Epileptischer Anfall versus Epilepsie: Ein umfassender Überblick

Der Begriff „epileptischer Anfall“ umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Krankheitsbilder, wobei nicht jeder einzelne Anfall automatisch eine Epilepsie bedeutet. Etwa 10 % aller Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens einen Krampfanfall, ohne jemals an Epilepsie zu erkranken. Ziel dieses Artikels ist es, die Zusammenhänge zwischen Ursachen, Erscheinungsbild, Verlauf und Behandlung eines akuten Krampfanfalls besser zu verstehen und ihn von einer Epilepsie zu unterscheiden. Darüber hinaus werden Verhaltensrichtlinien bei einem Anfall aufgezeigt.

Gelegenheitsanfälle (Akut symptomatische Anfälle)

Epileptische Anfälle können im Rahmen akuter Erkrankungen des Gehirns auftreten, beispielsweise bei einer begrenzten Entzündung mit Eiterbildung (Hirnabszess). Auch schwere Kopfverletzungen, Sauerstoffmangel des Gehirns oder die Einnahme einer Medikamentenüberdosis können solche Anfälle begünstigen. In diesen Fällen handelt es sich jedoch nicht um eine Epilepsie, sondern um Krampfanfälle, die aufgrund der akuten Erkrankung bzw. Schädigung des Gehirns auftreten. Diese Anfälle werden als Gelegenheitsanfälle oder akut symptomatische Anfälle bezeichnet. Es liegt also ein direkt identifizierbarer Auslöser für den Anfall vor, wie z. B. Alkohol- oder Drogenkonsum, bestimmte Medikamente, Schlafmangel oder Fieber.

Diese Anfälle haben in der Regel keine langfristigen Folgen und klingen ab, sobald die zugrunde liegenden Auslöser oder akuten Ursachen behandelt oder vermieden werden. Im Gegensatz dazu liegen Epilepsien unbekannte oder chronische Ursachen zugrunde, weshalb meistens die Einnahme von Anfallssuppressiva erforderlich ist, um eine Anfallskontrolle oder Anfallsfreiheit zu erreichen.

Fieberkrampf

Ein weiteres bekanntes Beispiel für einen Gelegenheitsanfall, insbesondere bei Eltern, ist der Fieberkrampf, der durch einen fieberhaften Infekt ausgelöst wird. Etwa 2-5 % aller Kinder erleiden mindestens einmal einen Fieberkrampf. In seltenen Fällen liegt dem Fieberkrampf eine lebensbedrohliche Erkrankung wie eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) oder der Hirnhäute (Meningitis) zugrunde. Daher sollte beim Auftreten eines ersten Fieberkrampfes unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

Ein Fieberkrampf ähnelt im Allgemeinen einem generalisierten tonisch-klonischen Anfall (Grand-mal-Anfall). Er kann jedoch auch mit einem Armzucken oder einer Kopfwendung zu einer Seite beginnen (fokaler Beginn). In etwa 20 % der Fälle dauert ein Fieberkrampf zwischen 5 und 15 Minuten, und nur in 10 % länger als 15 Minuten. Solche Anfälle müssen medikamentös beendet werden und werden als komplizierte Fieberkrämpfe bezeichnet. Auch wenn sich das Kind nach dem Anfall nicht rasch erholt oder in kurzer Folge weitere Anfälle auftreten, handelt es sich um einen komplizierten Fieberkrampf.

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In den meisten Fällen handelt es sich um einen einfachen Fieberkrampf. Zu Beginn wird oft das Verdrehen der Augen beobachtet, gefolgt von Bewusstseinsverlust und Anspannung des gesamten Körpers, die in ein Zucken der Arme und Beine übergehen kann. Das Gesicht ist meistens blass, manchmal kommt es auch zu einer Blaufärbung im Bereich der Lippen (Zyanose). Mitunter tritt anstelle der Körperverspannung ein gänzlicher Verlust der Körperspannung auf. Obwohl dies bedrohlich aussieht, erholt sich das Kind normalerweise rasch und vollständig davon. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einem ersten Fieberkrampf erneut Krämpfe auftreten, liegt bei ca. 30-40 %.

Es gibt kein sicheres Mittel, um das erneute Auftreten eines Fieberkrampfes zu verhindern. Selbst die konsequente Fiebersenkung bei fieberhaften Infekten stellt keine sichere Maßnahme dar, mit der ein weiterer Fieberanfall verhindert werden könnte. Fiebersenkung kann für das Wohlbefinden eines Kindes gut und sinnvoll sein, nicht aber, um das erneute Auftreten eines Fieberkrampfes zu verhindern.

