Psoriasis, Gehirnentzündung und ihre Zusammenhänge: Eine umfassende Betrachtung

Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die etwa 3-5 % der Bevölkerung in den europäischen Industrienationen betrifft. In Deutschland sind schätzungsweise 2 Millionen Menschen betroffen. Sie manifestiert sich typischerweise durch rötliche, schuppende Plaques auf den Streckseiten der Arme und Beine, der Kopfhaut, dem Steiß, dem Bauchnabel und den Ohren. Da es sich um eine entzündliche Systemerkrankung handelt, kann die Psoriasis auch andere Organe betreffen. Jüngste Forschungsergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen Psoriasis, Gehirnentzündungen und neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson hin.

Psoriasis als Systemerkrankung: Mehr als nur Haut

Die Psoriasis ist nicht nur eine reine Hauterkrankung, sondern eine entzündliche Systemerkrankung. Bei der Psoriasis entzündet sich meist zuerst die Haut. Das Immunsystem ist aber nicht nur in der Haut, sondern im ganzen Körper aktiv. Es kann also auch an anderer Stelle überreagieren und Entzündungen hervorrufen. Immunologisch spielt das Zytokin Interleukin-17-A eine zentrale Rolle im Entzündungsprozess. Zytokine sind chemische Botenstoffe des Immunsystems. Bei der Schuppenflechte führen Triggerfaktoren wie Stress, Infekte, Medikamente und Rauchen zu einer vermehrten Produktion von Interleukin 6 und Interleukin 23 durch die Immunzellen in der Haut. Diese regen wiederum die Ausbildung von Immunzellen mit Produktion von Interleukin 17 A an. So wird eine Entzündungskaskade ausgelöst, bei der überschießendes Zytokin freigesetzt wird. In der Folge entzündet sich die Haut und lässt vermehrt Interleukin 17 A durch, welches über die Blutbahn dann zu einer Entzündungsreaktion der Gefäßhaut und Dysfunktion führt.

Genetische und immunologische Verbindungen zu neurodegenerativen Erkrankungen

Die Ursachen für die Demenz vom Alzheimer-Typ sind noch längst nicht vollständig geklärt. Neue Studien weisen jedoch darauf hin, dass bei dieser neurodegenerativen Erkrankung Entzündungsprozesse, wie man sie auch von der Psoriasis kennt, eine Rolle spielen. Im Mittelpunkt stehen hier Immunreaktionen, mit T-Helferzellen (Th1/Th17). Ebenso haben Genom-Assoziationsanalysen ergeben, dass sich bestimmte genetische Veränderungen sowohl bei Alzheimer Demenz als auch Psoriasis finden lassen. Daraus wurde geschlossen, dass die Entzündung bei Psoriasis auch die Pathogenese und Progression von Alzheimer Demenz beeinflusst. Zusätzlich haben aktuelle Untersuchungen gezeigt, dass Psoriasis auch mit einem erhöhten Risiko für Parkinson verbunden ist, was ebenfalls auf den Einfluss der Schuppenflechte auf das ZNS hinweist.

Epidemiologische Studien bestätigen den Zusammenhang

Epidemiologen aus Korea analysierten Daten des koreanischen Gesundheitssystems (National health insurance system =NHIS), das nahezu 100% der koreanischen Bevölkerung umfasst, um den Zusammenhang zwischen Psoriasis und Alzheimer Demenz zu untersuchen. Die Datensätze von 535.927 Psoriatikern und 2.679.635 Hautgesunden, die sich in Alter und Geschlecht entsprachen, wurden auf die Inzidenz von Alzheimer Demenz ausgewertet. Ergebnis: In dieser Fall-Kontroll-Studie wurde eine Alzheimer Demenz bei 2,11 % der Psoriasis-Patienten festgestellt, bei den Kontrollpersonen waren es nur 1,87%. Für die Psoriasis zeigten Beobachtungsstudien eine erhöhte Neigung zu kognitiver Dysfunktion und Demenz. Diese Assoziation ist unabhängig von anderen Einflussfaktoren und verringerte sich, wenn die Patienten eine systemische Behandlung erhielten. Die Einbußen können sich je nach Psoriasis-Typ unterscheiden. Auch für verschiedene Formen der ekzematösen Dermatitis (atopisch, seborrhoisch etc.) gab es Hinweise auf einen Zusammenhang mit kognitiven Einbußen.

