Erbrechen bei Epilepsie: Ursachen und Zusammenhänge

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch eine Neigung zu Krampfanfällen gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine fehlerhafte oder übermäßige Erregung von Nervenzellen im Gehirn. Ein epileptischer Anfall ist eine vorübergehende, plötzlich auftretende Funktionsstörung des zentralen Nervensystems, die in der Regel nicht länger als zwei Minuten dauert.

Definition der Epilepsie

Unter Epilepsie versteht man die Neigung, Krampfanfälle zu erleiden. Die Ursache liegt in einer Störung der elektrischen Aktivität der Nervenzellen im Gehirn. Es ist wichtig zu betonen, dass ein einzelner Anfall noch nicht als Epilepsie gilt.

Symptome von Epilepsie

Die Symptome von Epilepsie können vielfältig sein und hängen von der Art des Anfalls ab. Ein Anfall kündigt sich oft an, besonders bei fokaler Epilepsie. Betroffene verspüren dann Übelkeit, bemerken einen seltsamen Geschmack oder Geruch oder haben Angst. Diese Vorboten werden als Aura bezeichnet.

Es gibt verschiedene Arten von Anfällen:

  • Fokaler Anfall: Die Störung beschränkt sich auf einen bestimmten Gehirnbereich. Die Symptome sind vielfältig und hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns den Anfall auslöst. Die Person bewegt den Kopf oder die Augen, beginnt zu kauen, zu schlucken oder zu schmatzen oder gibt Stimmlaute von sich. Oft geht ein fokaler Anfall in einen generalisierten Anfall über.
  • Generalisierter tonisch-klonischer Anfall: Dieser Anfall führt zu plötzlichem Bewusstseinsverlust, wodurch die Person stürzen kann. Es kommt zum Verlust der Kontrolle über die Muskeln: Die Muskulatur spannt sich unkontrolliert an (tonisch) und es treten zuckende Bewegungen auf (klonisch). Die Haut kann sich leicht bläulich färben und Speichelfluss ist möglich. Nach dem Anfall sind Betroffene oft benommen, müde oder verwirrt. Es kann zu Kontrollverlust über Blase und Darm oder zu kurzzeitigen Lähmungen kommen. Einige Personen bemerken, dass sie sich während des Anfalls auf die Zunge gebissen haben. Übelkeit, Kopfschmerzen und Muskelkater sind ebenfalls möglich.
  • Absence: Diese Anfallsform betrifft meist Kinder und Jugendliche und äußert sich durch eine plötzliche Bewusstseinsstörung, oft mit geöffneten Augen, die meist nach weniger als 10 Sekunden vorüber ist.

Ursachen von Epilepsie

Ein Anfall entsteht, wenn Nervenzellen in der Hirnrinde aus dem Takt geraten und zu viele elektrische Impulse aussenden oder im selben Rhythmus senden, obwohl sie das nicht tun sollten. Dies liegt daran, dass Hirnzellen einander anregen können, wodurch sich fokale Anfälle ausbreiten und das ganze Gehirn erfassen können, was zu generalisierten Anfällen führt.

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Die Ursache einer Epilepsie kann in einer Schädigung des Hirngewebes liegen, etwa nach einem Schlaganfall, einer Entzündung oder einer Kopfverletzung, aber auch durch die Parkinson-Krankheit und Alzheimer-Demenz. Einige Gene können zur Epilepsie führen, was bedeutet, dass die Neigung, eine Epilepsie zu entwickeln, angeboren sein kann. In einigen Fällen liegt die Ursache in einer Stoffwechselstörung, im Immunsystem oder ist unbekannt.

Mögliche Auslöser von Anfällen

Es gibt verschiedene Faktoren, die epileptische Anfälle auslösen können:

  • Schlafmangel
  • Flackernde Lichter
  • Alkoholkonsum und Alkoholentzug
  • Giftstoffe

Risikofaktoren für Epilepsie

  • Schlaganfall
  • Kopfverletzungen
  • Hirntumor
  • Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) oder des Gehirns (Enzephalitis)
  • Fieberkrampf bei Kindern

Auch wenn bisher kein epileptischer Anfall aufgetreten ist, steigert ein Fieberkrampf in der Kindheit das Risiko, irgendwann eine Epilepsie zu entwickeln. Eine Kopfverletzung kann ebenso Jahre später eine Epilepsie verursachen. Auch Schlaganfälle und Hirntumoren können verantwortlich sein. Psychosoziale Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle: Wer in Armut lebt, hat ein höheres Risiko, an Epilepsie zu erkranken.

