Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. In Deutschland leiden schätzungsweise 640.000 Menschen unter Epilepsie. Aufgrund des komplexen Krankheitsbildes stellt sie Ärzte und Betroffene vor Herausforderungen. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur erfolgreichen Behandlung ist die Diagnosestellung. Die Epilepsiediagnostik basiert auf bildgebenden und elektrophysiologischen Verfahren, mit deren Hilfe sich strukturelle und funktionelle Veränderungen des Gehirns darstellen lassen. Dazu erfolgt die Untersuchung der Patienten unter anderem während eines akuten epileptischen Anfalls. Jede der Untersuchungsmethoden verfügt über eigene spezifische Merkmale und Eigenschaften, sodass ihre Anwendung stets in Abhängigkeit zur konkreten Situation steht.
Plötzliches Hinfallen, Zittern, die Augen starren ins Leere, die Arme zucken unkontrolliert. So kann ein epileptischer Anfall aussehen. Neben der klassischen Epilepsie sind aber auch andere Erkrankungen möglich, die einem epileptischen Anfall ähneln bzw. ihn auslösen können. Dazu gehören Synkopen, Migräneanfälle mit Aura, das Tourette-Syndrom, Dystonie, Hypoglämie, Fieberkrämpfe oder auch psychogene Anfälle. Aus diesem Grund - und um entsprechend der Ursache die richtige Therapie einzuleiten - ist die genaue Diagnostik elementar wichtig.
Epilepsie, im Volksmund auch als “Fallsucht” oder „Krampfanfall“ bezeichnet, ist eine neurologische Störung, die zu den temporären Funktionsstörungen des Gehirns gehört. Die Schwere und die Auswirkungen derartiger Anfälle können erheblich variieren. Einige Betroffene erleben lediglich leichte Muskelzuckungen oder ein Kribbeln in bestimmten Muskeln. Andere wiederum fühlen sich für kurze Momente “wie weggetreten” und abwesend. Es gibt verschiedene Arten und Erscheinungsformen von Epilepsie, wobei die Klassifizierungen neurologischer Fachliteratur vorbehalten sind. Hierbei ist das gesamte Gehirn betroffen. Die Anfälle innerhalb dieser Kategorie lassen sich noch weiter unterteilen, z. B. In diesem Fall sind die Anfälle auf einen begrenzten Bereich im Gehirn beschränkt. Die Symptome hängen von der Funktion dieses spezifischen Hirnareals ab. Beispiele sind z. B. Zuckungen eines Arms bei motorischen oder Sehveränderungen bei visuellen Anfällen.
Die Bedeutung der Bildgebung in der Epilepsiediagnostik
Der Stellenwert der Bildgebung ist in den letzten Jahren in der Epileptologie ständig gewachsen: Die Bildgebung ist neben der klinischen Beschreibung der Anfälle und dem EEG zu einer wichtigen Säule der Diagnostik geworden und hat sich insbesondere zur Indikationsstellung und Einschätzung der Prognose vor epilepsiechirurgischen Eingriffen bewährt. Technische Verbesserungen der Geräte und neue Entwicklungen der verwendeten Sequenzen und Analyseverfahren sowie die Anwendung von Magnetresonanztomographen (MRT oder auch als Kernspintomographie bezeichnet) mit hohen Feldstärken (3 Tesla und höher) haben die Diagnostik wegweisend verbessert.
Magnetresonanztomographie (MRT) in der Epilepsiediagnostik
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist aufgrund ihrer hohen Sensitivität und Spezifität die bildgebende Methode der Wahl in der Epilepsiediagnostik und ist essentiell in der prächirurgischen Epilepsiediagnostik. Sie ist ein für den Patienten nicht belastendes, ungefährliches Untersuchungsverfahren, für das es nur in seltenen Fällen Kontraindikationen gibt (u.a. Herzschrittmacher, magnetisierbare Metallclips und Knochenimplantate).
