Epileptische Anfälle können vielfältige Auswirkungen auf kognitive Funktionen haben, darunter Gedächtnis, Konzentration und Sprache. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen epileptischen Anfällen, insbesondere der Rolando-Epilepsie, und möglichen Lernschwierigkeiten oder Leseschwächen bei Kindern.
Epilepsie und kognitive Beeinträchtigungen
Menschen mit Epilepsie berichten häufig von Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Sprach- und Denkstörungen oder Gedächtnisproblemen. Diese Störungen können während und nach einem Anfall verstärkt auftreten, aber auch dauerhaft bestehen bleiben. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und können Veränderungen im Gehirn (z.B. Tumore, Vernarbungen), häufig auftretende epileptische Anfälle, Medikamente oder begleitende Erkrankungen wie Depressionen sein. Eine gezielte neuropsychologische Diagnostik kann helfen, solche Einschränkungen festzustellen und ihre Ursachen zu ermitteln.
Gedächtnisstörungen bei Epilepsie
Forschungen haben gezeigt, dass Menschen mit Epilepsie oft Schwierigkeiten haben, Bekanntes von Unbekanntem zu unterscheiden. Experimente mit Mäusen haben ergeben, dass bei Epilepsie bestimmte Zellen im Gehirn leichter erregbar sind, was zu unspezifischen Reaktionen auf bekannte und unbekannte Reize führt. Im Mausmodell konnten diese Symptome bereits medikamentös gelindert werden. Jeder Ort, den wir besuchen, hat eine einzigartige Kombination von Merkmalen, die uns helfen, ihn bei einem erneuten Besuch wiederzuerkennen. Der Apfelbaum vor dem Haus, die verklinkerte Fassade, der rot gestrichene Zaun - all das speichert unser Gehirn ab und verknüpft es mit diesem Ort. Bei Menschen mit Epilepsie ist diese Art der Erinnerung jedoch gestört. Neben verschiedenen anderen Gedächtnisproblemen fällt es ihnen schwer sich zu erinnern, ob sie einen Ort oder einen Gegenstand schon einmal gesehen haben.
Ein Team um Nicola Masala von der Universität Bonn hat erforscht, wie die Verarbeitung von Reizen und Erinnerung im Gehirn von Mäusen funktioniert, bei denen künstlich Epilepsie erzeugt wurde. Sie konzentrierten sich auf den Hippocampus, eine Region im Gehirn, die eine zentrale Rolle für das Gedächtnis spielt, insbesondere für die räumliche Erinnerung. "Es gibt im Hippocampus sogenannte Ortszellen", erklärt Masala. "Diese helfen uns, uns an besuchte Orte zu erinnern." Diese Ortszellen speichern bestimmte Merkmale eines besuchten Ortes ab. Jede Ortszelle hat eine Vielzahl an langen Ausläufern, die Dendriten. Über zahlreiche Kontaktstellen, sogenannte Synapsen, an diesen Dendriten sammeln diese Gehirnzellen Informationen, die in Form von elektrischen Potenzialen weitergeleitet werden. Bei ausreichend starken Reizen werden Ionenkanäle geöffnet, durch die positiv geladene Natrium-Ionen in die Zelle einströmen können. Die Verrechnung der Informationen erfolgt durch einen Vorgang, der als dendritische Integration bezeichnet wird: Nur wenn ausreichend viele Signale gleichzeitig eingehen, kann sich im Dendrit ein starker Spannungsimpuls bilden - ein sogenannter dendritischer Spike.