Häufigkeit von Epilepsie

Etwa jeder 10. Mensch erlebt einmal in seinem Leben einen epileptischen Anfall - und danach wahrscheinlich nie einen zweiten. Die Häufigkeit der Epilepsie beträgt 0,5‒1,2 %. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen.

Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose Epilepsie erfolgt in der Regel nach einem Anfall. Der Arzt wird zunächst wissen wollen, ob es sich bei den Symptomen tatsächlich um einen epileptischen Anfall gehandelt hat. Anhand bestimmter Merkmale kann der Arzt bestimmen, ob es tatsächlich ein epileptischer Anfall war. Die Diagnose Epilepsie stellt der Arzt, wenn mindestens zwei epileptische Anfälle im Abstand von mindestens 24 Stunden auftreten.

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Folgende Untersuchungen können durchgeführt werden:

  • Elektroenzephalogramm (EEG): Im EEG misst der Arzt die Hirnströme. Anhand der charakteristischen Muster kann er erkennen, ob die Person zu epileptischen Anfällen neigt.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Mithilfe der MRT kann der Arzt herausfinden, ob bestimmte Veränderungen im Gehirn die Anfälle auslösen.
  • Laboruntersuchungen: Der Arzt wird Blut abnehmen. Bestimmte Blutwerte können bis zu mehrere Stunden nach einem Anfall erhöht sein. Gegebenenfalls wird der Arzt zudem das Nervenwasser (Liquor) untersuchen.

Behandlung von Epilepsie

Ein einzelner, komplikationsloser epileptischer Anfall muss nicht zwingend behandelt werden, wenn keine weiteren Anfälle zu erwarten sind. Die meisten Epileptiker nehmen jedoch lebenslang Medikamente ein: sogenannte Antiepileptika.

Medikamente

Antiepileptika sollen die Anfälle blockieren. Es gibt viele unterschiedliche Antiepileptika. Welches Medikament der Arzt verschreibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, so zum Beispiel davon, wie gut es die Person verträgt. Bei einer fokalen Epilepsie sind Medikamente mit den Wirkstoffen Lamotrigin oder Levetiracetam das erste Mittel der Wahl. Alternativen sind Wirkstoffe wie Carbamazepin, Gabapentin, Lacosamid oder Oxcarbazepin. Bei einer generalisierten Epilepsie bieten sich z.B. Antiepileptika mit Valproinsäure an. Alternativen sind u.a.

Der Patient nimmt das Medikament in langsam steigernder Dosis ein, bis der empfohlene Blutspiegel erreicht ist. Solche Nebenwirkungen treten vor allem bei höheren Dosen oder Wirkstoffkombinationen auf.

Epileptikerinnen, die mit der Antibabypille verhüten möchten, sollten frühzeitig mit dem Arzt darüber sprechen, denn: Manche Antiepileptika führen dazu, dass die Pille weniger gut wirkt. Epileptikerinnen mit Kinderwunsch sollten ebenfalls das Arztgespräch suchen. Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel können Antiepileptika zu Fehlbildungen oder Entwicklungsverzögerungen beim Kind führen. Daher wird der Arzt die Medikamentendosis während der Schwangerschaft möglichst niedrig halten und auf Wirkstoffkombinationen verzichten. Gegebenenfalls wird er entscheiden, vor der Schwangerschaft auf ein Antiepileptikum zu wechseln, welches ein vergleichsweise geringes Risiko für das Ungeborene darstellt. Höher dosierte Valproinsäure kann sich in der Schwangerschaft negativ auf die Intelligenz und (im ersten Schwangerschaftsdrittel) auf die Hirnentwicklung des Kindes auswirken.

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Normalerweise bedeutet ein epileptischer Anfall während der Schwangerschaft kein großes Risiko für das Ungeborene.

Neurochirurgischer Eingriff

Wenn die Therapie durch Medikamente nicht den gewünschten Erfolg erzielt, kann ein neurochirurgischer Eingriff infrage kommen. Eine Anfallsfreiheit können in der Regel nur sogenannten resektiven Verfahren erreichen (Resektion = operative Entfernung von Organteilen). Das bedeutet, dass der Operateur umgrenzte Hirnbereiche entfernt. Dies birgt das Risiko, dass anschließend bestimmte Hirnfunktionen beeinträchtigt sind. Art und Ausmaß der Nebenwirkungen nach einem solchen Eingriff sind mitunter schwer vorherzusagen.

Stimulationsverfahren

Stimulationsverfahren können die Anfallsaktivität durch elektrische Reize (ähnlich wie beim Herzschrittmacher) vermindern. Für die Stimulation ist ein chirurgischer Eingriff nötig. Am häufigsten kommt die Vagusnervstimulation (VNS) zum Einsatz. Hier ist der Schrittmacher über eine Elektrode im Halsbereich unter der Haut mit dem Vagusnerv (dem 10. Hirnnerv) verbunden und sendet regelmäßig einen elektrischen Reiz. Völlig frei von Anfällen bleiben die meisten Epileptiker durch dieses Stimulationsverfahren zwar nicht.