Verharmlosung von Gelegenheitsanfällen

Nicht selten werden Gelegenheitsanfälle von Laien verharmlost und als „Zahnkrämpfe“, „Wachstumsstörungen“, „Fraisen“ oder „Gichter“ abgetan. Diese Verharmlosung kann dazu führen, dass die richtigen Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Gelegenheitsanfälle unterbleiben. Es ist wichtig zu beachten, dass der Zahndurchbruch bei Kindern nie die Ursache von Krämpfen ist.

Epilepsie: Anfallsleiden mit spontanen Anfällen

Von einer Epilepsie oder einem Anfallsleiden spricht man erst, wenn die Anfälle spontan, d. h. ohne einen erkennbaren Auslösefaktor und in bestimmten Abständen bzw. bestimmter Häufigkeit auftreten. Die Ursachen für Epilepsie sind dabei zahlreich. Sie kann sich als Spätfolge einer Schädelverletzung oder einer angeborenen Veränderung des Gehirns erst Jahre nach dem Ereignis entwickeln. Bei anderen Epilepsieformen findet man in den verschiedensten Untersuchungen gar keine auffälligen Veränderungen.

Definition und Diagnose

Die Diagnose einer Epilepsie erfordert in der Regel das Auftreten von mindestens zwei unprovozierten Anfällen im Abstand von mehr als 24 Stunden oder das Vorliegen eines einzigen unprovozierten Anfalls mit einem Rückfallrisiko von mindestens 60 % innerhalb der nächsten 10 Jahre. Alternativ kann auch die Diagnose eines Epilepsie-Syndroms gestellt werden, einer Krankheit mit dafür typischen epileptischen Anfällen und anderen charakteristischen Merkmalen.

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Ursachen und Entstehung

Ein epileptischer Anfall entsteht dadurch, dass Nerven im Gehirn zu viele Signale abgeben - also übermäßig aktiv sind. Dadurch ist das Zusammenspiel der Nervenzellen gestört. Dies kann in jedem Lebensalter passieren und unterschiedliche Ursachen haben - unter anderem eine genetische Vorbelastung oder ein Schlaganfall. Einige Betroffene finden mit der Zeit auch heraus, welche Umstände zu Anfällen führen können, zum Beispiel Flackerlicht, Schlafmangel, Alkoholkonsum oder Fieber.

Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns mit meist bis zu 2 Minuten dauernden Anfällen, von kurzen unscheinbaren Bewusstseinsaussetzern (Absencen) über sog. fokale Anfälle mit Missempfindungen, Sprachstörungen oder Zuckungen bis hin zum Krampfanfall mit Sturz. Epilepsie kann u.a. genetisch, krankheitsbedingt, eine Unfallfolge oder auch unbekannter Ursache sein.

Epileptische Anfälle sind kurze Störungen der elektro-chemischen Signalübertragung im Gehirn. Epilepsie ist ein erhöhtes Risiko für epileptische Anfälle (= Anfallsneigung). Umgangssprachlich wird sie als "Fallsucht“ oder "Krampfleiden“ bezeichnet. Bei einer Epilepsie kommen die Anfälle in der Regel ohne bekannten Grund "aus heiterem Himmel".

Anfallsformen

Die Häufigkeit, die Stärke und die Art der Anfälle sind sehr unterschiedlich. In manchen Fällen ist der Anfall ein einmaliges Ereignis. Teilweise können Betroffene aufgrund sehr häufiger Anfälle kaum noch einem geregelten Alltag nachgehen.

Epileptische Anfälle dauern meistens nur wenige Sekunden oder Minuten und haben sehr verschiedene Formen.