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Die Kernspin- oder Magnetresonanztomographie (MRT) basiert auf dem unterschiedlichen Verhalten verschiedener Gewebstypen in einem starken Magnetfeld. Angaben zum Vorhandensein epileptogener Läsionen in der strukturellen MRT bei bekannter Epilepsie variieren deutlich (17-91 %; [10, 30]). Systematische Untersuchungen konnten zeigen, dass sich diese hohe Variabilität zu großen Teilen durch das jeweils angewandte MRT-Protokoll (Standard-MRT vs. differenziertes Epilepsieprotokoll) und die Erfahrung der BefunderInnen erklären lässt [30]. Um die MRT-Bildgebung bei Epilepsie über Geräte und Länder hinweg zu vereinheitlichen und die diagnostische Ausbeute zu verbessern, empfahl die Neuroimaging Task Force der International League Against Epilepsy (ILAE) 2019 die Einführung des sog. „HARNESS“-Protokolls [3].
Im Rahmen der epileptologischen Versorgung besteht ein enger fachlicher Verbund mit weiteren Abteilungen der Kopfkliniken, auf deren diagnostische Dienste fallbezogen zurückgegriffen werden kann. Neben den Ambulanzen der Psychatrischen und Psychotherapeutischen Klinik und der Augenklinik sowie des Neuropathologischen Instituts sind dies insbesondere die Neuroradiologische Abteilung und Nuklearmedizinische Klinik. Modernste medizinische Geräte stehen dort zur Verfügung und es können Untersuchungen vorgenommen werden, die nur an wenigen medizinischen Zentren in Deutschland möglich sind. Für die präoperative Epilepsiediagnostik sind besonders die folgenden bildgebenden Verfahren von Bedeutung.
Jeder Patient mit einer Epilepsie sollte zumindest einmal ein qualitativ hochwertiges MRT bekommen, um strukturelle und ggf. therapierbare Ursachen auszuschließen. Besondere Bedeutung hat die Bildgebung bei Patienten mit medikamentös schwer behandelbaren, fokalen Epilepsien. Hier kann die Bildgebung helfen, z. B. frühzeitig geeignete Kandidaten für einen epilepsiechirurgischen Eingriff zu identifizieren. Dabei sollte insbesondere eine sorgfältige Untersuchung des Gehirns mit speziellen Sequenzen und einem eigens für den Patienten optimierten und gekippten Protokoll durchgeführt werden. Die möglichst genaue Angabe der vermuteten Lokalisation der epileptogenen Zone kann helfen, die Planung und die Interpretation des MRT zu verbessern.
Die Magnetresonanztomographie arbeitet nicht mit Röntgenstrahlung, sondern mit elektromagnetischen Wellen. Es ist somit ein eher unschädliches Untersuchungsverfahren mit nur wenigen Einschränkungen der Anwendbarkeit (z. B. Herzschrittmacher). Mit großer Genauigkeit können so selbst kleinste Hirnstrukturen mit hoher Auflösung beurteilt werden. Die häufigsten strukturellen Hirnveränderungen, die eine Epilepsie auslösen können, sind bei Kindern vor allem Aufbaustörungen der Hirnrinde, die so genannten kortikalen Dysplasien und Heterotopien. Bei jungen Erwachsenen sind es insbesondere die Hippokampussklerose und kortikale Dysplasien sowie eher gutartige Missbildungstumore. Beim Erwachsenen sind Hirntumore und im späteren Lebensalter vor allem vaskuläre Erkrankungen ursächlich.
Wichtig ist es, bei unauffälligem MRT und weiterbestehenden Anfällen darauf zu achten, ob die Qualität des MRT ausreichend zur Diagnostik war. Die Auflösung kann durch moderne Hochfeld-MRT deutlich verbessert werden und so auch bei bis zu 20 % der so genannten MRT-negativen Patienten noch Läsionen entdecken, die bisher unbekannt waren. Daher sollten alle Patienten mit einer fokalen, also von einer Hirnregion ausgehenden Epilepsie, bei denen bisher keine Läsion im MRT entdeckt wurde, ca. alle fünf Jahre eine moderne MRT-Untersuchung bekommen. Wesentlich ist, dass diese Untersuchung an spezialisierten Zentren mit epileptologisch erfahrenen Neuroradiologen oder radiologisch erfahrenen Epileptologen durchgeführt wird.
