Epilepsie bei Katzen: Ernährung als unterstützende Therapie

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die nicht nur Menschen, sondern auch Katzen betreffen kann. Ein epileptischer Anfall äußert sich als Funktionsstörung im Gehirn, bei der es zu unkontrollierten elektrischen Entladungen kommt. Während ein fokaler Anfall nur einzelne Gehirnregionen betrifft, ist beim Grand Mal Anfall das gesamte Gehirn involviert. Ein Status epilepticus, der länger als fünf Minuten andauert oder bei dem die Anfälle schnell aufeinander folgen, stellt einen lebensbedrohlichen Zustand dar, der unverzügliche tiermedizinische Hilfe erfordert. Glücklicherweise gibt es verschiedene Ansätze, um Katzen mit Epilepsie zu unterstützen, wobei die Ernährung eine wichtige Rolle spielt.

Ursachen und Diagnose von Epilepsie bei Katzen

Im Gegensatz zu Hunden, bei denen die idiopathische (genetisch bedingte) Epilepsie häufig vorkommt, ist bei Katzen meist die symptomatische oder erworbene Epilepsie die Ursache. Diese kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

  • Vergiftungen: Falsche Mittel gegen Endo- oder Ektoparasiten (insbesondere solche mit Permethrin), giftige Pflanzen (z. B. Weihnachtsstern, Buchsbaum) oder Schwermetallbelastungen können epileptische Anfälle verursachen.
  • Impfungen: Häufige Impfungen mit Adjuvantien (Aluminium) stehen im Verdacht, Krampfanfälle zu begünstigen.
  • Mangelhaftes Futter: Eine hohe Quecksilberbelastung im Futter kann ebenfalls zur Epilepsie führen.
  • Hirnschäden: Nekrosen (Absterben von Zellen) im Ammonshorn, einer Gehirnwindung im Großhirn, sind eine häufige Ursache für epileptische Anfälle bei Katzen.
  • Weitere Ursachen: Gehirnhautentzündungen, Tumore, Traumata, Stoffwechselentgleisungen und hormonelle Erkrankungen können ebenfalls Epilepsie auslösen.

Die Diagnose erfolgt in der Tierarztpraxis durch eine gründliche Anamnese und verschiedene diagnostische Möglichkeiten:

  • Blutuntersuchung: Wichtig zur Ermittlung einer erworbenen Epilepsie.
  • Untersuchung der Hirnflüssigkeit (Liquor): Dient der Feststellung krankhafter Veränderungen.
  • Elektroenzephalografie (EEG): Misst die Gehirnströme und zeichnet abnorme Aktivitäten auf.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Ermöglicht die Abgrenzung verschiedener Gewebetypen und die Erkennung von Veränderungen im Gehirn.

Behandlung von Epilepsie bei Katzen

In der Regel werden in der Tiermedizin Antiepileptika verschrieben, wie Phenobarbital, Kaliumbromid und im Akutfall Diazepam. Diese Medikamente können jedoch schwere Nebenwirkungen haben, die vor allem die Leber belasten. In der Homöopathie gibt es ebenfalls Mittel, die bei Epilepsie eingesetzt werden können. Die Anwendung sollte jedoch unbedingt mit einem Tierheilpraktiker oder Tierarzt mit homöopathischer Erfahrung besprochen werden. Die Antiepileptika sollten zunächst weiter verabreicht werden, wobei die homöopathischen Mittel dazu beitragen können, die Medikamente langsam zu reduzieren und somit das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren.

Für den Besitzer einer betroffenen Katze ist es wichtig, ein Epilepsie-Tagebuch zu führen, in dem alle Parameter rund um einen Anfall aufgezeichnet werden, um eventuelle Auslöser zu ermitteln.

Lesen Sie auch: Kann ein Anfall tödlich sein?

Die Rolle der Ernährung bei Epilepsie

Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Katzen mit Epilepsie. Eine angepasste Fütterung kann die medikamentöse Therapie wirkungsvoll unterstützen und in manchen Fällen sogar zum "Gamechanger" werden.

Allgemeine Ernährungsempfehlungen

  • Getreidefreies Futter: Das Futter sollte getreidefrei sein, da das im Getreide enthaltene Gluten die Blut-Hirn-Schranke überwinden und entzündliche Prozesse auslösen kann.
  • Zucker vermeiden: Auch Zucker kann zu einem Anfall führen, da er den Stoffwechsel erheblich stört. Das Futter sollte keinen Reis, Mais, Weizen, keine Kartoffeln oder Erbsen enthalten, da die darin enthaltene Stärke zu Zucker umgebaut wird.
  • Naturnahe und ausgewogene Fütterung: Achten Sie auf eine möglichst naturnahe und ausgewogene Fütterung mit Fleisch ohne synthetische Zusätze.
  • Strukturierte und reizarme Umgebung: Die Umgebung einer an Epilepsie erkrankten Katze sollte strukturiert und reizarm sein, da Katzen Gewohnheitstiere sind und jede Veränderung Stress verursacht. Auf parfümierte Raumsprays oder Kerzen sollte verzichtet werden.

