Ergotherapie bei Neuropathie L5 S1: Behandlung und Linderung von Nervenschmerzen

Ein Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich kann zu Beschwerden führen, die oft durch eine konservative Behandlung gelindert werden können. Diese umfasst vor allem Bewegung, Entspannung, Entlastung, schmerzstillende Medikamente und verschiedene manuelle und physikalische Therapien.

Was ist eine Neuropathie L5 S1?

Bei einer Radikulopathie wird eine Nervenwurzel des Rückenmarks gereizt oder geschädigt. Die Nervenwurzeln stammen aus dem Rückenmark, das aus 31 Segmenten besteht. Aus jedem dieser Segmente entspringen rechts und links je eine vordere und eine hintere Nervenwurzel, die sich noch im Wirbelkanal verbinden und diesen als Spinalnerv durch das Zwischenwirbelloch verlassen. Je nachdem, welche Nervenwurzel betroffen ist, kommt es zu Schmerzen, Missempfindungen oder neurologischen Ausfällen.

Die lumbale Radikulopathie betrifft die Nervenwurzeln in der Lendenwirbelsäule. Deren sensible Anteile teilen sich die Bereiche von Becken und Bein in Dermatome auf. In den betroffenen Bereichen kann es zu Taubheitsgefühlen, Missempfindungen oder Schmerzen kommen. Sind motorische Nervenwurzeln betroffen, sind auch Kraftverlust oder Lähmungen des Fußes oder Beines möglich.

Die Nervenwurzel L5 versorgt den Bereich der Großzehe. Eine Kraftminderung oder gar Lähmungen betreffen vor allem den M. quadriceps femoris, d. h. den Strecker des Kniegelenks. Der sensible Bereich der Nervenwurzel L5 zieht sich über die Außenseite des Oberschenkels, die Innenseite des Unterschenkels und den Fußrücken bis zur Großzehe. Die Nervenwurzel S1 versorgt die Außenseite des Fußes und die Fußsohle.

Ursachen einer Neuropathie L5 S1

Ursachen für die Reizung oder Schädigung von Nervenwurzeln gibt es viele. Bandscheibenvorfälle sind die häufigsten Ursachen für eine Radikulopathie. Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule (Spondylarthrose oder Spondylose) können ebenfalls zu einer Einengung des Spinalkanals und damit zu einer Reizung der Nervenwurzeln führen. Auch starke, von außen einwirkende Gewalt wie z. B. ein Unfall kann auf Nervenwurzeln drücken. Seltenere Ursachen sind Tumore oder Metastasen, die zu Verengungen im Bereich von Nervenwurzeln führen. Auch Hämatome im Wirbelkanal können so groß werden, dass sie auf Nervenwurzeln drücken. In seltenen Fällen können Infektionskrankheiten Nervenwurzeln direkt bedrohen.

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Symptome einer Neuropathie L5 S1

Typische Symptome einer Radikulopathie sind radikuläre Schmerzen, die durch Reizung, Druck oder Schädigung von Nervenwurzeln entstehen. Diese Schmerzen strahlen typischerweise entlang des Versorgungsgebietes (Dermatom) des Spinalnervs aus und werden oft als elektrisierend, brennend oder scharf beschrieben. Bewegung und Belastung wie z. B. Husten, Niesen oder Pressen verstärken die Beschwerden.

Die Beschwerden richten sich danach, in welchem Segment des Rückenmarks die Nervenwurzeln bedrängt werden. Bei einer lumbalen Radikulopathie sind die Nervenwurzeln der Lendenwirbelsäule betroffen, was zu Schmerzen und Sensibilitätsstörungen im Bein führen kann.

Diagnose einer Neuropathie L5 S1

Hinweise auf das Vorliegen einer Radikulopathie und ihre Lokalisation ergeben sich aus der Patientenbefragung und der körperlichen Untersuchung. Dabei werden Haltung und Beweglichkeit, Sensibilität und Reflexe geprüft, um die Höhe der Nervenwurzelreizung festzustellen.

Mithilfe der Bildgebung wird versucht, die Ursache und die genaue Lokalisation für die Nervenreizung zu finden. In der Regel reicht dazu eine MRT oder CT des betroffenen Areals. Manchmal bleibt trotz bildgebender Diagnostik die Ursache einer Radikulopathie im Dunkeln. In diesen Fällen kann eine Liquorpunktion durchgeführt und die entnommene Hirnflüssigkeit untersucht werden, um z. B. Entzündungen nachzuweisen.

Konservative Behandlungsmethoden

Medikamentöse Therapie

Um Rückenschmerzen oder Ischiasbeschwerden nach einem Bandscheibenvorfall zu lindern, werden meistens Medikamente eingesetzt. Dazu gehören vor allem Schmerzmittel, aber auch entkrampfende und entzündungshemmende Wirkstoffe.

