Migräne mit Aura: Visualisierung und Ursachen

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Jährlich leiden Millionen Menschen weltweit an Migräneanfällen, die nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigen, sondern auch zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen können. Eine besonders schwere Form der Migräne ist die sogenannte Migräne mit Aura. Dabei wird das Sichtfeld der Patienten durch zickzackförmige Blitze oder Flimmern zunehmend eingeschränkt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen der Migräne mit Aura und geht auf die Visualisierung der Aura-Symptome ein.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die in der Regel mit starken, einseitigen Kopfschmerzen einhergeht. Diese Schmerzen sind oft pulsierend oder pochend und können mehrere Stunden bis zu mehreren Tagen andauern. Doch Migräne umfasst weit mehr als nur Kopfschmerzen. Eine Migräne ist meist in Phasen unterteilt: Zunächst beginnt sie mit einer Vorphase (Prä-Migräne), in der Betroffene oft gereizt oder besonders empfindlich auf Reize reagieren. Danach folgt die eigentliche Schmerzphase mit den charakteristischen, intensiven Kopfschmerzen.

Symptome der Migräne

Migräne-Symptome können je nach Person und Schweregrad der Attacke variieren. Diese Symptome können von mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen anhalten und stark belastend sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Starke, pulsierende Kopfschmerzen, oft einseitig
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Sehstörungen (Aura)
  • Schwindel
  • Erschöpfung

Migräne mit Aura: Eine besondere Form

Etwa 20 Prozent aller Patienten mit einer Migräne haben vor der Attacke eine Aura. Das heißt, sie erleben eine Art von Wahrnehmungsverzerrung, die etwa zwischen 20 und 40 Minuten anhält und ungewöhnlich vielfältig ist: Es gibt Seh- oder Sprechstörungen, Taubheit oder Ameisenlaufen auf der Haut, selten Riechstörungen. Diese Verzerrungen entstehen nicht im Auge oder auf der Haut, sondern im Gehirn. Die Nervenzellen dort werden aus unbekannten Gründen plötzlich übererregt - sie feuern sinnlose Signale. Dieses Erregungsmuster läuft wie eine La-Ola-Welle über Teile der Hirnrinde, etwa das Sehzentrum. Und dort wird dann etwa eine visuelle Aura, die häufigste Form, erzeugt.

Die Aura beginnt mit einem kleinen, flirrenden Punkt links oder rechts im Gesichtsfeld. Allerdings flirrt dieser Punkt nicht im linken oder rechten Auge - er flirrt in beiden Augen, jeweils auf der linken oder rechten Seite. Der Punkt hat einen bunten, gezackten, flirrenden Rand, wird immer größer und nimmt schließlich eine Gesichtshälfte ein: Die Betroffenen sind vorübergehend einseitig blind. Dann bildet sich die Sehstörung langsam wieder zurück - und die Aura ist vorbei.

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Visualisierung der Aura

Mit dem aktuellen Update der Migräne-App der Schmerzklinik Kiel und der Techniker Krankenkasse (TK) stehen viele neue Funktionen bereit. Diese sollen Betroffenen dabei helfen, Kopfschmerzattacken besser einordnen und von anderen neurologischen Erkrankungen besser unterscheiden zu können. Dies kann eine schnellere und spezifischere Behandlung ermöglichen.

Mit dem Update können Nutzer die Migräne mit Aura live in ihrer aktuellen Umgebung erleben. Dies kann zu schneller diagnostischer Sicherheit und wirksamer Behandlung verhelfen. “Viele Patienten, die zum ersten Mal eine Migräne mit Aura erleben, sind verunsichert und wissen nicht, was diese enorme Einschränkung des Sichtfeldes zu bedeuten hat. Oftmals wird ein Problem mit den Augen oder gar ein Schlaganfall vermutet”, so Professor Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel.

Mit dem neuen Feature bekommen Nutzer eine Migräne mit Aura simuliert. Die App greift auf die Handykamera zu, nach und nach tauchen am Rande des Sichtfeldes flimmernde zickzackförmige Blitze, Schlieren und Schleier auf - eben genau wie bei einer echten Migräne-Aura. So sollen die Patienten auf die typischen Merkmale dieser besonderen Migränephase aufmerksam gemacht werden und im Falle wissen, was zu tun ist: Nämlich rechtzeitig gezielte Verhaltensmaßnahmen und Behandlung einzuleiten.

