Die Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen). Diese schützenden Häute umhüllen das zentrale Nervensystem, bestehend aus Gehirn und Rückenmark. Die Entzündung kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, wobei Viren und Bakterien die häufigsten sind. In selteneren Fällen können auch Pilze oder Parasiten eine Meningitis verursachen. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, betrifft aber besonders häufig Kinder.
Einführung
Eine Meningitis ist ein medizinischer Notfall, der schnellstmöglich behandelt werden muss, um schwerwiegende Komplikationen und bleibende Schäden zu vermeiden. Dank Impfungen ist die Zahl der Erkrankungen durch bestimmte Bakterien wie Haemophilus influenzae und Meningokokken in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen.
Ursachen der Meningitis
Die Ursachen einer Meningitis sind vielfältig. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen infektiösen und nicht-infektiösen Ursachen.
Infektiöse Ursachen
Die häufigsten infektiösen Ursachen sind:
- Bakterien:
- Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae)
- Meningokokken (Neisseria meningitidis)
- Haemophilus influenzae
- Listerien (Listeria monocytogenes)
- Streptococcus agalactiae, Escherichia coli, Staphylokokken, Pseudomonas, Salmonellen und gramnegative Erreger (bei Säuglingen bis sechs Wochen)
- Mycobacterium tuberculosis (Erreger der Tuberkulose)
- Viren:
- Enteroviren (insbesondere Coxsackieviren)
- Herpesviren (CMV, EBV, HSV, VZV)
- FSME-Virus (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
- Mumpsviren
- Masernvirus
- Influenzaviren
- HI-Viren
- Arboviren
- Pilze:
- Candida
- Aspergillus
- Kryptokokken
- Parasiten:
- Echinokokken
- Toxoplasma gondii
- Amöben:
- Naegleria fowleri
Die Erreger können die Hirnhäute auf verschiedenen Wegen erreichen:
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- Hämatogen: Über den Blutweg, insbesondere bei Neugeborenen durch Streptokokken der Gruppe B.
- Per continuitatem: Durch Ausbreitung von Entzündungen im Nasen- und Rachenraum (z.B. Otitis, Sinusitis), nach Verletzungen oder Eingriffen.
- Direkt: Durch Tröpfcheninfektion, wobei der Nasen-Rachenraum von Meningokokken besiedelt sein kann.
Nicht-infektiöse Ursachen
Neben den erregerbedingten Ursachen gibt es auch nicht-infektiöse Ursachen, die eine Entzündung der Hirnhäute hervorrufen können:
- Meningeosis neoplastica (Ausbreitung maligner Zellen auf die Hirnhäute)
- Autoimmunerkrankungen (z.B. SLE, Sarkoidose, Morbus Wegener)
- Nebenwirkungen von Medikamenten
- Krebserkrankungen
- Bestrahlungen
Symptome der Meningitis
Die Symptome einer Meningitis können je nach Art der Hirnhautentzündung variieren. Die klassische Symptom-Trias besteht aus:
- Nackensteifigkeit (Meningismus)
- Hohes Fieber
- Bewusstseinsminderung
Allerdings müssen nicht alle drei Symptome gleichzeitig auftreten. Jedes dieser Symptome sollte jedoch Anlass zur weiteren Abklärung geben.
Weitere mögliche Symptome sind:
- Starke Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit
- Epileptische Anfälle
- Verwirrtheit
- Schläfrigkeit
Zusätzlich zu den genannten Symptomen können bestimmte klinische Zeichen auf eine Meningitis hindeuten:
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- Brudzinski-Zeichen: Reflexartiges Anziehen der Beine bei Vorbeugung des Kopfes.
- Kernig-Zeichen: Einschießende Schmerzen und reflektorische Beugung im Kniegelenk bei Anheben des gestreckten Beines.
- Lasègue-Zeichen: Einschießender Schmerz in das ipsilaterale Bein bei Anheben des gestreckten Beines.
- Jolt accentuation maneuver: Verstärkung der Kopfschmerzen bei raschem Hin- und Herschütteln des Kopfes.
Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern
Bei Säuglingen und Kleinkindern können die Symptome unspezifischer sein:
- Spitzes, schrilles Schreien oder anhaltendes Wimmern
- Trinkschwäche
- Vorgewölbte Fontanelle
- Kalte Extremitäten und blasse Hautfarbe
- Berührungsempfindlichkeit
- Schlaffheit oder Opisthotonus (Überstreckung des Körpers)
- Atembeschwerden
- Hyperexzitabilität
- Ödeme
- Aufgeblähtes Abdomen
- Hypothermie
- Ikterus
- Hauterscheinungen (Petechien, papulöse oder konfluierende Hautinfiltrate)
Spezifische Symptome bei bestimmten Meningitis-Formen
- Meningokokken-Meningitis: Makulopapulöse Exantheme (Hautausschlag) an Rumpf, unteren Extremitäten, Schleimhäuten und Konjunktiven, oft mit roten oder lilafarbenen Flecken (Purpura). In schweren Fällen kann es zu einer Sepsis mit Waterhouse-Friderichsen-Syndrom kommen.
