Epilepsie bei Katzen: Pexion-Dosierung und Behandlungsansätze

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Haustieren, einschließlich Katzen. Sie manifestiert sich durch unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn, die zu Krampfanfällen führen können. Diese Anfälle können für Tierbesitzer beängstigend sein, und eine effektive Behandlung ist entscheidend, um die Lebensqualität der Katze zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet die Epilepsie bei Katzen, insbesondere die Anwendung und Dosierung von Pexion (Imepitoin) sowie andere Therapieoptionen.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch wiederholte Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Bei Katzen liegt die Häufigkeit bei etwa 2-3 Prozent. Die Anfälle entstehen durch unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn, die entweder einzelne Bereiche (fokale Anfälle) oder das gesamte Gehirn (generalisierte Anfälle) betreffen können.

Arten von Anfällen

  • Fokale Anfälle: Diese Anfälle betreffen nur einen Teil des Gehirns. Katzen können dabei seltsames Verhalten zeigen, das von Laien oft nicht mit Epilepsie in Verbindung gebracht wird.
  • Generalisierte Anfälle: Diese Anfälle betreffen das gesamte Gehirn. Typische Symptome sind Verlust der Stehfähigkeit, seitliches Liegen, Rudern mit den Beinen, Zittern, Kieferschlagen und Schaumbildung. Harn- und Kotabsatz sowie Lautäußerungen können ebenfalls auftreten.

Stadien eines Krampfanfalls

Ein Krampfanfall kann in verschiedene Stadien unterteilt werden:

  1. Prodromalstadium: Minuten bis Tage vor dem Anfall können Verhaltensänderungen wie Unruhe, Angst oder Aggressivität auftreten.
  2. Aura: Kurz vor dem Anfall (Sekunden) können erweiterte Pupillen, Erbrechen und beginnende Bewegungsstörungen auftreten.
  3. Iktus: Der eigentliche Anfall dauert in der Regel einige Sekunden bis fünf Minuten.
  4. Cluster: Treten zwei oder mehr Anfälle innerhalb von 24 Stunden auf, spricht man von einem Cluster.
  5. Status epilepticus: Ein Anfall, der länger als fünf Minuten dauert, oder Cluster-Anfälle, die so schnell aufeinander folgen, dass die Katze zwischen den Anfällen nicht das volle Bewusstsein erlangt.

Ursachen von Krampfanfällen

Krampfanfälle sind nicht immer epileptische Anfälle. Es ist wichtig, zwischen zwei Formen zu unterscheiden:

  • Symptomatische (sekundäre) Epilepsie: Hier ist eine strukturelle Erkrankung des Gehirns oder eine Hirnstoffwechselerkrankung die Ursache. Mögliche Ursachen sind Verletzungen, Tumore, Entzündungen, angeborene Anomalien oder Infarkte. Bei Katzen ist die symptomatische Epilepsie mit bis zu 80 Prozent die häufigere Form. Auslöser können FIP (Feline infektiöse Peritonitis), wandernde Wurmlarven, Toxoplasmose, bakterielle Infektionen, Hirntumoren (Meningeome, Lymphome), Schädel-Hirn-Traumata und die feline Hippocampus-Nekrose sein.
  • Idiopathische Epilepsie: Wenn trotz umfassender Diagnostik keine Ursache für die Anfälle gefunden wird, spricht man von idiopathischer Epilepsie. Bei Hunden ist diese Form häufiger, bei Katzen jedoch seltener.

Diagnose von Epilepsie bei Katzen

Die Diagnose der idiopathischen Epilepsie ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass alle anderen möglichen Ursachen für die Anfälle ausgeschlossen werden müssen.

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Diagnostische Schritte

  1. Signalement: Alter, Rasse und Geschlecht der Katze werden berücksichtigt.
  2. Anamnese: Die Vorgeschichte der Katze wird erfasst, einschließlich der Familiengeschichte, früherer Verletzungen oder Erkrankungen, des Zeitpunkts und der Umstände des ersten Anfalls, möglicher Auslöser, der Dauer und Art der Anfälle sowie bestehender chronischer Erkrankungen und Medikamente. Videoaufnahmen von Anfällen können sehr hilfreich sein.
  3. Allgemeine und eingehende Untersuchung: Der allgemeine Gesundheitszustand der Katze wird beurteilt, um nicht-neurologische Probleme zu erkennen.
  4. Neurologische Untersuchung: Bei idiopathischer Epilepsie sollte diese Untersuchung zwischen den Anfällen unauffällig sein.
  5. Labordiagnostik: Eine umfassende Blutuntersuchung inklusive Schilddrüsenwerte ist unerlässlich. Bei Verdacht auf Vergiftungen kann eine Harnuntersuchung sinnvoll sein. Röntgen- und/oder Ultraschalluntersuchungen der Brust- und Bauchorgane können in Einzelfällen weitere Aufschlüsse geben.
  6. Bildgebung: Bei Katzen sollte nach Möglichkeit immer eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns durchgeführt werden, um strukturelle Ursachen auszuschließen.

Therapie von Epilepsie bei Katzen

Das Ziel der Therapie ist es, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle so weit wie möglich zu reduzieren und gleichzeitig die Lebensqualität der Katze und ihres Besitzers zu erhalten.

Therapiebeginn

Die Entscheidung, wann mit der Therapie begonnen werden soll, wird heute strenger gehandhabt als noch vor einigen Jahren. Da jeder Anfall die Anfallsneigung erhöhen kann, wird bei zwei oder mehr Anfällen pro Halbjahr in der Regel eine Therapie eingeleitet. Bei Cluster-Anfällen oder einem Status epilepticus ist sofortiges Handeln erforderlich.

