Sehstörungen können vielfältige Ursachen haben, von harmlosen Augenproblemen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen des Gehirns. Eine Entzündung im Gehirn kann ebenfalls Sehstörungen verursachen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Sehstörungen im Zusammenhang mit Entzündungen im Gehirn und anderen Erkrankungen, die sowohl das Gehirn als auch die Augen betreffen können.
Krankheitsbedingte Ursachen von Sehstörungen
Sehstörungen können durch eine Vielzahl von Erkrankungen verursacht werden, die entweder direkt das Auge betreffen (ophthalmologische Ursachen) oder neurologische Ursachen haben, wie beispielsweise Entzündungen des Gehirns.
Augenerkrankungen als Ursache
Häufig sind Augenerkrankungen wie Grüner Star (Glaukom), Grauer Star (Katarakt) oder eine Netzhautablösung für Sehstörungen verantwortlich.
Schielen (Strabismus): Beim Schielen weicht das Auge von der geforderten Blickrichtung ab, was zu Doppelbildern (Diplopie) führen kann.
Stabsichtigkeit (Astigmatismus): Auch Hornhautverkrümmung genannt, verursacht verzerrtes, verschwommenes und unscharfes Sehen.
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Altersbedingte Makuladegeneration (AMD): Hier häufen sich Stoffwechselprodukte im Auge an, was allmählich das Zentrum der Netzhaut zerstört. Dies führt zu einer Verschlechterung des Sehens und im fortgeschrittenen Stadium zu verzerrtem Sehen.
Grüner Star (Glaukom): Umfasst mehrere Krankheitsbilder, die alle zu einem fortschreitenden Untergang des Sehnervs führen. Typische Symptome sind Nebelsehen, das Sehen von Farbringen um Lichtquellen, Gesichtsfeldausfälle und Sehverschlechterung.
Grauer Star (Katarakt): Optische Ungleichmäßigkeiten der Augenlinse führen zu unscharfem Sehen, verzerrtem Sehen, gelegentlich Doppeltsehen oder Mehrfachsehen, Nebelsehen und vermindertem Farbempfinden.
Glaskörpertrübung: Im Alter sowie bei Kurzsichtigkeit können Trübungen im Glaskörper auftreten, die als "Mouches volantes" ("fliegende Mücken") wahrgenommen werden.
Glaskörperabhebung: Im Alter kann sich der Glaskörper von der Netzhaut abheben, was zu Sehstörungen in Form von "Mouches volantes" oder ring- beziehungsweise schlangenförmigen Linien im zentralen Gesichtsfeld führen kann.
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Glaskörperblutung: Blutungen in den Glaskörper können Sehstörungen wie plötzlich auftretende dunkle Trübungen auslösen.
Netzhautriss und Netzhautablösung: Einrisse in der Netzhaut können zu Löchern und einer Netzhautablösung führen. Typische Sehstörungen sind Lichtblitze, schwarze Punkte, Schatten oder ein fallender Vorhang vor dem betroffenen Auge.
Gefäßhautentzündung (Uveitis): Verschiedene Entzündungen im Augeninneren können Sehverminderung, das Sehen von Flocken, Schatten, Blitzen, Schlieren, Nebel, Punkten oder Verzerrtsehen hervorrufen.
Sehnerventzündung (Optikusneuritis): Eine Entzündung des Sehnervs führt zu Sehstörungen wie verringerter Sehschärfe und Farbensättigung.
Managerkrankheit des Auges: Sehstörungen durch Stress bedingt, wie Veränderungen im Farbsehen, Doppelbilder, graue Flecke im Sichtfeld, unscharfes oder verzerrtes Sehen.
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Gefäßverschluss in der Netzhaut: Kann zu plötzlicher, einseitiger Erblindung oder einer Verschlechterung des Sehvermögens führen.
Neurologische Ursachen von Sehstörungen
Neben Augenerkrankungen können auch neurologische Erkrankungen Sehstörungen verursachen. Dazu gehören:
Entzündungen des Sehnervs und/oder des Gehirns: Diese können infolge von Infektionen oder Fehlfunktionen des Immunsystems auftreten, wie bei Multipler Sklerose.
Durchblutungsstörungen im Gehirn: Schlaganfälle oder Verletzungen können zu Sehstörungen führen.