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  • motorische Anfälle, z.B.
  • nichtmotorische Anfälle, z.B.
  • Tonisch-klonische Anfälle mit generalisiertem Beginn: "Tonisch" bedeutet "angespannt" und "klonisch" heißt "ruckartig". Bei diesen Anfällen stürzen die Betroffenen und werden bewusstlos. In der tonischen Phase verkrampft der ganze Körper und wird steif und in der klonischen Phase kommen dann Zuckungen dazu. Weitere typische Symptome sind bläuliche Hautverfärbungen, Einnässen, Speichelaustritt und Bissverletzungen an der Zunge. Viele müssen sich nach einem Grand-mal-Anfall lange erholen bzw.
  • Absencen: Eine sehr milde Form des generalisierten Anfalls ist die sog. Absence, die oft als "Verträumtheit" oder "Aussetzer" verkannt wird. Dabei setzt das Bewusstsein kurz aus und die Betroffenen halten in ihrer momentanen Tätigkeit inne. Manchmal zucken die Augenlider leicht. Stürze und ausgeprägte Krämpfe kommen nicht vor. Absencen sind bei Kindern und Jugendlichen besonders häufig.
  • fokal zu bilateral tonisch-klonisch: Das sind Anfälle, die fokal (in einer Gehirnhälfte) beginnen, die sich dann aber zu einem tonisch-klonischen Anfall (siehe oben bei den generalisiert beginnenden Anfällen, früher Grand-Mal-Anfall) in beiden Gehirnhälften (= bilateral) weiterentwickeln.
  • Eigenartiges Verhalten, z.B. Halluzinationen, z.B. Missempfindungen, z.B. Muskelzuckungen und/oder Krämpfe in einzelnen Körperteilen, z.B.

Status epilepticus

Ein Status epilepticus ist ein Notfall, bei dem ein Anfall länger als fünf Minuten dauert oder mehrere Anfälle kurz hintereinander auftreten, ohne dass der Betroffene zwischendurch das Bewusstsein wiedererlangt. Er kann lebensbedrohlich sein und muss so schnell wie möglich medikamentös behandelt werden. Nach ca. 30 Minuten ohne Unterbrechung eines Status epilepticus bei generalisierten Krampfanfällen drohen bleibende Schäden oder der Tod.

Risiken und Komplikationen

Epileptische Anfälle können zu Verletzungen und sogar zum Tod führen. Außerdem besteht ein gewisses Risiko, bei einem Status epilepticus oder durch SUDEP (siehe unten) zu versterben oder Langzeitschäden davon zu tragen.

SUDEP ist die Abkürzung für "sudden unexpected death in epilepsy". Übersetzt heißt das "plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie". Wie auch beim sog. plötzlichen Kindstod können Menschen mit Epilepsie plötzlich und unerwartet versterben. Meistens werden Betroffene morgens tot im Bett gefunden. Die Todesursache lässt sich oft nicht klären. Das passiert zwar nur sehr selten, aber bei Menschen mit Epilepsie häufiger als bei Menschen ohne Epilepsie. Bei tonisch-klonischen Anfällen (Grand-mal-Anfällen) ist das Risiko besonders hoch, besonders wenn diese im Schlaf kommen.

Wahrscheinlich lässt sich SUDEP oft verhindern, wenn Betroffene nach einem tonisch-klonischen Anfall nicht allein bleiben. Anwesende können den Menschen nach dem Anfall ansprechen, berühren, rütteln, umdrehen und in die stabile Seitenlage bringen. Bei Atemaussetzern und Herzstillstand können sie einen Notruf absetzen und Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.

Diagnoseverfahren

Grundlagen der Diagnostik einer Epilepsie sind das umfassende Gespräch über die Symptome und die Vorgeschichte sowie die Ableitung von elektrischer Hirnaktivität (Elektroenzephalografie, EEG) über etwa 45 Minuten (Standard-EEG) bzw. mehrere Tage unter gleichzeitiger Videografie (EEG-Video-Monitoring), um mit der elektrischen Hirnaktivität beziehungsweise deren Abweichung von der Norm das in diesem Moment gezeigte Verhalten und die Bewegungen der Betroffenen abzugleichen und zuzuordnen. Ferner sind die sogenannten bildgebenden Verfahren wichtig, um Auskunft über die Gestalt und die Funktion bzw.

Die Epilepsiediagnostik ist ein Prozess, bei dem verschiedene Untersuchungen durchgeführt und deren Ergebnisse aufeinander bezogen werden müssen. Was spürt der/die Betreffende selbst vor, während und nach dem Anfall? Da häufig Teile des Anfalls oder der ganze Anfall nicht bewusst miterlebt werden, ist eine möglichst gute Fremdbeschreibung - z.B. durch Angehörige, Freunde, Arbeitskollegen - unverzichtbar. Hilfreich kann auch die Aufzeichnung einer kurzen Videosequenz mit dem Handy sein. Wenn nötig, kann die Anfallsbeschreibung auch durch eine Videobeobachtung in einer spezialisierten Klinik - z.B. einem Epilepsiezentrum - im Rahmen eines stationären Aufenthalts ergänzt werden.

