Das Praktische Jahr in der Neurologie: Aufgaben und Möglichkeiten in Essen und Umgebung

Das Praktische Jahr (PJ) ist ein entscheidender Abschnitt im Medizinstudium, der den Studierenden die Möglichkeit bietet, ihre theoretischen Kenntnisse in der klinischen Praxis anzuwenden und zu vertiefen. In diesem Artikel werden die Aufgaben und Möglichkeiten für PJ-Studierende in der Neurologie in Essen und Umgebung beleuchtet, wobei der Fokus auf den verschiedenen Krankenhäusern und Kliniken liegt, die eine neurologische Ausbildung anbieten.

Einführung in das Praktische Jahr

Das Praktische Jahr ist der letzte Ausbildungsabschnitt des Medizinstudiums. Im Mittelpunkt dieses sechsten Studienjahres steht die praktische Ausbildung. Innerhalb der vorgeschriebenen 48 Wochen vertiefen Sie Ihre Kenntnisse und Fertigkeiten in einer Klinik/einem Krankenhaus.

PJ-Einführungswoche

Um Studierende auf das Praktische Jahr vorzubereiten, wurde 2016 die PJ-Einführungswoche eingeführt. In diesem einwöchigen Seminar begleiten die Teilnehmer eine (fiktive) Patientin von der Notaufnahme über den stationären Aufenthalt bis zur Entlassung. Dieses Angebot richtet sich an PJler, die im Mai das erste Tertial ihres Praktischen Jahres am Universitätsklinikum Essen absolvieren.

Skills-Training & Simulation im Praktischen Jahr (ST & S im PJ)

Viele PJler fühlen sich im klinischen Alltag, insbesondere in Notfallsituationen oder bei Soft Skills, unsicher. Der lernerzentrierte Kurs ST & S im PJ für Studierende des ersten Tertials schafft Abhilfe: In realitätsnahen Simulationen werden manuelle und interpersonelle Fertigkeiten strukturiert geübt und mit Video-unterstütztem Feedback über Checklisten gemäß aktueller Leitlinien reflektiert. Im Anschluss können praktische Skills gezielt eingeübt werden.

Universitätsklinikum Essen

Das Universitätsklinikum Essen (UK Essen) ist ein Zentrum der medizinischen Spitzenversorgung und von großer Bedeutung für die Gesundheitsversorgung der Menschen im Ruhrgebiet. Als Krankenhaus der Maximalversorgung verfügt es über 47 Kliniken und Institute mit einer Kapazität von 1.322 Planbetten. Das breite Angebot an interdisziplinärer Krankenversorgung, Forschung und Lehre hat dem Universitätsklinikum Essen hohes internationales Ansehen in zahlreichen Disziplinen eingebracht.

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PJ-Plätze und Wahlfächer

Die Vergabe der PJ-Plätze erfolgt über die Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die Anmeldung und Zuteilung der PJ-Plätze erfolgt ausschließlich über das Dekanat (keine Direktbewerbungen in ALKs). Die UDE-Zuteilung erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem Zu-/Absagen externer deutscher Universitäten bereits vorliegen.

Am UK Essen werden 24 Wahlfachplätze angeboten, die sich wie folgt verteilen:

  • Allgemeinmedizin: 1
  • Anästhesie: 5
  • Augenheilkunde: 3
  • Neurochirurgie: 3
  • Neurologie: 3
  • Orthopädie: 3
  • Radiologie: 3
  • Urologie: 3

Interprofessionelle Ausbildungsstation

Am Universitätsklinikum Essen wird die Interprofessionelle Ausbildungsstation für Medizinstudierende im Praktischen Jahr und Auszubildende der Pflege angeboten. Über 3 Wochen betreuen Auszubildende der Pflege und Medizinstudierende im PJ gemeinsam im Team weitestgehend eigenständig - unter Supervision - Patient:innen.

Aufgaben und Möglichkeiten in der Neurologie

Das PJ-Tertial in der Neurologie bietet Studierenden die Möglichkeit, alle Bereiche des Fachgebietes kennenzulernen und dort praktisch zu arbeiten. Ziel ist es, einen umfassenden Einblick in die Tätigkeit des Neurologen zu erhalten und sich in dieser Zeit alle erforderlichen praktischen und theoretischen Kenntnisse anzueignen.