Raumfordernde Prozesse im Kopf: Augen- und Hirntumoren, Hirnblutungen, Abszesse, Gefäßfehlbildungen (Angiome) und Gefäßausbuchtungen (Aneurysma) können ebenfalls Sehstörungen verursachen. Hirntumoren können verschwommenes Sehen, Gesichtsfeldausfälle, fortschreitende Sehverschlechterung und Doppelbilder verursachen.
Multiple Sklerose (MS): Sehstörungen sind bei dieser chronisch entzündlichen Erkrankung des Nervensystems sehr häufig und oftmals sogar das erste Krankheitszeichen. Die Sehstörungen bei MS umfassen verschwommenes Sehen, Doppelbilder sehen, verringerte Sehschärfe sowie (vorübergehende) Blindheit.
Migräne: Bei der Migräne mit Aura gehen der Kopfschmerzphase neurologische Funktionsstörungen voraus, meist Sehstörungen wie Augenflimmern, Lichtblitze, Zackenlinien und Gesichtsfeldausfälle.
Arterienentzündung (Arteriitis temporalis): Die chronische Entzündung führt meist zu einem zunächst einseitigen Sehverlust.
TIA (transitorische ischämische Attacke): Flüchtige Sehstörungen im Sinne einer "Amaurosis fugans" - einer vorübergehenden, wenige Sekunden oder Minuten andauernden vollständigen Erblindung eines Auges, verschwommenes Sehen oder Gesichtsfeldausfälle.
Ausweitung einer Hirnarterie (Hirnaneurysma): Ständige oder wechselnde Doppelbilder ohne Auffälligkeiten am Auge. Reißt sie, droht eine lebensgefährliche Hirnblutung.
Blutungen im Bereich des Gehirns: Plötzliche Doppelbilder (ohne Auffälligkeiten am Auge), heftigste Kopfschmerzen, Bewusstseinstrübung und Lähmungen.
Krankhafte Muskelschwäche (Myasthenia gravis): Häufige Erstsymptome sind Sehstörungen in Form von Doppelbildern sowie das Herabhängen des Oberlids bei geöffnetem Auge.
Stoffwechselbedingte und toxische Ursachen
Stoffwechselstörungen und Vergiftungen können ebenfalls Sehstörungen verursachen:
Stoffwechselbedingte Sehnervschädigung (metabolische Optikopathie): Bei Schilddrüsenüberfunktion, Mangel an bestimmten Vitaminen (wie Vitamin A und B12), Diabetes mellitus und Leberversagen.
Vergiftungsbedingte Sehnervschädigung (toxisch bedingte Optikopathie): Durch Alkohol, Tabak, bestimmte Medikamente, Kohlenmonoxid und Blei.
Weitere Ursachen
Äußere Gewalteinwirkung: Sehnervschäden durch äußere Gewalteinwirkung wie einem Unfall (traumatisch bedingte Optikopathien).
Therapiefolgen: Bleibende Restschäden (Residualzustände) einer Strahlen- oder Chemotherapie sowie einer Hirnhautentzündung (Meningitis).
Genetische Ursachen: Angeborene und genetisch bedingte Ursachen von Sehstörungen wie bestimmte Fettstoffwechselstörungen (Lipidosen) und ein Schwund der Sehnerven (Optikusatrophie).
Alkohol, Tabak, illegale Drogen: Sehstörungen können als Entzugssymptome bei Alkohol- oder Drogensucht auftreten.
Nebenwirkung von Medikamenten: Seltene Nebenwirkungen von Digitalis (Herzmittel), Sulfonamiden (Antibiotika) und Diuretika (Entwässerungsmittel) sind Sehstörungen im Bereich des Farbempfindens (Gelb-, Rot- oder Blausehen).
Sehnerventzündung (Optikusneuritis) im Detail
Die Optikusneuritis ist eine Entzündung des Sehnervs, die meist zu einem gestörten Sehvermögen auf einem Auge führt. Die Beschwerden bessern sich üblicherweise im Laufe von Tagen bis Wochen. In einigen Fällen kann eine Sehnervenentzündung jedoch auch als Teil der Erkrankung Multiple Sklerose (MS) auftreten.
