Alkohol und seine Auswirkungen auf Dopamin und das Gehirn

Alkohol, oft als sozialer Schmierstoff angesehen, birgt bei übermäßigem Konsum erhebliche Risiken für die Gesundheit, insbesondere für das Gehirn und das Dopaminsystem. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Wechselwirkungen zwischen Alkohol, Dopamin und den daraus resultierenden Auswirkungen auf das Gehirn, die kognitive Funktion und das Suchtverhalten.

Vorzeitiges Altern des Gehirns

Regelmäßiger Alkoholkonsum, selbst in moderaten Mengen, kann zu einer Schrumpfung der grauen und weißen Substanz im Gehirn führen. Die graue Substanz, die die Großhirnrinde (Cortex) umfasst, beherbergt etwa 20 Milliarden Nervenzellkörper. Die weiße Substanz besteht aus den Zellfortsätzen (Axonen) im Inneren des Großhirns. Beide Substanzen sind essenziell für die Steuerung nahezu aller Hirnfunktionen.

Die Auswirkungen von Alkohol auf das Gehirn sind nicht linear: Je mehr Alkohol konsumiert wird, desto schneller schrumpft das Gehirn. Eine Studie zeigt, dass die Erhöhung des täglichen Alkoholkonsums einer 50-jährigen Person von einem kleinen Glas Bier (0,25 l) auf eine Flasche Bier (0,5 l) Veränderungen im Gehirn verursacht, die einer Alterung von zwei Jahren entsprechen.

Mit zunehmendem Alter bauen sich Zellstrukturen im Gehirn auf natürliche Weise ab, insbesondere ab dem 50. Lebensjahr. Alkoholkonsum beschleunigt diesen Abbauprozess. Dies führt zu einem geschwächten Erinnerungsvermögen, Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, Orientierung und der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung. Studien deuten darauf hin, dass regelmäßiger Konsum von bereits fünf bis sechs Standardgläsern Alkohol pro Woche die kognitive Leistungsfähigkeit mindern kann.

Erhöhtes Demenzrisiko

Hoher Alkoholkonsum kann Veränderungen im Gehirn verursachen, die das Risiko einer Demenzerkrankung erhöhen. Demenz führt zu einer fortschreitenden Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit, wodurch Betroffene auf Hilfe im Alltag angewiesen sein können. Personen ab 45 Jahren, die täglich mehr als 24 Gramm reinen Alkohol (ca. 250 ml Wein) konsumieren, sind besonders gefährdet.

Lesen Sie auch: Gehirnzellen und Alkohol: Eine wissenschaftliche Analyse

Dopamin und Sucht

Dopamin, ein Neurotransmitter, spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Suchtverhalten. Es ist kein Glückshormon, sondern ein Botenstoff, der Nervenzellen miteinander kommunizieren lässt und im Belohnungssystem des Gehirns wirkt.

Dopamin hat eine belohnungsankündigende Wirkung. Wenn wir etwas Positives erleben, wird Dopamin ausgeschüttet und markiert diese Situation als wichtig. Situationen, die mit Belohnungen einhergehen, werden durch Dopamin "gelikt" und im Suchtgedächtnis abgespeichert.

Soziale Medien nutzen diese Lernmechanismen, indem sie Dopamin-Hochs erzeugen, die zu selektiver Aufmerksamkeit führen. Dinge, die mit Dopamin markiert wurden, werden immer wichtiger. Dies kann zu einem Suchtverhalten führen, das Ähnlichkeiten mit klassischen Abhängigkeiten aufweist.

Symptome von Suchtverhalten

Typische Symptome von Suchtverhalten sind:

  • Craving: Ein starker, schwer bezwingbarer Wunsch, das Suchtmittel zu konsumieren.
  • Toleranzentwicklung: Um den gleichen positiven Effekt zu erleben, sind höhere Dosen erforderlich.
  • Vernachlässigung anderer Lebensbereiche: Dem Nachgehen der Sucht wird Vorrang gegeben.
  • Entzugssymptome: Bei Beendigung oder Reduktion des Konsums können körperliche und/oder psychische Entzugssymptome auftreten.
  • Kontrollverlust: Es wird zunehmend schwieriger, den Konsum zu kontrollieren.
  • Anhaltender Konsum trotz Schäden: Der Konsum wird fortgesetzt, obwohl er bereits zu schädlichen Folgen geführt hat.

