Epileptische Anfälle, Bluthochdruck, Schlaf: Ein komplexer Zusammenhang

Epilepsie, Bluthochdruck und Schlafstörungen sind weit verbreitete Gesundheitsprobleme, die oft isoliert betrachtet werden. Es gibt jedoch zunehmend Hinweise auf einen komplexen Zusammenhang zwischen diesen drei Faktoren. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Verbindungen und Implikationen für die Gesundheit.

Epilepsie: Eine neurologische Erkrankung

Epilepsie (ICD-10 G40) ist der Oberbegriff für zerebrale Funktionsausfälle aufgrund einer neuronalen Netzstörung. Leitsymptom sind wiederholte Anfälle. Definiert ist ein epileptischer Anfall als ein vorübergehendes Auftreten von subjektiven Zeichen und/oder objektivierbaren Symptomen aufgrund einer pathologisch exzessiven und/oder synchronisierten neuronalen Aktivität im Gehirn. Abhängig von Ort und Ausprägung der Anfälle variiert die Phänomenologie beträchtlich.

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch das wiederholte Auftreten von unprovozierten Anfällen gekennzeichnet ist, die aus einer plötzlichen, abnormalen elektrischen Aktivität im Gehirn resultieren.

Ursachen und Klassifikation von Epilepsie

Aus pragmatischen Gründen teilte man Epilepsien lange Zeit in symptomatische, idiopathische und kryptogene Formen ein. 2017 überarbeitete die internationale Liga gegen Epilepsie ihre Klassifikation und Terminologie. Die aktualisierte ILAE- Klassifikation besitzt nunmehr eine dreistufige Grundstruktur. Zunächst soll der Anfallstyp bzw. die Anfallsform bestimmt werden. Hier unterscheidet man zwischen generalisiertem, fokalem und unklarem Beginn. Innerhalb der generalisierten Epilepsien wurde die Untergruppe der idiopathisch generalisierten Epilepsien wieder eingeführt.

Epilepsien und die damit verbundenen Anfälle sind auf eine Vielzahl von Ursachen zurückzuführen. Aktuell werden folgende Ätiologien unterschieden:

Lesen Sie auch: Was Sie über epileptische Anfälle nach Hirnblutungen wissen sollten

  • Strukturelle Ursachen: Eine strukturelle Epilepsie ist mit umschriebenen pathologischen Hirnveränderungen assoziiert. Diese können erworben oder genetisch bedingt sein. Epileptogene Läsionen sind beispielsweise Hirntumore und Hirninfarkte, Kontusionsdefekte, vaskuläre Malformationen, Enzephalozelen, fokale kortikale Dysplasien, Polymikrogyrie der kortikalen Neurone, hypothalamische Hamartome oder eine Hippocampussklerose. Ebenso kann eine perinatale Hirnschädigung, oft infolge von Sauerstoffmangel während des Geburtsvorgangs, eine Epilepsie verursachen.
  • Genetische Ursachen: In den letzten Jahren wurden mehrere Hundert Gene und Gen-Veränderungen identifiziert, die vermutlich oder sicher eine Epilepsie (mit)verursachen.
  • Infektiöse Ursachen: Infektionen sind die weltweit häufigste Ursache von Epilepsie. Eine infektiöse Ätiologie bezieht sich auf Patienten mit Epilepsie und nicht auf Patienten, die Anfälle im Verlauf einer akuten Infektion erleiden.
  • Metabolische Ursachen: Eine metabolisch verursachte Epilepsie ist direkte Folge einer Stoffwechselstörung, die epileptische Anfälle als Kernsymptomatik aufweist. Es wird angenommen, dass die meisten metabolisch bedingten Epilepsien einen genetischen Hintergrund haben und nur selten erworben sind.
  • Immunologische Ursachen: Eine immunologische Epilepsie ist auf eine autoimmun vermittelte Entzündung des ZNS zurückzuführen.
  • Unbekannte Ursachen: Neben den zuverlässig differenzierbaren Epilepsien gibt es Formen, deren Ursache (noch) nicht bekannt ist.

Symptome und Anfallsformen

Die Symptome der unterschiedlichen Epilepsieformen variieren stark. Das klinische Bild richtet sich nach der Lokalisation und dem Ausmaß der neuronalen Fehlerregung sowie nach der Art des Anfallgeschehens.

