Topiramat in der Epilepsiebehandlung: Erfahrungen, Anwendung und wichtige Hinweise

Topiramat ist ein Antiepileptikum, das zur Behandlung verschiedener Epilepsieformen und zur Migräneprophylaxe eingesetzt wird. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Topiramat, seine Anwendung, Wirkungsweise, Nebenwirkungen und wichtige Hinweise für Patienten und Ärzte.

Einführung

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch übermäßige Erregung von Nervenzellen im Gehirn. Topiramat ist ein Medikament, das die Erregbarkeit der Nervenzellen reduziert und so Anfälle verhindern kann.

Anwendungsgebiete von Topiramat

Topiramat ist zur Behandlung verschiedener Epilepsieformen indiziert:

  • Monotherapie bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren mit fokalen Krampfanfällen mit oder ohne sekundär generalisierten Anfällen und primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen.
  • Zusatztherapie bei Kindern ab 2 Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen mit fokalen Anfällen mit oder ohne sekundärer Generalisierung oder primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen und zur Behandlung von Anfällen, die mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom assoziiert sind.
  • Migräneprophylaxe bei Erwachsenen nach sorgfältiger Abwägung möglicher alternativer Behandlungsmethoden. Der Wirkstoff ist nicht für die Akutbehandlung einer Migräne-Attacke vorgesehen.

Wirkmechanismus von Topiramat

Der genaue Wirkmechanismus von Topiramat ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Es wirkt jedoch über multiple Mechanismen antiepileptisch:

  • Hemmung spannungsabhängiger Natriumkanäle: Dadurch werden Aktionspotenziale unterdrückt, die durch anhaltende Depolarisation der Neuronen ausgelöst werden.
  • Antagonismus an AMPA/Kainat-Subtypen der exzitatorischen Glutamatrezeptoren: Ohne wesentliche Effekte auf NMDA-Subtypen.
  • Verstärkung GABAA-vermittelter GABA-Wirkungen: GABA ist ein inhibitorischer Neurotransmitter, wobei sich das Wirkprofil von dem der Benzodiazepine unterscheidet.

Pharmakokinetik von Topiramat

Topiramat zeigt im Vergleich zu anderen Antiepileptika eine lange Plasmahalbwertzeit, eine lineare Pharmakokinetik, eine prädominante renale Clearance, das Fehlen einer signifikanten Proteinbindung und das Fehlen von klinisch relevanten aktiven Metaboliten. Es ist kein potenter Induktor arzneimittelmetabolisierender Enzyme und kann unabhängig von den Mahlzeiten verabreicht werden. Eine Routineüberwachung der Topiramat-Plasmakonzentrationen ist nicht notwendig.

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Resorption

Topiramat wird schnell und gut resorbiert. Nach der Einnahme von 100 mg Topiramat wird eine mittlere maximale Plasmakonzentration (cmax) von 1,5 μg/mL innerhalb von 2-3 Stunden (tmax) erreicht. Es gibt keine klinisch signifikante Auswirkung von Nahrung auf die Bioverfügbarkeit von Topiramat.

Verteilung

Topiramat wird zu etwa 13-17% an Plasmaproteine gebunden. Das mittlere scheinbare Verteilungsvolumen beträgt etwa 0,80 bis 0,55 L/kg für eine Einzeldosis im Bereich von 100 bis 1.200 mg.

Metabolismus

Topiramat wird in geringem Ausmaß metabolisiert (ca. 20%). Bei gleichzeitiger antiepileptischer Therapie mit bekannten Induktoren wirkstoffmetabolisierender Enzyme kann Topiramat bis zu 50% metabolisiert werden.

Elimination

Topiramat und Metaboliten werden hauptsächlich (≥ 81% der Dosis) renal eliminiert (ungefähr 66% einer Dosis werden innerhalb von 4 Tagen unverändert mit dem Urin ausgeschieden). Nach zweimal täglicher Dosierung von 50 mg und 100 mg Topiramat beträgt die mittlere renale Clearance ca. 18 mL/min und 17 mL/min. Insgesamt beträgt die Plasmaclearance nach Einnahme beim Menschen ungefähr 20 bis 30 mL/min.