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Spezielle MRT-Sequenzen und ihre Anwendung
Unsere neuroradiologische Abteilung besitzt eines der modernsten Kernspingeräte und ist daher in der Lage die erforderliche Bildgebung auf höchstem Niveau durchzuführen. Hierzu werden spezielle, für die Fragestellungen der Epilepsiediagnostik optimierte, T1 und T2 gewichtete Sequenzen in coronarer und axiale Schnittführung angewandt. Hierbei werden die coronaren Schnitte mit einer sehr dünnnen Schichtdicke lückenlos orthogonal zur Längsachse des Hippokampus geschichtet, um so alle Regionen, insbesondere im Bereich des Temporallappens des Gehirns zuverlässig darzustellen. Zusätzlich wird ein dreidimensionale Volumenaquisitation durchgeführt. Die genannten Sequenzen werden durch Inversion Recovery Sequenzen ergänzt, um insbesondere cortikale Veränderungen zu erkennen. Ziel der Bildgebung ist es, auch kleinste, diskrete epileptogene Läsionen MR-tomographisch nachzuweisen.
Radiologisch hinweisend auf epileptogene Läsionen in der strukturellen MRT sind abnormale Signalhyper- oder -hypointensitäten, subkortikale abnormale graue Substanz, kortikale Verdickungen, Störung der Grau-Weiß-Differenzierung, abnormale Gyrierung und lobäre Atrophien.
Häufige MRT-Befunde bei Epilepsie
Typische Veränderungen, die bei Personen mit Epilepsie im MRT gefunden werden können, sind u. a.:
- Hippokampussklerose: Bei Menschen mit Temporallappenepilepsie findet sich häufig eine sog. Hippokampussklerose. Dabei handelt es sich um eine Veränderung im Hippokampus, einem Bereich des Gehirns, der im Schläfenlappen liegt und u. a. für das Gedächtnis wichtig ist. Im MRT erkennen wir diese Veränderung daran, dass der betroffene Bereich geschrumpft und oft heller dargestellt ist als das umliegende Gewebe.
- Kortikale Dysplasien: Hierbei handelt es sich um angeborene Fehlbildungen der Hirnrinde, bei denen sich das Gehirn bereits in der frühen Kindheit nicht ganz typisch entwickelt hat. Diese Veränderungen betreffen die äußerste Schicht des Gehirns - die sog. Hirnrinde (Kortex). Im MRT zeigen sich solche Dysplasien oft durch eine verdickte Hirnrinde, unscharfe Übergänge zwischen grauer und weißer Substanz und ungewöhnlich verlaufenden Hirnfurchen (Sulci). Kortikale Dysplasien gehören zu den häufigeren Ursachen für therapieresistente Epilepsien - also Formen, bei denen Medikamente allein nicht ausreichen.
- Narben und Schäden im Gehirn: Epileptische Anfälle können auch durch Narben oder alte Schäden im Gehirn ausgelöst werden - z. B. nach einem Unfall, einer Hirnhautentzündung oder einem Schlaganfall. Typisch sind in diesen Fällen veränderte Gewebestrukturen, hellere oder dunklere Areale und zum Teil Gewebeschwund in bestimmten Regionen des Gehirns.
- Raumforderungen und Gefäßmissbildungen: Mit der MRT können wir diese Raumforderungen oder Gefäßmissbildungen gut erkennen. Dazu zählen z. B. sog. Gangliogliome (gutartige Tumoren des Nervengewebes) oder Kavernome (erweiterte Blutgefäße, die Blutungen verursachen können).
Zu den häufigsten Pathologien, die mit einer chronischen Temporallappenepilepsie vergesellschaftet, sind gehören: Hippokampussklerose, kortikale Malformationen, gliotische Veränderungen, niedrigmaligne Tumoren und vaskuläre Fehlbildungen.
Quantitative Analyse des Hippokampus (Hippokampusvolumetrie)
Ergänzend zur qualitativen Untersuchung der Hippokampi sind wir in der Lage, das Volumen der genannten Struktur quantitativ zu bestimmen (Hippokampusvolumetrie). Hierbei können bereits diskrete Volumenminderungen in den beschriebenen Strukturen festgestellt werden. Die Volumenbestimmung des Hippokampus hilft, subtile bzw. beginnende Hippokampusatrophien nicht zu übersehen. Spätestens seit ein halbautomatisierter Ansatz die zeitaufwendige schichtweise manuelle Markierung ersetzt hat, ist sie unkompliziert anwendbar [34].
