Vollnarkose vs. Spinalanästhesie: Vor- und Nachteile im Überblick

Die Wahl des geeigneten Anästhesieverfahrens ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines chirurgischen Eingriffs. Neben der Vollnarkose stellt die Spinalanästhesie eine häufig genutzte Alternative dar, insbesondere bei Operationen im unteren Körperbereich. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile beider Methoden, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.

Was ist eine Spinalanästhesie?

Die Spinalanästhesie ist eine Form der Regionalanästhesie. Dabei wird ein Lokalanästhetikum (örtliches Betäubungsmittel) über eine sehr feine Nadel in den mit Flüssigkeit (Liquor) gefüllten Rückenmarksraum gegeben. Das Verfahren ist im Allgemeinen nicht schmerzhaft, da der Einstichbereich betäubt wird. Die Spinalanästhesie (lat. spina "Rückgrat", griech. anaisthesia "Nicht-Empfindung") ist eine Form der Regionalanästhesie, die vor allem bei Eingriffen am unteren Bereich des Körpers eingesetzt wird. Während Rumpf und Beine betäubt sind, ist der Patient wach und orientiert. Ängstlichen oder aufgeregten Patienten wird für die Operation unter Spinalanästhesie meist ein Sedierungsmittel angeboten.

Funktionsweise der Spinalanästhesie

Bevor die Schmerz-Informationen in das Gehirn gelangen, durchlaufen sie im Rücken in einem knöchernen Kanal der Wirbelsäule (=Spinalkanal) noch einige Umschaltstationen. Diese Schaltstationen heißen Rückenmark und liegen umspült von einer Flüssigkeit (=Liquor) im Spinalkanal etwa auf der Höhe des Bauchnabels bis hoch zum Gehirn. Im Bereich des Kreuzbeins, also unterhalb des Bauchnabels, liegen nur die Nerven im Spinalkanal ohne Umschaltstationen. Dort können wir mit extrem feinen, kaum spürbaren Nadeln punktieren und ein Lokalanästhetikum hineingeben. Das ist dann eine Spinalanästhesie und führt dazu, dass beide Beine und auch der Unterleib komplett betäubt werden kann. Rückenmarknahe Betäubungen werden immer vom Rücken aus durchgeführt. Dabei kann der Patient sitzen oder auch liegen und auch hier wird vor einer Betäubung immer ausgiebig desinfiziert und mit sterilen Tüchern abgedeckt. Mit feinen Nadeln wird dann der Spinalraum punktiert ohne mit elektrischem Strom suchen zu müssen. Die eigentliche Betäubung bemerken Sie als PatientIn, wenn z.B. Schmerzen nachlassen (z.B. zur Geburtserleichterung) oder die Beine nicht mehr gespürt werden (z.B.

Anwendung der Spinalanästhesie

Die Spinalanästhesie kann bei allen Operationen am Unterleib und im Bereich von Hüfte und Beinen eingesetzt werden. Empfohlen wird Sie z.B. Die Spinalanästhesie findet Anwendung bei zahlreichen chirurgischen Eingriffen. Ein Blick in die Geschichte dieser Methode offenbart, dass sie als die ursprüngliche Technik der Regionalanästhesie gilt. Ihre erste dokumentierte Anwendung für eine Operation geht auf das Jahr 1898 zurück, als August Bier in Deutschland diese Technik erstmalig anwandte. Bei dieser Art der Anästhesie wird eine einmalige Dosis eines Anästhetikums in den Subarachnoidalraum injiziert. Auf diese Weise kann die Spinalanästhesie bei Operationen am Unterbauch, Becken, Damm, den unteren Extremitäten und Eingriffen unterhalb des Nabels eingesetzt werden. Auch Kaiserschnitte erfolgen mittlerweile größtenteils in Spinalanästhesie.

