Transitorische ischämische Attacke (TIA): Definition, Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine transitorische ischämische Attacke (TIA), oft auch als "Mini-Schlaganfall" bezeichnet, ist ein kurzzeitiges Ereignis, das durch eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn, im Rückenmark oder in der Retina verursacht wird. Obwohl die Symptome nur kurz anhalten und keine bleibenden Schäden verursachen, ist eine TIA ein ernstzunehmendes Warnsignal für ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Daher ist es wichtig, die Definition, Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten einer TIA zu kennen, um rechtzeitig handeln und das Risiko eines nachfolgenden Schlaganfalls minimieren zu können.

Was ist eine transitorische ischämische Attacke (TIA)?

Definition und Überblick

TIA ist die Abkürzung für transitorische ischämische Attacke. In der Medizin bezeichnet TIA eine plötzlich eintretende, vorübergehende Durchblutungsstörung (Ischämie). Sie kann im Gehirn auftreten, seltener auch im Auge oder im Rückenmark. Die TIA im Gehirn nennen Ärzte auch zerebrale transitorische Ischämie. Eine TIA wird auch als kleiner Schlaganfall oder Mini-Schlaganfall bezeichnet. Sie hat grundsätzlich die gleichen Risikofaktoren und Ursachen wie ein Schlaganfall. Im Gegensatz zum Schlaganfall verschwinden die Symptome einer TIA jedoch rasch wieder. Anhaltende Schäden bleiben nicht zurück.

TIA als Warnsignal

Auch wenn die Symptome einer TIA nur kurz anhalten und oft nicht sehr alarmierend sind: Eine transitorische ischämische Attacke ist ein ernst zu nehmendes Warnsignal für ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Bei etwa 10 Prozent der Fälle von zerebralen transitorischen ischämischen Attacken folgt innerhalb von Stunden, Tagen oder Wochen ein Schlaganfall. Daher ist es wichtig, eine TIA nicht zu ignorieren, sondern umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ursachen einer TIA

Vorübergehender Sauerstoffmangel

Transitorische ischämische Attacken werden durch einen vorübergehenden Sauerstoffmangel im Gehirn (bzw. im Rückenmark oder im Auge) hervorgerufen. Ohne Sauerstoff können die Nervenzellen nicht mehr funktionieren. Der Sauerstoffmangel ist aber nur so kurzfristig, dass sich die Zellen danach wieder erholen. Ursache des Sauerstoffmangels ist eine zeitweise Störung der arteriellen Durchblutung durch starke Verengung oder Verschluss eines Blutgefäßes.

Blutgerinnsel und Arteriosklerose

In den meisten Fällen wird die Durchblutungsstörung durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) oder durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) verursacht. Oft ist ein Blutgerinnsel (Thrombus) für den Verschluss des Blutgefäßes verantwortlich. Sehr oft stammen die Thromben aus den Herzgefäßen. Von dort wandern sie mit dem Blutfluss Richtung Gehirn und können in einer kleineren Arterie im Gehirn stecken bleiben und dort den Blutfluss blockieren (Mikro-Embolie). Auch infolge von Arteriosklerose entstandene Ablagerungen können sich lösen und ein Blutgefäß verlegen. Nicht selten stehen TIA und Schlaganfall in Zusammenhang mit einer durch Arteriosklerose verengten Halsschlagader (Karotisstenose). Im Gegensatz zum Schlaganfall löst sich die Blockade jedoch rasch wieder, und das Blut kann zunächst weiter fließen.

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Seltenere Ursachen

In mehr als einem Drittel der Fälle kann die Ursache einer TIA nicht mehr ermittelt werden. Ärzte halten es für möglich, dass in solchen Fällen auch krampfartige Verengungen der Blutgefäße, die beispielsweise im Zusammenhang mit Migräne auftreten, für die vorübergehende Blockade verantwortlich sein könnten. Seltenere Ursachen für zerebrale Ischämien sind:

  • Arteriitiden (z. B. Kollagenosen)
  • Spontane Intimadissektion
  • Vasospasmen (z. b. bei hypertensiver Krise oder schwerer Migräne)
  • Gefäßspasmen infolge Ergotamin-Einnahme
  • Fibromuskuläre Dysplasie

Symptome einer TIA

Ähnlichkeit mit Schlaganfallsymptomen

Die Symptome einer transitorischen ischämischen Attacke entsprechen denen eines Schlaganfalls. Sie sind allerdings oft nur mild ausgeprägt und immer kurzfristig: Sie bilden sich also von selbst zurück. Typischerweise setzen die Symptome einer transitorischen ischämischen Attacke plötzlich ein - und klingen dann meist innerhalb einer Stunde wieder ab. Im Mittel dauert ein Mini-Schlaganfall 10 bis 15 Minuten. In der Regel verschwinden die Symptome innerhalb einer Stunde vollständig. Es bleiben keinerlei Ausfallerscheinungen zurück.