Anfallstagebuch

Der Tierbesitzer sollte ein Anfallstagebuch führen, in dem Datum, Zeit, Dauer und Art der Anfälle sowie weitere Beobachtungen dokumentiert werden.

Medikamentöse Behandlung

Für die Behandlung der Epilepsie bei Katzen sind in Deutschland keine spezifischen Medikamente zugelassen. Daher ist eine Umwidmung von für Hunde zugelassenen Medikamenten erforderlich.

Imepitoin (Pexion)

Imepitoin ist ein relativ neues Antiepileptikum, das ursprünglich für Hunde entwickelt wurde. Es wird jedoch auch bei Katzen eingesetzt, obwohl es keine offizielle Zulassung für Katzen gibt.

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  • Wirkungsweise: Imepitoin wirkt, indem es die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn reduziert und so die Wahrscheinlichkeit von Krampfanfällen verringert.
  • Dosierung: Die Dosierung von Imepitoin bei Katzen liegt in der Regel zwischen 10 und 30 mg/kg Körpergewicht zweimal täglich. Es ist wichtig, die genaue Dosierung mit dem behandelnden Tierarzt abzustimmen.
  • Anwendung: Pexion sollte idealerweise auf nüchternen Magen verabreicht werden, und die Einhaltung des 12-Stunden-Intervalls zwischen den Gaben ist wichtig.
  • Nebenwirkungen: Mögliche Nebenwirkungen von Imepitoin sind Appetitsteigerung, Hyperaktivität, vermehrter Harndrang, Durst, Speichelfluss, Erbrechen, Gangstörungen, Apathie, Durchfall, Vorfall der Nickhaut, eingeschränktes Sehvermögen und Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen. Die meisten Nebenwirkungen sind mild und vorübergehend.

Phenobarbital

Phenobarbital ist ein älteres Antiepileptikum, das ebenfalls bei Katzen eingesetzt werden kann.

  • Wirkungsweise: Phenobarbital erhöht die Hemmung im Gehirn und reduziert so die Anfallsbereitschaft.
  • Dosierung: Die Dosierung von Phenobarbital liegt in der Regel zwischen 2,0 und 2,5 mg/kg Körpergewicht zweimal täglich. Bei Bedarf kann die Dosis erhöht werden.
  • Anwendung: Phenobarbital wird ebenfalls als Monotherapie eingesetzt.
  • Nebenwirkungen: Bekannte Nebenwirkungen von Phenobarbital sind Leberenzymerhöhungen, Anämie, Leukopenie, Apathie, Ataxie, Polyphagie, vermehrtes Trinken mit erhöhter Harnausscheidung, physische Abhängigkeit, Toleranzentwicklung und Euthyroid Sick Syndrome. Regelmäßige Blutuntersuchungen sind erforderlich, um die Leberwerte und den Wirkstoffspiegel im Blut zu überwachen.

Kaliumbromid

Kaliumbromid ist ein weiteres Antiepileptikum, das in der Regel als Add-On zu Phenobarbital eingesetzt wird.

  • Wirkungsweise: Kaliumbromid verstärkt die Wirkung von GABA, einem hemmenden Neurotransmitter im Gehirn.
  • Dosierung: Die übliche Dosierung als Add-On beträgt bis zu 30 mg/kg einmal täglich.
  • Anwendung: Kaliumbromid eignet sich weniger für die Monotherapie, da wirksame Serumkonzentrationen oft erst nach Monaten erreicht werden. Es ist eine Alternative für Patienten mit Lebererkrankungen.
  • Nebenwirkungen: Mögliche Nebenwirkungen sind Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit und neurologische Symptome.

Weitere Therapieansätze

In einigen Fällen können auch andere Medikamente wie Levetiracetam, Zonisamid oder Gabapentin eingesetzt werden. Die Auswahl des geeigneten Medikaments hängt von der individuellen Situation der Katze und den Erfahrungen des behandelnden Tierarztes ab.

Was tun im Notfall?

Bei einem akuten Krampfanfall ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und die Katze vor Verletzungen zu schützen. Entfernen Sie alle gefährlichen Gegenstände aus der Umgebung und verdunkeln Sie den Raum. Beobachten Sie den Anfall genau und notieren Sie die Dauer und Art der Symptome. Dauert der Anfall länger als fünf Minuten oder treten Cluster-Anfälle auf, sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden.

Leben mit einer Katze mit Epilepsie

Die Diagnose Epilepsie kann für Tierbesitzer beängstigend sein, aber mit der richtigen Behandlung und Pflege können Katzen mit Epilepsie ein normales und glückliches Leben führen.

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Tipps für den Alltag

  • Regelmäßige Medikamentengabe: Die Medikamente sollten regelmäßig und pünktlich verabreicht werden, um einen konstanten Wirkstoffspiegel im Blut zu gewährleisten.
  • Stress vermeiden: Stress kann Anfälle auslösen. Sorgen Sie für eine ruhige und stabile Umgebung für Ihre Katze.
  • Anfallstagebuch führen: Dokumentieren Sie alle Anfälle, um die Wirksamkeit der Behandlung zu überwachen und mögliche Auslöser zu identifizieren.
  • Regelmäßige Tierarztbesuche: Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um die Gesundheit der Katze zu überwachen und die Medikamentendosierung anzupassen.

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