Extreme Verspannung, rechte Schulter, rechte Gesichtshälfte, Migräne: Ursachen und Behandlungsansätze

Migräne und Kopfschmerzen, oft begleitet von Verspannungen, sind weit verbreitete Beschwerden, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Insbesondere extreme Verspannungen im Bereich der rechten Schulter, der rechten Gesichtshälfte und Migräneattacken können komplexe Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser Beschwerden, von den möglichen Ursachen bis hin zu den vielfältigen Therapieansätzen.

Einführung

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Befindlichkeitsstörungen. Es ist nicht ungewöhnlich, hin und wieder Kopfschmerzen zu haben. Hierbei ist es wichtig, zwischen primären (idiopathischen) und sekundären (symptomatischen) Kopfschmerzen zu unterscheiden. Sekundäre Kopfschmerzen werden durch andere Erkrankungen wie Tumore, Traumata, Blutungen oder Entzündungen hervorgerufen. Es ist die Aufgabe des Arztes, eine richtige Diagnose zu stellen und eine wirkungsvolle Therapie zu erarbeiten.

Ursachen von Verspannungen, Gesichtsschmerzen und Migräne

Spannungskopfschmerzen und Verspannungen

Charakteristisch für Spannungskopfschmerzen ist ein beidseitiges, starkes Druckgefühl im gesamten Kopf, das sich vom Nacken bis in die Stirn ziehen kann. Der Schmerz wird meist als dumpf, drückend oder ziehend beschrieben, oft verbunden mit dem Gefühl, einen zu engen Hut zu tragen oder den Kopf in einen Schraubstock eingespannt zu haben.

Handelt es sich tatsächlich um Beschwerden, die mit Verspannungen in Zusammenhang stehen, ist sowohl die Dauer als auch die Häufigkeit sehr unterschiedlich. Einzelne Schmerzphasen können von einer halben Stunde bis zu einer Woche anhalten, wenn sie nicht behandelt werden. Treten solche Schmerzen in unregelmäßigen Abständen und nur ab und zu auf, handelt es sich um einen episodischen Verlauf. Von einer chronischen Verlaufsform spricht man, wenn die Schmerzen seit mindestens drei Monaten an mindestens 15 Tagen im Monat an mehr als 180 Tagen pro Jahr auftreten.

Verspannungen im Kopf- und Gesichtsbereich sind für "CMD-Patienten" häufig so normal, dass die Betroffenen sie selbst gar nicht mehr wahrnehmen. Regelmäßig werden Physiotherapeuten und Osteopathen aufgesucht. Hier beginnen die Beschwerden und Verspannungen im Bereich der Kieferöffner- und Kieferschließermuskeln und setzen sich dann über den Halsschulternackengürtel bis in den Bereich der unteren Extremitäten fort. Das nennt man dann "Absteigende Symptomatik"! Besonders charakteristisch im Bereich der Kiefermuskulatur ist die deutlich erkennbare Dysfunktion, die sich dadurch äußert, dass die Patienten nicht mehr in der Lage sind ihre Muskulatur gezielt einzusetzen und anzusteuern.

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Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung und entsteht nicht durch ein stressiges Leben. Migräne, insbesondere die chronische Migräne, ist kein simpler Kopfschmerz, sondern eine der schlimmsten Schmerzzustände, die Menschen heimsuchen. Sie zählt zu den schwersten Behinderungen, insbesondere von Frauen. So bestehen nicht nur die typischen meist einseitigen, stechenden, hämmernden, pulsierenden Kopfschmerzen - nein, der gesamte Körper ist in Mitleidenschaft gezogen. Viele sind bettlägerig und fühlen sich schwer krank.

Neben den typischen pochenden Kopfschmerzen kann eine Migräne u.a. auch Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder im Zahnbereich verursachen. Menschen, die wiederholt unter derartigen Beschwerden leiden, sollten sie unbedingt von einem Nervenarzt oder Neurologen abklären lassen.

Erklären lässt sich der Zusammenhang zwischen Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen durch eine Verbindung zwischen dem Trigeminusnerv, der für die Wahrnehmung von Schmerzen im Gesicht, dem vorderen Kopf und den Hirnhäuten zuständig ist, und dem großen Hinterhauptsnerv, der am Hinterkopf und Nacken verläuft. Ausläufer beider Nerven treffen im Gehirn zusammen. Kommt es Migräne-bedingt zu einer verstärkten Aktivität des Trigeminusnervs, können über die Verbindung auch Schmerzen im Nacken und Hinterkopf auftreten.

Gesichtsschmerzen

Gesichtsschmerzen sind Schmerzen, die bevorzugt im Bereich von Nase, Augen, Mund und Kinn auftreten. Die Schmerzen können unterschiedlich intensiv sein und eine oder beide Gesichtshälften betreffen. Je nach Dauer und Ursache der Schmerzen unterscheidet man verschiedene Formen von Gesichtsschmerz. Häufig lösen Probleme mit den Nerven Gesichtsschmerzen aus. Solche Schmerzen schießen meist blitzartig ein und fühlen sich bohrend an.

