Enzephalitozoonose: Zoonose, Titer und Informationen für Katzen und andere Tiere

Einführung

Die Enzephalitozoonose, oft als E. c. abgekürzt, ist eine parasitäre Erkrankung, die nicht nur Kaninchen betrifft, sondern auch Katzen, Menschen und andere Tierarten. Da es sich um eine Zoonose handelt, ist die Übertragung zwischen verschiedenen Tierarten und vom Tier auf den Menschen möglich. In den letzten Jahren ist die Enzephalitozoonose bei Katzen verstärkt in den Fokus gerückt, da aktuelle Forschungsergebnisse darauf hindeuten, dass E. cuniculi eine Rolle bei bestimmten Erkrankungen spielen könnte. Dieser Artikel beleuchtet die Enzephalitozoonose im Detail, einschließlich der betroffenen Tierarten, Übertragungswege, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Enzephalitozoonose?

Die Enzephalitozoonose, auch als Sternguckerkrankheit bekannt, ist eine weltweit verbreitete parasitäre Erkrankung, die durch den Einzeller Encephalitozoon cuniculi ausgelöst wird. Dieser gehört zu den Mikrosporidien und besitzt das kleinste eukaryotische Genom. Neben E. cuniculi gehören auch E. hellem und E. intestinalis zur Gattung Encephalitozoon. Mikrosporidien sind einzellige Parasiten, die sowohl Wirbeltiere als auch Wirbellose befallen können und über untypische Eigenschaften für Einzeller verfügen. So besitzen sie beispielsweise kein Mitochondrium, aber Enzyme mit mitochondrialer Funktion. Verschiedene Merkmale deuten darauf hin, dass Mikrosporidien eher mit Pilzen verwandt sind, was molekularbiologisch bestätigt wurde.

Betroffene Tierarten

Der Hauptwirt von E. cuniculi ist das Kaninchen. Allerdings wurden Erkrankungen durch diesen Mikrosporidium auch bei anderen Tierarten festgestellt. Dazu gehören:

  • Hausmäuse
  • Ratten
  • Pferde
  • Füchse
  • Katzen (auch Großkatzen wie Leopard, Schneeleopard und Nebelparder)
  • Hunde
  • Bisamratten
  • Feldmäuse
  • Hamster
  • Meerschweinchen
  • Hühner
  • Paviane
  • Ziegen
  • Rinder
  • Schweine
  • Lamas (Alpakas)
  • Seekühe
  • Lemminge
  • Präriehunde
  • Afrikanische Wildhunde
  • Totenkopfäffchen
  • Nymphensittiche
  • Blautstirnamazonen

Auch in Hühnereiern wurde E. cuniculi nachgewiesen.

Vorkommen und Häufigkeit bei Katzen

Bei Katzen sind klinische Fälle von Enzephalitozoonose recht selten, und es gibt nur wenige wissenschaftliche Fallberichte. Antikörper gegen E. cuniculi sind jedoch häufiger nachweisbar, wobei ein positiver Antikörpertiter nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Katze auch klinische Symptome aufweist. In verschiedenen Studien wurden unterschiedliche Prävalenzen von Antikörpern bei Katzen gefunden:

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  • Osten der Slowakei: ca. 24 % (17/72)
  • Virginia (USA): 6,5 % (15/232)
  • Schweiz: 2,2 % (1/45)
  • Großbritannien: kein positiver Nachweis

Zudem wurde in Portugal E. cuniculi-DNA im Katzenkot nachgewiesen.

Übertragungswege und Ansteckungsmöglichkeiten

Das infektiöse Stadium von E. cuniculi sind kleine, ovale Sporen, die eine dicke Sporenwand besitzen. Diese Sporen werden vom Tier aufgenommen und gelangen vom Darm über den Blutkreislauf in die Zielorgane, vorwiegend Nieren und Zentralnervensystem (ZNS). Charakteristisch für die infektiöse Spore ist das Polfilament, das bei Kontakt mit der Wirtszelle ausgeschleudert wird und den Inhalt der Spore in die Zelle injiziert. In der Wirtszelle vermehren sich die Sporen, bis die Zelle zerstört wird und die Sporen in die Zwischenzellräume entlassen werden. Reife Sporen können wiederum angrenzende Zellen infizieren oder in den Blutkreislauf gelangen.

Die Übertragung erfolgt beim Kaninchen vorwiegend oral über die Aufnahme von kontaminiertem Futter oder Einstreu. Bei der Katze sind grundsätzlich drei Übertragungswege möglich:

  • Oral (durch Aufnahme von Sporen)
  • Nasal (durch Einatmen von Sporen)
  • Im Mutterleib (transplazentar)

In experimentellen Studien an Kaninchen wurden auch Infektionen durch Injektion in die Vene (intravenös), über die Bauchhöhle (intraperitoneal), das Gehirn (intracerebral) und das Rektum (intrarektal) nachgewiesen.