Einsatzbereiche

Während des Ausbildungsabschnittes besteht die Möglichkeit, in den folgenden Bereichen eingesetzt zu werden:

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  • 6-8 Wochen auf einer der neurologischen Normalstationen
  • 2-4 Wochen Stroke-Unit
  • 2-4 Wochen interdisziplinäre neurologisch-internistische Notaufnahme
  • Begleitende Einblicke in alle Bereiche der Neurologischen Funktionsdiagnostik (Duplexsonographie der Hirngefäße, EMG-Labor, EEG)

Aufgaben auf der Normalstation

Auf den neurologischen Normalstationen erhalten PJ-Studierende detaillierten Einblick in die Elektivmedizin und können ihre neurologischen Untersuchungsfertigkeiten unter Anleitung weiter ausbauen. Zu den typischen Aufgaben gehören:

  • Blutentnahmen
  • Teilnahme an der Visite
  • Aufnahmen von Patienten
  • Funktionstests
  • Hilfe beim Schreiben von Arztbriefen
  • Lumbalpunktionen (unter Anleitung)

Erfahrungen auf der Stroke Unit

Die Stroke Unit ermöglicht es PJ-Studierenden, die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten kennenzulernen. Hier können sie unter Supervision Patienten betreuen, untersuchen und Briefe schreiben üben.

Mitarbeit in der Notaufnahme

In der Notaufnahme können PJ-Studierende an der Schlaganfallakutversorgung im Schockraum teilnehmen und die restlichen Patienten begutachten. Sie können sich einen eigenen Patienten auswählen, den sie selbst befragen/untersuchen und dann mit einem Arzt besprechen, wie es weitergeht.

Kliniken und Krankenhäuser in Essen und Umgebung mit neurologischer Ausbildung

Neben dem Universitätsklinikum Essen bieten auch andere Kliniken und Krankenhäuser in Essen und Umgebung die Möglichkeit, das PJ in der Neurologie zu absolvieren. Im Folgenden werden einige dieser Einrichtungen vorgestellt:

Alfried Krupp Krankenhaus

Die Klinik für Neurologie am Alfried Krupp Krankenhaus bietet ein detailliertes Curriculum für das PJ-Tertial. Studierende lernen neben den neurologischen Normalstationen auch die Stroke Unit, die neurologische Rehabilitation, die Multiple Sklerose-Ambulanz und die Diagnostik kennen. Das Praktische Jahr wird durch repetierende Vorlesungen und Bedside Teaching abgerundet.

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St. Josef-Krankenhaus Essen-Werden

Das St. Josef Krankenhaus Essen-Werden ist ein Standort der Universitätsmedizin Essen (UME) und Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Duisburg-Essen. Durch die enge Zusammenarbeit der Fachkliniken und Zentren bietet es ein modernes, interdisziplinäres Arbeitsumfeld mit einem hohen medizinischen Standard.

Katholisches Klinikum Essen

Das Katholische Klinikum Essen ist Teil der Contilia mit Sitz in Essen. Es bietet PJ-Studierenden die Möglichkeit, an regelmäßigen fachspezifischen Fortbildungen teilzunehmen und durch erfahrene Fachärzte/innen sowohl Praxiserfahrungen als auch theoretische Kenntnisse vermittelt zu bekommen.

KEM I Evang. Kliniken Essen-Mitte

Die KEM I Evang. Kliniken Essen-Mitte gehören mit 3 Standorten, 22 Fachabteilungen, rund 1000 Planbetten und rund 2.500 Mitarbeitenden zu den medizinischen Spitzenversorgern der Region Ruhr. Als Akademisches Lehrkrankenhaus nehmen die KEM ihre Ausbildungsverantwortung sehr ernst.

Marienhospital Gelsenkirchen

Das Marienhospital Gelsenkirchen ist ein modernes Akut- und Unfallkrankenhaus mit aktuell 579 Betten und seit vielen Jahren ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Duisburg-Essen. Es ist Mitglied im Tumorzentrum Emscher Lippe mit den Schwerpunkten für Gynäkologie, Brustkrebs, Kopf-Hals-Krebs, Lungenkrebs, Darmkrebs und Uroonkologie.