- Tuberkulöse Meningitis: Augenmuskellähmungen oder Lähmungen der Gesichtsmuskulatur.
- Eitrige Meningitis: Hohes Fieber, schweres Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Pupura und Petechien.
Diagnose der Meningitis
Bei Verdacht auf eine Meningitis sind eine rasche Diagnose und der sofortige Behandlungsbeginn entscheidend. Die Diagnose umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, inklusive Impfstatus, Kontakt zu Infizierten, Vorerkrankungen und Auslandsaufenthalten.
- Körperliche Untersuchung: Überprüfung der Vitalfunktionen und neurologische Untersuchung mit Prüfung auf Meningismus-Zeichen.
- Blutuntersuchung: Bestimmung von Entzündungswerten (BSG, Leukozyten, CRP, Procalcitonin, Interleukin-6) und Blutkultur zum Erregernachweis.
- Lumbalpunktion: Entnahme von Nervenwasser (Liquor) zur Analyse von Zellzahl, Zelldifferenzierung, Proteingehalt, Glukose, Laktat, Grampräparat und Liquorkultur. In manchen Fällen wird ein Latexagglutinationstest durchgeführt.
- Bildgebung: In manchen Fällen kann eine CT oder MRT erforderlich sein, um einen erhöhten Druck im Gehirn auszuschließen oder andere Ursachen der Beschwerden zu identifizieren.
Liquorbefunde
Die Liquorbefunde können Hinweise auf die Ursache der Meningitis geben:
- Bakterielle Meningitis: Trüber bis eitriger Liquor, erniedrigte Glukose, erhöhter Proteinwert, deutlich erhöhtes Laktat, erhöhte Zellzahl mit Granulozytose.
- Tuberkulöse Meningitis: Klarer Liquor mit weiß-gelblichen Gerinnseln, erniedrigte Glukose, erhöhter Proteinwert, erhöhtes Laktat, erhöhte Zellzahl mit Lymphozytose, Monozytose und Granulozytose.
- Virale Meningitis: Klarer Liquor, normale Glukose, normaler bis leicht erhöhter Proteinwert, normales Laktat, erhöhte Zellzahl mit Lymphozytose.
- Meningitis bei Neuroborreliose: Klarer Liquor, normale Glukose.
Behandlung der Meningitis
Die Behandlung der Meningitis richtet sich nach der Ursache der Erkrankung.
Bakterielle Meningitis
Die bakterielle Meningitis ist ein medizinischer Notfall und erfordert eine sofortige Behandlung mit Antibiotika im Krankenhaus, meist auf einer Intensivstation. In der Regel werden Breitbandantibiotika wie Penicillin oder Cephalosporine eingesetzt. Zusätzlich kann Kortison gegeben werden, um die Entzündungsreaktion zu reduzieren und Komplikationen wie Hörverlust zu vermeiden.
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Virale Meningitis
Die virale Meningitis verläuft meist milder und heilt oft ohne spezifische Behandlung innerhalb von Tagen bis Wochen aus. Die Behandlung erfolgt symptomatisch mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten. Bei einer durch Herpesviren verursachten Enzephalitis ist eine sofortige Therapie mit Aciclovir lebensrettend.
Meningitis durch Pilze oder Parasiten
Meningitiden durch Pilze oder Parasiten werden mit spezifischen Antimykotika bzw. Antiparasitika behandelt.
Nicht-infektiöse Meningitis
Die Behandlung der nicht-infektiösen Meningitis richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache, z.B. Immunsuppressiva bei Autoimmunerkrankungen.
Komplikationen und Langzeitfolgen
Meningitis kann zu verschiedenen Komplikationen und Langzeitfolgen führen:
Akute Komplikationen
- Hirnödem (Schwellung des Gehirns)
- Epileptische Anfälle
- Schlaganfälle
- Systemische Komplikationen (z.B. Sepsis, Gerinnungsstörungen)
Langzeitfolgen
- Hörschäden (bis zur Taubheit)
- Neurologische Defizite (Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen)
- Kognitive Beeinträchtigungen (Konzentrations- und Merkfähigkeitsprobleme)
- Apallisches Syndrom
- Retrograde Amnesie
Vorbeugung
Einige Formen der Meningitis lassen sich durch Impfungen verhindern. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Impfungen gegen:
- Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
- Pneumokokken
- Meningokokken (Serogruppen B und C)
- Masern
- Mumps
- Röteln
- Windpocken
- FSME (in Risikogebieten)
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