Typische Symptome

Typische TIA-Symptome sind beispielsweise:

  • Halbseitige oder beidseitige Muskellähmungen
  • Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
  • Halbseitige oder beidseitige Störungen der Sinneswahrnehmung (Blindheit, Empfindungsstörungen der Haut wie Kribbeln oder Taubheit)
  • Sehen von Doppelbildern
  • Wortfindungsstörungen und Verlust des Sprachverständnisses: Sprachstörung (Aphasie), Sprechstörung (Dysarthrie)
  • Unfähigkeit zu schlucken oder zu sprechen

Wie fühlt sich ein Mini-Schlaganfall an?

Bei einer TIA treten keine Schmerzen auf. Die Anzeichen eines Mini-Schlaganfalls können sehr unauffällig sein. Manchmal fühlt sich ein Mini-Schlaganfall an, als seien die Muskeln in einer Hand kurzzeitig gelähmt, manchmal kommt es zu einem kurzen Schwindelanfall mit Sehstörungen. TIA-Symptome können aber auch sehr auffällig und beängstigend sein. In jedem Fall gilt: Bei Verdacht auf eine TIA sollten Sie sofort den Rettungsdienst alarmieren.

Risikofaktoren für eine TIA

Vergleichbare Risikofaktoren wie beim Schlaganfall

Die Risikofaktoren für eine transitorische ischämische Attacke entsprechen denen für einen Schlaganfall. Dazu gehören:

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  • Alter über 55 Jahre
  • Bei Familienmitgliedern sind bereits Schlaganfälle aufgetreten (positive Familienanamnese)
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Erhöhte Cholesterinwerte
  • Verengung der Halsschlagader infolge von Arteriosklerose
  • Herz- und Gefäßerkrankungen, insbesondere Vorhofflimmern

Beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren

Es wird differenziert zwischen (hauptsächlich) veränderbaren/ beeinflussbaren und nicht beeinflussbaren Risikofaktoren.

Hauptsächlich beeinflussbare Risikofaktoren:

  • Erhöhter Cholesterinspiegel (zu hohe LDL-Cholesterinwerte)
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Rauchen von Zigaretten und E-Zigaretten
  • Adipositas, besonders wenn sich das Fett in der Bauchregion konzentriert
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Mangelnde körperliche Aktivität
  • Stress
  • Ungesunde Ernährung (zu viele gesättigte Fette, Transfette, Zucker)
  • Konsum von Kokain oder Amphetaminen
  • Blutgerinnungsstörungen, die zu einer übermäßigen Gerinnung führen
  • Östrogentherapie, einschließlich oraler Verhütungsmittel

Faktoren, die Sie nicht beeinflussen können:

  • Schlaganfall oder TIA in der Vergangenheit
  • Alter (über 55 Jahre)
  • Angehörige, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben (genetische Prädisposition)
  • Männliches Geschlecht

Diagnose einer TIA

Notfallmäßige Abklärung

Transitorische ischämische Attacken und Schlaganfälle lassen sich im akuten Fall zunächst nicht unterscheiden. Deshalb ist jede TIA ein medizinischer Notfall und muss wie ein Schlaganfall rettungsmedizinisch versorgt werden. Bei einer akuten TIA werden die Betroffenen vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht. Oft werden Menschen mit TIA in eine auf Schlaganfallpatienten spezialisierte sogenannte Stroke Unit aufgenommen und streng überwacht, um einem möglicherweise nachfolgenden Schlaganfall vorzubeugen.

Diagnostische Verfahren

Die Diagnostik ist dann wie bei einem Schlaganfall, auch wenn sich die Patienten zu diesem Zeitpunkt in der Regel bereits wieder erholt haben. Zur Diagnostik gehören:

  • Eine Laboruntersuchung des Blutes (Ausschluss von Risikofaktoren)
  • Ein Elektrokardiogramm (EKG) und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens
  • Eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns
  • Eine Ultraschalluntersuchung der Blutgefäße, die das Gehirn versorgen

Auch wenn Sie erst einige Tage nach einer TIA zum Arzt gehen, werden Sie bei einem entsprechenden Verdacht zur Diagnostik und Schlaganfallvorbeugung in eine Klinik mit Schlaganfall-Einheit (Stroke-Unit) eingewiesen.

