Demenz nach Schlaganfall: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Die Demenz nach einem Schlaganfall, auch bekannt als vaskuläre Demenz, ist eine der häufigsten Ursachen für kognitive Beeinträchtigungen im Alter. Nach der Alzheimer-Krankheit stellt sie die zweithäufigste Demenzerkrankung dar. Diese Form der Demenz entsteht durch Schädigungen der Blutgefäße im Gehirn, was zu einer unzureichenden Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen führt. Die Folgen sind vielfältig und können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Was ist vaskuläre Demenz?

Vaskuläre Demenz ist ein medizinischer Fachbegriff für Demenz-Erkrankungen, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht werden. Der Begriff "vaskulär" bezieht sich auf die Blutgefäße, was bedeutet, dass diese Demenzform mit einer Störung der Blutversorgung einhergeht. Im Gegensatz zur Alzheimer-Demenz, bei der die nachlassende Gedächtnisleistung im Vordergrund steht, zeigen sich bei der vaskulären Demenz oft andere charakteristische Symptome.

Ursachen der vaskulären Demenz

Die vaskuläre Demenz wird durch eine Schädigung der Blutgefäße im Gehirn verursacht. Die Gefäße können das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen, wodurch wichtige kognitive Funktionen eingeschränkt werden. Es gibt verschiedene Ursachen für diese Schädigungen:

  • Schlaganfälle: Ein Schlaganfall, der eine Hirnarterie verschließt, kann eine vaskuläre Demenz verursachen. Auch stille Schlaganfälle, die ohne spürbare Symptome verlaufen, erhöhen das Demenzrisiko. Nach einem Schlaganfall erleiden bis zu 60 % der Patienten im ersten Jahr danach eine Demenz, was als Post-Stroke Cognitive Impairment (PSCI) bezeichnet wird.
  • Arteriosklerose und Bluthochdruck: Arterienverkalkung (Arteriosklerose) oder Bluthochdruck können ebenfalls zu einer vaskulären Demenz führen. In diesen Fällen machen sich die Beschwerden meist eher schleichend bemerkbar.
  • Verengung kleiner Blutgefäße: Die häufigste Ursache ist eine Erkrankung der kleinen Blutgefäße im Gehirn (zerebrale Mikroangiopathie). Dabei werden die hirneigenen Blutgefäße durch Ablagerungen und Wandverdickungen so eng, dass die abhängigen Bereiche des Gehirns nicht mehr genügend Sauerstoff erhalten.
  • Blutgerinnsel: Blutgerinnsel aus Halsarterien oder dem Herzen können hirnversorgende Gefäße verstopfen. Durch den plötzlichen Verschluss des zuführenden Gefäßes stirbt das nachgeschaltete Hirngewebe ab (Hirninfarkt). Treten mehrere kleine Hirninfarkte an verschiedenen Orten auf, spricht man von einer Multiinfarkt-Demenz.
  • Blutungen im Gehirn: Deutlich seltener wird vaskuläre Demenz durch Blutungen im Gehirn verursacht.

Risikofaktoren für vaskuläre Demenz

Einige Faktoren erhöhen das Risiko, an einer vaskulären Demenz zu erkranken:

  • Höheres Lebensalter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Gefäßerkrankungen und somit auch für vaskuläre Demenz.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, koronare Herzkrankheit und Herzschwäche erhöhen das Risiko.
  • Ungesunde Lebensweise: Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung tragen zur Entstehung von Gefäßerkrankungen bei.
  • Alzheimer-Erkrankung: Alzheimer-Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, was wiederum das Risiko für vaskuläre Demenz erhöht.

Symptome der vaskulären Demenz

Die Symptome der vaskulären Demenz können sehr unterschiedlich sein und hängen von der Art und dem Ort der Schädigung im Gehirn ab. Je nach Ursache können die Symptome plötzlich, schleichend oder schrittweise auftreten. Typische Symptome sind:

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  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen: Betroffene haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und ihre Aufmerksamkeit auf eine Sache zu richten.
  • Verlangsamung: Denkprozesse und Handlungen werden langsamer.
  • Vergesslichkeit: Das Gedächtnis lässt nach, wobei die Gedächtnisleistung weniger im Vordergrund steht als bei der Alzheimer-Demenz. Betroffene können sich Informationen nur sehr kurzfristig merken oder haben Schwierigkeiten, lange und komplexe Informationen zu behalten.
  • Erschwerte Umsetzung von Alltagsaufgaben: Alltägliche Aufgaben können nicht mehr so einfach ausgeführt werden.
  • Antriebsstörung bis hin zu Teilnahmslosigkeit (Apathie): Betroffene zeigen wenig Interesse an ihrer Umwelt und ziehen sich zurück.
  • Rasche geistige und körperliche Erschöpfung: Bereits nach kurzer Anstrengung fühlen sich Betroffene erschöpft.
  • Gangstörungen: Unsicherer Gang und Gleichgewichtsprobleme können auftreten.
  • Verlust der Kontrolle über die Blase (Inkontinenz): Verstärkter Harndrang oder Inkontinenz können auftreten, da betroffene Hirnareale die Kontrolle über Blase und Darm beeinträchtigen.
  • Probleme beim Schlucken und Sprechen: Sprachstörungen und Schluckbeschwerden können auftreten.
  • Grundloses Lachen und Weinen: Unkontrollierte Gefühlsausbrüche können vorkommen.
  • Schwindelgefühl: Schwindel kann ein Begleitsymptom sein.
  • Persönlichkeitsveränderungen: Unruhe, Wutanfälle, Aggressivität, Traurigkeit und Stimmungsschwankungen können auftreten.
  • Orientierungslosigkeit: Schwierigkeiten, sich in der eigenen Umgebung zurechtzufinden, können auftreten.

