wenn dies ruckartig geschieht, kann das für vermeintliche Lichteffekte sorgen. Manchmal verklumpen auch Kollagenfasern im Inneren des Glaskörpers und werfen einen Schatten auf die Netzhaut, der vom Gehirn als Sehwahrnehmung interpretiert wird. Die Trübungen bestehen aus Kollagenfasern, die sich mit den Jahren verdichten und dann als Fusseln oder „Fliegen“ wahrgenommen werden. Es handelt sich dabei um eine normale, altersbedingte Schrumpfung des Glaskörpers. Die kleinen Fusseln stören bisweilen, sind jedoch meist harmlos.
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Risikofaktoren
Die Wahrscheinlichkeit für diese Art der Irritationen steigt bei Menschen, die kurzsichtig sind, an Diabetes leiden oder bereits eine Operation zur Behandlung des Grauen Stars hinter sich haben.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In den allermeisten Fällen sind „Mouches Volantes“ harmlos. Sie verschwinden zwar oft nicht wieder komplett, haben aber keine weiteren Folgen. Trotzdem kann es nicht schaden, den Ursachen auf den Grund zu gehen.
Warnzeichen
Schnell einen Augenarzt oder eine Augenärztin oder direkt die Notaufnahme aufsuchen sollte man, wenn eines der folgenden Warnzeichen auftritt. Sie deuten auf Probleme wie eine Beschädigung oder Ablösung der Netzhaut hin.
- Plötzlich auftretende, viele kleine, dunkle Punkte ("Rußregen")
- Ein wandartiger Schatten, der sich von unten oder von der Seite in das Sichtfeld schiebt.
- Lichtblitze, wenn man vom Hellen ins Dunkle kommt.
- Ein Flimmern oder Zacken, die man erstmals sieht.
Ärztliche Untersuchung
Der Arzt wird Ihnen Fragen zu Ihrer Krankengeschichte und zu den Risikofaktoren stellen, um die Ursache der Sehstörung eingrenzen zu können. Danach wird er Ihre Augen untersuchen - er wird die Sehschärfe prüfen, die Größe des Sichtfeldes, optische Auffälligkeiten, die Bewegungen und die Reaktion der Augen auf Licht. Um das Augeninnere und vor allem die Netzhaut genauer in Augenschein nehmen zu können, werden die Pupillen durch spezielle Augentropfen erweitert (Achtung, das kann die Fähigkeit Auto zu fahren oder Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen). Manchmal wird auch ein Farbstoff oder ein Betäubungsmittel verwendet. Die Untersuchung beim Augenarzt tut nicht weh, unter Umständen prüft der Arzt oder die Ärztin allerdings die Netzhaut durch leichten Druck auf den Augapfel bei geschlossenen Lidern.
Behandlung von Mouches Volantes
Wird eine gravierende Ursache, etwa eine Netzhautablösung, für die Effekte festgestellt oder ist eine andere Krankheit der Auslöser, so wird der behandelnde Arzt oder Ärztin diese Ursache therapieren - etwa durch eine Operation oder durch die Gabe von Antibiotika. In den allermeisten Fällen wird aber nach der Diagnose auf eine weitergehende Behandlung verzichtet - vor allem dann, wenn es sich um altersbedingte „Mouches Volantes“ handelt.
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Vitrektomie
Werden die Effekte allerdings als stark störend wahrgenommen, sind zwei Behandlungen denkbar. Bei der Vitrektomie wird der Glaskörper mit einer hohlen Nadel aus dem Auge entfernt und durch eine sterile Salzlösung ersetzt, damit das Auge seine Form behält. Dieser Eingriff birgt allerdings Risiken: Zum einen ist nicht sicher, dass durch die Operation wirklich alle „Mouches Volantes“ verschwinden. Zum anderen können auch durch die Vitrektomie schwere Netzhautprobleme, Blutungen oder weitere Schäden provoziert werden.
Vitreolyse (Laserbehandlung)
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Vitreolyse. Hier versucht der Arzt oder die Ärztin, die Verklumpungen im Glaskörper mit Hilfe von Laserlicht zu zerstören. Das erfolgt ambulant und dauert in der Regel 20 bis 60 Minuten. Meist sind für einen Erfolg zwei bis drei Sitzungen nötig. Allerdings birgt auch die Vitreolyse die Gefahr, dass die Netzhaut geschädigt wird.
