Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, stellen eine besondere Herausforderung in der Schmerztherapie dar. Sie entstehen durch Schädigungen oder Erkrankungen des Nervensystems selbst und äußern sich oft in brennenden, stechenden oder elektrisierenden Schmerzen. Die Behandlung von Nervenschmerzen erfordert einen multimodalen Ansatz, bei dem verschiedene Medikamente und Therapieverfahren kombiniert werden. In diesem Artikel werden die Einsatzmöglichkeiten von Diazepam und Prednisolon bei Nervenschmerzen beleuchtet, einschließlich ihrer Wirkungsweisen, Anwendungsgebiete, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.
Einführung in Nervenschmerzen
Nervenschmerzen unterscheiden sich deutlich von anderen Schmerzarten. Während nozizeptive Schmerzen durch die Aktivierung von Schmerzrezeptoren aufgrund von Gewebeschäden entstehen, resultieren neuropathische Schmerzen aus einer direkten Schädigung oder Funktionsstörung von Nerven. Dies kann verschiedene Ursachen haben, wie beispielsweise:
- Diabetische Neuropathie
- Postherpetische Neuralgie (nach Gürtelrose)
- Nervenkompression durch Tumore oder Bandscheibenvorfälle
- Zentrale Schmerzen nach Schlaganfall oder Rückenmarksverletzungen
- Chemotherapie-induzierte Neuropathie
Die Symptome von Nervenschmerzen sind vielfältig und können umfassen:
- Brennende, stechende oder elektrisierende Schmerzen
- Allodynie (Schmerzen durch normalerweise nicht schmerzhafte Reize, wie Berührung)
- Hyperalgesie (erhöhte Schmerzempfindlichkeit)
- Parästhesien (Kribbeln, Taubheitsgefühle)
Diazepam in der Schmerztherapie
Diazepam ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Benzodiazepine. Es wirkt angstlösend, beruhigend, muskelentspannend und krampflösend. Diazepam beeinflusst die Nervenzellen im Hirnstamm und das limbische System, eine Funktionseinheit des Gehirns, die wesentlich für die Befindlichkeit eines Menschen verantwortlich ist. Diazepam verstärkt die hemmende Wirkung eines Überträgerstoffs (Gammaaminobuttersäure) und verringert dadurch die Erregbarkeit der Zellen.
Wirkungsweise von Diazepam
Diazepam verstärkt die Wirkung des Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn. GABA ist ein inhibitorischer Neurotransmitter, der die Erregbarkeit von Nervenzellen reduziert. Durch die Verstärkung der GABA-Wirkung wirkt Diazepam beruhigend, angstlösend und muskelentspannend.
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Die Hemmwirkung im Bereich der Nervenzellen im Hirnstamm hat eine muskelentspannende, beruhigende und schlaffördernde Wirkung. Durch die Dämpfung des limbischen Systems wird der Einfluss äußerer und innerer Reize und ihre Verarbeitung vermindert und ein Abstand zu äußeren und inneren Erlebnissen geschaffen. Das lindert Angst und Anspannung und sorgt für eine emotionale Beruhigung. Gleichzeitig wirken sich seelische Beeinträchtigungen weniger stark auf das vegetative Nervensystems aus, das lebenswichtige Funktionen wie Herzschlag, Blutdruck, Atmung und Verdauung steuert.
Anwendungsgebiete von Diazepam bei Nervenschmerzen
Obwohl Diazepam nicht primär zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt wird, kann es in bestimmten Situationen hilfreich sein:
- Muskelverspannungen: Wer Schmerzen hat, versucht diese oft durch Schonhaltung und ausweichende Bewegungen zu vermeiden. So entstehen Verkrampfungen und Fehlhaltungen, die die Schmerzen auf Dauer eher noch verstärken. Diazepam kann zur Linderung von Muskelverspannungen beitragen, die durch Nervenschmerzen verursacht werden.
- Angst- und Erregungszustände: Nervenschmerzen können mit Angstzuständen, Unruhe und Schlafstörungen einhergehen. Diazepam kann diese Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern.
- Zusatzmedikation: Der Arzt kann die medikamentöse Schmerztherapie durch weitere Medikamente ergänzen.
