Epilepsie bei Katzen: Lebenserwartung, Symptome und Behandlung

Ähnlich wie beim Menschen steigt auch bei Haustieren die Lebenserwartung kontinuierlich an. Bei Katzen beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung mittlerweile zwischen 12 und 18 Jahren. Eine verbesserte Früherkennung von Krankheiten spielt dabei eine wesentliche Rolle. Eine dieser Krankheiten, die das Leben einer Katze beeinträchtigen kann, ist Epilepsie.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie (altgriechisch epílēpsis = Angriff, Überfall) ist eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen. Bei Tieren sind Hunde am häufigsten betroffen (bis zu 5%), während der Anteil der betroffenen Katzen bei etwa 0,5% liegt.

Was passiert bei einem epileptischen Anfall?

Alle Körperfunktionen werden vom Gehirn gesteuert, das als Schaltzentrale Informationen aufnimmt, verarbeitet und weiterleitet. Dies geschieht unter Einbeziehung einer großen Anzahl vernetzter Nervenzellen, die in Bündeln zu Nervenfasern zusammengefasst sind. Die Nervenzellen wandeln Informationen in elektrochemische Signale um und leiten sie weiter. Die Signalübertragung erfolgt durch Neurotransmitter (Botenstoffe). Bei Epilepsie kommt es zu einer vielfach erhöhten Entladung von Nervenzellen. Diese erhöhten Entladungen können sich wiederholen und mehrmals täglich auftreten.

Ursachen von Epilepsie bei Katzen

Bei Katzen unterscheidet man zwischen idiopathischen (angeborenen) und symptomatischen (erworbenen) Epilepsien.

  • Idiopathische Epilepsie: Hierbei ist die Ursache unbekannt, und man geht von einer genetischen Veranlagung aus.
  • Symptomatische Epilepsie: Diese wird durch andere Erkrankungen oder Ursachen verursacht.

Mögliche Ursachen für symptomatische Epilepsie bei Katzen sind:

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  • Nekrose des Ammonshorns
  • Hirnhautentzündung/Gehirnentzündung durch Infektionen oder Autoimmunerkrankungen (z. B. FIP, FIV)
  • Stoffwechselbedingte Gehirnerkrankungen (Nierenversagen, Lebererkrankungen, Hyperthyreose)
  • Toxische Gehirnerkrankungen (Pflanzengifte, Medikamente, Insektizide)
  • Gehirntumore (Meningiom, Lymphosarkom des zentralen Nervensystems)
  • Schlaganfall, Verletzung des Gehirns
  • Missbildungen des Gehirns, altersbedingte Gehirnveränderungen
  • Mineralstoffmangel

Formen und Ausprägungen epileptischer Anfälle

Epileptische Anfälle werden in partielle (fokale) und generalisierte Anfälle unterteilt.

  • Partielle (fokale) Anfälle: Diese finden nur in einem bestimmten Teil des Gehirns statt. Es können lokal begrenzte Missempfindungen, Zuckungen oder Maulbewegungen beobachtet werden. Das Bewusstsein bleibt in der Regel erhalten.
  • Generalisierte Anfälle: Hier sind viele Teile des Gehirns betroffen. Diese Anfälle gehen oft mit Bewusstlosigkeit, Muskelkrämpfen und Stürzen einher.

Phasen eines epileptischen Anfalls

Ein epileptischer Anfall ist in mehrere Phasen unterteilt:

  1. Präiktale Phase (Prodromalphase): Zeitraum vor dem Anfall. Viele Tiere zeigen Verhaltensauffälligkeiten wie Unruhe, Nervosität, Wahrnehmungsstörungen oder Ängstlichkeit.
  2. Iktale Phase: Zeitraum während des Anfalls. Übermäßige Entladungsprozesse im Gehirn finden statt. Das Tier kann zucken, krampfen, speicheln, Kot und Urin verlieren oder das Bewusstsein verlieren.
  3. Postiktale Phase: Zeitraum nach dem Anfall. Das Tier kommt wieder zu sich, kann aber noch Verhaltensauffälligkeiten, Schwindel oder Gangunsicherheit zeigen. Meist besteht ein hoher Erschöpfungsgrad.

Symptome von Epilepsie bei Katzen

Die Symptome einer Epilepsie können vielfältig sein und sich in unterschiedlicher Stärke äußern.