"In Mäusen mit Epilepsie ist dieser Vorgang jedoch gestört", erklärt Masalas Kollege Heinz Beck. "Bei ihnen entstehen die Spikes schon, wenn nur wenige Synapsen gereizt werden." Dies zeigte sich unter anderem bei einem Experiment, bei dem die Tiere zunächst daran gewöhnt wurden, dass in einem Käfig zwei blaue Deckel lagen. Nach einigen Tagen wurde einer der Deckel gegen eine durchsichtige Petrischale der gleichen Größe ausgetauscht. Um herauszufinden, ob die Mäuse die Petrischale als neu erkannten, erhoben Masala und ihre Kollegen, wie lange die Mäuse jeweils den bekannten blauen Deckel und die unbekannte Petrischale beschnupperten. Das Ergebnis: Während Mäuse aus der Kontrollgruppe die Petrischale im Vergleich zum blauen Deckel länger erkundeten, machten die Epilepsie-Mäuse keinen Unterschied zwischen den beiden Gegenständen. Um den Grund dafür herauszufinden, beobachteten die Forscher mit Hilfe von Fluoreszenzmarkern die Aktivierung der Nervenzellen im Gehirn der Mäuse. Nach Abschluss der Experimente wurden die Tiere zudem enthauptet und ihre Gehirne untersucht. Dabei stellten Masala und ihre Kollegen fest, dass ein bestimmter Typ von Natrium-Ionen-Kanal im Gehirn der Epilepsie-Mäuse deutlich häufiger vorhanden war als normal. An einer Gruppe von Epilepsie-Mäusen erprobten die Forscher auch bereits, wie sich die Gedächtnisprobleme womöglich medikamentös behandeln lassen könnten. Dazu verabreichten sie den Tieren einen Hemmstoff, der gezielt den betroffenen Kanaltyp blockiert. "Dadurch normalisierte sich bei ihnen das Feuerverhalten der Dendriten. Außerdem konnten sie sich wieder besser an Orte erinnern, die sie besucht hatten", berichtet Masala.
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Das EEG als Diagnoseinstrument
Mit dem EEG-Gerät kann man Rückschlüsse auf die elektrische Aktivität des Gehirns ziehen. Das Gehirn ist die Schaltzentrale des menschlichen Körpers. Information wird im Gehirn ununterbrochen ausgetauscht. Chemische Stoffe (Neurotransmitter) erregen Nervenzellen, die Erregung wird elektrisch weitergeleitet. Ein wundervoll geordnetes Wechselspiel von Milliarden Nervenzellen. Das EEG (Elektroenzephalogramm) macht die elektrische Aktivität auf dem Bildschirm in Form eines Wellenmusters sichtbar. Gedanken lesen kann ein EEG nicht. Geraten Nervenzellen außer Kontrolle, können sie Signale aussenden, die benachbarte Nervenzellen stören oder übererregen. Die Folge kann ein epileptischer Anfall sein. Abhängig von Lebensalter oder Wachheitsgrad stellen sich unterschiedliche Bilder dar. In dem Meer von Wellen sieht man im EEG-Bild Wellenmuster, die sich von anderen Wellen durch Höhe und Form unterscheiden. Zum Beispiel hohe, spitze oder steile Wellen, wie ein Meer bei Sturm. Aber nicht nur Epilepsie kann sich auf das Bild der Hirnströme auswirken. Entzündungen, Stoffwechselveränderungen, Sauerstoffmangel oder Veränderungen der Hirnstruktur können sich im EEG durch ein besonderes Wellenspiel bemerkbar machen.
Bei der Durchführung eines EEGs wird eine Art Mütze mit Kabeln auf den Kopf gesetzt, wobei darauf geachtet wird, dass die Elektroden der Mütze engen Kontakt zur Kopfhaut haben, um die schwachen Ströme der Hirnoberfläche zu messen. Die Haare werden zur Seite geschoben und ein Gel wird auf die Elektrode aufgetragen, um die Verbindung zwischen EEG-Mütze und Kopfhaut herzustellen. An den Messpunkten muss die Kopfhaut frei von Hautschuppen und Fett sein, was mitunter zu leichten Reizungen führen kann. Da die Haube eng anliegen muss, kann es vorübergehend zu Druckstellen kommen. Während der Untersuchung wird ein Video aufgezeichnet, um Störwellen, die durch Bewegung verursacht werden, von Krampfanfällen zu unterscheiden. Besonders aufschlussreich ist das EEG bei einem schlafenden Menschen, wobei Melatonin verwendet werden kann, um Müdigkeit und Schlaf herbeizuführen.
Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten bei Epilepsie
Für die Mehrheit der epilepsiekranken Kinder gilt, dass sie eine normale, ihrem Intelligenzniveau angemessene Schullaufbahn durchlaufen können, d. h. dem Besuch einer Regelschule sollte im Allgemeinen nichts im Weg stehen. Für einen Teil der Kinder mit Epilepsien ergibt sich jedoch eine zeitweise oder auch dauerhafte Beeinträchtigung der Lernfähigkeit, z. B. in Konzentration und Aufmerksamkeit, im Gedächtnis, im sprachlichen und mathematischen Bereich, in Handlungsplanung, im Arbeitstempo, im praktischen Handeln, im Abstraktionsvermögen. Dies ist abhängig vom Beginn der Epilepsie, von der Ursache der Anfälle, der Anfallsart, der Dauer, der Häufigkeit und Stärke der Anfälle. Werden unter der Einnahme von anfallssuppressiver Medikation (ASM) Verhaltens- oder Lernstörungen beobachtet, so müssen als Erstes Nebenwirkungen abgeklärt bzw. ausgeschlossen werden. Hier sind das genaue Beschreiben und Einordnen, die offene Zusammenarbeit von Lehrkräften, Eltern und behandelndem Arzt besonders wichtig für eine erfolgreiche Therapie. Nebenwirkungen beeinflussen nicht die Intelligenz, wohl aber deren Stützfunktionen und damit das schulische Lernen. Oft kann erst nach genauer, langfristiger Beobachtung entschieden werden, ob vereinzelt auftretende Anfälle oder das Vorhandensein von Lern- und Verhaltensauffälligkeiten in Kauf genommen werden müssen. Eine besonders kritische Zeit kann die der medikamentösen Neueinstellung oder Umstellung sein. Hier treten meist Nebenwirkungen wie Verlangsamung, rasche Ermüdbarkeit, Wortfindungsstörungen, Lustlosigkeit auf.
Die oftmals eingeräumte Sonderstellung des Kindes in Elternhaus, Kindergarten und Schule, aber auch die unangemessenen Reaktionen des Umfeldes können zu einem Mangel an Selbstständigkeit, Arbeitshaltung, Aufgabenbewusstsein, Durchhaltevermögen, Kritikfähigkeit, Selbsteinschätzung, Frustrationstoleranz u. a. führen - alles wichtige Stützfunktionen der Intelligenz und des Lernens. Hinzu kommen die Unvorhersehbarkeit der Anfälle und die Tatsache, dass diese möglicherweise zu „peinlichen“ oder zumindest ungewohnten Situationen führen.
Um Informationen über den Entwicklungsstand oder die intellektuelle Leistungsfähigkeit eines Kindes zu bekommen, werden verschiedene Tests durchgeführt, darunter Entwicklungstests für Klein- und Kindergartenkinder, IQ-Tests, Rechtschreib- und Rechentests. Fragebögen sind ein hilfreiches Instrument, um Verhaltensauffälligkeiten näher einzugrenzen.
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Rolando-Epilepsie: Eine spezielle Form der Epilepsie im Kindesalter
Die Rolando-Epilepsie ist eine häufige Epilepsie-Form bei Kindern. Betroffene haben typischerweise Muskelkrämpfe im Gesicht und können nicht sprechen. Die Anfälle treten häufig nachts auf, enden meist schnell wieder und erfordern nicht immer eine Behandlung.
Was ist Rolando-Epilepsie?
Die Rolando-Epilepsie (auch: Rolandische Epilepsie) gehört zu den häufigsten Formen der Epilepsie bei Kindern. Sie äußert sich durch epileptische Anfälle, die vor allem zwischen dem dritten und dreizehnten Lebensjahr (selten bis achtzehn) auftreten. Jungen sind öfter betroffen als Mädchen. Erwachsene haben die Rolando-Epilepsie in der Regel nicht mehr. Mediziner verwenden mehrere Bezeichnungen, um die Rolando-Epilepsie genauer zu beschreiben:
- Selbst-limitierend: Die Rolando-Epilepsie endet (mit dem Alter) von selbst.
- Fokal, partiell oder „Partialepilepsie“: Sie geht von einem begrenzten Bereich in einer Hälfte des Gehirns aus. Von dort breitet sie sich unter Umständen aus.
- Idiopathisch: Der Auslöser - wie beispielsweise eine Verletzung oder eine andere Erkrankung - ist nicht bekannt. Wahrscheinlich verursachen Genveränderungen die Rolando-Epilepsie. Die Bezeichnung „idiopathisch“ gilt mittlerweile als unpassend.
- Mit zentro-temporalen Spikes: Im EEG (Messung der Hirnströme) erscheinen markante Formen. Gemeinsam mit der typischen Symptomatik prägen sie das Bild der Rolando-Epilepsie.
- Benigne: Es handelt sich in der Regel um eine „gutartige“ Epilepsie. Bei den Kindern sind keine schweren Komplikationen bekannt.
Vor allem aus dem angloamerikanischen Raum kennt man die Abkürzung „BECTS“ für „Benigne Epilepsie mit zentro-temporalen Spikes“ (engl. Benign Epilepsy with Centro-Temporal Spikes). Mittlerweile ist dort das Wort „selbst-limitierend“ (von selbst endend, engl. self-limited) üblicher als „benigne“.