Linearität/Nicht-Linearität

Die Pharmakokinetik von Topiramat ist linear mit einer konstant bleibenden Plasmaclearance und einer Fläche unter der Plasmakonzentrationskurve (AUC), die nach oraler Einmaldosis bei Probanden sich dosis-proportional verhaltend über einen Bereich 100 bis 400 mg ansteigt. Bei Patienten mit normaler Nierenfunktion kann es 4 bis 8 Tage dauern, bis Steady-State-Plasmakonzentrationen erreicht sind. Nach Verabreichung von multiplen Dosen von 50 mg und 100 mg Topiramat zweimal täglich beträgt die mittlere Eliminationshalbwertzeit im Plasma ungefähr 21 Stunden.

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Patientenindividuelle Pharmakokinetik

  • Nierenfunktionsstörung: Die Plasma- und die renale Clearance von Topiramat sind bei Patienten mit mäßig und schwer eingeschränkter Nierenfunktion (CLCR ≤ 70 mL/min) vermindert. Eine Halbierung der üblichen Anfangs- und Erhaltungsdosis wird empfohlen. Topiramat wird effektiv durch Hämodialyse aus dem Plasma entfernt.
  • Leberfunktionsstörung: Die Plasmaclearance von Topiramat ist bei Patienten mit mäßiger bis schwerer Leberfunktionsstörung um durchschnittlich 26% erniedrigt. Daher soll Topiramat bei Patienten mit Leberfunktionsstörung mit Vorsicht verabreicht werden.
  • Pädiatrische Patienten: Kinder haben eine höhere Clearance und eine kürzere Eliminationshalbwertzeit als Erwachsene.

Dosierung von Topiramat

Die Dosierung von Topiramat ist individuell verschieden und hängt von der Art der Epilepsie, dem Alter des Patienten und der Nierenfunktion ab. Die Therapie wird in der Regel einschleichend begonnen, um Nebenwirkungen zu minimieren.

Monotherapie Epilepsie

  • Erwachsene: Die Titration sollte mit 25 mg abends über eine Woche beginnen. Die Dosis sollte dann in 1- oder 2-wöchentlichen Intervallen in Schritten von 25 oder 50 mg/Tag, verteilt auf zwei Dosen, erhöht werden. Die empfohlene initiale Zieldosis beträgt 100 mg/Tag bis 200 mg/Tag, verteilt auf zwei Dosen. Die maximale empfohlene Tagesdosis beträgt 500 mg/Tag verteilt auf zwei Dosen.
  • Kinder und Jugendliche (Kinder über 6 Jahren): Die Behandlung sollte in der ersten Woche mit 0,5 bis 1 mg/kg abends beginnen. Die Dosis sollte dann in 1- oder 2- wöchentlichen Intervallen in Schritten von 0,5 oder 1 mg/kg/Tag, verteilt auf zwei Dosen, erhöht werden. Abhängig vom klinischen Ansprechen liegt die empfohlene initiale Zieldosis im Bereich von 100 mg/Tag (dies entspricht 2,0 mg/kg/Tag bei 6- bis 16-jährigen Kindern).

Zusatztherapie Epilepsie

  • Erwachsene: Die Therapie sollte mit 25-50 mg abends über eine Woche beginnen. Anschließend sollte die Dosis in ein- oder zwei-wöchentlichen Intervallen um 25-50 mg/Tag, verteilt auf zwei Dosen, gesteigert werden. Die übliche Tagesdosis beträgt 200-400 mg verteilt auf zwei Dosen.
  • Kinder und Jugendliche (Kinder über 6 Jahren): Die empfohlene Gesamttagesdosis liegt ungefähr bei 5 bis 9 mg/kg/Tag verteilt auf zwei Dosen. Die Titration sollte in der ersten Woche mit 25 mg (oder weniger, basierend auf einem Bereich von 1 bis 3 mg/kg/Tag) abends beginnen. Die Dosis sollte dann in 1- oder 2-wöchentlichen Intervallen in Schritten von 1 bis 3 mg/kg/Tag (verteilt auf zwei Dosen) erhöht werden, um ein optimales klinisches Ansprechen zu erreichen.

Migräne

  • Erwachsene: Die empfohlene Gesamttagesdosis beträgt 100 mg/Tag, verteilt auf zwei Dosen. Die Titration sollte mit 25 mg abends über eine Woche beginnen. Die Dosis sollte in Schritten von 25 mg/Tag, verabreicht in 1-wöchentlichen Intervallen, erhöht werden. Einige Patienten können von einer Gesamttagesdosis von 50 mg/Tag profitieren.
  • Kinder und Jugendliche: Aufgrund unzureichender Daten zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit wird Topiramat nicht für die Behandlung oder Prävention von Migräne bei Kindern empfohlen.