Die Rolle der Entzündung und des "Inflammaging"

Bisher wurden geistige Einschränkungen bei Patienten meist auf das Alter zurückgeführt. Die eigentliche Ursache ist aber möglicherweise die Entzündung, schreiben S. Wen von der Southern Medical University in Guangdong und Kollegen. So konnten bei älteren Menschen höhere Serumspiegel für proinflammatorische Zytokine wie IL-6 und TNF-a nachgewiesen werden. Diese sind mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert. Eine große Rolle spielt bei über 65-Jährigen die chronische niederschwellige Inflammation („Inflammaging“), die unabhängig von entzündlichen Dermatosen auftritt. Die Autoren erklären sich die Situation so, dass entzündliche Hauterkrankungen ebenso wie die altersgeschädigte Haut zu einer vermehrten systemischen Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen führen. Die systemische Entzündung steigert die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke mit dem Resultat einer zerebralen Inflammation und nachfolgend einer kognitiven zerebralen Funktionsstörung. Eine antientzündliche Therapie kann zumindest in manchen Fällen das Risiko reduzieren. Bei Senioren ist die Verbesserung der epidermalen Funktion möglicherweise ein ebenso wichtiger Ansatzpunkt, um die Progression des kognitiven Verfalls zu bremsen.

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Neuroimmunologische Verbindungen und die Rolle des Nervensystems

Die Erschließung der Funktionsweise von Neuroimmun-Netzwerken bei Psoriasis (PS) wird nicht nur helfen, diese besser zu verstehen, sondern auch Wege zu neuen Therapien aufweisen. Für zahlreiche Hautkrankheiten, eingeschlossen Psoriasis, wurden Querverbindungen zwischen dem Nervensystem und den Hautimmunzellen beschrieben, was zu der Vermutung führte, dass neben einer Fehlregulation der Homöostase auch das Nervensystem eine Rolle in der Pathogenese der PS spielt. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass sensorische Nerven direkt oder indirekt durch eine Vielzahl von exogenen oder auch endogenen Psoriasis-Triggern aktiviert werden können. Das Zentralnervensystem (ZNS) reagiert auf Stress mit der Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren- Achse (hypothalamic-pituitaryadrenal, HPA) und des symphatischen Nervensystems (SNS). Es kommt zur Freisetzung des Corticotropin-Releasing- Hormons (CRH) durch den Hypothalamus, was über eine weitere Sekretionskaskade zur Ausschüttung von Glucocorticoiden (GC) ins Blut führt. Eine ähnlich funktionierende periphere HPA-Achse agiert in der Haut, die über Haut- und Immunzellen zur Sekretion von CRH führt. Die Aktivierung des CRHSystems in der Haut kann wiederum eine hormonelle Reaktion hervorrufen, die die Ausschüttung von das ZNS aktivierenden Hormonen, wie GC und Katecholaminen, bedingt. Chronischer Stress kann über die Aktivierung der HPA-Achse und des vegetativen Nervensystems zu einer konstanten Hochregulation von proinflflammatorischen Zytokinen, wie IL-1, IL-6 und TNF-α führen, was auch bei schweren depressiven Störungen zu beobachten war. So verbesserten sich bei depressiven PSPatienten, die mit Etanercept, einem Anti- TNF-a-Antikörperkonjugat behandelt worden waren, nicht nur die Psoriasis-, sondern auch die depressiven Symptome. Auch Cortisol, Adrenalin und Dehydroepiandrosteron (DHEA) sowie molekulare Stressmediatoren, wie das vasoaktive intestinale Peptid (VIP), das Pituitary-Adenylat- Cyclase-activating-Peptid (PACAP) und das Calcitonin-Gene-related-Peptid (CGRP) spielten bei durch psychischen Stress bedingter PS eine Rolle. Man fand heraus, dass für die Exozytose von Neuropeptiden an den Nervenenden die TRPKanäle (TRP: transient receptor potential channels) wichtig sind. Eine Unterfamilie, die TRPV (Vanilloid-Rezeptor-Unterfamilie), wird aufgrund ihrer Beteiligung an der Expression von pro-inflflammatorischen Signaturgenen als ein potenzielles therapeutisches Target untersucht. Auch wenn Ärzte des Öfteren PS nicht als eine pruriginöse Erkrankung betrachten, leiden 70-80 % der PS-Patienten unter Juckreiz, der aber nicht auf antipruriginöse Medikamente anspricht. Zudem stehen Opioide in der Haut im Verdacht, Pruritus bei Patienten mit PS hervorzurufen. So konnte man zeigen, dass der Spiegel der k-Rezeptoren (KOR), eine Untergruppe der Opioidrezeptoren, bei PS-Patienten mit Juckreiz niedriger war als bei gesunden Probanden. Nun müssen in klinischen Studien neuromodulatorische Substanzen auf ihre Wirksamkeit bei PS-bedingten Entzündungsprozessen und/oder Begleitsymptome, wie Juckreiz und Schmerz, untersucht werden.