Evangelische Kliniken Gelsenkirchen (EVK)

Die Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen (EVK) sind eine Einrichtung des Diakoniewerkes Gelsenkirchen und Wattenscheid e.V.. Der Klinikbetrieb ist geprägt von Teamgeist und interdisziplinärer Zusammenarbeit - die optimale Behandlung der Patienten wird durch Spezialisierungen gewährleistet.

AMEOS Klinika Oberhausen

Die AMEOS Klinika Oberhausen sind der größte Gesundheitsversorger in Oberhausen. Gemeinsam arbeiten über 1.800 Mitarbeiter/-innen an mehreren Standorten in drei Klinika mit rund 720 Betten, 14 Fachkliniken, drei Pflegezentren, mobilen Pflegediensten sowie einem Reha Zentrum für das Wohl der Menschen in der Region.

GFO Kliniken Niederrhein

Die GFO Kliniken Niederrhein führen als katholisches Krankenhaus der Regelversorgung an zwei Standorten jährlich ca. 18.000 stationäre und ca. 52.000 ambulante Behandlungsmaßnahmen durch. Als Akademisches Lehrkrankenhaus sehen sie ihre Aufgabe darin, den Studierenden eine optimale praxisnahe Ausbildung zu ermöglichen.

Evangelisches Krankenhaus (EvK) Herne und Castrop-Rauxel

Das Evangelische Krankenhaus (EvK) Herne und Castrop-Rauxel sind Teil der Ev. Krankenhausgemeinschaft Herne | Castrop-Rauxel gGmbH. In den Fachkliniken und Kurzzeitbehandlungszentren wird moderne Spitzenmedizin geboten.

Knappschaft Kliniken Bottrop

Die Knappschaft Kliniken Bottrop sind ein Akutkrankenhaus der Regelversorgung mit 12 Fachkliniken und 372 Betten. Sie bieten eine breite Grundausbildung mit einem großen Neurozentrum (Neurologie und Neurochirurgie mit angegliederter neurologischer Rehabilitationsklinik).

Klinikum Westmünsterland

Das Klinikum Westmünsterland ist seit 2012 Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Duisburg-Essen. Zum Klinikum Westmünsterland gehören sechs Krankenhausstandorte im Kreis Borken mit insgesamt 1.485 Planbetten in über 50 medizinischen Fachbereichen.

Stiftung Krankenhaus Bethanien für die Grafschaft Moers

Mit 510 Planbetten zählt das Bethanien-Krankenhaus als Haus der Schwerpunktversorgung mit seinen vier internistischen Kliniken, den fünf chirurgischen Kliniken, der Gynäkologie, Radiologie, Pädiatrie, den Lungen-, Darm-, Trauma-, Perinatal- und Brustzentren, den angeschlossenen onkologischen und radiotherapeutischen Praxen und dem Institut für Pathologie zu den größten Kliniken am Niederrhein.

Evangelisches Krankenhaus Mettmann

Das Evangelische Krankenhaus Mettmann wurde im Jahr 1874 in Trägerschaft der Evangelischen Kirche gegründet. Die Leitlinien des Hauses orientieren sich am christlichen Menschenbild und sind von Wertschätzung und Respekt im täglichen Miteinander geprägt.

St. Elisabeth-Krankenhaus Niederwenigern

Die Leistungsschwerpunkte am St. Elisabeth-Krankenhaus Niederwenigern sind Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik mit einem breiten Spektrum an State oft he Art Diagnostik und Behandlungsverfahren.

Klinikum Niederberg

Das Klinikum Niederberg wurde am 03. Juli 1978 in Betrieb genommen. Träger ist der "Zweckverband Klinikum Niederberg" der Städte Heiligenhaus und Velbert.

Klinikum Duisburg

Das Klinikum Duisburg ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Essen. Zurzeit kümmern sich rund 1.200 Beschäftigte um ca. 18.000 stationäre Patienten jährlich. Wir haben einen onkologischen Schwerpunkt und ein Perinatalzentrum. Weiterhin verfügen wir über ein Neuro-Zentrum.

