Die Demenz, ein schleichender und unumkehrbarer Verlust der kognitiven Fähigkeiten, stellt für Betroffene und Angehörige eine enorme Herausforderung dar. Viele Menschen verbinden mit der Erkrankung ein Schreckensbild von Hilflosigkeit, Selbstverlust und Würdelosigkeit. In Deutschland lebten Ende 2021 fast 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Umso wichtiger ist es, einen menschenwürdigen Umgang mit dieser Krankheit zu finden. Erich Schützendorf hat sein Leben dieser Aufgabe gewidmet und wertvolle Beiträge zur Demenzforschung und zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz geleistet.
Erich Schützendorf: Ein Pionier der Geragogik
Erich Schützendorf, Jahrgang 1949, studierte Pädagogik, Psychologie und Soziologie. Bis zu seiner Pensionierung war er VHS-Direktor und Fachbereichsleiter für "Fragen des Älterwerdens" an der Volkshochschule des Kreises Viersen. Darüber hinaus war er Lehrbeauftragter für Soziale Gerontologie an der Hochschule Niederrhein und Dozent an Fachseminaren für Altenpflege. Seit über 40 Jahren beschäftigt er sich intensiv mit der Frage, wie man Menschen mit Demenz gelassen, entspannt und liebevoll begegnen kann. In der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie engagiert er sich in der Arbeitsgemeinschaft Geragogik.
Schützendorf ist ein begnadeter Vortragsredner, der sich wie kaum ein anderer in Menschen mit Demenz einfühlen kann. Sein Engagement gilt der Vermittlung von Wissen und praktischen Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Demenz.
Schwerpunkte seiner Arbeit
Schützendorfs Arbeitsschwerpunkte umfassen unter anderem:
- Die Entwicklung von Konzepten für eine wertschätzende Kommunikation mit Menschen mit Demenz: Er betont die Bedeutung von Einfühlung, Verständnis und Würdigung, um eine positive Beziehung zu den Betroffenen aufzubauen.
- Die Sensibilisierung für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz: Schützendorf plädiert dafür, die Welt der Betroffenen zu verstehen und sich auf ihre individuellen Bedürfnisse einzulassen.
- Die Unterstützung von Angehörigen und Pflegekräften: Er bietet praktische Hilfestellungen und Strategien für den Umgang mit den Herausforderungen des Pflegealltags.
- Die Förderung der Selbstbestimmung von Menschen mit Demenz: Schützendorf setzt sich dafür ein, dass Betroffene auch im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ihre Vorlieben und Wünsche äußern und ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können.
Publikationen und Vorträge
Erich Schützendorf hat zahlreiche Publikationen zum Thema Demenz veröffentlicht, darunter Bücher, Artikel und Ratgeber. Seine Werke zeichnen sich durch eine hohe Praxisrelevanz und eine verständliche Sprache aus. Darüber hinaus ist er ein gefragter Referent auf Fachtagungen und Fortbildungsveranstaltungen.
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Bedeutung seiner Arbeit
Erich Schützendorf hat mit seiner Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz und zur Entlastung ihrer Angehörigen geleistet. Sein Engagement hat dazu beigetragen, das Verständnis für die Erkrankung zu fördern und einen menschenwürdigen Umgang mit Betroffenen zu etablieren.
Konkrete Unterstützung im Alltag
Schützendorf zeigt Wege und Möglichkeiten auf, die die Kommunikation mit demenziell veränderten Angehörigen erleichtern. Er ermutigt dazu, auch unkonventionelle und auf den ersten Blick ungewohnte Wege zu gehen, die in der alltäglichen Kommunikation nicht so verbreitet sind.
Ein Beispiel: Wenn ein Angehöriger plötzlich Assoziationen äußert, rät Schützendorf dazu, diesen zu folgen, anstatt sie zu korrigieren. Auch Berührungen oder der gezielte Einsatz von Musik können genutzt werden, um eine positive Verbindung herzustellen und Freude zu bereiten.
"Ich lebe in meiner Welt" - Die Perspektive der Betroffenen
Monika Müller, M. A., Leiterin von ALPHA Rheinland, formuliert es treffend: "'Ich lebe in meiner Welt und ihr, ihr lebt in eurer Welt, berühren sie sich noch, meine und eure Welt? Oft bleibe ich am liebsten in meiner Welt sie reizt mich nicht mehr, eure Welt der Klugheit und Logik. Manchmal kommt ihr in meine Welt, wenn ihr mich pflegt, wenn ihr mir sagt, was gut sei für mich. Das strengt mich oft an, denn auch ihr seid oft angestrengt wenn ihr mir begegnet und das will ich nicht."
Diese Worte verdeutlichen die Notwendigkeit, sich in die Welt der Menschen mit Demenz einzufühlen und ihre Perspektive zu verstehen.
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Die "Lebensverfügung" für den Alltag
Viele Menschen sorgen mit Patientenverfügung oder Betreuungsvollmacht für den Fall vor, dass sie ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können. Selten denkt man jedoch an sein Recht auf Selbstbestimmung in Alltagsdingen. Die "Lebensverfügung" lenkt den Blick auf das tägliche Wohlbefinden: Möchte ich weiter Schokolade essen, auch mit Diabetes? Möchte ich mein Glas Wein am Abend trinken, auch wenn es nicht gesund ist? Möchte ich lieber unterhalten werden oder einfach meine Ruhe?
Demenz-Podcast: Informationen und Unterstützung für An- und Zugehörige
Der Demenz-Podcast bietet konkrete Unterstützung bei vielen Fragen von An- und Zugehörigen. Jede Sendung behandelt ein Thema und dauert etwa 30 Minuten. Autorin und Moderatorin ist Christine Schön, seit 25 Jahren Hörfunkautorin mit Schwerpunkt Alter und Demenz und Redakteurin der Sendungsreihe Hörzeit - Radio wie früher für Menschen mit Demenz.
Der Podcast gibt Tipps, wie man angemessen reagieren kann, wenn sich ein Mensch mit Demenz verändert - wenn er oder sie zum Beispiel aggressiv wird oder ängstlich, anhänglich oder misstrauisch. Auch rechtliche Aspekte werden angesprochen - wie ist das mit Vollmachten, mit dem Schwerbehindertenausweis, mit der rechtlichen Betreuung bei Geschäftsunfähigkeit.
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