Schätzt der Hausarzt Ihr Schlaganfallrisiko als niedrig ein oder liegt das Ereignis mehr als zwei Wochen zurück, können die notwendigen Untersuchungen auch ambulant erfolgen.

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Ist eine TIA im MRT sichtbar?

Während und kurze Zeit nach einer TIA können die Zeichen der vorübergehenden Durchblutungsstörung im Gehirn in einem sogenannten diffusionsgewichteten MRT noch sichtbar sein. Da eine TIA keine Schäden im Gehirn hinterlässt, bleibt das MRT nach dieser Frist meist ohne Befund.

ABCD2-Score

Bei der Einschätzung, ob Symptome durch eine TIA verursacht wurden, setzen Ärzte häufig den sogenannten ABCD2-Score ein. In diesen Wert fließen folgende Risikofaktoren ein:

  • Alter (A)
  • Bluthochdruck (B)
  • Schwere der Symptome (C wie clinical features)
  • Dauer der Symptome (D)
  • Diabetes (zweites D)

Je mehr dieser Risikofaktoren zutreffen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie eine TIA gehabt haben und desto höher ist das Risiko, in der Folge einen Schlaganfall zu erleiden.

Therapie einer TIA

Behandlung der Risikofaktoren

Die TIA selbst bedarf keiner Behandlung, da die Symptome von selbst verschwinden. Wegen des erhöhten Risikos für einen nachfolgenden Schlaganfall sollte jedoch unbedingt eine Behandlung eingeleitet werden, die dieses Risiko minimiert. Dazu gehören:

  • Behandlung von Risikofaktoren: Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes
  • Medikamente, die die Bildung von Blutgerinnseln verhindern (Blutverdünner)
  • Ernährungs- und Lebensstiländerungen
  • Aufweitung einer verengten Halsschlagader: chirurgische Entfernung arteriosklerotischer Ablagerungen (Karotisendarterektomie) oder Einsetzen eines Implantats (Stent) zur Stabilisierung des Blutgefäßes.

Medikamentöse Therapie

Sofern Sie nicht bereits eine haben, wird die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt (fast) immer eine Therapie mit blutverdünnenden Medikamenten (=Antikoagulantien) einleiten. Die Blutverdünnung soll bewirken, dass die Bildung von Blutgerinnseln, die zur Blockade von Gefäßen führen können, verhindert wird. So kann einem erneuten Ereignis vorgebeugt werden.

Liegt als Vorerkrankung Vorhofflimmern vor, ist das Risiko für einen Schlaganfall nochmals deutlich erhöht. Eine entsprechende medikamentöse Behandlung ist hier essentiell, um das Risiko zu senken.

Lebensstiländerungen

Studien haben ergeben, dass rund 70% aller Schlaganfälle mit der richtigen Therapie und Präventionsmaßnahmen vermeidbar wären. Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung spielt der Wandel zu einem gesünderen Lebensstil hierbei eine entscheidende Rolle.

  • Rauchstopp: Rauchen schädigt die Gefäße und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, wie die Mittelmeerdiät, kann helfen, Cholesterin und Blutdruck zu senken.
  • Regelmäßige Bewegung: Bewegung fördert die Durchblutung und verbessert die Herzgesundheit.
  • Gewichtsreduktion: Übergewicht ist ein Risikofaktor für Bluthochdruck und Diabetes.
  • Stressabbau: Chronischer Stress belastet das Herz-Kreislauf-System.

Prognose nach einer TIA

Erhöhtes Schlaganfallrisiko

Eine TIA hat zunächst keine bleibenden gesundheitlichen Folgen. Sie ist jedoch ein klares Warnzeichen für ein erhöhtes Schlaganfallrisiko: Innerhalb von 90 Tagen nach einer TIA tritt in jedem fünften bis zehnten Fall ein Schlaganfall auf. Besonders kritisch sind die ersten beiden Tage: Ein Viertel bis die Hälfte der Schlaganfälle nach einer TIA passieren in dieser Zeit.

Lebenserwartung nach TIA

Eine TIA selbst ist nicht gefährlich, da sie keine bleibenden Schäden im Gehirn hinterlässt. Sie ist aber immer ein unbedingt ernst zu nehmendes Warnzeichen für die erhebliche Gefahr eines nachfolgenden Schlaganfalls. Damit bietet eine TIA die große Chance, durch sofortige Einleitung einer vorbeugenden Diagnostik und Behandlung das Schlaganfallrisiko zu verringern und den drohenden Schlaganfall abzuwenden.

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