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  • Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR): Aus dieser Medikamentengruppe kommen zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen infrage. Sie wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Da NSAR die Blutgerinnung teilweise hemmen, können sie zu leichten Blutungen wie Nasen- oder Zahnfleischbluten führen, aber auch zu schwerwiegenderen Blutungen, etwa im Magen-Darm-Trakt. Bei einigen Menschen können NSAR auch Magengeschwüre verursachen oder die Funktion der Nieren beeinträchtigen. Wer Asthma, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder ein Magengeschwür hat, fragt vor der Einnahme von NSAR am besten zunächst die Ärztin oder den Arzt. Das Risiko für Magengeschwüre oder -blutungen lässt sich durch Medikamente zum Magenschutz senken, in der Regel mit sogenannten Protonenpumpenhemmern wie Omeprazol oder Pantoprazol.
  • Paracetamol: Dieses Schmerzmittel kann für Menschen infrage kommen, die NSAR nicht vertragen - etwa weil sie Magenprobleme oder Asthma haben. In höherer Dosierung kann Paracetamol Leber und Nieren schädigen. Daher sollen Erwachsene eine Höchstmenge von 4 Gramm (4000 Milligramm) pro Tag nicht überschreiten. Dies entspricht zum Beispiel 8 Tabletten mit je 500 Milligramm Paracetamol.
  • Opioide: Das sind starke Schmerzmittel, die nur unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden dürfen. Opioide unterscheiden sich in ihrer Stärke: Morphin ist zum Beispiel ein sehr starkes Mittel, Tramadol ein schwächeres. Manche werden auch als Pflaster angeboten. Mögliche Nebenwirkungen reichen von Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung bis hin zu Schwindel, Atemproblemen und Blutdruckschwankungen. Eine längere Einnahme kann zu Gewöhnung und körperlicher Abhängigkeit führen.
  • Kortikoide („Kortison“): Dies sind entzündungshemmende und schmerzlindernde Mittel, die als Tabletten, Infusionen oder Spritzen in den Muskel eingesetzt werden können. Dabei verteilen sich die Wirkstoffe im gesamten Körper („systemisch“). Wenn sie über einen längeren Zeitraum angewendet werden, erhöhen solche Kortikoid-Präparate jedoch unter anderem das Risiko für Magengeschwüre, Osteoporose, Infektionen, Hautprobleme, Grünen Star (Glaukom) und Störungen des Zuckerstoffwechsels.
  • Muskelrelaxantien: Das sind Beruhigungsmittel, die auch die Muskeln entspannen. Wie andere Psychopharmaka können sie zu Müdigkeit und Benommenheit führen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Außerdem können Muskelrelaxantien die Leberfunktion stören und zu Magen-Darm-Komplikationen führen.
  • Antiepileptika: Diese Mittel werden normalerweise bei Epilepsie angewendet, einige sind aber auch zur Behandlung von Nervenschmerzen (Neuralgien) zugelassen. Sie kommen infrage, wenn durch den Bandscheibenvorfall ein Nerv dauerhaft gereizt wird. Zu ihren Nebenwirkungen gehören Benommenheit und Müdigkeit. Dadurch können die Medikamente die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
  • Antidepressiva: Sie werden normalerweise gegen Depressionen eingenommen. Einige dieser Mittel sind auch zur Behandlung von chronischen Schmerzen zugelassen.

Physiotherapie

Zur Behandlung von Schmerzen nach einem Bandscheibenvorfall kommen Bewegungsübungen im Rahmen einer Physiotherapie infrage. Dies wird oft auch „Krankengymnastik“ genannt. Bewegungsübungen und auch eine Rückenschule sind aktive Therapien - das bedeutet, dass man zu Übungen angeleitet wird und sie selbst durchführt. Auch manuelle und physikalische Therapien können Teil einer Physiotherapie sein. Zu den manuellen Behandlungen gehören Massagen und bestimmte Handgriffe, mit denen verspannte Muskeln oder blockierte Gelenke gelockert werden sollen. Physikalische Therapien nutzen Wärme, Kälte oder Zugkraft, um Schmerzen zu lindern.

  • Massagen: Verschiedene Massagetechniken werden genutzt, um die Muskeln zu lockern und Verspannungen zu lösen.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Hierzu gehören zum Beispiel Wärmepflaster oder -packungen, ein heißes Bad, ein Saunagang oder eine Infrarot-Bestrahlung. Wärme kann bei verspannten Muskeln guttun. Bei Nervenreizungen werden auch Kältepackungen eingesetzt, wie kalte Umschläge oder Gelkissen.
  • Ultraschalltherapie: Hierbei wird der untere Rücken mit Schallwellen behandelt, die durch feine Vibrationen Wärme erzeugen und so das Gewebe lockern sollen.

Ergotherapie

In einer Ergotherapie geht es darum, zu lernen, im Alltag mit Einschränkungen zurechtzukommen. Dabei werden zum Beispiel neue Bewegungsabläufe geübt oder Strategien zur Schmerzlinderung entwickelt. Insgesamt ist nicht belegt, dass diese Behandlungen die Genesung nach einem Bandscheibenvorfall beschleunigen oder die Schmerzen lindern können. Viele Menschen empfinden eine Massage oder Wärmeanwendung jedoch als angenehm und wohltuend, andere gewinnen durch Bewegungsübungen und Kräftigung mehr Sicherheit.