Infektion durch rohes Fleisch?

Für Halter, die ihre Tiere mit Rohfleisch füttern (BARF), stellt sich die Frage, ob eine Ansteckung über rohes Fleisch möglich ist. Insbesondere Kaninchenfleisch ist bei Katzen und ihren Haltern beliebt und wird aufgrund seines Gehalts an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, niedrigem Fett- und Energiegehalt bei hohem Proteingehalt sowie geringen Gehalten an Natrium und Purinkörpern als ernährungsphysiologisch wertvoll beschrieben.

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Bisher gibt es keine spezifischen experimentellen Untersuchungen zur Ansteckung mit E. cuniculi über den Verzehr von rohem Fleisch. Es ist jedoch bekannt, dass die Aufnahme über Futter, das mit kontaminiertem Urin verunreinigt wurde, ein Hauptübertragungsweg ist und Tierkörper von Nagern traditionell als Infektionsquelle angesehen werden. Es wird auch angenommen, dass einige Mikrosporidien Menschen durch den Verzehr von infiziertem, nicht ausreichend erhitztem Fleisch infizieren können, aber auch dafür gibt es keinen Beweis.

In Studien wurde der Mäusestamm von E. cuniculi in Katzen nachgewiesen, was darauf hindeutet, dass Mäuse ebenfalls eine wichtige Rolle als Reservoir für Katzen spielen könnten. Es ist wahrscheinlich, dass eine Infektion der Katze über den Verzehr von infizierten rohen Beutetieren möglich ist, aber es wurden noch keine experimentellen Studien in diese Richtung durchgeführt.

Krankheitsverlauf und Symptome bei Katzen

Der Verlauf der Enzephalitozoonose und das Auftreten von Symptomen hängt vom Alter und der Immunkompetenz der Katze ab. Bei erwachsenen Katzen mit funktionierendem Immunsystem kommt es eher zu einer chronischen Form, während bei Katzen mit geschwächtem Immunsystem deutliche Symptome auftreten können.

E. cuniculi befällt vor allem die Nieren, das Gehirn und die Augen. Auch andere Organe wie Lunge, Leber und Herz können betroffen sein, jedoch gewöhnlich in geringem Ausmaß.

Gehirn

Bei Katzenwelpen ist in Verbindung mit E. cuniculi eine granulomatöse Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) bekannt. Es scheint jedoch, dass E. cuniculi nur in Einzelfällen bei der Katze bei der Entstehung einer granulomatösen Enzephalitis eine Rolle spielt.

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Nieren

Eine Infektion mit E. cuniculi kann zu einer nicht-eitrigen interstitiellen Nierenentzündung mit mehreren Herden führen. Da Nierenerkrankungen bei Katzen häufig sind und vielfältige Ursachen haben können, wurde untersucht, ob E. cuniculi möglicherweise mit als Verantwortlicher für das hohe Vorkommen in Frage kommt, spielte jedoch in dieser Hinsicht keine bedeutende Rolle.

Augen

Bei Katzen mit Verdacht auf eine infektiöse Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut) und Linsentrübung (Katarakt) kann eine Infektion mit E. cuniculi Typ 2 (Mäusestamm) vorliegen. Studien haben gezeigt, dass Katzen mit Katarakt häufig einen positiven Antikörpertiter aufweisen und E. cuniculi in den Linsen nachgewiesen werden kann. Laut Forschern kann sich der Erreger in der Linse nur festsetzen, wenn die Infektion im Rahmen der embryologischen Entwicklung erfolgt. Das Muttertier muss den Erreger also während der Trächtigkeit aufnehmen oder bereits infiziert sein und der Fetus muss sich zwischen dem 20. und 30. Trächtigkeitstag infizieren. Später ist eine Aufnahme in die Linse nicht mehr möglich. Wird der Erreger oral oder nasal aufgenommen, ist nur eine Infektion von anderen Zielorganen (ZNS, Niere) denkbar.

Fallberichte

Es gibt einige Fallberichte über Katzen mit Enzephalitozoonose:

  • Ein Siamkitten mit schweren Muskelspasmen und verminderter Aktivität.
  • Experimentell infizierte Kitten, von denen die meisten keine Symptome zeigten, aber bei der Gewebeuntersuchung eine subakute oder chronische interstitielle Nierenentzündung aufwiesen.
  • Zwei Kitten, von denen eines Koordinationsstörungen zeigte und bei der mikroskopischen Gewebeuntersuchung eine weite Verbreitung von E. cuniculi-Sporen im Zwischenzellraum festgestellt wurde.
  • Eine Katze mit beidseitiger Uveitis und Linsentrübung, bei der der Antikörpertiter bezüglich E. cuniculi positiv war und in der Linse der Mäusestamm (Typ 2) nachgewiesen wurde.
  • Ein Schneeleopard mit E. cuniculi-Infektion.