Anwendung von Diazepam
Diazepam-Tabletten und Diazepam-Tropfen werden mit einem Glas Wasser entweder vor einer Mahlzeit oder einige Zeit danach eingenommen. Diazepam-Zäpfchen werden in den After eingeführt, Rektaltuben entsprechend der Produktinformation im After entleert. Der Arzt legt die Diazepam-Dosierung und -Anwendungsdauer individuell fest. Grundsätzlich sollten die Dosis so gering wie möglich und die Dauer der Behandlung so kurz wie möglich gehalten werden. In der Regel sollte Diazepam nicht länger als vier Wochen angewendet werden. Eine abendliche Einnahme erfolgt eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen. Das Medikament sollte nicht auf vollen Magen eingenommen werden, weil sich sonst der Wirkungseintritt verzögert. Außerdem lassen sich so Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Konzentrationsschwäche am nächsten Morgen vermeiden. Zum Beenden der Behandlung nach längerer Einnahme (mehr als zwei Wochen) sollte das Medikament nicht abrupt abgesetzt werden. Stattdessen ist die Dosierung nach Rücksprache mit dem Arzt schrittweise zu verringern ("Ausschleichen").
Nebenwirkungen und Risiken von Diazepam
Diazepam kann eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen, darunter:
- Müdigkeit und Schläfrigkeit
- Benommenheit und Schwindelgefühl
- Verwirrtheit
- Gang- und Bewegungsstörungen
- Kopfschmerzen
- Gedächtnislücken
Bei längerer oder wiederholter Einnahme von Diazepam kann dessen Wirksamkeit abnehmen. Bei längerer Einnahme hoher Dosen sind außerdem vorübergehende Störungen wie verlangsamtes oder undeutliches Sprechen, Sehstörungen sowie Bewegungs- und Gangunsicherheit möglich.
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Diazepam kann bei längerem Gebrauch zu einer seelischen und körperlichen Abhängigkeit führen. Beim Beenden der Therapie können deshalb Entzugserscheinungen wie Schlafstörungen, vermehrtes Träumen, Angst- und Spannungszustände sowie innere Unruhe auftreten. Um Entzugserscheinungen zu vermeiden, sollte die Dosis beim Absetzten schrittweise verringert werden. Eine erforderliche Dosiserhöhung kann ein Zeichen einer Abhängigkeit sein. Das Medikament sollte dann abgesetzt werden.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen von Diazepam
Benzodiazepine wie Diazepam dürfen nicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegen diese Wirkstoffgruppe und auch nicht bei schwerer krankhafter Muskelschwäche (Myasthenia gravis) angewendet werden. In bestimmten anderen Fällen wird eine Anwendung nur bei zwingender Notwendigkeit und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen, so zum Beispiel bei akuter Vergiftung mit Alkohol oder anderen zentral dämpfenden Substanzen, schweren Leberschäden, schwerer Atemschwäche und Engwinkelglaukom (eine Form von Grünem Star).
Diazepam darf auf keinen Fall zusammen mit Alkohol eingenommen werden, da dieser die Wirkung des Medikaments in unvorhersehbarer Weise verändern und verstärken kann. Bei gleichzeitiger Anwendung von Diazepam und anderen zentral dämpfenden Arzneimitteln (wie Schlafmitteln, manchen Schmerzmitteln, Narkosemitteln etc.) verstärkt sich die schläfrig machende und atemdämpfende Wirkung.
Prednisolon in der Schmerztherapie
Kortison hemmt die Entzündungsreaktionen, wie sie bei allen rheumatischen Erkrankungen vorkommen, und lindert zudem durch seine abschwellende Wirkung z. B. bei Bandscheibenvorfällen die Schmerzen. Allerdings hat Kortison (oder genauer gesagt die gesamte Medikamentengruppe der Glukokortikoide) teils schwere Nebenwirkungen, insbesondere dann, wenn es über längere Zeit angewendet wird. Diese können allerdings stark reduziert werden, wenn die Anwendung außerhalb der Blutbahn z. B. nur im betroffenen Gelenk, also lokal erfolgt.
Wirkungsweise von Prednisolon
Prednisolon ist ein synthetisches Glukokortikoid, das entzündungshemmende und immunsuppressive Eigenschaften besitzt. Es wirkt, indem es die Produktion von Entzündungsmediatoren reduziert und die Aktivität von Immunzellen unterdrückt.