Allgemeine Dosierungsempfehlungen für spezielle Patientengruppen

  • Nierenfunktionsstörungen: Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung (CLCR ≤ 70 mL/min) sollte Topiramat mit Vorsicht verabreicht werden. Eine Halbierung der üblichen Anfangs- und Erhaltungsdosis wird empfohlen. Bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz sollte an Hämodialyse-Tagen eine Supplementärdosis von Topiramat, die ungefähr der Hälfte der Tagesdosis entspricht, verabreicht werden.
  • Leberfunktionsstörung: Bei Patienten mit mäßiger bis schwerer Leberfunktionsstörung sollte Topiramat mit Vorsicht verabreicht werden. Generell wird empfohlen, die Therapie mit Topiramat mit einer geringen Dosis zu beginnen, gefolgt von einer Titration bis zur wirksamen Dosis.

Nebenwirkungen von Topiramat

Die häufigsten Nebenwirkungen unter einer Therapie mit Topiramat umfassen:

  • Psychiatrisch: Depression bzw. depressive Stimmung, Bradyphrenie, Insomnie, Beeinträchtigung des sprachlichen Ausdrucksvermögens, Angst, Verwirrtheit, Desorientierung, Aggression, veränderte Stimmung, Agitiertheit, Stimmungsschwankungen, Wut, anomales Verhalten
  • Nervensystem: Parästhesie, Schwindel, Somnolenz, Aufmerksamkeitsstörungen

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Gewichtsverlust, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Sprechstörungen und ein erhöhtes Risiko für Nierensteine.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Topiramat

  • Gegenanzeigen: Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Topiramat oder Frauen im gebärfähigen Alter, die keine hochwirksame Verhütungsmethode verwenden.
  • Wechselwirkungen: Topiramat kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben, insbesondere mit anderen Antiepileptika, harntreibenden Mitteln, oralen Kontrazeptiva und gerinnungshemmenden Medikamenten.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Topiramat ist plazentagängig und kann zu Fehlbildungen beim ungeborenen Kind führen. Es sollte während der Schwangerschaft nur eingenommen werden, wenn es keine anderen Therapiemöglichkeiten gibt. Mütter, die Topiramat einnehmen, sollten während der Stillzeit auf mögliche Beschwerden des Neugeborenen achten.
  • Aufklärungspflicht: Patienten müssen über die möglichen Nebenwirkungen von Topiramat, insbesondere Depressionen und Hautreaktionen, sowie über die Notwendigkeit einer sicheren Verhütung während der Therapie aufgeklärt werden.

Erfahrungen mit Topiramat

Die Erfahrungen mit Topiramat sind vielfältig. Einige Patienten berichten von einer deutlichen Reduktion der Anfallshäufigkeit und einer Verbesserung ihrer Lebensqualität. Andere Patienten klagen über Nebenwirkungen, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Es ist wichtig, dass Patienten und Ärzte eng zusammenarbeiten, um die optimale Dosierung und Therapie zu finden.

Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit Topiramat, insbesondere im Hinblick auf die Anfallskontrolle. So berichtet ein Patient, der zuvor mit Phenytoin behandelt wurde und weiterhin Anfälle hatte, von einer deutlichen Verbesserung nach der Umstellung auf Valproinsäure. Allerdings nahm er dabei fast 20 Kilo zu. Nach der Umstellung auf Topiramat verlor er das Gewicht wieder, musste aber aufpassen, nicht zu untergewichtig zu werden.

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Andere Patienten berichten von negativen Erfahrungen mit Topiramat, insbesondere im Hinblick auf die Nebenwirkungen. So können Depressionen, Angstzustände, Konzentrationsstörungen und Gedächtnisprobleme auftreten. Es ist wichtig, dass Patienten diese Nebenwirkungen ihrem Arzt mitteilen, damit die Therapie gegebenenfalls angepasst werden kann.

Fazit

Topiramat ist ein wirksames Antiepileptikum, das zur Behandlung verschiedener Epilepsieformen und zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden kann. Es ist jedoch wichtig, dass Patienten und Ärzte sich der möglichen Nebenwirkungen bewusst sind und eng zusammenarbeiten, um die optimale Therapie zu finden. Eine sorgfältige Aufklärung der Patienten über die Risiken und Vorteile der Therapie ist unerlässlich.

Zusätzliche Informationen

Es ist wichtig zu beachten, dass die Informationen in diesem Artikel nicht als Ersatz für eine professionelle medizinische Beratung dienen. Patienten sollten sich immer an ihren Arzt oder Apotheker wenden, um weitere Informationen und Ratschläge zu erhalten.

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