Alternative Behandlungsmethoden

  • Akupunktur: Bei der Akupunktur sticht die Therapeutin oder der Therapeut feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers. Das soll Schmerzen lindern.
  • Reiki: Reiki ist eine aus Japan stammende Behandlung, bei der Schmerzen durch Handauflegen gelindert werden sollen.
  • Moxibustion: Bei dieser Methode werden bestimmte Körperstellen (sogenannte Therapiepunkte) gezielt erwärmt, zum Beispiel indem glimmende Stangen aus getrocknetem Beifuß („Moxa“) oder erhitzte Nadeln nah an die Therapiepunkte gebracht werden.

Zu diesen Techniken gibt es nur sehr wenige verlässliche Studien. Dass sie bei Schmerzen helfen, ist nicht nachgewiesen. Lediglich für die Akupunktur gibt es Hinweise, dass sie Schmerzen lindern könnte. Bei anhaltenden Rückenschmerzen (mindestens 6 Monate) übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten für Akupunktur.

Injektionsbehandlung

Bei der sogenannten Injektionsbehandlung werden meist örtliche Betäubungsmittel und / oder entzündungshemmende Medikamente wie Kortikoide unmittelbar neben die gereizte Nervenwurzel gespritzt, auch als periradikuläre Therapie (PRT) bezeichnet. Bei der lumbalen Spinalnervenanalgesie (LSPA), auch Wurzelblockade genannt, wird das Medikament direkt an die Austrittsstelle der Nervenwurzel aus dem Wirbelkanal gespritzt. Dadurch wird die Nervenwurzel betäubt. Bei der lumbalen Periduralanalgesie werden die Medikamente in den sogenannten Periduralraum gespritzt („peridurale Injektion“). Der Periduralraum umgibt das Rückenmark und die Rückenmarksflüssigkeit im Wirbelkanal. Hier liegen auch die Nervenwurzeln.

Die Spritzen können Nebenwirkungen wie Nachblutungen, Infektionen und Nervenverletzungen haben. Werden sie unter Röntgen- oder CT-Kontrolle gesetzt, geht damit eine Strahlenbelastung einher. Studien zeigen, dass Spritzen-Behandlungen eine Ischialgie für einige Wochen lindern können.

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Verhaltenstherapie

Wenn bisher gewählte Behandlungsansätze die Beschwerden nicht ausreichend gelindert haben, kann es sinnvoll sein, den eigenen Umgang mit Schmerzen in den Blick zu nehmen. Denn wie man Schmerzen empfindet und wie gut es gelingt, mit Schmerzen zurechtzukommen, wird auch von der Psyche beeinflusst. Daher kann es hilfreich sein, sich schädliche Gedanken oder Verhaltensweisen bewusst zu machen und diese zu verändern. Eine Verhaltenstherapie kann bei länger anhaltenden Schmerzen einen Versuch wert sein und auch mit anderen Behandlungen kombiniert werden. Je nach Art der Beschwerden und Zeitpunkt der Behandlung können unterschiedliche Ansätze sinnvoll sein. Daher ist es wichtig, sich ärztlich beraten zu lassen, welche Therapien geeignet sein können, welche kombinierbar sind und welche eher nicht infrage kommen. Wichtig ist auch, dass man selbst aktiv ist und es dauerhaft bleibt - zum Beispiel indem man gelernte Übungen auch eigenständig zu Hause macht oder regelmäßige Spaziergänge zur Gewohnheit werden.

Multimodale Behandlungsprogramme

Besonders wenn Beschwerden länger andauern und chronisch werden, können sogenannte multimodale Behandlungsprogramme sinnvoll sein. Dabei wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen behandelt - meist aus Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Die Behandlung kombiniert Bewegung, Schulungen, Entspannungstechniken, Medikamente oder kognitive Verhaltenstherapie. Hat man weitere Erkrankungen, werden diese dabei berücksichtigt. Multimodale Behandlungsprogramme werden im Rahmen einer Schmerztherapie oder zur Rehabilitation angeboten. Sie unterstützen auch dabei, sich immer wieder selbst zu motivieren, um zum Beispiel in Bewegung zu bleiben und Neues auszuprobieren - auch wenn es manchmal schwer fällt.

Operative Behandlungsmethoden

Wenn die Beschwerden länger andauern, den Alltag erheblich einschränken und konservative Behandlungen die Beschwerden nicht ausreichend lindern, kann eine Operation infrage kommen, um den betroffenen Nerv zu entlasten. Ob eine Bandscheiben-Operation die Beschwerden auf Dauer tatsächlich besser lindert als eine konservative Behandlung, ist aber nicht immer sicher vorherzusagen. Wenn die Ärztin oder der Arzt zu einer Operation rät, kann es daher sinnvoll sein, sich eine Zweitmeinung einzuholen und erst danach die Entscheidung zu treffen.

Eine Operation ist sofort nötig, wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass Lähmungserscheinungen beispielsweise an den Beinen auftreten, oder wenn die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren. Letzteres sind Zeichen eines sogenannten Kauda-Syndroms.

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