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Fortgeschrittene MRT-Techniken in der Epilepsiediagnostik
Neben der reinen Darstellung der Hirnstruktur findet die Anwendung von neuen computergestützten Techniken der Bildnachbearbeitung immer mehr Einzug in die Klinik: Berechnung der Dicke der Hirnrinde, Aufdecken von Kontrastunterschieden in der grauen und weißen Substanz oder Änderungen des Hirnwindungsreliefs (der Gyrierung) können helfen, bisher unentdeckte kleine angeborene Läsionen, wie z. B. kortikale Dysplasien, aufzuzeigen oder das Auge des Radiologen auf diese Läsionen zu lenken.
- Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI): Die Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) kann größere Faserbündel und Nervenverläufe im Gehirn darstellen und helfen, strukturell zusammenhängende Hirnregionen und Ausbreitungswege darzustellen. Dies ist insbesondere zur präoperativen Risikoabschätzung wichtig, um u. a. abschätzen zu können, wie weit für die Funktion wichtige Bahnen, wie z. B. die Sprachbahn oder die Sehbahn, von einer epileptogenen Läsion entfernt laufen.
- Funktionelle MRT (fMRT): Neben der Lokalisation der epileptogenen, strukturellen Läsion und der Darstellung von Bahnen wird die MRT auch zur Charakterisierung und genauen Beschreibung der Lokalisation von Hirnfunktionen eingesetzt (funktionelles MRT, fMRT). In der klinischen Routine werden präoperativ Hirnregionen dargestellt, die bei der Sprachverarbeitung funktionstragend sind. In der so genannten funktionellen MRT wird die Hirnaktivierung während der Ausführung von z. B. sprachlichen Aufgaben gemessen und die Regionen mit spezifischen Aktivierungen sichtbar gemacht. Diese Informationen können dann zusammen mit den Daten über die Lokalisation der epileptogenen Läsion und der Darstellung der Verläufe wichtiger Bahnen an den Neurochirurgen gegeben werden, der dann im Falle einer Operation eine Art Landkarte des Gehirns in das OP-Mikroskop einspielen kann. Diese intensive präoperative Vorbereitung kann helfen, postoperative Defizite zu minimieren und das postoperative Ergebnis entscheidend zu verbessern und geeignete Kandidaten für einen epilepsiechirurgischen Eingriff frühzeitig zu identifizieren.
- Morphometric Parametric Mapping (MAP): Die Morphometrie wiederum stellt Unterschiede in der Differenzierung von grauer und weißer Substanz dar. Dies dient insbesondere der Detektion fokaler kortikaler Dysplasien. Die durch MAP identifizierten Bereiche werden erneut visuell begutachtet, was in bis zu 24 % der vorher als unauffällig befundeten MRTs zur nachträglichen Detektion von Läsionen führt [19].
MRT-Protokolle der International League Against Epilepsy (ILAE)
Da das MRT nach HARNESS mehrheitlich als 3‑D-Datensatz aufgezeichnet wird, können die Bilder post hoc ohne Informations- oder Qualitätsverlust in jeder Ebene dargestellt werden; folglich ist bei der Aufnahme auch keine spezielle Angulierung (Winkelung) notwendig. Die geringe Schichtdicke von höchstens 1 mm führt zu einer Reduktion von Artefakten.
Computertomographie (CT) in der Epilepsiediagnostik
Das Computertomogramm des Kopfes (CT) hat seinen Stellenwert nun nur noch in der Notfalldiagnostik zum Ausschluss von Hirnblutungen, der Kernspintomograph (MRT) ist inzwischen die Methode der Wahl, um auch kleinere strukturelle Veränderungen der Hirnrinde zu erfassen. Die CT ist eine weitere nützliche Bildgebungsmethode, mit der wir strukturelle Anomalien im Gehirn und somit auch im Rahmen einer Epilepsie erkennen können. Sie verwendet Röntgenstrahlen, um detaillierte Bilder des Gehirns zu erstellen. Die Computertomographie ist besonders nützlich bei der Darstellung von Knochenstrukturen im Gehirn, wie z. B. Ein CT des Kopfes wird v a. dann durchgeführt, wenn es schnell gehen muss - also in akuten Notfallsituationen oder nach einem plötzlich aufgetretenen ersten Anfall, bei dem die Ursache noch unklar ist. Auch wenn eine MRT aus medizinischen Gründen nicht möglich ist - z. B. bei Patientinnen oder Patienten mit einem Herzschrittmacher - stellt die CT eine sinnvolle und oft unverzichtbare Alternative dar.