Psoriasis und psychische Gesundheit: Ein Teufelskreis

Wenn Schuppenflechte an Kopf oder Händen sichtbar wird und sich nicht mehr verstecken lässt, reagieren manche Menschen ablehnend, ängstlich oder einfach nur ungeschickt. Betroffene fühlen sich dann oft verletzt und ziehen sich zurück. Studien bestätigen, dass Psoriatiker häufiger an Angststörungen und Depressionen leiden als gesunde Menschen. Gleichzeitig lassen aber negative Gedanken und Stress die Schuppenflechte blühen. Stigmatisierung erklärt einiges. Nur äußere Faktoren und die Reaktionen der Mitmenschen für den Teufelskreis von Schuppenflechte und miesen Gefühlen verantwortlich zu machen, reicht jedoch nicht. Auch ein Blick unter die Haut ist nötig, denn dort spielt sich der Krankheitsprozess ab. Bei Psoriasis findet eine Überreaktion der Immunabwehr statt - eine Entzündung entsteht. Diese sogenannten Zytokine koordinieren jedoch nicht nur die Abwehr gegen die vermeintlichen Feinde in der Haut. Ihre Signale können auch unsere Psyche beeinflussen. Und zwar genau in den Gehirnbereichen, die Wut, Angst und Freude sowie Erinnerungen oder die Lust auf Sex mitsteuern. Sie sind in der Lage, das empfindliche Gleichgewicht unseres Nervensystems zu stören und das Glücks- sowie Stressempfinden negativ zu manipulieren. Das körpereigene Abwehrsystem und unser Nervensystem kommunizieren aber nicht nur in eine Richtung. Angstzustände und Depressionen können wahrscheinlich ebenso eine Immunreaktion auslösen - und zwar ebenfalls über Zytokine. Auch schlimmen Stress, große Angst und tiefe Trauer scheint das Immunsystem wie einen schädlichen Angriff von außen zu deuten und mit einer Immunreaktion kontern zu wollen. Dieser Irrtum kann nicht nur Pso-Schübe lostreten oder die Plaques verschlimmern, sondern sogar Psoriasis entfachen. Wie stark die Seele das Hautbild bei Psoriasis beeinflusst, spüren Betroffene oft deutlich, wenn der Job stresst, die Beziehung anstrengender als sonst ist und die eigenen Ansprüche noch schwerer auf den Schultern lasten. Schuppenflechte und Psyche hängen also ganz eng zusammen.