Empfehlung
Wegen der mit den Behandlungen verbundenen Risiken wird der Arzt oder die Ärztin in den meisten Fällen empfehlen, zu versuchen, mit den Störungen zu leben. Die gute Nachricht ist: „Mouches Volantes“ bessern sich häufig von alleine mit der Zeit.
Augenflimmern
Augenflimmern kommt aus dem Nichts und verschwindet meist wieder von selbst. Für Betroffene ist es allerdings lästig und beunruhigend. Augenflimmern bezieht sich auf das Auftreten von Lichtblitzen oder flimmernden Mustern im Sichtfeld. Augenflimmern tritt oft in Form von blinkenden Lichtern oder Zickzacklinien auf, während andere Sehstörungen wie verschwommenes Sehen oder Doppelsehen anders erscheinen.
Ursachen für Augenflimmern
Augenflimmern tritt meist am Rand des Sichtfelds auf. Es ist ein visuelles Phänomen, bei dem sich kleine leuchtende Punkte vor dem Auge hin und her bewegen. Diese Beeinträchtigung der Sicht kann dauerhaft oder kurzfristig und in ganz unterschiedlicher Intensität auftreten. Es kann heftig und abrupt beginnen, sich aber auch langsam steigern. Das Flimmern vor dem Auge ist keine eigenständige Krankheit, sondern tritt als Symptom unterschiedlichster Erkrankungen auf. Patienten umschreiben das Augenflimmern auch mit dem Gefühl, als würde man in eine Lichterkette schauen.
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Die Ursachen für Sehstörungen wie Flimmern vor dem Auge können überaus vielfältig sein:
- Netzhautablösung: Eine Netzhautablösung ist ein absoluter Notfall.
- Krankhafte Veränderungen des Auges: Diese machen sich erst spät im Verlauf bemerkbar.
- Diabetes: Ein schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel kann auf Dauer Sehstörungen verursachen.
- Durchblutungsstörung im Gehirn: Ein dauerhaftes Flimmern kann darauf zurückzuführen sein. Das trifft auch auf ein häufig wiederkehrendes Flimmern zu.
- Schlaganfall: Haben Sie dazu auch noch weitere Beschwerden, dann kann es sogar einen Zusammenhang mit einem Schlaganfall geben. Hinweise darauf sind unter anderem: Sprach- oder Bewusstseinsstörungen, halbseitige Lähmungserscheinungen, Übelkeit, Schwindel.
- Grüner Star (Glaukom)
- Aderhautentzündung
Begleiterscheinungen
Unsere Liste möglicher Begleiterscheinungen hilft Ihnen bei einer ersten Einschätzung, ob das Augenflimmern durch Stress oder Überanstrengung der Augen begründet sein kann. Haben Sie in letzter Zeit eines oder mehrere der folgenden Symptome bemerkt?
- Blackouts
- Müdigkeit
- Schwindel
- Konzentrationsstörungen
- Kopfschmerzen
- Abgeschlagenheit
Auch die Einnahme bestimmter Rausch- und Arzneimittel kann zu den beunruhigenden visuellen Erscheinungen führen. Beispielsweise ist das Augenflimmern als Nebenwirkung von Migränepräparaten bekannt.
Augenflimmern und Migräne
Wenn das Flimmern im Zusammenhang mit den folgenden Beschwerden auftritt, so ist es wahrscheinlich, dass sich eine Migräne-Attacke anschließt.
- Schwindel
- Lichtempfindlichkeit
- Abgeschlagenheit
- Übelkeit
Es handelt sich dann um die sogenannte Migräne mit Aura. Die eigentliche Kopfschmerzattacke wird dabei von einer ein- bis zweistündigen Vorbotenphase angekündigt. Auf diese Phase folgt bei zehn bis 15 Prozent der Betroffenen die Auraphase, zu der auch visuelle Störungen gehören können. In diesem Fall verschwindet das Augenflimmern wieder so schnell, wie es aufgetreten ist, und die eigentliche Kopfschmerzphase beginnt. Der Mediziner spricht in diesem Zusammenhang von einem Flimmerskotom. Das Flimmern gehört aber auch zur vergleichsweise harmlosen Augenmigräne, die sich von der klassischen Migräne unterscheidet.