Ablauf einer Spinalanästhesie

Die Spinalanästhesie wird im Sitzen oder in Seitenlage bei gekrümmten Rücken durchgeführt. Zuerst wird der Rücken sorgfältig desinfiziert und mit keimfreien (sterilen) Tüchern abgedeckt. Dann wird im Bereich der Einstichstelle - in der Regel zwischen dem 2. und 3.oder dem 3. und 4. Als nächstes sticht der Narkosearzt mit einer sehr feinen, speziell geformten Nadel in den Rückenmarkskanal. Meistens ist dieser Einstich schmerzfrei. Hat er mit der Nadel den Spinalraum mit der Gehirnflüssigkeit und den Nervensträngen erreicht, spritzt er das örtliche Betäubungsmittel hinein. Jetzt wird man Sie bitten, sich wieder hinzulegen. Vielleicht haben Sie schon während der Injektion ein Wärmegefühle oder ein Kribbeln im Bereich von Gesäß oder Beinen gemerkt. Nach 10 bis 20 Minuten setzt dann die vollständige Wirkung der Medikamente ein und die untere Körperregion wird empfindungslos und lässt sich nicht mehr bewegen. Die Punktion erfolgt nach lokaler Hautbetäubung im Lendenwirbelsäulenbereich dort, wo kein Rückenmark mehr ist und die langen Nervenenden zu den unteren Extremitäten ziehen. Die Punktion kann im Sitzen oder in Seitenlage durchgeführt werden. Nach der Injektion des Betäubungsmittels wird die Nadel wieder entfernt. Die Zeitdauer bis zum Wirkungseintritt beträgt ca.

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Vorteile der Spinalanästhesie gegenüber der Vollnarkose

  • Geringere Belastung für den Organismus: Sie ist für den Organismus weniger belastend als eine Vollnarkose.
  • Schnellere Erholung: Meist erholen sich die Patienten danach schneller und haben postoperativ weniger Schmerzen.
  • Reduziertes Risiko von Verwirrtheitszuständen: Auch die bei alten Menschen nach Vollnarkose oft auftretenden Verwirrtheitszustände oder Denkstörungen sind unter Spinalanästhesie deutlich seltener.
  • Keine Intubation notwendig: Weil der Patient selbst atmet, muss zudem nicht intubiert werden, es kommt also nicht zu Komplikationen und unangenehmen Folgen einer Intubation.
  • Weniger Nebenwirkungen: Nebenwirkungen der Spinalanästhesie sind im Vergleich zu der Vollnarkose verhältnismäßig gering. So treten Allgemeinreaktionen, wie Probleme mit dem Kreislauf verhältnismäßig selten auf. Gerade Patienten mit vielen Begleiterkrankungen haben verhältnismäßig selten eine Komplikation.
  • Schmerzfreiheit ohne Bewusstseinsverlust: Patienten bleiben während des Eingriffs schmerzfrei, bekommen aber alles mit. Sie haben meist keine Nebenwirkungen durch Kreislaufabfall.

Nachteile und Risiken der Spinalanästhesie

  • Kopfschmerzen: Durch die Injektion kann z. B. an der Punktionsstelle etwas Liquor austreten, was zu nicht unerheblichen Kopfschmerzen führt. Etwa ein bis drei Prozent der Patienten klagen meist am zweiten Tag nach der Spinalanästhesie über Kopfschmerzen. Vor allem jüngere Patienten scheinen hiervon besonders betroffen zu sein. Der Schmerz entsteht wahrscheinlich durch einen geringen Verlust von Liquor, der Flüssigkeit, die das Rückenmark umgibt, an der Stelle des Einstichs. Im Stehen oder Sitzen ist der Schmerz am schlimmsten, im Liegen tritt in der Regel eine Besserung ein.
  • Kreislaufreaktionen: Kreislaufreaktionen wie Blutdruckabfall oder Verlangsamung des Herzschlags gibt es manchmal besonders am Anfang der Anästhesie. Sie lassen sich meist durch einfache Maßnahmen beheben. Während einer Spinalanästhesie kann es zu einem Blutdruckabfall und Herzschlagverlangsamung kommen, was aber schnell behandelt werden kann. Dies wird dank des angeschlossenen Herz-Kreislauf-Überwachungsgerätes sofort erkannt und behandelt.
  • Blasenfunktionsstörungen: Je nachdem, in welcher Höhe der Wirbelsäule die Spinalanästhesie durchgeführt wurde, können die für die Entleerung der Blase verantwortlichen Nerven von der Betäubung mit betroffen sein. Dadurch kommt es hin und wieder zu einer vorübergehenden Blasenfunktionsstörung. Ebenso können vorübergehende Blasenentleerungsstörungen das Einlegen eines Blasenkatheters notwendig machen.
  • Blutergüsse: Vor dem Spinalkanal liegt ein Geflecht aus Venen, durch das der Arzt die Nadel führen muss. Wird ein Gefäß verletzt, was trotz sorgfältigstem Vorgehen nicht in allen Fällen vermeidbar ist, kann sich ein kleiner Bluterguss bilden.
  • Infektionen: Auf der Haut jedes Menschen lebt eine Vielzahl von Bakterien. Jeder Einstich durch die Haut birgt ein gewisses Risiko für eine Infektion. Bei der Spinalanästhesie kann es durch die Verschleppung von Keimen zu Hirn-, Rückenmark- oder Hirnhautentzündung kommen.
  • Nervenschäden: Extrem selten könnten möglicherweise Nervenschäden mit bleibenden Lähmungen bis zum Querschnitt auftreten. Sie könnten durch Blutergüsse, Entzündungen oder direkte Nervenschäden verursacht werden.
  • Unverträglichkeitsreaktionen: Unverträglichkeitsreaktionen auf die lokalen Betäubungsmittel können zu Herz-Kreislauf-Störungen bis zu ihrem Funktionsstillstand führen.