  • Aura: Unmittelbar vor dem Anfall kann die Katze vermehrt Nähe suchen.
  • Unruhe, Zuckungen im Gesicht oder starkes Speicheln: Dies können Anzeichen für einen bevorstehenden Anfall sein.
  • Plötzliches Stolpern oder Stürzen
  • Tonische (angespannte) oder klonische (zuckende) Muskulatur
  • (Über-)Strecken von Gliedmaßen
  • Unkontrollierte Kaubewegungen und erhöhte Speichelproduktion (Salivation)
  • Lautes Miauen, Schwanzbeißen, willkürliches Herumrennen (oft bedingt durch Bewusstseinseintrübungen bzw. Halluzinationen)
  • Unkontrollierter Kot- und Urinabsatz
  • Glasiger Blick
  • Bewusstlosigkeit
  • Wesensveränderung

Nach einem Anfall sind Katzen häufig sehr müde und schlafen viel.

Diagnose von Epilepsie bei Katzen

Die Diagnose einer Epilepsie wird in der Regel erst nach dem Auftreten eines zweiten Anfalls gestellt. Der Tierarzt wird zunächst andere mögliche Ursachen für die Anfälle ausschließen.

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Mögliche Untersuchungen zur Diagnose

  • Anamnese: Ausführliches Gespräch mit dem Tierhalter über die Anfälle (Häufigkeit, Dauer, Symptome). Videoaufzeichnungen der Anfälle können hilfreich sein.
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung, ob das Tier neurologische Defizite hat.
  • Blut- und Urinuntersuchung: Zum Ausschluss von Stoffwechselstörungen oder Vergiftungen.
  • Bildgebende Verfahren (CT/MRT): Zum Ausschluss von Tumoren oder anderen Veränderungen im Gehirn.
  • Liquorpunktion: Untersuchung des Gehirnwassers zum Nachweis von Entzündungen.

Behandlung von Epilepsie bei Katzen

Epilepsie ist nicht heilbar, aber die Anfälle können in der Regel mit Medikamenten kontrolliert werden.

Medikamentöse Behandlung

  • Antiepileptika: Diese Medikamente sollen Anfälle vermeiden oder unterdrücken. Die Dosierung muss individuell angepasst werden. Häufig verwendete Wirkstoffe sind Phenobarbital, Diazepam und Imepitoin.
  • Homöopathische Mittel: Diese können in manchen Fällen unterstützend eingesetzt werden, wenn die klassischen Medikamente nicht vertragen werden oder nicht ausreichend wirken.

Was tun während eines Anfalls?

Während eines Anfalls können Sie nicht viel tun, um Ihrer Katze zu helfen. Sorgen Sie dafür, dass sie sich nicht verletzen kann, und räumen Sie Gegenstände aus dem Weg. Versuchen Sie nicht, die Katze festzuhalten oder zu beruhigen. Wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder die Atmung aussetzt, suchen Sie sofort einen Tierarzt auf.

Management im Alltag

  • Sicherheit: Sorgen Sie für eine sichere Umgebung, in der sich die Katze während eines Anfalls nicht verletzen kann.
  • Ruhe: Vermeiden Sie Stress und Aufregung für die Katze.
  • Medikamentengabe: Geben Sie die Medikamente regelmäßig und in der richtigen Dosierung.
  • Tierarztbesuche: Gehen Sie regelmäßig zum Tierarzt, um die Medikamenteneinstellung zu überprüfen und den Gesundheitszustand der Katze zu kontrollieren.
  • Anfallstagebuch: Führen Sie ein Tagebuch über die Anfälle, um dem Tierarzt wichtige Informationen zu liefern.

Lebenserwartung von Katzen mit Epilepsie

Die Lebenserwartung einer Katze mit Epilepsie hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. der Ursache der Epilepsie, der Schwere der Anfälle und der Wirksamkeit der Behandlung. Wenn die Epilepsie gut kontrolliert werden kann und keine anderen schwerwiegenden Erkrankungen vorliegen, kann eine Katze mit Epilepsie ein normales Alter erreichen. Anders verhält es sich, wenn die Epilepsie die Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung ist. In diesem Fall hängt die Lebenserwartung von der Grunderkrankung ab.

Leben mit einer Katze mit Epilepsie

Das Leben mit einer Katze mit Epilepsie kann eine Herausforderung sein, aber mit der richtigen Behandlung und dem richtigen Management können Sie Ihrer Katze ein gutes und erfülltes Leben ermöglichen. Es ist wichtig, geduldig und verständnisvoll zu sein und die Bedürfnisse Ihrer Katze zu berücksichtigen.

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