PTBS, Nervenschmerzen und Haut: Ein komplexer Zusammenhang

Die Verbindung zwischen psychischen Traumata, chronischen Schmerzen und Hautproblemen ist ein vielschichtiges Feld, das in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus von Forschung und Therapie gerückt ist. Traumata können tiefgreifende Auswirkungen auf den Körper haben und sich in verschiedenen körperlichen Symptomen manifestieren, darunter Nervenschmerzen und Hauterkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung), Nervenschmerzen und Hautproblemen und stellt Therapieansätze vor.

Einführung

Die Haut ist unser größtes Organ und dient nicht nur als Schutzhülle, sondern auch als Sinnesorgan und Spiegelbild unserer Seele. Psychische Belastungen können sich daher auch auf der Haut zeigen. Umgekehrt können Hauterkrankungen psychisches Leid verursachen. Die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche ist besonders bei chronischen Schmerzen und Traumata von Bedeutung.

Chronische Schmerzen und PTBS: Eine häufige Kombination

Die MEDICLIN Bliestal Kliniken haben in ihrer langjährigen Arbeit mit chronischen Schmerzpatienten festgestellt, dass eine PTBS häufig mit chronischen Schmerzsyndromen einhergeht. Je nach Art des auslösenden Traumas leiden zwischen einem Drittel und vier Fünftel aller PTBS-Patienten auch unter chronischen Schmerzen, während 10 bis 15 % aller Schmerzpatienten gleichzeitig an einer PTBS leiden. Diese Wechselwirkung kann die Behandlung beider Erkrankungen erschweren.

Die Schmerz-Trauma-Therapie

Um diesen Patienten optimal zu helfen, haben die MEDICLIN Bliestal Kliniken ein spezielles Rehabilitationskonzept entwickelt: die Schmerz-Trauma-Therapie. Diese Therapieform berücksichtigt die enge Verbindung zwischen chronischen Schmerzen und PTBS und zielt darauf ab, beide Aspekte gleichzeitig zu behandeln.

Wesentliche Bestandteile der Schmerz-Trauma-Therapie sind:

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  • Eine Trauma-Schmerz-Gruppe, ergänzt durch Einzeltherapie
  • Patientenschulung
  • Gruppe zur Schmerzbewältigung
  • Vermittlung von Entspannungsmethoden
  • Kreativtherapie
  • Ergotherapie
  • Physiotherapie und physikalische Therapie
  • Bewegungstherapie und Krankengymnastik
  • Berufsbezogene Therapieangebote

Dieses Konzept hat sich als erfolgreich erwiesen und wurde bereits auf Fachkongressen vorgestellt.

Nervenschmerzen und ihre Ursachen

Nervenschmerzen, auch Neuralgien genannt, entstehen durch Schädigungen oder Fehlfunktionen des Nervensystems. Die Ursachen können vielfältig sein, darunter:

  • Trauma: Verletzungen oder Operationen können Nerven schädigen und zu chronischen Schmerzen führen.
  • Infektionen: Viruserkrankungen wie Herpes Zoster (Gürtelrose) können Nervenschmerzen verursachen, die auch nach Abklingen der Infektion bestehen bleiben (Postzosterneuralgie).
  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus kann zu einer Schädigung der peripheren Nerven führen (diabetische Neuropathie).
  • Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis können das Nervensystem angreifen und Nervenschmerzen verursachen.
  • Tumore: Tumore, die auf Nerven drücken oder in sie einwachsen, können Schmerzen verursachen.
  • Unbekannte Ursache: In einigen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache für die Nervenschmerzen finden (idiopathische Neuralgie).

Neurogene Inflammation

PD Dr. med. Matthias Seidel, Chefarzt der Rehaklinik Freihof in Baden, berichtet über Neuigkeiten zur neurogenen Inflammation. Die Beteiligung des Nervensystems an Entzündungsreaktionen ist in experimentellen Studien und vielen klinischen Beobachtungen zu erkennen. Mittlerweile ist bekannt, dass bei chronischen Schmerzen eine neurogene Inflammation vorliegt: Dieser Mechanismus des zentralen und peripheren Nervensystems moduliert oder induziert inflammatorische und potenziell autoimmune Ereignisse und wird von Molekülen vermittelt, die von Neuronen exprimiert werden und die Seidel in Anlehnung an Zytokine als «Neurokine» bezeichnet.