  • Anamnese: Die Schilderung der betroffenen Person und die Beobachtungen von Außenstehenden geben entscheidende Hinweise. In einem diagnostischen Anamnesegespräch sollten Patienten frei berichten können. Konkretes Nachhaken und Nachfragen zu einzelnen Punkten sind der zweite Schritt, der zum Ordnen, Sortieren und ggf. Konkretisieren der Beschwerden dient. Durch aktives Zuhören kann sehr viel erfahren werden.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): Durch epilepsietypische EEG-Potentiale (Spikes, Sharp Waves) kann eine Epilepsie diagnostiziert und auch klassifiziert werden (generalisiert vs. fokal). Auch die Unterscheidung, ob ein aufgezeichneter Anfall epileptisch ist oder nicht, und ob ein Status epilepticus vorliegt, ist durch ein EEG möglich.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Mit Hilfe der MRT-Untersuchung (auch Kernspintomogramm genannt) können hirnorganische Veränderungen sichtbar gemacht werden. Diese können Hinweise auf die Ursache der Epilepsie bzw. der epileptischen Anfälle geben.

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt vor allem drei Behandlungsmöglichkeiten:

  1. Medikamente (Antiepileptika)
  2. Neurostimulation, also Nerven-Stimulation mit niedrigen Stromstärken
  3. Chirurgischer Eingriff (unter bestimmten Bedingungen)

Die Epilepsiebehandlung wird in der Regel medikamentös begonnen, mit sogenannten Antiepileptika. Diese werden zur Vorbeugung von epileptischen Anfällen, aber auch zur Unterbrechung akuter Anfälle eingesetzt. Antiepileptika wirken direkt auf das Nervensystem und die Nervenzellen. Sie sorgen dafür, dass die Reizweiterleitung der Nerven gehemmt und die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn vermindert wird. Im Wesentlichen werden zwei Wirkmechanismen unterschieden: Die Blockierung epileptischer Impulse sowie das Verhindern der Ausbreitung epileptischer Aktivität.

Allerdings werden nicht alle Patienten durch eine medikamentöse Behandlung anfallsfrei. Bei ca. 30 Prozent der Betroffenen ist eine weitere Abklärung erforderlich und alternative Behandlungsmöglichkeiten (z.B.

  • Epilepsiechirurgie: Sie ist eine erprobte und anerkannte Behandlungsform und wird in spezialisierten Zentren durchgeführt. Im Rahmen einer stationären prächirurgischen Abklärung sollte die Möglichkeit einer epilepsiechirurgischen Behandlung überprüft werden. Dabei untersucht man, ob die epileptischen Anfälle von einer bestimmten Stelle des Gehirns ausgehen und ob es möglich ist, diese operativ zu entfernen, ohne dass der Patienten Störungen im Bereich von Gedächtnis, Kraft oder Sprache erleidet.
  • Neurostimulation: Im direkten Vergleich scheint die Tiefe Hirnstimulation - die allerdings nur unter bestimmten Bedingungen in Frage kommt - effektiver als die Vagus-Nerv-Stimulation zu sein. 20-30 Prozent aller Epilepsiepatienten sprechen nicht ausreichend auf eine medikamentöse Behandlung an und / oder können aus verschiedenen Gründen nicht operiert werden.

Erste Hilfe bei Anfällen

Unabhängig davon, ob es sich um einen akut symptomatischen Krampfanfall oder einen epileptischen Anfall handelt, gibt es einige Regeln bezüglich der ersten Hilfe zu berücksichtigen. Am wichtigsten ist es, dass gefährliche Gegenstände aus der Nähe der krampfenden Person entfernt werden und dass der Kopf geschützt wird, zum Beispiel, indem man eine Jacke oder ein Kissen darunter legt. Dann sollte die Person sanft in die stabile Seitenlage gebracht werden, um die Atemwege freizuhalten. Außerdem darf man Betroffene niemals festhalten. Auch der Mund ist tabu. Man sollte niemals einen Gegenstand als eine Art Beißkeil in den Mund stecken, wie etwa einen Löffel, um zu verhindern, dass Betroffene sich auf die Zunge beißen. Durch den Beißkeil besteht Verletzungsgefahr und das Risiko, dass Krampfende ihn verschlucken oder einatmen.