Eine der wichtigsten Stärken der Computertomografie liegt in der schnellen Erkennung von Hirnblutungen. Gerade bei einem plötzlich aufgetretenen Krampfanfall ist es entscheidend zu klären, ob eine Blutung die Ursache sein könnte - denn in solchen Fällen ist oft ein sofortiges medizinisches Handeln erforderlich. Eine CT ist außerdem besonders hilfreich, wenn der Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma besteht. In manchen Fällen steckt hinter epileptischen Anfällen eine sog. Raumforderung im Gehirn. Das können beispielsweise gutartige oder bösartige Tumoren sein, aber auch Flüssigkeitsansammlungen wie Zysten. Manche Formen der Epilepsie gehen auf frühere Entzündungen oder Infektionen des Gehirns zurück - beispielsweise nach einer Hirnhautentzündung, Hirnverletzung oder einer parasitären Infektion. Derartige Veränderungen sind in CT-Aufnahmen besonders gut sichtbar, weil sie sich deutlich vom normalen Gewebe unterscheiden. Verkalkungen erscheinen als sehr helle, fast weiße Strukturen, da Kalzium das Röntgensignal stark reflektiert.
Spektroskopie
Die Protonen MR-Spektroskopie ist ebenfalls ein nicht-invasives kernspintomografisches Verfahren, mit dem metabolische Veränderungen im Bereich des epileptogenen Herdes erfasst werden können. Hierbei werden unter anderem die Signale von N-Acetylaspartat (NAA), Creatin und Phosphocreatin (Cr) und Cholin (Cho) gemessen. Pathologische Metabolitveränderungen können mit diesem Verfahren bereits festgestellt werden, wenn die MRT- Bildgebung noch unauffällig ist. Relevante Bedeutung hat die Methodik in der prächirurgischen Epilepsiediagnostik und dient hier in besonderem Maße zur Lateralisation von MRT negativen Temporallappenepilepsien.
Nuklearmedizinische Verfahren: SPECT und PET
SPECT und PET sind zwei nuklearmedizinische Verfahren, um bestimmte Körperfunktionen mit Hilfe radioaktiver Stoffe abzubilden. Im Gegensatz zur Computertomografie (CT) und Kernspintomografie (MRT) werden Körperfunktionen abgebildet und nicht der anatomische Aufbau des untersuchten Organs. Bei beiden Verfahren (SPECT und PET) wird ein sehr schwach radioaktiver Stoff („Radiopharmakon“) appliziert. Nach einer Wartezeit wird mit einer speziellen Kamera eine Aufnahme angefertigt. Auf diese Weise erhält man Schnittbilder, die wie eine Landkarte bestimmte Funktionen des Gehirns abbilden. Die Untersuchungen sind mit einer sehr geringen Strahlenbelastung verbunden. In Abhängigkeit von der Untersuchungsart werden wir Ihnen weitere Ratschläge geben, um die Strahlenbelastung möglichst gering zu halten. Die verwendeten radioaktiven Stoffe (Isotope) haben kurze Halbwertszeiten zwischen 2 und 13 Stunden. Auch der schnelle Zerfall sorgt für eine niedrige Strahlenbelastung. Nebenwirkungen im Sinne von Medikamentenunverträglichkeiten oder Allergien sind extrem selten.
SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography)
SPECT bedeutet „single photon emission computed tomography“ (Einzelphotonenemissionscomputertomografie). Die häufigste Untersuchung ist die Darstellung des Blutflusses im Gehirn im anfallsfreien Intervall. Dazu wird nach einer Ruhephase von etwa ¼ Stunde ein Radiopharmakon appliziert. Dieses Radiopharmakon verteilt sich in kurzer Zeit im Gehirn entsprechend der Durchblutung. Eine halbe Stunde später wird dann mit einer Kamera (SPECT-fähige Gammakamera) eine Aufnahme angefertigt. Die Aufnahme ist schmerzfrei und dauert etwa eine halbe Stunde. Während dieser Aufnahme darf der Kopf nicht bewegt werden. Erst im Anschluss kann die aufwendige Auswertung erfolgen, daher lohnt es sich für Sie nicht, auf das Ergebnis zu warten. Diese Untersuchung kann ambulant und stationär erfolgen. Anfallsherde verraten sich häufig durch eine verminderte Durchblutung.