Dopamin-Detox

Ein "Dopamin-Detox" ist ein neuer Name für etwas, das die Menschheit schon seit Jahrtausenden kennt: sich von äußeren Reizen abschotten. In der heutigen Welt gibt es besonders viele dieser Reize, gerade über die vielen Medien, die uns beschallen. Wenn sich Eremiten früher in die Einsamkeit zurückgezogen haben, war das letztendlich auch eine Form von Dopamin-Detox. Wenn man sich von äußeren Triggern abschottet, dann reagiert das Dopamin nicht andauernd auf äußere Signale, es gibt keine Höhen und Tiefen. Das beste Beispiel dafür ist die Meditation.

Lesen Sie auch: Alkohol als Risikofaktor für Demenz

Alkohol und Dopamin: Ein Teufelskreis

Beim Alkoholkonsum entstehen zunächst positive Emotionen wie Euphorie und ein gesteigertes Selbstwertgefühl. Alkohol beschleunigt die Freisetzung von Dopamin, sodass wir uns zeitweise besser fühlen als vor dem Konsum.

Langfristiger, zu starker Alkoholkonsum führt jedoch dazu, dass die Dopaminrezeptoren im Gehirn abgebaut werden. Um den gleichen rauschartigen Zustand zu erreichen, muss die Menge Alkohol immer weiter gesteigert werden.

So entsteht ein Teufelskreis: Der Alkohol wird als einzige (schnelle) Lösung des Problems wahrgenommen, ist aber gleichzeitig der Auslöser für den anschließend niedrigeren Dopaminspiegel.

Symptome der Alkoholabhängigkeit

Die Symptome einer Alkoholabhängigkeit sind vielfältig:

  1. Das Verlangen nach Alkohol ist allgemein stark.
  2. Betroffene sind unfähig, den Konsum des Alkohols zu kontrollieren.
  3. Das Bewusstsein über die Erkrankung allein reicht nicht aus, um aktiv dagegen vorzugehen.
  4. Ein generell gesteigerter Alkoholkonsum.
  5. Das Auftreten von Entzugserscheinungen, sobald auf den Alkoholkonsum verzichtet oder dieser reduziert wird.
  6. Eine erhöhte Toleranz gegenüber selbst größeren Mengen Alkohols.
  7. Eine häufige persönliche Beschäftigung mit dem Thema Alkohol.

Entzugserscheinungen werden von Erkrankten häufig als besonders schwer zu ertragen dargestellt. Solange der Alkoholkonsum aufrechterhalten wird, setzt ein Gewöhnungseffekt ein. Setzt nun ein abrupter Entzug von Alkohol ein, fällt die Dopaminkonzentration im Gehirn stark und plötzlich ab. Dies führt anschließend schnell zu Entzugssymptomen.

Lesen Sie auch: Wie Alkohol die Signalübertragung im Gehirn beeinflusst

Alkoholentzug und Therapie

Ein Alkoholentzug sollte als eine Methode verstanden werden, die den Weg zurück in ein geregeltes Leben ermöglicht. Betroffene sind nicht mehr auf Alkohol und Dopamin angewiesen, sondern finden andere Wege, Glücksgefühle in ihrem Leben zu erleben.

Es gibt verschiedene Therapieansätze für den Alkoholentzug:

  1. Neuro-elektrische Stimulationen zielen darauf ab, die physischen, biochemischen Aspekte der Sucht zu behandeln.
  2. Gespräche in Gruppen oder einzeln mit den Therapeuten helfen dabei, ein Verständnis für die eigene Sucht zu erlangen und den Umgang mit ihr zu schulen.