Ein weiteres, in Deutschland bislang seltenes Stimulationsverfahren ist die tiefe Hirnstimulation, die auch bei anderen Erkrankungen des Nervensystems (wie Parkinson) gute Behandlungsergebnisse erzielt. Ein Schrittmacher sendet über zwei Elektroden im Gehirn (eine pro Hirnhälfte) elektrische Reize in die Kerngebiete des vorderen Thalamuskerns im Zwischenhirn.

Erbrechen als Symptom bei Epilepsie

Erbrechen kann im Zusammenhang mit Epilepsie auf verschiedene Weisen auftreten:

  • Als Teil einer Aura: Wie bereits erwähnt, können Übelkeit und Unwohlsein in der Magengegend Teil einer Aura sein, die einen epileptischen Anfall ankündigt.
  • Während eines Anfalls: In einigen Fällen kann es während eines epileptischen Anfalls zu Erbrechen kommen. Dies ist wahrscheinlicher bei Anfällen, die bestimmte Bereiche des Gehirns betreffen, die an der Steuerung von Übelkeit und Erbrechen beteiligt sind.
  • Nach einem Anfall: Übelkeit und Erbrechen können auch nach einem Anfall auftreten, insbesondere nach einem generalisierten tonisch-klonischen Anfall. Dies kann auf die starke Muskelarbeit und Anstrengung für den Körper während des Anfalls zurückzuführen sein.
  • Erbrechen aus dem Schlaf: Erbrechen, das bei Kindern aus dem Schlaf heraus auftritt, kann ein Hinweis auf eine benigne fokale Epilepsie sein, nämlich das Panayiotopoulos-Syndrom. In diesem Fall ist ein EEG zur Abklärung indiziert.

Es ist wichtig zu beachten, dass Erbrechen viele verschiedene Ursachen haben kann und nicht immer ein Zeichen für Epilepsie ist. Bei Kindern sind Magen-Darm-Infekte die häufigste Ursache für Erbrechen. Auch andere Erkrankungen wie Kuhmilchallergie, gastroösophagealer Reflux, eosinophile Ösophagitis, Pylorusstenose, Volvulus, endokrine Störungen oder diabetische Ketoazidose können Erbrechen verursachen.

Was tun bei einem epileptischen Anfall?

Wenn Sie bei einer anderen Person einen epileptischen Anfall beobachten, sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Bewahren Sie Ruhe.
  • Legen Sie die betroffene Person auf den Boden, um einen Sturz vorzubeugen. Entfernen Sie alle Gegenstände, die zu Verletzungen oder Gefahren führen könnten.
  • Versuchen Sie nicht, die Person festzuhalten oder ihre Bewegungen zu unterdrücken.
  • Schauen Sie auf die Uhr und beobachten Sie Dauer und Begleiterscheinungen des Anfalls. Achten Sie auf die Augen: Sind sie geschlossen, offen, starr oder verdreht?
  • Rufen Sie den Rettungsdienst (112), wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert, wenn die Person sich während des Anfalls verletzt hat oder wenn es sich um den ersten Anfall handelt.
  • Bleiben Sie unbedingt bei der betroffenen Person, bis sie wieder vollständig orientiert ist. Dokumentieren Sie wenn möglich den Anfall: Wann ist er passiert? Wie lange hat er gedauert? Wie ist er abgelaufen? Waren die Augen offen, geschlossen, starr oder verdreht? Wenn der Mensch vorher noch nie einen Anfall hatte, sollte ein Notarzt gerufen werden.

Leben mit Epilepsie

Wer einmal einen epileptischen Anfall hatte, bekommt nicht zwangsläufig einen zweiten. Wiederholt sich ein Anfall jedoch, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass weitere auftreten. In der Regel ist ein Anfall nicht mit bleibenden Schäden verbunden. Wie stark eine Epilepsie ausgeprägt ist und wie häufig die Anfälle vorkommen, ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Der Verlauf ist unter anderem davon abhängig, was die Epilepsie verursacht hat und wie gut die Therapie anschlägt. Epilepsie geht häufiger mit Depressionen und Angsterkrankungen einher.

Der Verlauf einer Epilepsie ist durch Medikamente gut zu beeinflussen. Die Prognose ist entsprechend gut: Etwa 60 bis 80 Prozent der Epileptiker sind durch die Behandlung anfallsfrei.

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