Spezifische Ernährungsempfehlungen

  • MCT-Öl: Mittelkettige Fettsäuren (MCTs), insbesondere C8- und C10-Fettsäuren aus Kokos- oder Palmkernöl, sind der wichtigste ernährungstherapeutische Ansatz. Sie fördern die Bildung von Ketonkörpern, die dem Gehirn als alternative Energiequelle dienen und Anfälle reduzieren können.
  • Omega-3-Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren (aus Fisch- oder Algenöl) können das Nervensystem zusätzlich unterstützen.
  • Taurin und B-Vitamine: Auch Taurin und ein B-Vitamin-Komplex können das Nervensystem unterstützen.
  • Kaliumbromid beachten: Die Wirksamkeit des Medikaments Kaliumbromid hängt vom Chloridgehalt (Salzgehalt) im Futter ab. Eine hohe und schwankende Salzzufuhr sollte vermieden werden.

Ketogene Diät

Die ketogene Diät, eine sehr fett- und proteinreiche, aber kohlenhydratfreie Ernährung, zwingt den Körper, sogenannte Ketonkörper zu produzieren. Diese dienen dem Gehirn als alternative Energiequelle zu Glukose und haben nachweislich eine anfallsreduzierende Wirkung. Bei Katzen ist eine streng ketogene Diät nicht zwingend notwendig. Eine elegantere Methode ist die gezielte Gabe von mittelkettigen Fettsäuren (MCT-Öl).

Sonderformen der Epilepsie

  • Laphora-Krankheit: Bei dieser genetisch bedingten Stoffwechselstörung empfiehlt sich eine strikt kohlenhydratarme, also quasi ketogene Ernährung.
  • Paroxysmale Dyskinesie: Bei dieser Bewegungsstörung kann eine konsequent glutenfreie Ernährung die Anfälle oft vollständig kontrollieren.

Medikamente und Fütterung

  • Phenobarbital: Dieses Medikament sollte immer auf nüchternen Magen verabreicht werden, idealerweise eine Stunde vor der Fütterung, um einen stabilen Wirkspiegel zu gewährleisten.
  • Kaliumbromid: Die Ausscheidung dieses Medikaments über die Nieren konkurriert mit Chlorid (Salz). Eine hohe Salzzufuhr im Futter oder durch Leckerlis führt dazu, dass mehr Bromid ausgeschieden wird, der Wirkspiegel sinkt und potenziell eine höhere Medikamentendosis nötig wird. Eine gleichmäßige und nicht zu hohe Salzzufuhr ist daher wichtig.

Heißhunger und Gewichtszunahme sind häufige Nebenwirkungen der Medikamente. Hier können Faserstoffe wie Flohsamenschalen oder Zellulose das Sättigungsgefühl erhöhen.

Praktische Schritte zur Fütterungsoptimierung

  1. Tierarzt konsultieren: Besprechen Sie jede geplante Futterumstellung oder die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln mit dem behandelnden Tierarzt oder Neurologen.
  2. MCT-Öl integrieren: Fügen Sie ein hochwertiges MCT-Öl (mit C8- und C10-Fettsäuren) schrittweise zur Fütterung hinzu oder steigen Sie auf ein Fertigfutter um, das diese bereits enthält.
  3. Medikamentengabe optimieren: Verabreichen Sie Phenobarbital konsequent eine Stunde vor dem Futter. Halten Sie sich exakt an die 12-Stunden-Intervalle.
  4. Regelmäßigkeit beachten: Vermeiden Sie abrupte Futterwechsel.

Homöopathische Therapie

Die Erfahrungen mit einer homöopathischen Therapie bei Katzen sind durchweg gut, wenn die Mittel richtig, das heißt auf die spezielle und individuelle Katze, abgestimmt werden. Eine völlige Anfallsfreiheit wird jedoch selten erlangt, in der Regel werden die Anfälle allerdings bedeutend weniger, das heißt, die Zeiten zwischen den Anfällen werden länger und die Anfälle selbst verlaufen bedeutend milder als zuvor. Die homöopathische Therapie greift in das gesamte Stoffwechselgeschehen ein, wobei Wert auf eine gründliche Entgiftung und Ausleitung sowie auf eine Stärkung und Unterstützung der Leberfunktion gelegt wird.

Weitere unterstützende Maßnahmen

  • Stress vermeiden: Sorgen Sie für feste Tagesabläufe und eine ruhige und stressfreie Umgebung.
  • Futterallergien beachten: Achten Sie auf mögliche Futtermittelallergien und vermeiden Sie bekannte Allergene wie Füllstoffe, Konservierungsstoffe und Aromastoffe.

Lesen Sie auch: Cortison-Therapie bei Epilepsie im Detail

Lesen Sie auch: Ein umfassender Leitfaden zur idiopathischen generalisierten Epilepsie

tags: #epilepsie #katze #futter