Eine Therapie sollte immer individuell angelegt und auf die konkreten Bedürfnisse der Patienten abgestimmt sein.

Positive Auswirkungen eines Alkoholentzugs

Die positiven Auswirkungen eines gelungenen Alkoholentzugs sind vielfältig:

  • Berufliche Verbesserungen
  • Finanzielle Verbesserungen
  • Die Sucht nach Alkohol diktiert nicht mehr den Tagesablauf.

Medikamentöse Unterstützung

Zwei bestehende Medikamente - eines zur Raucherentwöhnung und das andere zur Behandlung von Depressionen - scheinen bei der Behandlung von Alkoholproblemen wirksam zusammenzuwirken. Die Kombination reduziert das Verlangen nach Alkohol, senkt den Konsum und kann das Risiko von Übelkeit verringern.

Die Forscher stützten ihren Ansatz auf die Hypothese, dass ein Dopaminmangel das Verlangen nach Alkohol fördert. Die Ergebnisse zeigten, dass der Alkoholkonsum bei den Teilnehmern, die die Kombinationstherapie erhielten, am stärksten zurückging.

Nikotin und Alkohol

Forscher vermuten, dass Menschen, die rauchen, gleichzeitig auch mehr Alkohol trinken. Nikotin beeinflusst die Dopamin-Ausschüttung im Gehirn und bremst die Belohnungswirkung von Alkohol aus. Dies steigert die Lust auf die nächste Droge: Alkohol.

Abstinenz: Ein lohnender Weg

Eine Abstinenz vom Alkohol bewirkt im Körper wahre Wunder. Bereits nach wenigen Tagen der Abstinenz erholt sich der gesamte Organismus. Das zentrale Nervensystem entspannt sich. Die Ausschüttung der Glückshormone Dopamin und Serotonin normalisiert sich.

Weitere Vorteile der Abstinenz sind:

  • Senkung des Risikos für Lebererkrankungen, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere chronische Krankheiten.
  • Reduzierte Symptome von Depression und Angst.
  • Verbesserte Schlafqualität und Erholung.
  • Reduzierung der Kalorienaufnahme durch den Verzicht auf alkoholische Getränke.
  • Weniger Ausgaben für Alkohol.

Tipps für die Alkoholabstinenz

Hier sind einige Tipps, die Ihnen helfen können, abstinent zu bleiben:

  • Überdenken Sie Ihre Trinkgewohnheiten und die Gründe für Ihren Alkoholkonsum.
  • Setzen Sie sich klare und erreichbare Ziele.
  • Reden Sie mit Freunden, Familie oder einem Therapeuten über Ihre Entscheidung.
  • Erkennen Sie Situationen oder Emotionen, die zum Trinken führen, und entwickeln Sie Strategien, um diese zu vermeiden.
  • Finden Sie gesunde Alternativen, um Stress abzubauen oder sich zu entspannen.
  • Teilnahme an Selbsthilfegruppen wie den Anonymen Alkoholikern (AA).
  • Nutzen Sie Techniken, um Ihre Gedanken und Gefühle zu kontrollieren.
  • Regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf.
  • Halten Sie Alkohol aus Ihrem Haus und vermeiden Sie Situationen, in denen stark getrunken wird.
  • Dokumentieren Sie Ihre Fortschritte und reflektieren Sie Ihre Erfolge und Rückschläge.

Rückfall: Was tun?

Erkennen Sie, dass Rückfälle Teil des Prozesses sein können und verzeihen Sie sich selbst. Verstehen Sie, was zum Rückfall geführt hat, und entwickeln Sie Strategien, um solche Situationen in Zukunft zu vermeiden. Kehren Sie so schnell wie möglich zu Ihren Abstinenzplänen zurück. Wenden Sie sich an Ihre Unterstützungsnetzwerke, um Hilfe und Ermutigung zu erhalten.

tags: #alkohol #reduziert #dopamin