Diagnose und Behandlung von Augenflimmern
Suchen Sie möglichst schnell einen Augenarzt auf, sobald Sie so etwas wie Trübungen, Flimmern oder Zacken in Ihrem Sichtfeld bemerken. Die Diagnose und die zugehörige Untersuchung unterscheidet sich anfangs nicht von einer augenärztlichen Routineuntersuchung. Zuerst ermittelt der Arzt Ihre Sehschärfe in Nähe und Ferne, um etwaige Veränderungen in der Sehkraft zu erkennen. Auf die Bestimmung des Gesichtsfelds folgt die Untersuchung des Glaskörpers. Das geht nicht, ohne vorher die Pupille mittels Augentropfen zu erweitern.
Das weitere Vorgehen hängt nun vom Befund ab. Findet der Augenarzt keine Beschädigungen oder Erkrankungen am Auge, so wird er Sie in der Regel zum Facharzt oder Allgemeinmediziner überweisen. Neurologische Untersuchungen und Blutbilder können bei der weiteren Eingrenzung der möglichen Ursache helfen. In Notfällen wie einer Netzhautablösung muss dagegen sofort eine Laserbehandlung erfolgen, um das Augenlicht des Patienten zu retten.
Da das Augenflimmern keine eigenständige Krankheit ist, zielt die Behandlung meist auf die verursachende Grunderkrankung ab.
Augenmigräne
Die Augenmigräne (ophthalmische oder retinale Migräne) ist eine seltene Form der Migräne, die ein oder beide Augen betrifft. Betroffene haben vorübergehende Sehstörungen, die nicht zusammen mit Kopfschmerzen auftreten müssen.
Formen der Augenmigräne
- Retinale Migräne: Diese Migräneform betrifft die Netzhaut. Sie tritt in den meisten Fällen nur einseitig auf. Gekennzeichnet ist sie durch einen blinden Fleck, der sich ausweitet und dann wieder abklingt.
- Migräne mit Aura: Die „normale“ Migräne ist gekennzeichnet durch starke Kopfschmerzen sowie zusätzliche Symptome. Dazu zählen etwa Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Zusätzlich können bei einer Aura Sehstörungen, Schwindel, Missempfindungen oder Sprachstörungen und selten auch Bewusstseinsstörungen auftreten.
Symptome der Augenmigräne
Die Augenmigräne kann immer etwas unterschiedlich ausfallen und erlebt werden. Begleitend können Übelkeit und Lichtempfindlichkeit auftreten. Die Symptome sind häufig kürzer anhaltend als bei einer Migräne mit Aura.
- Einschränkungen oder Ausfälle des Gesichtsfelds wie ein "blinder Fleck" (Skotom)
- Flackern und Flimmern vor den Augen (Szintillationen), zum Teil auch bei geschlossenen Augen; in Kombination mit Skotom "Flimmerskotom" genannt
- Grelle, kurze Lichtblitze
- Zickzacklinien oder farbige "Girlanden", die sich durch das Sichtfeld ziehen
Die Symptome halten bei einer Augenmigräne in der Regel für fünf bis zehn Minuten an, in seltenen Fällen bis zu einer Stunde. Manche Betroffene berichten über begleitende Kopfschmerzen oder Schwindelgefühle. Wenn jedoch auf die Sehstörungen eine längere, intensive Kopfschmerzphase folgt, spricht man von einer Migräne mit Aura. Bei dieser können zusätzlich Gefühls-, Sprach- und Hörstörungen auftreten.
Ursachen und Auslöser der Augenmigräne
Wie bei der gewöhnlichen Migräne liegt auch bei der Augenmigräne oft eine genetische Veranlagung vor. Die genauen Ursachen für eine Augenmigräne sind noch nicht vollständig geklärt. Forschende gehen aktuell davon aus, dass die Blutgefäße in bestimmten Gehirnregionen bei einer Migräne fehlreguliert sind und sich zum Teil krampfhaft zusammenziehen. Bei einer Augenmigräne erhält die Sehrinde - der sogenannte visuelle Cortex - dadurch vorübergehend zu wenig Sauerstoff, wodurch es zu den typischen Sehstörungen kommt.
Nicht immer lässt sich für eine Augenmigräne-Attacke ein auslösendes Ereignis finden. Bestimmte Auslöser (Trigger) begünstigen aber bei vielen Betroffenen eine Episode:
- Anhaltender und/oder starker Stress
- Grelles, blitzendes Licht
- Alkohol- und Drogenkonsum
- Hormonelle Schwankungen
- Wechselnde Wetterlagen
- Bestimmte individuelle Nahrungsmittel
Was hilft bei Augenmigräne?