Wesentlich aufwändiger ist die Darstellung der Durchblutung im epileptischen Anfall. Dazu ist ein stationärer Aufenthalt auf der Monitoringsstation erforderlich. Das Radiopharmakon wird dabei so früh wie möglich nach Anfallsbeginn injiziert. Der weitere Ablauf unterscheidet sich nicht von der Untersuchung zwischen den Anfällen. In dieser Untersuchung zeigen sich die Anfallsherde durch eine erhöhte Durchblutung. In seltenen Fällen ist zusätzlich noch die Darstellung der Benzodiazepinrezeptoren im Gehirn erforderlich. Die Untersuchung erfolgt ähnlich der Darstellung der Ruhedurchblutung. Die Wartezeit zwischen Injektion und Aufnahme beträgt zwei Stunden. Eine Schilddrüsenblockade mit Irenat® ist erforderlich.
PET (Positron Emission Tomography)
PET bedeutet "positron emission tomography" (Positronenemissions-tomografie). Die häufigste Untersuchung ist die Darstellung des Zuckerstoffwechsel des Gehirns. Der Patient darf nach 20 Uhr des Vorabends nichts mehr essen und nur noch kalorienfreie Getränke (Mineralwasser, ungesüßter Tee) trinken. Ein speziell markierter Zucker wird nach einer kurzen Ruhephase injiziert, der Zucker wird vom Gehirn entsprechend dem Energiestoffwechsel langsam aufgenommen. Eine Stunde später wird dann mit einer Kamera ("PET-Scanner") die Aufnahme angefertigt. Die Aufnahme ist schmerzfrei und dauert etwa 35 Minuten. Während dieser Aufnahme darf der Kopf nicht bewegt werden, ggf. ist eine Narkose bei unruhigen Patienten nach vorheriger Planung sinnvoll. Auch hier kann die Auswertung erst nach Ende der Aufnahme erfolgen. Anfallsherde lassen sich durch eine verminderte Zuckeraufnahme erkennen. Im Vergleich zur SPECT der Gehirndurchblutung ist die Auflösung etwa doppelt so gut und damit die Erkennbarkeit von Herden zwischen den Anfällen besser.
Elektroenzephalogramm (EEG)
Das Elektroenzephalogramm (EEG) ist als neurodiagnostisches Verfahren der Goldstandard, wenn es um die Bestätigung der Diagnose einer Epilepsie geht. Mit dem Verfahren wird die elektrische Hirnaktivität über Oberflächenelektroden, die auf der Kopfhaut platziert werden, kontinuierlich gemessen. Dadurch ist eine zeitlich sehr genaue Aufzeichnung der Hirnwellen und die Erkennung krankhafter Veränderungen der Hirnströme in Echtzeit möglich. In der Erstdiagnostik ermöglicht das EEG die Klassifikation von Anfallstypen und die Lokalisation des epileptischen Fokus, während es in der Verlaufskontrolle zur Dokumentation des Therapieerfolgs dient. Im Rahmen der Untersuchung werden Spikes (scharfe Wellen bzw. Spitzen) und Sharp Waves (steil ansteigende oder abfallende Potenziale in den Hirnströmen) während eines akuten Anfalls mittels EEG aufgezeichnet. Allerdings ist die Methode nur eingeschränkt aussagefähig. Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Betroffenen, bei denen die Werte eines zwischen zwei Anfällen durchgeführten EEGs völlig unauffällig erscheinen. Daher ist ein normaler EEG-Befund nicht zwingend ein negativer Befund. Die Ergebnisse eines EEGs variieren je nach Epilepsieform. Fokale Epilepsien (Anfälle werden in einem eng begrenzten Hirnareal ausgelöst) zeigen charakteristische Spike-Wave-Komplexe oder Sharp-Waves über der betroffenen Hirnregion, während generalisierte (d.h. das gesamte Gehirn betreffende) Epilepsien sich in ihren Mustern nicht so scharf regional abgrenzen lassen. Mit einer kontinuierlichen EEG-Anwendung können subklinische Anfälle (d.h. solche ohne äußerlich in Erscheinung tretende Symptome) überwacht und die Anfallsfrequenz beobachtet werden.