Antipsoriatische Therapien und ihre Auswirkungen auf die Psyche

Moderne, hochwirksame Medikamente gegen Schuppenflechte helfen nicht nur die entzündliche Erkrankung zu kontrollieren und das Hautbild wieder gesund zu machen, sondern können auch die Psyche positiv beeinflussen, indem sie die Entzündungsprozesse im Körper massiv reduzieren. Ein Ende des Teufelskreises scheint also möglich. Die Psoriasis geht häufig mit psychischer Komorbidität wie Depressionen einher. Als wesentliche pathologische Verbindung zwischen diesen Krankheitsbildern gilt die systemische Inflammation. Es stellt sich die Frage, ob antipsoriatische Therapien einen Einfluss auf die depressive Symptomatik haben. Die Psoriasis ist keine reine Haut-, sondern eine entzündliche Systemerkrankung. Die Betroffenen haben aufgrund der systemischen Inflammation ein erhöhtes Risiko, zum Beispiel eine Erkrankung aus dem Formenkreis des metabolischen Syndroms zu entwickeln. Aber auch psychische Erkrankungen treten bei Patient:innen mit Psoriasis deutlich häufiger auf. Studiendaten zeigen, dass Stigmatisierungserfahrungen ein starker prädiktiver Faktor für das Entstehen von Depressionen sind. Psoriasis-Betroffene erleben durch die generelle Alltagsbelastung, Juckreiz und Schmerz häufig Stress, der die Erkrankung triggert. Der chronische Stress führt durch Aktivierung der Stress-Achsen zu einer Hochregulation von Immunzellen - vor allem mit einem Th1- und Th17-Phänotyp - und deren assoziierten Zytokinen. Dies treibt die psoriatische Entzündungsreaktion voran und führt damit zu einer Exazerbation und Aufrechterhaltung der Erkrankung. Bestimmte proinflammatorische Zytokine, wie unter anderem TNF-alpha, die bei der Psoriasis vermehrt vorhanden sind, führen dazu, dass die Enzymaktivität der Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO) hinaufreguliert und damit die Serotonin-Produktion reduziert wird. Neuere Daten aus einem Mausmodell zeigen, dass Interleukin-17A bei Depressionen im Kontext der Psoriasis eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Neben der chronischen Inflammation, die sowohl einen Einfluss auf die Depression als auch auf die Psoriasis hat, spielt auch eine Störung der Glucocorticoid-Rezeptor-Funktion bei depressiven Patient:innen eine Rolle. Im Rahmen der Immunaktivierung kann Cortisol nicht mehr gut an seinenGlucocorticoid-Rezeptor binden, in der Folge kann der Komplex weniger gut an die Glucocorticoid-Response-Elemente im Zellkern binden. Daraus resultieren ein vermindertes negatives Cortisol-Feedback und folglich eine Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse mit einer Ausschüttung des Corticotropin-Releasing-Hormons (CRH). Zum anderen gehen sowohl die Depression als auch die Angststörungen mit einem vermehrten Sympathikotonus einher. Dies wiederum sorgt dafür, dass unter anderem vermehrt Noradrenalin vorhanden ist.

Grundsätzlich zeigt sich jedoch über mehrere Studien hinweg, dass die Depressivität bei Betroffenen unter einer Biologika-Therapie positiv beeinflusst wird. In die gleiche Richtung deuten auch Daten einer Studie an Patient:innen mit unterschiedlichen entzündlichen Erkrankungen: Hier kam es unter verschiedenen immunmodulatorischen Therapien, wie zum Beispiel TNF-alpha- oder IL-12/23-Inhibitoren, zu einer Verbesserung der Depressivität. Es ist wichtig, Psoriasis-Patient:innen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für psychische Komorbidität frühzeitig zu identifizieren. Eine Untersuchung zeigte eine Korrelation zwischen dem Index der dermatologischen Lebensqualitäts- (DLQI) und psychologischen Scores: So lag bei fast allen Betroffenen mit auffälligen psychologischen Scores der DLQI über zehn. Dies deutet darauf hin, dass vor allem Patient:innen, die eine stark eingeschränkte hautspezifische Lebensqualität haben, ein erhöhtes Risiko für eine psychische Komorbidität mitzubringen scheinen. Im klinischen Alltag kann zudem neben dem DLQI mithilfe des „Zwei-Fragen-Tests“ ein Depressions-Screening durchgeführt werden, wie es die Nationale Konferenz zur Versorgung der Psoriasis empfiehlt. Die Identifikation von Depression bei Psoriasis habe auf verschiedenen Ebenen eine hohe Relevanz für das Management der Betroffenen. Daten zeigen, dass das Vorliegen einer depressiven Symptomatik den Abbruch einer Systemtherapie beeinflussen kann. Mögliche Erklärungsansätze hierfür seien eine stärkere Neigung zu Introspektion und Somatisierung sowie möglicherweise weniger kompetente Bewältigung und Toleranz von Nebenwirkungen aufgrund der Depressivität. In der Konsequenz würden sich eine psychiatrische bzw. psychotherapeutische Behandlung zur Stärkung der Resilienz sowie die Anwendung spezieller Kommunikationstechniken empfehlen, vor allem, um die Angst vor bestimmten Therapien zu nehmen und Nocebo-Effekte zu vermeiden. Bezüglich der medikamentösen Therapie verwies Sondermann auf die S3-Leitlinie Psoriasis vulgaris, die bei einer besonders hohen Beeinträchtigung der Lebensqualität (z.B.