Alternativen zur Spinalanästhesie: Die Periduralanästhesie (PDA)

Neben der Spinalanästhesie gibt es die Periduralanästhesie (PDA), die ebenfalls zu den rückenmarksnahen Anästhesieverfahren gehört. Der Unterschied zwischen Spinalanästhesie und Periduralanästhesie (auch Epiduralanästhesie genannt) besteht darin, dass bei der Periduralanästhesie die Nerven erst nach dem Austritt aus dem Spinalkanal im sogenannten Periduralraum betäubt werden. Bei der Periduralanästhesie (PDA) verbleibt die Nadel außerhalb der harten Hirnhaut. Der Narkosearzt platziert über die Nadel zunächst einen dünnen Plastikschlauch, der für einige Zeit dort liegen bleibt. Die Nervenblockade bei der PDA setzt erst nach zirka 15 Minuten und damit deutlich langsamer ein als bei der Spinalanästhesie. Niedrig konzentrierte Betäubungsmittel blockieren nur die dünneren Nervenfasern, zu denen auch die Schmerzfasern gehören. Für die Blockade von motorischen Nerven sind höhere Konzentrationen notwendig. Wie viele Körpersegmente betäubt werden, kann der Narkosearzt über die Menge der verabreichten Medikamente festlegen. Die Betäubungsmittel wirken, sobald die Nervenfasern sie aufnehmen. Dabei blockieren sie die Weiterleitung von Sinnesempfindungen und motorischen Funktionen in den von den Nerven versorgten Körpersegmenten. Die Betäubungsmittel binden zuerst an die dünnen Nervenfasern (sympathische Nervenfasern, Fasern für das Temperaturempfinden, Schmerzempfinden und Berührungsempfinden) und zuletzt an die dicken motorischen Nervenfasern. Oft verwendet man zusätzlich zu den örtlichen Betäubungsmitteln Opiate, weil sie die schmerzlindernde Wirkung verstärken.

Wann kommt die PDA zum Einsatz?

Das hauptsächliche Einsatzgebiet der Periduralanästhesie (PDA) ist die Schmerztherapie. Einen hohen Stellenwert hat sie in der Geburtshilfe. Dort gilt sie als das Verfahren der ersten Wahl zur Linderung des Wehenschmerzes während der Entbindung. Ist eine Spontangeburt nicht möglich, können die Ärzte unter einer PDA auch einen Kaiserschnitt durchführen. Daneben setzt der Narkosearzt sie auch für die Schmerztherapie während und nach Operationen ein. Vorwiegend für große Eingriffe am Bauch oder im Bereich des Brustkorbes (zum Beispiel an der Lunge) kombiniert der Arzt häufig eine Vollnarkose mit einer PDA. Nach der Operation kann er die Schmerztherapie noch für einige Tage weiterführen.

Die kombinierte Spinal- und Epiduralanästhesie (CSE)

Mit der kombinierten Technik der Spinal- und Epiduralanästhesie (CSE) können Sie die Vorteile beider Methoden nutzen. Obwohl diese Technik erstmals 1937 beschrieben wurde, wurden zahlreiche Fortschritte erzielt, die es ermöglichten, die Technik zu dem zu perfektionieren, was sie heute ist. Es gibt keine einheitliche Antwort oder Regel, sondern vielmehr eine Reihe von Indikationen, die jeder Fachmann kennen und anpassen muss, um für jeden Fall und Patienten die bestmögliche Wahl zu treffen.

Vorbeugung von Komplikationen

Um extremen Komplikationen zuvorzukommen, sollten Sie ca. 6-8 Stunden nach Setzen der Spinalanästhesie Ihre Beine, Füße und Zehen testen, ob Sie überall wieder Gefühl und Kraft haben. Sollten später Schmerzen, Taubheit oder Muskelschwäche in den Füßen auftreten, sollten Sie sich sofort bei Ihrem behandelnden Arzt melden und das beschreiben. Entscheidend bei der Vorbeugung solcher Komplikationen ist der Zeitfaktor ihrer Erkennung.

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