Viele Betroffene benötigen bei einer Augenmigräne keine medikamentöse Therapie. Die Diagnose ist häufig ein wichtiger Schritt, um Attacken als ungefährlich einschätzen und besser damit umgehen zu können. Während eines akuten Anfalls kann es hilfreich sein, sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückzuziehen und abzuwarten, dass die Sehstörungen vorübergehen. In den meisten Fällen dauern die Symptome nur einige Minuten an.
Ein feuchter Waschlappen oder ein Kühlpack auf der Stirn sind für einige hilfreich. Andere machen gute Erfahrungen mit beruhigenden Atemtechniken oder Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation (PMR). Bei anhaltenden Symptomen kommen nach ärztlicher Rücksprache schmerz- und entzündungslindernde Mittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) und andere Medikamente zur Migräne-Therapie infrage.
Vorbeugung von Augenmigräne
Mit bestimmten Maßnahmen, lässt sich einem Augenmigräne-Anfall vorbeugen. Dazu ist es hilfreich, wenn Betroffene die auslösenden Faktoren (Trigger) kennen und sie vermeiden. sollten Betroffene diese Auslöser möglichst reduzieren.
Sehstörungen nach einem Schlaganfall
Im Zusammenhang mit einem Schlaganfall können verschiedene Arten von Sehstörungen auftreten. Zum Beispiel kann das Auge beziehungsweise die Sehbahn direkt betroffen sein, weil sie nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. In diesem Fall kann es zur Erblindung auf einem Auge kommen. Zum anderen kann eine Region im Gehirn betroffenen sein, in der die Informationen des Auges verarbeitet werden. Das Auge selbst ist also intakt, aber die Informationsverarbeitung im Gehirn funktioniert nicht mehr richtig. Die Wahrnehmung ist gestört. Dies ist häufiger der Fall als eine Erblindung.
Arten von Sehstörungen nach Schlaganfall
- Gesichtsfeldeinschränkungen: Die Gesichtsfeldeinschränkung ist mit Abstand die häufigste Sehstörung nach einer Hirnschädigung. Die Einschränkung kann sehr unterschiedlich ausfallen, von kleinen „blinden Flecken“ (sogenannten Skotome), über einen „Tunnelblick“ bis hin zu dem Ausfall einer kompletten Gesichtshälfte - je nach Größe, Ort und Art der Schädigung im Gehirn. Die führt dazu, dass im Alltag Hindernisse übersehen werden und sich Betroffene zum Beispiel oft stoßen. Da es mit einem eingeschränkten Blickfeld schwieriger ist, sich schnell zur orientieren und einen Überblick zu verschaffen, kann es zu entsprechenden Unsicherheiten kommen - vor allem im öffentlichen Raum und im Straßenverkehr. Auch die Lesegeschwindigkeit ist oft verringert, da Satzanfänge oder -enden übersehen werden.
- Doppelbilder: Doppelbilder oder ein „verschwommenes“ Sehen können Folgen eines Schlaganfalls sein. Dabei können die Doppelbilder auch zu Schwindel führen.
- Herdblick: Der Herdblick kann ein erstes Anzeichen für einen Schlaganfall sein, das häufig nicht als solches wahrgenommen wird. Der Blick „kippt“ zur linken oder zur rechten Seite, der Betroffene kann seine Blickrichtung nicht mehr kontrollieren. In manchen Fällen drehen sich nicht die Augen, sondern der ganze Kopf in eine Richtung.
- Visuell-Räumliche Störungen: Durch eine Hirnschädigung kann es sein, dass die Raumachsen nicht mehr richtig wahrgenommen werden können. Das führt dazu, dass Betroffene zum Beispiel Schwierigkeiten haben, geradeaus zu gehen oder ein Fahrrad oder Rollstuhl zu steuern.
- Neglect: Neglect bedeutet, dass eine Raum- und/oder Körperhälfte nicht mehr wahrgenommen wird. Das heißt, dass der Betroffene seine Aufmerksamkeit einer Raum- oder Körperseite nicht mehr zuwenden kann. Es gibt verschiedene Arten des Neglects, der visuelle Neglect tritt am häufigsten auf. Der Unterschied zwischen einen Gesichtsfeldausfall und einem visuellen Neglect ist manchmal schwierig auszumachen, teilweise tritt auch beides zusammen auf. Grundsätzlich ist ein Neglect eine Störung der Aufmerksamkeit auf eine Raumseite, Ein Gesichtsfeldausfall ist eine Störung des Sehens. Bei einem Gesichtsfeldausfall ist dem Betroffenen in der Regel bewusst, dass die Raumhälfte existiert - er sie selbst allerdings nicht wahrnehmen kann. Bei einem visuellen Neglect lenkt der Betroffene seine Aufmerksamkeit nicht spontan auf die betroffene Seite. So bemerken die Betroffene oft selbst nicht, dass etwas „fehlt“.