Psoriasis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Ein gefährliches Zusammenspiel

Wir wissen, dass Entzündungen in den Blutgefäßen auch zu vermehrten Ablagerungen führen und somit den Prozess der Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) beschleunigen können. Die Arteriosklerose ist bekanntermaßen die Hauptursache für Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. PET-CT Studien konnten neben einer Entzündungsreaktion in der Haut auch parallel bestehende Entzündungsreaktionen in der Gefäßwand nachweisen. Zum Teil ist die Entzündungsreaktion in der Aorta (Körperschlagader) auch ein Indikator für das Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung gewesen. Zuletzt konnten wir auch anhand einer Studie feststellen, dass die Ausprägung von Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen (Koronarplaques) mit dem Hautbefall sogar korreliert. Über diesen Entzündungsprozess beobachten wir auch bei Patienten mit Psoriasis ein gehäuftes Auftreten von klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren wie arterielle Hypertonie, Diabetes, Hyperlipoproteinämie und Nikotingebrauch. Generell können wir davon ausgehen, dass Menschen mit Schuppenflechte ein grundsätzlich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.

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Therapieansätze und kardiologische Mitbetreuung

Auch wenn die Psoriasis eine chronische, also unheilbare, Erkrankung ist, verfügen Fachärzte über eine breite Palette wirksamer Medikamente. Die Medikamente werden je nach Schweregrad der Hautpsoriasis und der Organbeteiligungen ausgewählt. Die Therapie reicht von einer lokalen Therapie mit topischen Steroiden oder in Tablettenform, über Basistherapeutika wie Methotrexat bis zu einer Reihe von antientzündlich wirkenden sog. Biologika (Antikörpertherapie gegen Interleukin 23, Interleukin 17 A und Interleukin-17-A-Rezeptorblocker). Eine CT-Studie konnte nachweisen, dass beispielsweise Biologika bei Psoriasis-Patienten die kalkfreien Plaques in den Koronararterien verringern. Die kalkfreie Plaque-Belastung verringerte sich sogar um 8%, während bei den Betroffenen, die keine Biologika einnahmen, die koronare Plaque-Belastung dagegen im selben Zeitraum um 2% zunahm. Unklar ist jedoch, ob die Biologika direkt auf die Koronarveränderungen wirken oder indirekt, indem sie systemische Entzündungen reduzieren. Wir empfehlen eine kardiologische Mitbetreuung von Psoriasis-Patienten aufgrund des erhöhten kardiovaskulären Risikos. Wichtig ist, dass man weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sorgfältig im Blick behält und vor allem auch eine gute Blutdruckeinstellung erfolgt. Patienten mit einer lang bestehenden schweren Psoriasis gehören wie Diabetiker zu den kardiologischen Hochrisikopatienten und brauchen sorgfältige Überwachung und Therapie.