Die Aura-Simulation ermöglicht es auch erstmals, Angehörigen zeigen zu können, wie eine Aura abläuft, wie sie aussieht und wie sehr sie beeinträchtigen kann. Spätestens nach einer Stunde nach Abklingen der Aura folgt die Schmerzphase der Migräne. Beide Phasen erfordern unterschiedliche Therapien, der Ablauf muss daher Betroffenen bekannt sein.

Augenmigräne: Eine Sonderform der Aura?

Den meisten Patienten mit Migräne kommt im Zusammenhang mit Lichtblitzen und Kopfschmerzen vermutlich die Bezeichnung Migräne mit Aura in den Sinn. Eine klar abgrenzbare Unterscheidung zwischen Augenmigräne und Migräne mit Aura ist in der Fachliteratur tatsächlich nicht definiert.

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Jedoch gibt es einen Unterschied, der eine Trennung der beiden Formen zulässt. Auch wenn eine Migräne mit Aura häufig durch Lichtblitze oder Flimmern im Auge gekennzeichnet ist, steht hier der Kopfschmerz im Vordergrund. Wenn die Augen Anzeichen einer Migräne zeigen, macht sich dies durch Sehstörungen wie bspw. ein Flimmerskotom bemerkbar. Sie können entweder ein- oder beidseitig auftreten und dauern in der Regel einige Minuten bis eine Stunde.

Symptome einer Augenmigräne können sein:

  • Ein Flackern oder Flimmern im Auge, manchmal auch bei geschlossenen Augen
  • Gesichtsfeldausfälle (Skotom, der Wahrnehmungsbereich des Auges ist verkleinert)
  • Lichtblitze im Auge mit Gesichtsfeldausfällen (auch als Flimmerskotom bezeichnet)
  • Kurzzeitiger Sehverlust auf einem Auge

Flimmerskotome können in verschiedenen Varianten erscheinen. Beispielweise sind neben Lichtblitzen ebenso Zickzacklinien möglich, die sich in Form eines Halbkreises weiter ausbreiten. In der Regel benötigen diese visuellen Erscheinungen 10 bis 30 Minuten von der Entstehung bis hin zum Maximum und weisen eine Frequenz von 8 bis 12 Flimmerbewegungen pro Sekunde auf.

Retinale Migräne

Eine Sonderform der Augenmigräne ist die retinale Migräne. Hierbei treten die Symptome allerdings nicht beidseitig, sondern nur auf einem Auge auf. Als Ursache vermuten Wissenschaftler eine fehlende Durchblutung der Retina oder des Sehnervs, die zeitweise zu visuellen Störungen während einer retinalen Migräne führt.

Ursachen der Migräne mit Aura

Die Ursachen von Migräne mit Aura sind vielschichtig und werden durch eine Kombination von ganz überwiegend genetischen, persönlichen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst.

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Genetische Faktoren

Man weiß heute, dass genetische Faktoren eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Studien haben gezeigt, dass das Risiko, an Migräne zu erkranken, bei Personen mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Migräne leiden, deutlich erhöht ist. Bestimmte Genvarianten wurden hierbei mit einem erhöhten Risiko für Migräne mit Aura in Verbindung gebracht.

Ein internationales Forscherteam hat die genetische Ursache für Migräneidentifiziert, die nicht von Sehstörungen begleitet ist. Sie fanden vier Stellen im Erbgut, die nur bei Menschen mit dieser häufigsten Form der Kopfschmerzerkrankung verändert sind. Die Studie identifiziere nun erstmals spezifische Gene, die für diese Erkrankung verantwortlich seien.

Wie die Forscher berichten, liegen zwei der festgestellten Veränderungen in der Nähe von Genen, die den Blutfluss durch das Gehirn beeinflussen. Das passe zu bisherigen Annahmen, nach denen auch die Gefäße und die Durchblutung des Gehirns eine Rolle für die Migräne spielen. Die beiden anderen Genveränderungen fanden die Wissenschaftler in Bereichen, die kontrollieren, wie zahlreich und wie aktiv die Synapsen im Gehirn sind. Diese Kontaktstellen zwischen den Gehirnzellen beeinflussen unter anderem, wie sensibel das Gehirn auf äußere Reize reagiert. "Man weiß, dass das Gehirn bei Migränikern übererregbar ist", schreiben die Forscher.