Können sich Sehstörungen nach Schlaganfall zurückbilden?
Das ist wie bei allen neurologischen Erkrankungen sehr individuell. Eine Erblindung bildet sich nicht zurück, eine Wahrnehmungsstörung kann sich zurückbilden - teilweise oder vollständig, spontan oder durch spezielle Therapien. Je mehr Zeit nach dem Schlaganfall vergangen ist, desto unwahrscheinlicher wird eine spontane Rückbildung der Symptome.
Weitere Ursachen für Sehstörungen
Es kann sehr unterschiedliche Auslöser haben, wenn das normale Sehen beeinträchtigt ist, etwa Dinge vor den Augen verschwimmen oder es zu einem Flimmern vor den Augen kommt. Eine genaue Ursachenforschung ist dann wichtig. Zu Sehstörungen zählen alle Abweichungen vom normalen Sehen. Diese können zeitweise oder auch dauerhaft auftreten. Manche sind harmlos, andere können auf schwerwiegende Krankheiten hindeuten.
Arten von Sehstörungen
- Schatten und Flecken im Gesichtsfeld
- Verschwommenes oder unscharfes Sehen
- Flimmern vor den Augen
- Doppelbilder
- Wahrnehmung von Lichtblitzen
Sind die Augen selbst betroffen, so spricht man von einer peripheren Sehstörung. Ist hingegen die Reizweiterleitung aus den Augen in das Gehirn gestört, handelt es sich um eine zentrale Sehstörung; diese kann angeboren oder durch eine Schädigung des Gehirns entstanden sein.
Spezifische Sehstörungen und ihre Ursachen
- Mouches volantes („fliegende Mücken”): Dabei handelt es sich um zeitweise wahrzunehmende kleine Punkte, Flecken oder fadenartige Strukturen. Die Phänomene treten häufig bei Kurzsichtigkeit auf. Vermutlich ist es dabei zu Ablagerungen im Glaskörper des Auges gekommen. In den meisten Fällen sind Mouches volantes harmlos und müssen nicht behandelt werden. In einigen Fällen kann es jedoch zu einer Blutung im Glaskörper oder einer Abhebung des Glaskörpers kommen, was die Gefahr einer Netzhautablösung mit sich bringt. Treten Mouches volantes plötzlich und in großer Zahl auf, steigt ebenfalls das Risiko einer Netzhautablösung. Besonders hoch ist es, wenn gleichzeitig auch das Sehvermögen beeinträchtigt ist und Blitze auftreten. Allerdings können beides auch Symptome einer Entzündung der Augenhaut sein.
- Rußregen, Schleier, „Vorhang”: Diese Symptome beginnen meist am Rand des Gesichtsfelds. Sie können Vorzeichen einer Netzhautablösung sein. Vergleichsweise häufig betroffen sind Männer. Ebenso Menschen mit Kurzsichtigkeit, mit einer künstlichen Augenlinse und wenn es in der Verwandtschaft bereits zu Netzhautablösungen gekommen ist.
- Flimmern und Blitze: Lichtblitze, Schatten oder Schleier vor den Augen können in Verbindung mit einer Abnahme der Sehschärfe auf eine Netzhautablösung hinweisen. Kommt es zu einem meist einseitigen Kopfschmerz, dem ein Flimmern vor beiden Augen und die Wahrnehmung gezackter Formen vorangegangen ist, handelt es sich um eine Migräne. Ein Flimmern vor den Augen, zusammen mit gestörtem Farbsehen und einem Verschwommensehen, kann die Folge einer Kreislaufstörung mit niedrigem Blutdruck sein (orthostatische Dysregulation).