Interleukin-12 als Schlüsselfaktor bei Alzheimer und Psoriasis

Lange dachte man, Alzheimer sei vor allem das Ergebnis von Ablagerungen im Gehirn - sogenannte Plaques, die sich zwischen Nervenzellen ansammeln und die Kommunikation im Denkorgan stören. Jetzt legen Forscher eine Studie vor: Auch chronische Entzündungen spielen demnach eine viel größere Rolle als bisher gedacht. Forschende der Charité in Berlin und des Max Delbrück Centers haben in Untersuchungen den Botenstoff Interleukin-12 (IL-12) als echten Übeltäter im Alzheimer-Gehirn entlarvt. IL-12 ist ein Signalstoff, den unser Immunsystem nutzt, um bei Entzündungen Alarm zu schlagen. Besonders aktiv ist IL-12 bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen - darunter auch Psoriasis und Psoriasis arthritis. Die neue Studie zeigt: IL-12 sorgt im Gehirn dafür, dass wichtige Nervenzellen und sogenannte Oligodendrozyten - das sind Zellen, die Nervenbahnen schützend umhüllen - geschädigt werden. Die Folge: Denken, Erinnern und Konzentration funktionieren immer schlechter. Gleichzeitig werden die Abwehrzellen im Gehirn, die sogenannten Mikroglia, durch die ständige Entzündung überfordert. Sie kommen kaum noch hinterher, Ablagerungen zu beseitigen oder Zellmüll zu entsorgen. Auch bei Psoriasis und Psoriasis arthritis läuft das Immunsystem auf Hochtouren und produziert dauerhaft Entzündungsstoffe wie IL-12. Noch ist nicht klar, ob Menschen mit Psoriasis ein höheres Alzheimer-Risiko haben. Es gibt jedoch Hinweise aus früheren Studien, dass chronische Entzündungen im Körper generell das Demenzrisiko erhöhen können. Das Spannende: Es gibt bereits zugelassene Medikamente, die IL-12 blockieren - sogenannte Biologika. Sie werden erfolgreich zur Behandlung von Psoriasis und Psoriasis arthritis eingesetzt. Nun hoffen die Forschenden, dass diese Wirkstoffe auch bei Alzheimer helfen könnten. Diese Studie zeigt einmal mehr, wie sehr unser Körper als Ganzes funktioniert - oder eben nicht. Ein Entzündungsbotenstoff wie IL-12 kann an ganz verschiedenen Stellen Schaden anrichten. Was als Psoriasis auf der Haut beginnt oder sich in den Gelenken zeigt, könnte langfristig auch das Gehirn beeinflussen. Wer also IL-12 schon durch seine Psoriasis-Therapie „im Griff“ hat, könnte auch seinem Gehirn einen Gefallen tun.