Bei einer vaskulären Demenz, die durch einzelne Hirninfarkte verursacht wird, kann die Erkrankung auf einem bestimmten Stand stehen bleiben oder sich sogar leicht bessern. Treten wiederholt Schlaganfälle auf, kann sich der Gesundheitszustand schrittweise verschlechtern.

Diagnose der vaskulären Demenz

Eine Demenzerkrankung kann nur durch eine Ärztin oder einen Arzt diagnostiziert werden. Für eine Diagnose werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:

  • Ärztliches Gespräch (Anamnese): Am Anfang steht das ärztliche Gespräch über die persönliche Krankengeschichte. Besonders wichtig sind dabei frühere oder aktuelle Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Hirngefäße, Bluthochdruck und Diabetes. Die Ärztin oder der Arzt erkundigt sich nach Beschwerden und Problemen im Alltag, nach Stimmungsschwankungen sowie nach den Lebensumständen.
  • Körperliche Untersuchung: Es wird untersucht, ob Durchblutungsstörungen vorliegen. Bei einem Verdacht auf eine vaskuläre Demenz wird vor allem das Herz-Kreislauf-System untersucht, also Blutdruck, Herzgeräusche und Herzgröße. Ebenso wichtig ist der neurologische Status, der die Koordination, Motorik, den Tastsinn und den Gleichgewichtssinn umfasst.
  • Neurologische und neuropsychologische Tests: Medizinische Demenztests dienen der Beurteilung der geistigen Leistungsfähigkeit. Dabei werden bestimmte geistige Leistungsbereiche, wie Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit getestet. Mithilfe von neuropsychologischen Tests lässt sich herausfinden, welche Gehirnleistungen betroffen sind und wie stark zum Beispiel das Gedächtnis oder das Konzentrationsvermögen beeinträchtigt sind. Die jeweilige Leistungsfähigkeit kann in Zahlenwerten gemessen werden. Die Ärztin oder der Arzt vergleicht diese dann mit Durchschnittswerten der Bevölkerung.
  • Bildgebende Verfahren: Mit bildgebenden Verfahren wie CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) können Veränderungen im Gehirn festgestellt werden. Ultraschall-Untersuchungen der Halsgefäße und spezielle CT- und MRT-Aufnahmen der Hirnschlagadern dienen dazu, Verengungen zu erkennen, die Durchblutungsstörungen im Gehirn verursachen können.
  • Untersuchung der Herz-Kreislauf-Funktionen: Zusätzlich nimmt die Ärztin oder der Arzt Blut ab und misst den Blutdruck, um mögliche Risiko-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Cholesterinwerte zu erkennen. Außerdem wird ein Langzeit-Elektrokardiogramm (EKG) gemacht, um beispielsweise Vorhofflimmern zu entdecken.

Behandlung der vaskulären Demenz

Eine vaskuläre Demenz ist nicht heilbar. Die im Gehirn entstandenen Schäden können nicht rückgängig gemacht werden. Ziel der Therapie ist es, weiteren Schäden vorzubeugen und eine Verschlimmerung der Beschwerden aufzuhalten, beziehungsweise zu verlangsamen. Die Behandlung umfasst verschiedene Ansätze:

  • Behandlung von Risiko-Erkrankungen: Bluthochdruck, Diabetes mellitus und zu hohe Cholesterinwerte lassen sich gut durch Änderungen des Lebensstils und mit Medikamenten behandeln. Bei Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern, koronarer Herzkrankheit oder Herzschwäche wird ebenfalls gezielt therapiert.
  • Medikamentöse Behandlung: Bei der vaskulären Demenz werden Durchblutungsstörungen im Gehirn mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt. So kann weiteren Schlaganfällen vorgebeugt werden. Wenn Blutgerinnsel im Gehirn aufgetreten sind, kommen gerinnungshemmende Medikamente zum Einsatz - ASS bei Gefäßleiden und Gerinnungshemmer bei Vorhofflimmern. Ist eine stark verengte Halsschlagader die Ursache, kann die Engstelle auch durch eine Operation oder einen Stent behandelt werden. Für die Alzheimer-Demenz gibt es Medikamente, durch die sich die Symptome mitunter abschwächen lassen (Cholinesterasehemmer und Memantin). Diese Medikamente wirken allerdings nur vorübergehend und haben keinen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Bei vaskulärer Demenz sind sie unwirksam, zudem können sie Nebenwirkungen verursachen. Sie sollten daher bei einer rein gefäßbedingten Demenz eher nicht eingesetzt werden. Bei Bedarf verschreiben Ärztinnen und Ärzte Psychopharmaka, um Symptome wie Unruhe, Angst, Reizbarkeit, aggressives Verhalten, Schlafstörungen und Depressionen zu lindern. Vorab ist es jedoch wichtig, andere Ursachen für die psychischen Symptome auszuschließen.
  • Nicht-medikamentöse Begleit-Therapien: Es gibt verschiedene Ansätze, eine vaskuläre Demenz ohne Medikamente zu behandeln. Behandlungsmöglichkeiten wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie können helfen, die kognitiven Fähigkeiten und somit die Lebensqualität der Patientin oder des Patienten zu verbessern. Auch Musiktherapie, Erinnerungsarbeit und Krankengymnastik können Betroffenen helfen. Vaskuläre Demenz kann mit Gesprächen (kognitive Stimulation) oder Erinnerungsarbeit (autobiographische Arbeit) behandelt werden. Körperliche Betätigung oder Kunsttherapie können geeignete Behandlungsmethoden darstellen.
  • Unterstützung und Begleitung: Menschen mit Demenz benötigen in der Regel eine langfristige Begleitung und Behandlung. Daran sind Fachkräfte aus Medizin, Psychologie, Pflege, Ergotherapie, Physiotherapie und Sozialarbeit beteiligt.

Vorbeugung der vaskulären Demenz

Einer vaskulären Demenz beugt man vor, indem man einem Schlaganfall vorbeugt. Um das Risiko zu reduzieren, ist es wichtig, Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen konsequent zu behandeln. Eine gesunde Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung und dem Verzicht auf Nikotin kann ebenfalls helfen, das Risiko zu senken. Wer sich regelmäßig bewegt, kann (weiteren) Schlaganfällen vorbeugen.

Leben mit vaskulärer Demenz

Für die meisten Menschen ist die Demenz-Diagnose zunächst ein Schock, denn eine Demenz verändert das Leben grundlegend. Die Diagnose kann aber auch zuvor unerklärliche Veränderungen des Verhaltens oder der Persönlichkeit begreiflich machen.

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Menschen mit vaskulärer Demenz erleben ihre Situation unterschiedlich und gehen auch unterschiedlich damit um. Manchen gelingt es, die Krankheit zu akzeptieren und trotz der Einschränkungen so lange wie möglich ein aktives und zufriedenes Leben zu führen. Anderen fällt dies schwer: Sie ziehen sich zurück, sind oft traurig oder werden depressiv. Wieder andere verdrängen ihre Erkrankung und deren Symptome. Viele Menschen, die nach Schlaganfällen eine Demenz entwickeln, haben zudem Angst vor weiteren Hirninfarkten.

Mit der Zeit kann es gelingen, mit den Einschränkungen und Ängsten umzugehen und die Krankheit anzunehmen. Dabei spielt die Unterstützung anderer Menschen, vor allem aber der Familie, eine wichtige Rolle. Besonders in späteren Stadien sind Angehörige durch die Pflege und Betreuung meist stark belastet und benötigen dann selbst irgendwann Unterstützung. Für sie wie für Betroffene ist es wichtig, in die Behandlungspläne einbezogen zu werden und Angebote zu erhalten, die zur persönlichen Situation und den eigenen Bedürfnissen passen. Darunter fallen neben Schulungen auch praktische Hilfen, zum Beispiel Beratung zu finanzieller Unterstützung und Antragstellung. Der Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen - etwa in Selbsthilfegruppen - wird von vielen als wertvoll erlebt. Zu erfahren, wie andere weiter aktiv bleiben und zum Beispiel Hobbys pflegen wie Singen, Wandern, Kochen oder Malen, macht Mut. Aktivitäten helfen auch, nicht immer an die Krankheit zu denken. Zufriedenheit und eine gute Lebensqualität sind trotz Demenz oft noch lange möglich.

Wenn eine Demenz-Erkrankung weit fortgeschritten ist und eine immer umfassendere Betreuung nötig macht, können Angehörige irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Dann kann der Umzug in eine Einrichtung, in der Pflege, Betreuung und medizinische Versorgung durch Fachkräfte möglich sind, für alle Beteiligten die bessere Lösung sein. Die Entscheidung zum Umzug in ein Pflegeheim oder eine betreute Wohngemeinschaft fällt oft nicht leicht - zumal es eine Weile dauern kann, bis eine geeignete Einrichtung gefunden ist.

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