Das Ausmass der Inflammation scheint mit der Schmerzintensität zusammenzuhängen: Bei Riesenzellarteriitis beispielsweise sind bei hochgradiger Inflammation auch die Schmerzen stärker; umgekehrt ist die Behandlung mit dem Anti-IL6-Antikörper Tocilizumab mit geringerer Inflammation und weniger Schmerzen assoziiert.

Die bekannten Neurotransmitter wie SubstanzP oder CGRP werden bei chronischen Schmerzreizen nicht nur im Rückenmark, sondern auch nach umgekehrtem (antidromem) Transport in der Nervenzelle an der Schmerzstelle freigesetzt und führen lokal zu Entzündung, Vasodilatation, Chemotaxis und Zellaggregation. Generell förderlich für die Schmerzübertragung sind neben SubstanzP auch Glutamat, NGF (Nerve Growth Factor) oder Serotonin, während Cannabinoide und GABA generell inhibierend wirken.

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Haut und Psyche: Eine enge Verbindung

Die Haut und das Nervensystem haben einen gemeinsamen Ursprung in der Embryonalentwicklung. Die Haut verfügt über ein eigenes Nervensystem, das eng mit dem Gehirn vernetzt ist. Stress, Angst oder Trauer führen zur Ausschüttung von Hormonen wie Adrenalin und Cortisol, die direkt auf die Hautzellen wirken können.

Psychosomatische Hauterkrankungen

Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis, Akne, Herpes, Kontaktekzem und Nesselsucht werden als „psychosomatische Dermatosen“ bezeichnet, weil sie somatisch gegeben, aber psychisch beeinflussbar sind. Sie sind meist genetisch veranlagt. Doch darüber, ob und wann die Krankheit ausbricht, wie sie sich manifestiert und wie lange sie andauert, entscheiden viele andere Faktoren mit, unter anderem Chemikalien, mechanische Hautreizungen und die Psyche.

Juckreiz als Ausdruck psychischer Belastung

Juckreiz ist ein häufiges und belastendes Hautsymptom, das auch ohne erkennbare dermatologische Ursache auftreten kann. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Patienten mit chronischem Juckreiz unter psychosozialen Belastungen wie Stress, Lebenskrisen oder innerer Anspannung leidet. Oft berichten Betroffene davon, dass der Juckreiz in stressreichen Situationen zunimmt oder sich abends im Ruhezustand verstärkt.

Psychische Folgen von Hauterkrankungen

Sichtbare Hautveränderungen können psychischen Stress auslösen. Viele Patienten empfinden Scham oder ziehen sich sozial zurück, wenn sie unter auffälligen Hautsymptomen leiden. Unverarbeitete seelische Traumata können sich langfristig auf die Haut auswirken. Die Haut dient dabei häufig als unbewusster Ausdruck innerer Spannungen.

PTBS und ihre Auswirkungen auf den Körper

Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung, die durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst werden kann. Betroffene leiden unter Symptomen wie Flashbacks, Angstzuständen, Schlafstörungen und emotionaler Taubheit. Die PTBS kann jedoch auch körperliche Auswirkungen haben, darunter chronische Schmerzen, Nervenschmerzen und Hautprobleme.

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Stress und oxidativer Stress

Psychischer Stress, der durch Traumata verursacht wird, führt häufig zu erhöhtem oxidativem Stress in den Zellen. Vor allem die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, werden dabei überlastet. Das führt zu chronischen Erschöpfungszuständen und beeinträchtigt den generellen Gesundheitszustand. Traumatisierte Menschen sollten daher besonders auf eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen achten.

Schädigung der DNA

Traumata können auch die Erbsubstanz (DNA) schädigen. Studien haben gezeigt, dass Personen, die traumatische Ereignisse erlebt haben, tatsächlich ein Mehr an Schädigung ihrer DNA aufweisen.

Therapieansätze bei PTBS, Nervenschmerzen und Hautproblemen

Die Behandlung von PTBS, Nervenschmerzen und Hautproblemen erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die psychischen als auch die körperlichen Aspekte berücksichtigt.