Symptome der Optikusneuritis
Das typische Symptom ist eine Beeinträchtigung des Sehvermögens mit mäßigen Schmerzen hinter dem Augapfel, die beim Bewegen der Augen stärker werden. In 75 % der Fälle tritt die Erkrankung einseitig auf, es können jedoch auch beide Sehnerven betroffen sein. Die Sehstörungen können unterschiedliche Ausmaße bis zum Sehverlust reichen. An der Stelle, an der der Sehnerv das Auge verlässt (blinder Fleck), kann sich ein Ödem bilden.
Weitere Zeichen einer Sehnervenentzündung können vermindertes Kontrastempfinden, (von Auge zu Auge) verändertes Farbsehen und teilweiser Gesichtsfeldausfall sein. Teilweise kann auch eine Regenbogenhautentzündung auftreten.
Die Symptome entwickeln sich meist im Laufe von Stunden bis wenigen Tagen. Auch die Wahrnehmung von Lichtblitzen kann Ausdruck der Erkrankung sein. Da eine Sehnervenentzündung im Rahmen einer Multiplen Sklerose (MS) auftreten kann, sind weitere neurologische Symptome wie Missempfindungen oder Schwindel möglich.
Ursachen der Optikusneuritis
Die Symptome einer Optikusneuritis entstehen aufgrund einer entzündlichen Schädigung des Sehnervs. Hier sind allerdings nicht Bakterien oder Viren die Ursache der Entzündung, in den meisten Fällen greifen stattdessen die körpereigenen Abwehrzellen im Rahmen einer sog. Autoimmunreaktion das eigene Gewebe an.
Eine Sehnervenentzündung kann ein Zeichen der Erkrankung Multiple Sklerose sein. Nicht selten ist es sogar das erste Symptom der Erkrankung. 60 % der Betroffenen mit Sehnervenentzündung leiden nach 40 Jahren an einer Multiplen Sklerose.
Andere Ursachen sind Reaktionen auf Giftstoffe wie Blei, Medikamentenmissbrauch und Erkrankungen wie Lupus erythematodes, Sarkoidose oder Borreliose.
Bei Kindern tritt die Erkrankung häufig in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer Virusinfektion auf und betrifft dann oft beide Seiten. Das Sehvermögen erholt sich meist komplett. Das Risiko, nach der Episode eine MS zu entwickeln, ist bei Kindern deutlich geringer.
Diagnose der Optikusneuritis
Die Diagnose wird bei der typischen Beschreibung einer zunehmenden Verschlechterung des Sehens, der Farbwahrnehmung und des Kontrastempfindens über Stunden bis Tage in Betracht gezogen.
In der Untersuchung der Patient*innen zeigen sich zusätzlich zur eingeschränkten Sehfähigkeit oft eine gestörte Pupillenreaktion auf Licht und Schmerzen bei Augenbewegungen.
Es erfolgt eine allgemeine körperliche Untersuchung, um Symptome wie Missempfindungen, Lähmungen, Schwindel, Herz-/Lungensymptome oder Fieber zu erkennen.
Bei schweren oder anhaltenden Schmerzen über mehr als 2 Wochen oder anhaltendem oder fortschreitendem Verlust des Sehvermögens sollten weitere diagnostische Maßnahmen gesetzt werden.
Eine augenärztliche Untersuchung erfolgt, um andere Krankheiten auszuschließen.
Bei allen Betroffenen sollte im Krankenhaus eine MRT-Untersuchung des Gehirns und des Rückenmarks durchgeführt werden, um das Risiko für eine Multiple Sklerose abzuschätzen. Zusätzlich liegt so ein Ausgangsbefund vor, falls sich in Zukunft weitere Symptome entwickeln. Bei einem krankhaften MRT-Befund oder vorhandenen neurologischen Symptomen sind neurologische Zusatzuntersuchungen empfohlen.
Um eine andere zugrunde liegende Erkrankung auszuschließen, können eine Lumbalpunktion zur Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit sowie verschiedene Bluttests notwendig sein.
Für den Ausschluss anderer Erkrankungen oder die Verlaufskontrolle können sog. visuell evozierte Potenziale (VEP) gemessen werden. Dabei handelt es sich um Ausschläge im Elektroenzephalogramm (EEG) nach visueller Stimulation, die bei durchgemachter Optikusneuritis verzögert auftreten.
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