Übrigens: Die Rolando-Epilepsie ist nach einer Hirnregion benannt, die hier typischerweise übermäßig aktiv ist: die Rolando-Furche, auch als Sulcus centralis bekannt. Diese Hirnfurche trägt ihren Namen von ihrem vermeintlichen Entdecker, dem italienischen Anatom Luigi Rolando (1773-1831).
Wie äußert sich die Rolando-Epilepsie?
Die Rolando-Epilepsie äußert sich durch epileptische Anfälle vor allem im Bereich des Kopfes. Die Anfälle dauern üblicherweise nicht länger als zwei bis drei Minuten (sofern sie sich nicht ausbreiten). In den meisten Fällen sind die Kinder bei Bewusstsein und bekommen den Anfall mit.
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Typische Symptome der Rolando-Epilepsie:
- Krämpfe der Gesichts-, Mund- und Rachenmuskeln (Muskeln können versteifen, zucken oder beides)
- Missempfindungen in Gesicht und Mund (Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Brennen)
- Vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation)
- Sprechstörungen (Unfähigkeit oder verwaschenes Sprechen)
Diese typischen Anzeichen machen sich zu Beginn eines Anfalls bemerkbar. Bleibt es bei diesen Symptomen, spricht man von einem fokalen sensomotorischen Anfall.
Symptome, wenn sich der Anfall ausbreitet:
Manchmal geht ein Rolando-Anfall von einem einzelnen Brennpunkt des Gehirns auf weitere Areale über. Dann kann auf der gleichen Seite der Arm (seltener das Bein) betroffen sein und schließlich auch die gesamte Körperhälfte. Nach dem Anfall sind die betreffenden Körperareale möglicherweise vorübergehend gelähmt (Todd´sche Parese). Bisweilen erfassen Rolando-Anfälle auch die andere Gehirnhälfte. Dann treten Krämpfe am ganzen Körper auf. Ein solcher bilateral (=beidseitig) tonisch-klonischer Anfall entwickelt sich oft sehr schnell aus einem fokalen Anfall. Mediziner sprechen in diesem Fall auch von einem generalisierten rolandischen Anfall. Da er aus dem fokalen entsteht, handelt es sich um einen sekundär generalisierten Anfall. Er tritt überwiegend nachts auf. Selten entsteht bei der Rolando-Epilepsie ein sogenannter Status epilepticus. Davon ist die Rede, wenn ein fokaler Anfall länger als dreißig oder ein generalisierter Anfall mehr als fünf Minuten anhält. Der Status epilepticus verursacht häufig bleibende Schäden. Rufen Sie daher frühzeitig den Notarzt, insbesondere wenn Sie sich nicht sicher sind.
Wann und wie oft treten Rolando-Anfälle auf?
Bei der Rolando-Epilepsie setzen Anfälle bei der Mehrzahl der Kinder ausschließlich im Schlaf ein. Besonders häufig entstehen sie abends, kurz nach dem Einschlafen, oder früh morgens, vor dem Aufwachen. Deutlich seltener haben Betroffene die Anfälle nur tagsüber oder sowohl nachts als auch am Tag. Am häufigsten beginnen die Symptome der Rolando-Epilepsie bei Kindern im Grundschulalter und enden mit der Pubertät. Vor allem jüngere Kinder sind von länger anhaltenden Anfällen mit Ausbreitung auf beide Gehirnhälften betroffen. Manche Kinder durchlaufen innerhalb einiger Tage gehäuft Anfälle und danach monatelang keine mehr. Andere haben insgesamt nur einen. Bei den meisten bleibt die Gesamtzahl der Anfälle unter zehn.
Was sind die Ursachen der Rolando-Epilepsie?
Die Ursachen der Rolando-Epilepsie sind noch nicht vollständig geklärt. Mediziner gehen von einer sogenannten genetischen Prädisposition aus. Das heißt, Betroffene haben Veränderungen (Mutationen) im Erbgut, die sie anfälliger für die Erkrankung machen. Vermutlich begünstigen dann äußere Einflussfaktoren, dass die Rolando-Epilepsie tatsächlich ausbricht.
Genetische Veranlagung:
Dass wahrscheinlich Genveränderungen der Rolando-Epilepsie zugrunde liegen, machen Mediziner vor allem an den folgenden Beobachtungen fest:
- Häufig neigen Familienmitglieder der Erkrankten ebenfalls zu Krampfanfällen (etwa im Rahmen von Epilepsien oder Fieberkrämpfen).