Differentialdiagnostik
Nicht jeder Anfall ist gleichbedeutend mit einer Epilepsie. "Ein epileptischer Anfall ist ein Krankheitszeichen. Dahinter stehen viele Erkrankungen. Entsprechend der zahlreichen möglichen Auslöser und Ursachen muss im Rahmen der Diagnose also nicht nur abgeklärt werden, ob es sich überhaupt um einen epileptischen Anfall, einen einmaligen Krampfanfall oder einen Fieberkrampf handelt, sondern im Falle von Epilepsie auch, um welche spezifische Form es sich handelt. Nur so kann die optimale Behandlung eingeleitet werden. Insbesondere konvulsive Synkopen lassen sich im Rahmen der Anamnese recht gut von epileptischen Anfällen unterscheiden, denn danach gefragt, geben Betroffene häufig an, dass sie sich sehr gut an das gesamte Anfallsgeschehen während der Synkope erinnern können, zum Beispiel an die Reaktion der Ersthelfer, das Eintreffen eines Krankenwagens oder Ähnliches.
Anamnese und Anfallsbeobachtung
Die zahlreichen verschiedenen Formen von epileptischen Anfällen und nicht-epileptischen Krampfanfällen machen eine Diagnose jedoch nicht immer ganz einfach. Dafür ist auch ein ausführliches Gespräch zwischen Ärztinnen und Ärzte und Patientinnen und Patienten wichtig. Hierbei stellen Ärztinnen und Ärzte zahlreiche Fragen, um die Vorgeschichte, die aktuellen Symptome sowie die Lebensgewohnheiten von Patientinnen und Patienten in Erfahrung zu bringen (=Anamnese). Bei einer Fremdanamnese werden auch Angehörige z. B. Bewährt bei der Diagnostik hat sich auch die Aufnahme eines Anfalls auf dem Smartphone durch Angehörige. Dieses Video kann dann den Ärztinnen und Ärzte vorgespielt werden. Eine möglichst genaue Dokumentation der Symptome erleichtert den Ärztinnen und Ärzte die Diagnose oft erheblich. Das Wichtigste beim Beiwohnen eines epileptischen Anfalls ist es, Hilfe zu leisten und der Betroffenen oder dem Betroffenen beizustehen. War derdie Betroffene während des Anfalls ansprechbar? Allerdings ist man beim ersten Anfall natürlich nicht auf die Situation vorbereitet und weiß nicht, worauf genau man achten soll. Zudem sind viele Symptome so subtil oder schnell wieder vorbei, sodass Beobachterinnen sie vielleicht gar nicht bemerken. Und auch bei der Frage zum Bewusstsein und zur Ansprechbarkeit der Betroffenen gibt es Abstufungen. So kann das Bewusstsein zum Beispiel für einfache Anweisungen und Fragen ausreichend genug sein, aber nicht für komplexere Zusammenhänge.
Wird im Anschluss an die Anamnese und die Untersuchung mit EEG und / oder MRT die Diagnose Epilepsie gestellt, nehmen Anfallsbeobachtung und Anfallsbeschreibung einen wichtigen Platz im Rahmen der Therapie ein. Sie ermöglichen es, den Behandlungserfolg einzuschätzen, den Alltag auf die Art, Tageszeit und Häufigkeit der Anfälle auszurichten und vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Bemerkt man zum Beispiel, dass die Anfälle meistens am Morgen auftreten, verlegt man das Duschen besser auf den Abend. Nach der Diagnose ist es auch wichtig, dass Angehörige und/oder betreuende Personen, sowie die Patientinnen und Patienten einen Anfallskalender führen, um den Behandlungserfolg zu kontrollieren, Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und vorbeugende Maßnahmen im Alltag auf Basis der Anfallshäufigkeit, Anfallsdauer und der eventuellen Anfallshäufung zu bestimmten Tageszeiten zu treffen. Auch das subjektive Erleben der Betroffenen selbst ist wichtig.