Psychotherapie

Eine Psychotherapie ist für traumatisierte Menschen lebenswichtig und wirkt nicht nur psychisch, sondern auch körperlich. Ziel ist es zu lernen, die überwältigenden Gefühle selbstständig im Alltag herunter zu regulieren. Dabei helfen sogenannte Skills wie Wiederholungsrituale, Düfte oder Berührungsreize.

Verschiedene psychotherapeutische Verfahren stehen zur Verfügung:

  • Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Hier liegt der Schwerpunkt darauf, Gedanken oder Gefühle neu zu bewerten, die mit der traumatischen Situation besetzt sind.
  • Psychodynamische Therapie: Sie thematisiert stärker aktuelle und frühere Beziehungen und Erfahrungen.
  • EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing): Bei der EMDR-Behandlung wird die Patientin oder der Patient während der therapeutischen Gespräche bestimmten Reizen ausgesetzt, z.B. Augenbewegungen.

Medikamentöse Behandlung

In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, um die Symptome der PTBS, der Nervenschmerzen oder der Hautprobleme zu lindern.

  • Antidepressiva: Können bei Depressionen, Angstzuständen und Schlafstörungen helfen, die mit der PTBS einhergehen.
  • Schmerzmittel: Können bei Nervenschmerzen eingesetzt werden, wobei nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und Opioide nur begrenzt wirksam sind. Spezielle Antikonvulsiva und Antidepressiva können jedoch bei neuropathischen Schmerzen helfen.
  • Antihistaminika: Können bei Juckreiz eingesetzt werden.
  • Topische Kortikosteroide: Können bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis eingesetzt werden.

Körperorientierte Therapien

Körperorientierte Therapien wie Somatic Experiencing können helfen, körperliche Spannungen und Blockaden zu lösen, die durch das Trauma entstanden sind.

Entspannungstechniken

Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Selbstregulation zu verbessern.

Mikronährstoffe

Eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig, um den Körper bei der Bewältigung von Stress und Trauma zu unterstützen.

Interdisziplinäre Behandlung

Die Behandlung von PTBS, Nervenschmerzen und Hautproblemen erfordert oft ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Psychotherapeuten, Ärzten verschiedener Fachrichtungen (z.B. Dermatologen, Neurologen, Schmerztherapeuten) und anderen Therapeuten (z.B. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten).

Fibromyalgie: Ein Sonderfall

Die Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durch weit verbreitete Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und andere Symptome gekennzeichnet ist. Sie tritt häufig zusammen mit PTBS auf und kann auch mit Hautproblemen assoziiert sein.

Aufklärung und Selbstmanagement

An erster Stelle bei der Fibromyalgie steht die Aufklärung der Betroffenen, was ihre Diagnose tatsächlich bedeutet. Prof. Dr. med. Thomas Hügle betont die Bedeutung von Selbstmanagement bezüglich körperlicher Bewegung, kognitiver Verhaltenstherapie bzw. Psychotherapie sowie die medikamentöse Behandlung mit Tramal, Duloxetin, Amitriptylin oder Pregabalin.

Auslösende Faktoren

Weitere auslösende Faktoren sind systemische Inflammation (wie etwa bei rheumatischen Erkrankungen), Schlafentzug, chronischer Stress, posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und auch bestimmte Medikamente wie Reserpin.

Die Rolle des Nervensystems bei Entzündungen

Neuigkeiten zur neurogenen Inflammation berichtet PD Dr. med. Matthias Seidel, Chefarzt der Rehaklinik Freihof in Baden. Die Beteiligung des Nervensystems an Entzündungsreaktionen ist in experimentellen Studien und vielen klinischen Beobachtungen zu erkennen. Mittlerweile ist bekannt, dass bei chronischen Schmerzen eine neurogene Inflammation vorliegt: Dieser Mechanismus des zentralen und peripheren Nervensystems moduliert oder induziert inflammatorische und potenziell autoimmune Ereignisse und wird von Molekülen vermittelt, die von Neuronen exprimiert werden und die Seidel in Anlehnung an Zytokine als «Neurokine» bezeichnet.

Das Ausmass der Inflammation scheint mit der Schmerzintensität zusammenzuhängen.

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