- Das EEG aller Rolando-Epileptiker zeigt eine typische Veränderung, den Rolando-Fokus. Er ist oft auch bei nicht-erkrankten, anfallsfreien Familienmitgliedern, zum Beispiel Geschwistern, zu sehen.
- Unter einigen Betroffenen findet man Veränderungen in den gleichen Genen, beispielsweise im GRIN2A-Gen. Es enthält den Bauplan für eine Andockstelle auf Nervenzellen (NMDA-Rezeptor), worüber sich u.a. die elektrische Aktivität der Zelle erhöht.
Mediziner nehmen an, dass bei der Rolando-Epilepsie viele Gene verändert sind (polygene Störungen). Alle Mutationen zusammen beeinträchtigten letztlich die Gehirnentwicklung (Hirnreifungsstörung). Das könnte zeitweise Fehlfunktionen des Gehirns auslösen, die den Rolando-Anfall hervorrufen.
Ist die Rolando-Epilepsie vererbbar?
Experten gehen davon aus, dass zumindest die Veranlagung für die Rolando-Epilepsie vererbbar ist. Demnach handelt es sich um einen autosomal-dominanten Erbgang. Das bedeutet, dass sich der Rolando-Fokus beim Kind auch dann durchsetzt, wenn nur ein Elternteil die Mutation weitergibt. Ob tatsächlich Anfälle auftreten, soll unter anderem vom Alter des Kindes und weiteren nicht-genetischen Faktoren abhängen. Welche das sind, ist derzeit nicht bekannt. Selbst wenn das EEG den typischen Rolando-Fokus zeigt, müssen keine Anfälle auftreten: Der Großteil dieser Kinder ist gesund.
Rolando-Epilepsie: Auslöser eines Anfalls
Rolando-Anfälle entstehen, wenn viele Nervenzellen im Gehirn gleichzeitig und übermäßig elektrisch aktiv werden. Von dort breiten sich die elektrischen Signale über die Nerven etwa zu den Muskeln aus: Es zeigen sich die typischen Krämpfe. Was genau einen Anfall auslöst, ist nicht bekannt. Experten vermuten, dass die Gehirnrinde bei der Rolando-Epilepsie verändert ist. Womöglich ist auch die Kommunikation zwischen einzelnen Hirnregionen gestört. Zudem haben Mediziner einen Zusammenhang mit Schlaf und Übermüdung beobachtet: Im EEG beginnen die typischen Veränderungen gehäuft nachts im NREM-Schlaf (Schlafabschnitt ohne rasche Augenbewegungen) oder tagsüber bei Müdigkeit.
Untersuchungen und Diagnose
Die Diagnose der Rolando-Epilepsie stellen Fachärzte der kindlichen Nervenheilkunde (pädiatrische Neurologen). Sie beruht auf den Schilderungen der Patienten und Eltern. Außerdem messen Ärzte die Hirnströme (EEG, Elektroenzephalografie), wo sich ein Rolando-typisches Muster zeigt. Sie überprüfen auch den neurologischen Allgemeinzustand des Kindes.
Anamnese:
Zunächst fragt der Arzt Kind und Eltern genau nach den Symptomen. Meist deuten sie bereits auf die Rolando-Epilepsie hin. Anhand der Schilderung kann der Arzt oft örtlich begrenzte (fokale) von ausgedehnten (bilateralen) Anfällen unterscheiden und den Schweregrad einschätzen. Außerdem erkundigt sich der Arzt nach den Begleitumständen eines Anfalls. Mögliche Fragen sind:
- Wie alt war Ihr Kind, als Sie die Symptome zum ersten Mal beobachtet haben?
- Wie oft treten die Anfälle auf? Und wie lange dauern sie?
- Treten die Anfälle nur zu bestimmten Tageszeiten oder in bestimmten Situationen auf? Gab es Auslöser?
- Kamen Ihnen die Anfälle nachts anders vor als tagsüber?
- Verändern sich die Symptome im Laufe eines Anfalls?
Der Arzt erkundigt sich auch nach Krampfanfällen oder Epilepsien in der Familie. Informationen zu Vorerkrankungen des Kindes oder zu eingenommenen Medikamenten können ebenfalls hilfreich sein. Zudem fragt er, wie sich das Kind bislang entwickelt hat und ob es sich auffällig verhält.