Die ILAE unterscheidet grundsätzlich zwischen Anfällen mit fokaler, generalisierter oder unbekannter Ausbreitung. Darüber hinaus werden diese in Formen mit motorischen und nicht-motorischen Bewegungsstörungen eingeteilt. Bei fokal beginnenden Anfällen wird zusätzlich unterschieden, ob der Patient bei Bewusstsein ist oder nicht. Fokale und generalisierte Anfälle können einzeln (inklusive mehrerer fokaler oder generalisierter Ereignisse) oder zusammen auftreten.

  • Anfälle mit fokalem Beginn: Epileptische Anfälle mit fokalem Beginn haben ihren Ursprung in einem begrenzten Neuronensystem innerhalb einer Hemisphäre. Sie werden entsprechend der motorischen Initialsymptomatik klassifiziert und in Anfälle mit und ohne Bewusstseinsstörung eingeordnet.
  • Anfälle mit generalisiertem Beginn: Bei generalisierten Anfällen lässt sich keine bestimmte Hirnregion zuordnen, in der der epileptische Anfall entsteht. Während eines Anfalls kann die Ausbreitung unterschiedlich verlaufen und das gesamte Hirnareal betreffen.

Epilepsie im Alter

Im Alter wird die höchste altersadjustierte Inzidenz von Epilepsien gemessen. Bei den über 65-Jährigen liegt die Inzidenz bei 90-150/100.000 Personen. Ebenso nimmt die Prävalenz mit dem Alter zu und steigt auf 1-2 Prozent bei den über 85-Jährigen. Der Häufigkeitsgipfel in der letzten Lebensdekade ist insbesondere mit dem Auftreten von Epilepsien nach Schlaganfällen und Hirntumoren sowie bei Demenzerkrankungen assoziiert.

Bluthochdruck (Hypertonie)

Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt, ist eine chronische Erkrankung, bei der der Blutdruck in den Arterien dauerhaft erhöht ist. Er ist ein wichtiger Risikofaktor für Herzkreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen.

Schlaf und Schlafstörungen

Schlaf ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis und spielt eine entscheidende Rolle für die körperliche und geistige Gesundheit. Schlafstörungen, wie z.B. Schlafapnoe oder Schlaflosigkeit, können eine Vielzahl von negativen Auswirkungen haben, darunter Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, affektive Labilität sowie kardio- und zerebrovaskulären Risiken.

Lesen Sie auch: Epileptische Anfälle durch Licht: Ein Überblick

Schlafapnoe

Fast ein Drittel der Menschen mit Epilepsie leidet möglicherweise an einer nicht diagnostizierten Schlafapnoe. Grundsätzlich ist Schlafapnoe durch nächtliche Atempausen oder Fälle von abnorm niedriger Atmung während des Schlafs gekennzeichnet. Jede Atempause, die als Apnoe bezeichnet wird, dauert mindestens zehn Sekunden bis mehrere Minuten. Sie tritt 5 bis 30 Mal oder mehr pro Stunde auf. Wenn sich der Schlaf vertieft, werden Ihre Atemwege blockiert. Ihr Gehirn erkennt den daraus resultierenden Sauerstoffmangel und Sie wachen - meist mit einem lauten Schnarchen - auf und beginnen wieder zu atmen.

Die häufigsten Beschwerden bei Schlafapnoe sind übermäßige Tagesmüdigkeit und häufiges Erwachen. Auch Symptome wie Zähneknirschen, Mundtrockenheit, morgendliche Kopfschmerzen, erektile Dysfunktion, Gedächtnisstörungen und Schnarchen treten auf.

Der Zusammenhang zwischen epileptischen Anfällen, Bluthochdruck und Schlaf

Epilepsie und Bluthochdruck

Es gibt Hinweise darauf, dass Bluthochdruck das Risiko für die Entwicklung einer Epilepsie im Alter erhöhen kann. Eine Studie deutete darauf hin, dass Altersepilepsie auf eine zugrunde liegende Gefäßerkrankung hindeuten kann.

Epilepsie und Schlaf

Flora und Fauna leben im Takt einer Vielzahl von biologischen Rhythmen und Zyklen, so auch der Mensch und auch der Patient mit seinen Krankheiten - wie z. B. Epilepsie. Diese unterliegt - unter anderem - dem Rhythmus von Tag und Nacht und dem Zyklus der verschiedenen Schlafstadien. Epileptische Anfälle treten gehäuft nach Schlafmangel auf, durch gezielten Schlafentzug lässt sich die diagnostische Ausbeute der EEG-Diagnostik erhöhen, und im NREM-Schlaf treten erheblich häufiger Anfälle auf als im Wachen.