Neurologische und biochemische Mechanismen

Weiter geht man davon aus, dass eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Prozessen im Gehirn, der Dysregulation von Neurotransmittern und einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit eine Rolle spielt. Die Wissenschaft hat die genauen Ursachen der kurzzeitigen Veränderung in der Gehirnaktivität bislang nicht vollständig verstanden, wobei sich unser Erkenntnisstand in den letzten Jahren insbesondere durch moderne bildgebende Untersuchungsmöglichkeiten deutlich erweitert hat.

Triggerfaktoren

Für viele Betroffene, die an Migräne mit Aura leiden, können bestimmte Triggerfaktoren Anfälle auslösen. Zu den häufigsten Triggern, also Auslösern, gehören:

  • Stress
  • Hormonelle Veränderungen
  • Schlafmangel
  • Bestimmte Lebensmittel und Getränke (Schokolade, Alkohol, Koffein, zuckerhaltige Produkte)
  • Intensive Gerüche
  • Grelles Licht
  • Starke körperliche Anstrengung
  • Manchmal sogar Entlastung („Wochenendmigräne“)

Visual Snow Syndrom

Das Visual-Snow-Syndrom ist eine Störung der visuellen Wahrnehmung, die in Verbindung mit Migräne, Tinnitus sowie depressiven und ängstlichen Symptomen auftreten kann. Eine Therapie gibt es bisher nicht. Die Betroffenen sollten über den gutartigen Verlauf aufgeklärt werden.

Was tun bei Augenmigräne?

Auch wenn es mitunter nicht leicht ist, seine individuellen Trigger zu identifizieren: Der Aufwand lohnt sich. Sind die Auslöser für eine Augenmigräne gefunden, lassen sie sich vermeiden, was erneuten Attacken vorbeugen kann. Jedoch geht das nicht immer.

Was also tun, wenn sich die Augenmigräne ankündigt?

  • Zieh dich in ein ruhiges und abgedunkeltes Zimmer zurück.
  • Leg ein kühles Tuch auf dein Gesicht.
  • Versuch, dich zu entspannen. Dafür empfiehlt es sich, ein Entspannungsverfahren wie die Muskelentspannung nach Jacobson zu lernen.

In der Regel vergehen die Beschwerden wie Flimmerskotome oder Flackern im Auge von allein wieder, sodass die Behandlung einer Augenmigräne ohne Medikamente auskommt. Sollten die Beschwerden jedoch häufig und intensiv sein, halt Rücksprache mit deinem Arzt. In manchen Fällen kannst du auf ein Schmerzmittel zurückgreifen. Möglicherweise eignen sich Arzneimittel, die auch bei der Migräne-Therapie zum Einsatz kommen, bei Augenmigräne.

Wann zum Arzt?

Augenflimmern, Lichtblitze oder Sehstörungen können äußerst beängstigend wirken. Auch wenn sich die Symptome nach einiger Zeit wieder gelegt haben, solltest du einen Arzt aufsuchen, in der Regel einen Augenarzt. Mithilfe verschiedener Untersuchungsmethoden kann er feststellen, ob die Beschwerden durch Veränderungen im Auge herbeigeführt wurden. Dafür nutzt er unter anderem die Spaltlampe, mit der er den Augenhintergrund begutachtet. Wird der Facharzt für Augenheilkunde nicht fündig, ist der nächste Ansprechpartner ein Neurologe. Er kann mittels eines Elektroenzephalogramms (EEG) die Gehirnströme messen und bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) nutzen, um das Gehirn auf Besonderheiten zu untersuchen.

Wichtig ist, dass du dir vor dem Arztbesuch genau überlegst, welche Symptome du hattest und wann diese aufgetreten sind. Denn danach wird der Behandler fragen, genauso wie nach deinen Medikamenten, Alkohol- oder Zigarettenkonsum oder Vorerkrankungen.

Vorbeugende Maßnahmen

Die gute Nachricht ist, dass es eine Vielzahl von vorbeugenden Maßnahmen gibt, die Migräneanfällen vorbeugen oder deren Häufigkeit und Intensität verringern können.

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ohne bekannte Migräneauslöser, wie zum Beispiel zu viel Zucker, Koffein oder Alkohol, kann helfen.
  • Medikamentöse Prophylaxe: In einigen Fällen empfehlen Ärzte die langfristige Einnahme von Medikamenten, um die Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen zu reduzieren.
  • Regelmäßige Bewegung: Leichte, regelmäßige Bewegung kann dazu beitragen, die Migränefrequenz zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.

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