EEG bei der Rolando-Epilepsie:
Vermutet der Arzt eine Rolando-Epilepsie, wird er immer auch die Hirnströme messen: Er veranlasst eine sogenannte Elektroenzephalografie (EEG). Dabei zeichnet ein Gerät die elektrische Aktivität von Nervenzellen in einer bestimmten Hirnregion auf. Bei Rolando-Epileptikern zeigt das EEG ein typisches Muster. Es bildet sich aus sogenannten „Spikes“ (dt. Spitzen), „Sharp Waves“ (dt. scharfe Wellen) oder „Sharp-and-slow-waves“ (dt. scharfe und langsame Wellen). Sie tragen ihre Namen aufgrund des Bildes, das im EEG zu sehen ist. Es tritt auf, wenn mehrere Nervenzellen kurz gleichzeitig viele elektrische Signale aussenden. Kennzeichnend ist der sogenannte Rolando-Fokus. Er heißt so, weil er bei der Rolando-Epilepsie im EEG gewöhnlich nur in bestimmten Regionen (fokal) zu sehen ist. Besonders deutlich tritt er zentrotemporal in Erscheinung. Also im Messbereich der Elektroden, die mittig und seitlich am Kopf angebracht sind (EEG-Bild: zentrotemporale Spikes). Abgesehen davon ist das EEG für gewöhnlich normal. Die Veränderungen treten sowohl während eines Anfalls als auch manchmal in anfallsfreien Phasen auf. Schlaf und Müdigkeit begünstigen die Anfälle. Daher empfiehlt der Arzt ein Schlaf-EEG, das zur Kontrolle später wiederholt wird. Auch ein Langzeit-EEG mit Videoaufnahme ist möglich. Wenn das Kind gerade häufiger Anfälle hat, kann der Arzt auf diese Weise den Verlauf eines Anfalls aufzeichnen und beurteilen. Allerdings treten Anfälle oft selten und zufällig auf und fallen nicht mit dem Zeitpunkt der Aufnahme zusammen. Deshalb sieht man meist von dieser Methode ab.
Neuropsychologische Untersuchung:
Epilepsien bei Kindern kann die ordnungsgemäße Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen. Daher raten Ärzte Rolando-Epileptikern zu einer neuropsychologischen Überwachung. Dabei testet man mehrfach bestimmte Hirnfunktionen des Kindes, wie:
- Wahrnehmung
- Konzentration
- Aufmerksamkeit
- Lernen
- Gedächtnis
Außerdem behält man die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten des Kindes sowie das Verhalten im Auge.
Weitere diagnostische Maßnahmen:
Manche Betroffene haben viele Anfälle auf einmal oder Komplikationen wie einen Status epilepticus. Dann führt der Arzt womöglich noch weitere Untersuchungen wie ein Kernspin (MRT) durch. Es ist auch dann sinnvoll, wenn Medikamente nicht ausreichend gegen die Epilepsie wirken.
Ausschluss anderer ähnlicher Epilepsien:
Die Rolando-Epilepsie ähnelt manchmal anderen Epilepsien des Kindesalters, zum Beispiel dem Lennox-Gastaut-Syndrom oder der Absence-Epilepsie des Schulkindalters. Der Arzt grenzt sie durch die gezielten Untersuchungen von der Rolando-Epilepsie ab. Zudem gibt es das sogenannte Pseudo-Lennox-Syndrom. In der Literatur spricht man stellenweise auch von der atypischen benignen fokalen Epilepsie des Kindesalters oder der atypischen Rolando-Epilepsie. Anfälle verlaufen hier oft wie bei der Rolando-Epilepsie. Daneben sind Symptome möglich, die für gewöhnlich bei anderen Epilepsien auftreten, zum Beispiel die Absence (geistige Abwesenheit). Im EEG erkennen Mediziner ebenfalls zusätzliche Veränderungen. Die Erkrankung beginnt meist bereits im Alter von drei bis vier Jahren und die Behandlung gestaltet sich schwierig. Die kognitive Entwicklung ist stark beeinträchtigt. Bereits Erlerntes geht oftmals im Rahmen der Erkrankung wieder verloren. Auch die atypische Verlaufsform endet spontan, kognitive Schwächen bleiben aber häufig bestehen.
Krankheitsverlauf und Prognose
Die Rolando-Epilepsie verläuft meist „gutartig“: In der Regel treten nur wenige Anfälle auf, die verglichen …
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