Rhein-Maas Klinikum

Während des Neurologie-Tertials Ihres PJ werden Sie alle Bereiche des Fachgebietes kennen lernen und dort praktisch arbeiten.

PJ-Bewertungen und Erfahrungsberichte

Erfahrungsberichte von PJ-Studierenden können wertvolle Einblicke in die praktische Ausbildung in den verschiedenen Kliniken geben. Im Folgenden werden einige Bewertungen und Erfahrungsberichte zusammengefasst:

PJ Bewertung Neurologie bei Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH (KEH)

Das PJ Tertial in der Neurologie im KEH war eine schöne und lehrreiche Zeit: Zu Beginn erhielten wir vom CA ein Logbuch dessen Inhalte über die Zeit gelehrt/durchgeführt werden sollten. Es wurde monatlich mit dem CA besprochen, was noch fehlte und er war sehr bemüht, dass es am Ende vollständig war. In der ersten Zeit des Tertials waren wir (2 PJler) auf der Normalstation, wo der Betrieb durch die Corona Pandemie etwas eingeschränkt war (ohne viele elektive Aufnahmen). Jedoch wurden wir sehr schnell von den super netten Assistenzärzteninnen integriert. Morgens (Beginn:7:45) waren einige Blutentnahmen zu erledigen, aber das war überschaubar. Danach konnten wir an der Visite teilnehmen. Alle dort arbeitenden Ärzteinnen waren, auch wenn viel zu tun war, immer offen für Fragen, erklärten und zeigten gerne. Dienstag fand die CA Visite und Donnerstag OA Visite statt, die sehr interessant waren. Generell kann man sagen, dass es zu den Oberärzte eher flache Hierarchien gab, was sehr angenehm war. Außerdem war es möglich in die Epileptologie oder tageweise in die Schmerztagesklinik zu rotieren, um dort ein paar Einblicke zu bekommen, was die ärztliche PJ Beauftragte der Neuro alles wunderbar organisierte. Den zweiten Teil verbrachten wir im Wechsel auf der Stroke Unit und in der Rettungsstelle, wo es unter Supervision möglich war Patienten auch selbstständig zu betreuen, zu untersuchen und wenn man wollte auch das Briefeschreiben zu üben. Das war aber auf keinen Fall ein Muss, sondern diente eher dem eigenen Lerneffekt. Natürlich fielen auch alltägliche Dinge wie Flexülen legen, Aufklärungen und der ein oder andere Schellong Test an, aber man hätte nie das Gefühl nur dafür abgestellt zu sein! Bei Lumbalpunktionen wurde immer Bescheid gegeben und man konnte zusehen bzw. diese dann auch selbst durchführen.

Weitere positive Aspekte

  • Angenehme Atmosphäre im Ärzteteam
  • Engagierte und motivierte Ärzte, die den Studenten etwas beibringen möchten
  • Möglichkeit zur Rotation in verschiedene Bereiche (Epileptologie, Schmerztagesklinik, Elektrophysiologie, Angiologie)
  • Supervision und Möglichkeit zur selbstständigen Betreuung von Patienten
  • Gute Organisation des Tertials

Tipps für ein erfolgreiches PJ in der Neurologie

  • Engagement zeigen: Seien Sie engagiert und zeigen Sie Interesse an den Aufgaben und Herausforderungen des neurologischen Alltags.
  • Fragen stellen: Nutzen Sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen und von den erfahrenen Ärzten zu lernen.
  • Initiative ergreifen: Ergreifen Sie die Initiative und bieten Sie Ihre Hilfe an.
  • Teamfähigkeit beweisen: Arbeiten Sie gut mit Ihren Kollegen und dem Pflegepersonal zusammen.
  • Offen sein: Seien Sie offen für neue Erfahrungen und Herausforderungen.
  • Logbuch führen: Führen Sie ein Logbuch über Ihre Tätigkeiten und Lernerfolge.
  • Austausch suchen: Tauschen Sie sich mit anderen PJ-Studierenden aus und profitieren Sie von deren Erfahrungen.

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