Handelt es sich um den ersten Krampfanfall bzw. um Personen, die nicht bereits als Menschen mit Epilepsie diagnostiziert wurden, sollte man einen Notarzt rufen und als Betroffener nach dem Anfall unbedingt einen Facharzt aufsuchen. Bei bereits diagnostizierten Menschen mit Epilepsie ist das jedoch meistens nicht notwendig.

Erlebt man einen Krampfanfall bei einer fremden Person mit, so kann es sinnvoll sein, die Taschen der Betroffenen nach einem Notfallausweis zu durchsuchen, den Menschen mit Epilepsie häufig bei sich tragen. Darin steht ganz genau, wer zu kontaktieren ist (Notfallkontakt). Finden Sie einen solchen Ausweis bei einer krampfenden Person, so sollten Sie zudem auf bestimmte Merkmale und die Dauer des Anfalls achten. Schauen Sie also auf die Uhr und notieren Sie prägnante Symptome wie krampfende Gliedmaßen, Schaum vor dem Mund oder ob die Augen offen oder geschlossen sind. Kennen Sie die Person, so ist die Aufnahme des Anfalls mit dem Smartphone empfehlenswert.

  • Betroffene Person auf den Boden legen, um einem Sturz vorzubeugen (ggf.
  • Alle Gegenstände entfernen, die zu Verletzungen oder Gefahren führen könnten, z.B.
  • Seltsame Körperhaltungen und freie Zuckungen ermöglichen und möglichst Platz dafür schaffen, falls noch nicht geschehen, sonst drohen Verletzungen. Die Muskelspannung bei Krampfanfällen ist so hoch, dass beim Festhalten oder bei Versuchen Körperteile (z.B. Arme, Beine oder Finger) zu bewegen Knochenbrüche und andere Verletzungen sehr wahrscheinlich sind.
  • Zungenbisse passieren wenn dann gleich zu Beginn eines Anfalls. Es ist schädlich und sinnlos zu versuchen, sie während des Anfalls zu verhindern.
  • Es ist sinnlos und eventuell schädlich zu versuchen einen Anfall zu beeinflussen oder zu beenden, z.B. durch kaltes Wasser oder Schütteln.
  • Auf die Uhr schauen und Notfallmedikamente erst nach der ärztlich angegebenen Zeit geben, weil sie erhebliche Nebenwirkungen haben. Normalerweise enden epileptische Anfälle von allein während 2 bis höchstens 3 Minuten. Notfallmedikamente sind dafür da, einen Status epilepticus bzw. eine Anfallsserie zu beenden.
  • Dauer und Begleiterscheinungen des Anfalls beobachten. Auf die Augen achten: Sind sie geschlossen, offen, starr oder verdreht?
  • 112) rufen - auch, wenn schon ein Notfallmedikament gegeben wurde! Das gilt auch, wenn ein 2.
  • Auf einen Anfall folgt in der Regel eine kurze Schlaf- bzw. Erholungsphase. Unbedingt dabeibleiben, bis die betroffene Person wieder vollständig orientiert ist. Dies ist durch einfache Fragen, wie z.B. "Wie heißt du? Wo bist du?
  • Wenn möglich den Anfall dokumentieren: Wann ist er passiert? Wie lange hat er gedauert? Wie ist er abgelaufen? Waren die Augen offen, geschlossen, starr oder verdreht?
  • Wenn der Mensch vorher noch nie einen epileptischen Anfall hatte, nach dem 3. Anfall einer Anfallsserie (siehe oben) und/oder bei Verletzungen bzw.

Hilfsmittel und Unterstützung

Epilepsie-Überwachungsgeräte können ärztlich verordnet und von der gesetzlichen Krankenversicherung als Hilfsmittel übernommen werden. Im Hilfsmittelverzeichnis haben sie die Pos.-Nr. 21.46.01 und heißen dort "Überwachungsgeräte für Epilepsiekranke". Sturzmelder können bei Anfällen mit Bewusstseinsverlust und Sturz helfen. Haben Betroffene einen Pflegegrad, übernimmt die Pflegekasse auf Antrag den Basispreis für Hausnotrufgeräte mit Kassenzulassung.