- Gesichtsfeldausfälle: Die Ursachen dafür können vielfältig sein, und nicht von allen bemerken die Betroffenen etwas: Eine Erhöhung des Augeninnendrucks (Glaukom), die mit akut mit starken Schmerzen und geröteten Augen einhergeht oder sich mit Ausfällen am Sehfeldrand langsam entwickelt. Eine Erkrankung der Netzhaut (Makuladegeneration); sie tritt vorwiegend im fortgeschrittenen Alter auf. Ein Schlaganfall oder eine kurzzeitige Durchblutungsstörung im Gehirn. Dabei kommt es zu einem vorübergehenden oder dauerhaften Ausfall der gleichen Seite des Gesichtsfelds in beiden Augen. Außerdem können Wahrnehmungsstörungen auftreten, etwa bestimmte Objekte nicht mehr erkannt werden. Eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse (Hypophysenerkrankung). Oftmals drückt dann ein gutartiger Tumor in der Hirnanhangdrüse auf die Sehbahn. Betroffene können in dem Fall nicht mehr erkennen, was sich seitlich von ihnen befindet. Eine Entzündung der Schläfenarterie (Arteritiis temporalis), wodurch es zu vorübergehenden Sehstörungen wie flimmernden Lichtmustern, einem teilweisen Gesichtsfeldausfall oder zeitweiser Blindheit kommen kann.
- Verschwommensehen: Womöglich ist Verschwommensehen die Folge einer unzureichenden Korrektur einer Fehlsichtigkeit. Eine Eintrübung der Augenlinse (Katarakt) in Verbindung mit einer erhöhten Empfindlichkeit gegen blendendes Licht. Bestimmte Medikamente, Alkohol, Gifte und neurologische Krankheiten können verhindern, dass das Auge Objekte in allen Entfernungen scharf sehen kann (Akkomodationsstörung). Wenn die zentrale Vene der Netzhaut durch ein Blutgerinnsel blockiert wird, kann sich das durch ein einseitiges Verschwommensehen am Morgen bemerkbar machen. Wenn sich der Glaskörper von der Netzhaut abhebt, sehen Betroffene verschwommen „wie unter Wasser”. Auch eine Blutung im Glaskörper kann die Sicht eintrüben: Häufig verschwinden rötlich verfärbte Bereiche rasch wieder. Das Sehvermögen kann durch die Blutung aber auch stark beeinträchtigt werden; sie tritt vergleichsweise häufig bei Menschen mit Diabetes auf.
- Doppelbilder: Treten Doppelbilder plötzlich auf, kann das auf Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn (z. B. Aneurysma), auf einen Tumor, eine Entzündung der Augenhöhle, Multiple Sklerose oder einen Bruch der Augenhöhle infolge eines Schlages oder Sturz hinweisen. Zeitweise auftretende Doppelbilder können auch nach dem Konsum von Alkohol oder anderen Giften auftreten. Manchmal ist aber auch nur eine starke Müdigkeit die Ursache für Doppelbilder.
- Veränderung der Farbwahrnehmung: Diese kann auftreten, wenn Betroffene mit einer Herzerkrankung eine zu große Menge bestimmter, schwer zu dosierender Medikamente (Herzglykoside, Digitalis) eingenommen haben.
Was tun bei Sehstörungen?
Jede neu aufgetretene Sehstörung sollten Sie möglichst umgehend augenärztlich abklären lassen.
Vorgehensweise beim Augenarzt
Dort werden Sie zunächst gebeten, Ihre Beschwerden genau zu beschreiben, ob diese etwa plötzlich oder eher schleichend aufgetreten sind, sie zunehmend sind oder eher wellenförmig verlaufen, es Auslöser wie ein Trauma, Medikamente oder Drogen geben könnte, gleichzeitig Fieber oder Schmerzen aufgetreten sind, es Vorerkrankungen der Augen gibt, einen Diabetes oder eine Stoffwechselerkrankung.
Dann kommen unter anderem folgende Vorgehensweisen in Betracht:
- Eine allgemeine körperliche Untersuchung
- Eine Bestimmung der Sehschärfe
- Eine Einschätzung des Gesichtsfelds
- Eine genaue Betrachtung von Pupille, Hornhaut und Bindehaut
- Eine Abtastung der Augen und gegebenenfalls der Schläfenarterie
- Ein Test des Pupillenreflex
Eventuell wird Ihnen auch Blut abgenommen, um den Blutzuckerwert zu bestimmen. Bei Verdacht auf eine Entzündung der Schläfenarterien werden zudem weitere Blutwerte bestimmt.
Wann ist eine Klinikeinweisung nötig?
- Verdacht auf eine Netzhautablösung
- Verdacht auf ein akutes Glaukom oder einen Arterienverschluss
- Verdacht auf eine Entzündung der Schläfenarterien
- Zunehmenden einseitigen Gesichtsfeldausfällen
- Akut einseitig verminderter Sehschärfe
- Verdacht auf einen Schlaganfall