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Anwendungsgebiete von Prednisolon bei Nervenschmerzen
Corticosteroide werden oft bei tumorassoziierten Schmerzen verwendet, aber auch hier ist die Studienlage unzureichend. Die analgetische Wirkung beruht wahrscheinlich auf der Reduktion tumorassoziierter Ödeme, antiinflammatorischen Effekten und direkten Wirkungen auf das nozizeptive System (1, 3). Die Auswahl der Substanz erfolgt eher empirisch, die mineralokortikoide Potenz sollte gering sein. In der Tumorbehandlung wird oft Dexamethason eingesetzt. Alternativen sind zum Beispiel Prednisolon oder Methylprednisolon (1).
Prednisolon kann bei Nervenschmerzen in folgenden Fällen eingesetzt werden:
- Nervenkompression: Bei Nervenschmerzen, die durch Kompression von Nervenwurzeln oder des Rückenmarks verursacht werden, kann Prednisolon die Schwellung reduzieren und den Druck auf die Nerven lindern.
- Entzündliche Neuropathien: Bei einigen Formen von Neuropathien, die mit Entzündungen einhergehen, kann Prednisolon die Entzündung reduzieren und die Schmerzen lindern.
- Tumorbedingte Schmerzen: Corticosteroide können zu einer Reihe von Nebenwirkungen führen, die vor allem bei längerer Anwendung und höheren Dosen relevant sind. Spricht der Patient auf die Therapie nicht an, sollte sie nach sieben bis zehn Tagen abgesetzt werden (11).
Anwendung von Prednisolon
Die Dosierung von Prednisolon hängt von der Art und Schwere der Erkrankung ab. In der Regel wird Prednisolon initial in einer höheren Dosis verabreicht und dann schrittweise reduziert. Die Behandlungsdauer sollte so kurz wie möglich sein, um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren.
Nebenwirkungen und Risiken von Prednisolon
Prednisolon kann eine Vielzahl von Nebenwirkungen verursachen, insbesondere bei längerer Anwendung. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
- Gewichtszunahme
- Erhöhter Blutzuckerspiegel
- Erhöhter Blutdruck
- Osteoporose
- Erhöhtes Infektionsrisiko
- Stimmungsschwankungen
- Schlafstörungen
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen von Prednisolon
Glucocorticoide greifen, wie es der Name schon andeutet, in den Glucosestoffwechsel ein. Sie fördern die Gluconeogenese, erhöhen den Glucoseumsatz und verschlechtern sowohl die Glucosetoleranz, als auch die Insulinempfindichkeit.
Die Wirkung von Cumarin-Derivaten kann sowohl verstärkt als auch abgeschwächt werden. Eine Dosisanpassung ist ggf. erforderlich.
Prednisolon kann die Wirkung von Antidiabetika beeinflussen.
Weitere Therapieansätze bei Nervenschmerzen
Neben Diazepam und Prednisolon gibt es eine Reihe weiterer Medikamente und Therapieverfahren, die bei Nervenschmerzen eingesetzt werden können:
- Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin oder Trimipramin wurden ursprünglich zur Therapie von Depressionen entwickelt. In geringerer Dosis können diese Substanzen auch bei Kopf- und Nervenschmerzen eingesetzt, der Entwicklung eines Schmerzgedächtnisses entgegenwirken und Schlafstörungen bessern. Neuere Antidepressiva vom Typ SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) haben zwar weniger unerwünschte Nebenwirkungen wie z. B. Gewichtszunahme, sind aber in der Behandlung von Nervenschmerzen weniger wirksam.
- Antiepileptika: Antiepileptika wie Carbamazepin, Gabapentin oder die neueren Substanzen Lamotrigin und Pregabalin, wurden ursprünglich zur Behandlung der Epilepsie entwickelt, teilweise haben sie sich aber auch als sehr wirksam gegen Nervenschmerzen bewährt. Zur besseren Verträglichkeit muss die Dosis über einen längeren Zeitraum in kleinen Schritten so lange erhöht werden, bis die Zieldosis erreicht ist.
- Opioide: Opioide sind starke Schmerzmittel, die bei schweren Nervenschmerzen eingesetzt werden können. Aufgrund ihres Suchtpotenzials sollten sie jedoch nur unter strenger ärztlicher Aufsicht und in Kombination mit anderen Therapien eingesetzt werden.
- Topische Therapien: Lidocain-Pflaster und Capsaicin-Cremes können zur lokalen Schmerzlinderung bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu lindern.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen, Stress abzubauen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Interventionelle Verfahren: In einigen Fällen können interventionelle Verfahren wie Nervenblockaden oder Rückenmarkstimulation zur Schmerzlinderung beitragen.
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