Für Menschen mit Epilepsie ist ein gesunder Schlaf unerlässlich, um Krampfanfälle wirksam unter Kontrolle zu halten. Für diejenigen mit Epilepsie sind Schlafstörungen ein zweischneidiges Schwert. Epilepsie stört den Schlaf und Schlafentzug verschlimmert die Epilepsie.

Lesen Sie auch: Provokation von Anfällen im Straßenverkehr

Schlafapnoe und Epilepsie

30% der Patienten mit medizinisch refraktärer Epilepsie haben Anfälle die durch Schlafapnoe verursacht werden. Sauerstoffentsättigungen können Anfälle auslösen, auch wenn keine Epilepsie vorliegt. Und wenn Sie an Epilepsie leiden, kann der durch Apnoe verursachte Sauerstoffmangel Krampfanfälle auslösen, die zuvor durch Medikamente gut kontrolliert worden waren.

Eine Studie fand heraus, dass Personen, bei denen die Sauerstättigung während des Schlafs unter 80 Prozent fiel, dreimal so häufig an einer später auftretenden Epilepsie erkrankten wie Menschen mit normalen Sauerstoffwerten. Das Ausmaß der Hypoxie während des Schlafs war mit spät einsetzender Epilepsie assoziiert, unabhängig von anderen medizinischen Problemen und demografischen Faktoren.

Schlaf und Epilepsie-Diagnostik

Anfälle im Schlaf, aber auch interiktuale epileptische Aktivität im Schlaf führen zu Schlaffragmentierung, und sie stören physiologische schlafgebundene Prozesse mit all ihren klinischen Konsequenzen für Tagesvigilanz, Affektstabilität, Gedächtniskonsolidierung sowie kardio- und zerebrovaskulären Risiken. Sie provozieren darüber hinaus aber auch eine erhöhte Neigung zu weiter vermehrter epileptischer Aktivität, was den Epilepsiepatienten - v. a. bei häufigen schlafgebundenen Anfällen - in einen Teufelskreis führt. Dieser kann noch weiter verstärkt werden durch das komorbide Vorliegen von schlafmedizinischen Erkrankungen, die ihrerseits den Schlaf der Patienten fragmentieren und so die Spirale aus Schlafstörung und Anfallsprovokation weiter antreiben.

Die Durchführung von EEG nach Schlafentzug gehört zum Standardrepertoire zur Diagnosesicherung einer Epilepsie. Tatsächlich konnte gezeigt werden, dass ein vorheriger Schlafentzug die Ausbeute an epilepsietypischen Potenzialen (ETP) im EEG um 40 % erhöht. Damit hat das EEG nach Schlafentzug eine höhere Sensitivität für das Erfassen von epileptischer Aktivität.

Weitere Faktoren

Wetterfühligkeit

Epilepsiepatienten sind wetterfühlig: Das Risiko für epileptische Anfälle steigt bei niedrigem Luftdruck und hoher Luftfeuchtigkeit - sommerliche Temperaturen dagegen lassen das Risiko sinken.

Dissoziative Anfälle

Dissoziative Anfälle können ganz ähnlich aussehen wie epileptische Konvulsionen. Elektrophysiologische Korrelate fehlen aber. Diagnostisch entscheidend ist, dass Betroffene das Erlebte im Arztgespräch frei schildern können.

Behandlung und Management

Die Behandlung von Epilepsie basiert nahezu immer auf einer medikamentösen Therapie, ggf. begleitet von nicht pharmakologischen Maßnahmen wie ketogener Diät und Psychotherapie. Da Epilepsie jedoch nicht heilbar ist, gilt die Anfallskontrolle als wichtigstes Ziel. Diese ist oft nur durch eine lebenslange Einnahme der Anfallssuppressiva möglich, welche dann aber oft ein uneingeschränktes und selbstständiges Leben bis ins hohe Alter ermöglicht.

Die Behandlung von Schlafapnoe kann die Anfallskontrolle bei Epilepsie verbessern. Das CPAP-Gerät erzeugt den erforderlichen Luftdruck, um Ihre Atemwege im Schlaf offen zu halten. Es gibt jedoch komfortablere CPAP-Gesichtsmasken. Sie sind in verschiedenen Formen, Größen und Materialien erhältlich, um eine wirksame Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe zu gewährleisten. Es geht vielmehr darum, die Maske zu finden, die am besten zu Ihnen passt.

tags: #epileptischer #anfall #und #bluthochdruckim #schlaf