Diagnose

Die Diagnose einer Enzephalitozoonose kann schwierig sein, da die Symptome vielfältig und unspezifisch sein können. Folgende Diagnosemethoden können eingesetzt werden:

  • Klinische Untersuchung: Beurteilung der Symptome und des Allgemeinzustands des Tieres.
  • Blutuntersuchung: Nachweis von Antikörpern gegen E. cuniculi (Titerbestimmung). Ein positiver Titer weist jedoch lediglich auf eine Auseinandersetzung mit dem Erreger hin, nicht aber auf eine akute Erkrankung.
  • Urinuntersuchung: Nachweis von E. cuniculi-Sporen im Urin.
  • PCR (Polymerase-Kettenreaktion): Nachweis von E. cuniculi-DNA in Gewebeproben oder Körperflüssigkeiten.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgen, Ultraschall, CT oder MRT zur Beurteilung von Organveränderungen (z.B. Nieren, Gehirn).
  • Histopathologische Untersuchung: Untersuchung von Gewebeproben unter dem Mikroskop, um E. cuniculi-Sporen und Entzündungsreaktionen nachzuweisen.

Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen, wie z.B. Ohrenentzündungen, Vergiftungen, Verletzungen oder andere Infektionskrankheiten.

Behandlung

Die Behandlung der Enzephalitozoonose zielt darauf ab, die Vermehrung der Parasiten zu hemmen und die Symptome zu lindern. Folgende Therapieansätze können eingesetzt werden:

  • Antiparasitäre Medikamente: Fenbendazol ist ein häufig verwendetes Antiparasitikum, das die Neuproduktion von Sporen verhindern soll. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel mehrere Wochen.
  • Antibiotika: Zur Bekämpfung von Sekundärinfektionen, insbesondere bei Nierenbeteiligung.
  • Entzündungshemmende Medikamente: Kortikosteroide können bei Entzündungen im Gehirn oder in den Augen eingesetzt werden, sollten aber mit Vorsicht angewendet werden, da sie das Immunsystem schwächen und die Vermehrung der Parasiten fördern können.
  • Vitamin B: Hochdosiertes Vitamin B12 oder Vitamin-B-Komplex zur Unterstützung der Nervenregeneration.
  • Infusionen: Bei Niereninsuffizienz oder Nahrungsverweigerung zur Stabilisierung des Kreislaufs und zur Unterstützung der Nierenfunktion.
  • Homöopathische Mittel: Cerebrum compositum kann bei epileptischen Anfällen und Krämpfen eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Bei Lähmungen zur Förderung der Beweglichkeit und zur Vorbeugung von Muskelabbau.
  • Unterstützende Maßnahmen: Stressreduktion, artgerechte Haltung, ausgewogene Ernährung und gute Hygiene.

Die Prognose der Enzephalitozoonose hängt vom Schweregrad der Erkrankung, dem Zeitpunkt der Diagnose und der Wirksamkeit der Behandlung ab. Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Therapie können die Symptome oft gelindert oder sogar vollständig beseitigt werden. In einigen Fällen können jedoch bleibende Schäden zurückbleiben.

Vorbeugung

Eine Impfung gegen Enzephalitozoonose ist derzeit nicht verfügbar. Folgende Maßnahmen können helfen, das Risiko einer Infektion zu reduzieren:

  • Gute Hygiene: Regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren von Käfigen, Futter- und Wassernäpfen.
  • Stressreduktion: Vermeidung von Stresssituationen wie Überbelegung, Lärm oder häufigen Umgebungswechseln.
  • Artgerechte Haltung: Ausreichend Platz, Beschäftigungsmöglichkeiten und Sozialkontakt zu Artgenossen.
  • Ausgewogene Ernährung: Stärkung des Immunsystems durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung.
  • Quarantäne: Neue Tiere sollten vor der Vergesellschaftung mit anderen Tieren in Quarantäne gehalten und auf E. cuniculi getestet werden.
  • Vorsicht bei Rohfütterung: Bei Rohfütterung sollte auf eine hygienische Zubereitung und auf die Herkunft des Fleisches geachtet werden.
  • Regelmäßige tierärztliche Kontrollen: Frühzeitiges Erkennen und Behandeln von Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen können.

Enzephalitiden anderer Ursache

Es ist wichtig zu beachten, dass Enzephalitiden auch andere Ursachen haben können. Das Rustrela-Virus (RusV) beispielsweise wurde im Rahmen von Enzephalitisfällen bei verschiedenen Tieren identifiziert und kann auch Katzen betreffen. Die Symptome einer RusV-Infektion können denen einer Enzephalitozoonose ähneln. Die Diagnose einer Enzephalitis unklarer Genese erfordert daher eine umfassende Untersuchung, einschließlich Metagenomdiagnostik.

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