Psychische Belastungen und Bewältigungsstrategien bei Psoriasis

Die Psoriasis (Schuppenflechte) ist für viele Betroffene eine Belastung, die weit über die sichtbaren Hautsymptome hinausgeht. Neben dem typischen rötlichen Ausschlag mit starker Schuppung, kann Psoriasis auch erhebliche psychische Probleme verursachen. Abwertende Blicke, Tuscheln und soziale Ausgrenzung sind nur einige Beispiele für Situationen, die Psoriasis-Patientinnen und Psoriasis-Patienten erleben. Es ist daher entscheidend, den Leidensdruck der Betroffenen zu thematisieren, frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit dem behandelnden Hautarzt oder der behandelnden Hautärztin zu minimieren. Psoriasis und Psyche hängen eng zusammen. Einerseits kann die chronisch-entzündliche Hauterkrankung durch psychischen Stress ausgelöst werden. Nicht selten wirken sich aber auch die sichtbaren Symptome auf der Haut negativ auf die Psyche aus. Diese Missstände führen oft dazu, dass sich Betroffene für ihr Erscheinungsbild schämen und aus Angst vor Ablehnung ihre Freizeitgestaltung, Kleiderwahl oder Sportaktivitäten an ihre Erkrankung anpassen. Manchmal kann auch die Partnersuche oder das Schließen neuer Freundschaften erschwert werden, wenn sich Betroffene in ihrer Haut unwohl fühlen und Angst davor haben, soziale Bindungen einzugehen. Gefühle wie Traurigkeit, Wut oder Einsamkeit werden nicht selten durch solche Situationen ausgelöst. Es ist normal, sich an manchen Tagen traurig oder ängstlich zu fühlen oder hin und wieder Lustlosigkeit und Unwohlsein zu verspüren. In der Regel können Menschen psychisch belastende Situationen in ihrem Leben eigenständig oder mit Hilfe von Freunden und Familie überwinden. Die Risikofaktoren für psychische Erkrankungen bei Psoriasis-Betroffenen sind vielfältig und können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Studienbefunde geben Hinweise darauf, dass weibliche und vor allem jüngere Psoriasis-Betroffene anfälliger für psychische Belastungen sind. Zudem scheinen ein geringes Erkrankungsalter, die Art der betroffenen Hautstellen und der subjektiv empfundene Schweregrad der Erkrankung Einfluss auf den seelischen Leidensdruck zu nehmen. So können auch kleine Ekzeme Patienten und Patientinnen stark belasten. Eine Depression wird diagnostiziert, wenn Betroffene länger als 14 Tage unter mindestens fünf Symptomen, darunter mindestens ein Hauptsymptom, leiden. Die zwei Hauptsymptome einer Depression sind einerseits gedrückte, niedergeschlagene Stimmung und andererseits Interessen- oder Motivationsverlust.

Es wird vermutet, dass physiologische Mechanismen für die Beziehung zwischen Psoriasis und psychischen Komorbiditäten verantwortlich sind. Einerseits könnten Depressionen die Entzündung bei Psoriasis verschlimmern, weil Entzündungszytokine verstärkt ausgelöst werden und die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse abnormal aktiviert wird. Andererseits könnten vorhandene Entzündungen durch die Psoriasis depressive Symptome aufgrund eines funktionellen Serotonin-Defizits hervorrufen. Serotonin ist ein Botenstoff, der im Nervensystem Informationen weitergibt. Mögliche Auslöser für das Auftreten psychischer Begleiterkrankungen bei Psoriasis-Betroffenen sind vielfältig. Deshalb ist es wichtig, belastende Situationen zu reflektieren und einen individuell passenden Therapieansatz zu verfolgen.

Alkohol und Psoriasis: Eine ungünstige Kombination

Der Umgang mit einer chronischen Erkrankung kann sehr herausfordernd sein - der Griff zur Flasche etabliert sich bei manchen Betroffenen oft schleichend, leider mit verheerenden Folgen: Psoriasis-Betroffene haben verglichen mit Personen ohne Hauterkrankung ein um 58 % höheres Risiko, an den Folgen ihres Alkoholkonsums zu versterben. Alkohol trinkende Frauen mit Psoriasis verlieren im Vergleich zu nicht betroffenen Frauen durchschnittlich fünf Lebensjahre. Der Konsum des Nervengifts kann zudem die Wirksamkeit einer Psoriasis-Therapie verringern. Deshalb empfiehlt sich ein gänzlicher Verzicht auf alkoholische Getränke oder der Genuss in Maßen.

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Unterstützungsmöglichkeiten und Therapieansätze

Es gibt eine Vielzahl an Unterstützungsmöglichkeiten , um psychischen Leidensdruck Abhilfe zu schaffen. Beispielsweise kannst du mit Hautärzten bzw. Hautärztinnen, Psychodermatologen bzw. Psychodermatologinnen und Psychotherapeuten bzw. Psychotherapeutinnen über deine psychischen Belastungen sprechen. In deiner Haut steckt niemand geringeres als du selbst und das dein ganzes Leben lang. Umso wichtiger ist es, dass du dich darin so wohl wie möglich fühlst - trotz Psoriasis. Heute gibt es gute Möglichkeiten, dies zu erreichen. Warum sich also mit weniger zufriedengeben? Sprich mit deiner Hautärztin bzw.

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