Warnhunde haben die Fähigkeit, einen kommenden Anfall zu spüren und warnen dann den Betroffenen, sodass dieser Zeit hat, sich z.B. vor Verletzungen zu schützen. Anzeigehunde lernen, einen tatsächlichen Anfall zu erkennen und dann in vorher geübter Art und Weise zu helfen, z.B.

Umgang mit Risiken im Alltag

Als Mensch mit Epilepsie sollten Sie sich aus mehreren Quellen informieren, welche Risiken in welchem Umfang tatsächlich bestehen, um weder übervorsichtig Ihre Lebensqualität zu sehr einzuschränken, noch fahrlässig Ihre Gesundheit und Ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Angehörigen können Sie offen sagen, dass Sie deren Sorgen - oder Leichtsinn - verstehen, aber über Ihre Sicherheit und Ihre Lebensqualität selbst entscheiden.

Beim Autofahren mit Epilepsie geht es nicht nur um Ihre eigene Sicherheit, sondern auch um die Sicherheit anderer Menschen. Als Elternteil mit Epilepsie können Anfälle Ihre Kinder gefährden, vor allem wenn diese noch sehr klein sind, z.B. bei einem Sturz mit dem Kind auf dem Arm. Deshalb können Sie eine sog. Elternassistenz beantragen.

Epileptische Anfälle können sogar in der Badewanne zum Ertrinken führen. Beim Rauchen besteht bei einem Anfall Brandgefahr. Scharfe Kanten und Gegenstände in der Wohnung sichern bzw. Einen Anfallskalender verwenden, um ggf. vorhandene Anfallsauslöser zu erkennen und die Behandlung zu verbessern.

Differenzialdiagnosen

Eine Reihe von Differentialdiagnosen sind zu bedenken, die ebenfalls zu anfallsartig auftretenden Symptomen führen können. Besonders häufig sind jedwede Störungen des Herz-Kreislauf-Systems, die zu Synkopen oder präsynkopalen Zuständen führen und auch psychische Erkrankungen. Auch an Stoffwechselstörungen muss gedacht werden, z. B. können Hypo- oder Hyperglykämien oder auch Elektrolytstörungen oder Lebererkrankungen zu paroxysmal rezidivierenden Beschwerden führen [14]. Herausfordernd kann dies sein, wenn bislang keine entsprechende Vorerkrankung bekannt ist. So ist z. B. bei bekannter Lebererkrankung eine episodisch auftretende hepatische Enzephalopathie eine naheliegende Differentialdiagnose: Wenn jedoch keine Lebererkrankung bekannt ist und das Routinelabor keine klaren Veränderungen diesbezüglich zeigt, ist es schwer, einen geradlinigen Weg zur Diagnose zu finden.

  • Synkopen: Synkopen sind Folge einer zerebralen Minderperfusion, ob kardial oder vasovagal bedingt oder aufgrund von intravasalem Volumenmangel. Sie dauern meist wenige Sekunden; die Augen sind halbgeöffnet oder geschlossen („wie schlafend“), die Hautfarbe typischerweise blass. Ein häufig unterschätzter und in der klinischen Praxis leicht übersehener Punkt ist, dass auch bei Synkopen schauerartige, multifokale Myoklonien vorkommen können: dies bezeichnet man als konvulsive Synkope. Neben dem Aussehen der „Zuckungen“ kann auch ihre Anzahl einen Hinweis geben: weniger als 10 sprechen eher für ein synkopales Ereignis, mehr als 20 eher für einen epileptischen Anfall. Kurze tonische Haltungsänderungen insbesondere der Arme sind bei Synkopen ebenfalls häufig [19]. Auch Einnässen ist kein eindeutiges Distinktionsmerkmal zwischen synkopal und epileptisch.
  • Dissoziative Anfälle (PNEA): Epilepsieähnliche Anfälle mit psychischen Ursachen werden oft mit epileptischen Anfällen verwechselt und können auch zusätzlich zu einer Epilepsie vorkommen. Psychosomatische Anfälle sind weder vorgetäuscht noch eingebildet. Mögliche Ursachen sind z.B. traumatische Erlebnisse oder belastende Lebensumstände, aber sie können auch ohne solche Umstände auftreten. Gegen PNEA helfen Psychoedukation (= Aufklärung über PNEA) und, wenn das nicht reicht, Psychotherapie, Antiepileptika sind hier wirkungslos. Die Abgrenzung ist wichtig für die Therapie und Verwechslungen können gefährlich.

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