Mögliche Ursachen für Gesichtsschmerzen sind:

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  • Fehlfunktionen des Kauapparats (kraniomandibuläre Dysfunktionen)
  • Zähneknirschen (Bruxismus); ausstrahlende Zahnschmerzen
  • Gürtelrose (Herpes zoster)
  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • Grüner Star (Glaukom)
  • bestimmte Kopfschmerzarten
  • Erkrankungen von Gehirn und Rückenmark wie Multiple Sklerose
  • nach einem Schlaganfall
  • Geschwulsterkrankungen im Gehirn, zum Beispiel Hirntumoren
  • Verletzungen am Kopf
  • Operationen im Gesicht
  • Schäden an der Wirbelsäule
  • Muskelverspannungen im Nacken und der Schulter
  • Zungenbrennen
  • Sehnerv-Entzündung (Optikusneuritis)
  • das Tolosa-Hunt-Syndrom: seltene Schmerzerkrankung im Augenbereich

Zervikogene Kopfschmerzen

Zervikogene Kopfschmerzen beginnen am Hinterkopf und breiten sich über den Kopf nach vorn aus. Die Ursache dafür ist eine Erkrankung im Bereich der Halswirbelsäule. Der Schmerz entsteht durch die Reizung einer sensiblen Nervenwurzel eines oberen Halswirbels, die den Hinterkopf und Nacken versorgt. Über Nervenverbindungen strahlt der Schmerz weiter nach vorn aus.

Die Reizung kann hervorgerufen werden durch:

  • Entwicklungsstörungen am Übergang zwischen Wirbelsäule und Schädel
  • Tumoren im Bereich des Übergangs zwischen Wirbelsäule und Schädel oder der oberen Halswirbelsäule
  • Morbus Paget des Schädels - eine Knochenerkrankung, die zu Verformungen führt und sich auf die Halswirbel auswirken kann.
  • rheumatoide Arthritis der oberen Halswirbelsäule
  • Morbus Bechterew - eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule
  • Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule (zervikale Spondylose)
  • Knochenbruch der oberen Halswirbelsäule
  • Schleudertrauma
  • eine bakterielle Infektion der oberen Wirbelkörper (Osteomyelitis)
  • Verletzungen oder degenerative Veränderungen (Verschleißerscheinungen) der Gelenke der oberen Halswirbeleine Sehnenentzündung im Halsbereich (retropharyngeale Tendinitis)
  • eine Störung der Muskelspannung im Halsbereich (Dystonie)

Diagnose

Um die genaue Ursache der Beschwerden zu ermitteln, ist eine gründliche Diagnose notwendig. Dazu gehört:

  • Anamnese: Der Arzt wird eine ausführliche Anamnese durchführen, um die Symptome und die Vorgeschichte des Patienten zu erfassen.
  • Körperliche Untersuchung: Eine körperliche Untersuchung von Kopf, Hals, Wirbelsäule und Schulter wird durchgeführt, um die Beweglichkeit der Halswirbelsäule, Verhärtungen der Muskulatur, Druckempfindlichkeit oder Schmerzen bei bestimmten Bewegungen zu überprüfen.
  • Bildgebende Verfahren: Um mögliche Ursachen näher abzuklären, werden u. U. bildgebende Verfahren verwendet (Röntgen/CT/MRT).
  • Neurologische Untersuchung: Neurolog*innen können die Signalübertragung eines gereizten Nervs mit einer Injektion von Kortison oder Mitteln zur örtlichen Betäubung in Nerven am Hinterkopf oder in Gelenke der Halswirbelsäule blockieren. Nehmen die Kopfschmerzen dadurch ab, so handelt es sich um zervikogenen Kopfschmerz.
  • Kopfschmerztagebuch: Ein Kopfschmerztagebuch kann Ihnen helfen, Auslöser für Ihre Attacken zu finden.

Therapieansätze

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Es gibt sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Behandlungsansätze.

Medikamentöse Therapie

  • Akuttherapie: Für die Akuttherapie existieren wirkungsvolle Medikamente. Eine Migräneattacke mit leichten bis mittelgradigen Schmerzen kann mit rezeptfreien Wirkstoffen behandelt werden, wie Ibuprofen, ASS oder Paracetamol. Bei schweren Migräne-Attacken können so genannte Triptane angewandt werden. Schmerzmittel können nach Absprache mit dem Facharzt mit Arzneien gegen Übelkeit kombiniert werden, um solche häufigen Begleiterscheinungen der Migräne zu lindern.
  • Prophylaxe: Falls mehr als drei Attacken im Monat auftreten oder die Attacken jeweils sehr lange dauern kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein. Etabliert für die medikamentöse Migräneprophylaxe sind u.a. Betablocker und das Epilepsiemedikament Topiramat. In Zukunft wird möglicherweise eine neue Generation von Substanzen, so genannte monoklonale Antikörper, für die Migränetherapie zur Verfügung stehen.
  • Off-Label-Therapie: Für den zervikogenen Kopfschmerz selbst gibt es bislang keine wirksame Therapie - nach Möglichkeit wird die zugrunde liegende Ursache behandelt. Arzneimittel, die ohne eine Zulassung für zervikogenen Kopfschmerz verwendet werden (Off-Label-Therapie), sind: Schmerzmittel wie Ibuprofen, Medikamente, die die Muskeln entspannen und dadurch Schmerzen lindern sollen (Muskelrelaxanzien), bestimmte Antidepressiva und Krampflösende Wirkstoffe (Antikonvulsiva), die eigentlich zur Behandlung von Epilepsie dienen.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie: Physiotherapie steht dabei ganz oben, um die Muskeln wieder weich zu machen.
  • Manuelle Therapie:
  • Entspannungstechniken: Entspannungsmethoden wie Yoga oder Muskelrelaxation nach Jacobson können helfen, Stress zu reduzieren.
  • Verhaltenstherapie: Verhaltenstherapeutische Ansätze können das Auftreten und die Stärke von Migräne-Anfällen reduzieren. Diese Verfahren verbinden Entspannungstechniken mit Stress- und Reizverarbeitungstrainings und können Migräne abwenden, die durch Stress und Anspannung hervorgerufen wird.
  • Biofeedback: Mit dieser Methode kann der Migräniker erlernen, seine unbewusst ablaufenden Prozesse, wie Anspannung im Körper oder die Weite der Gefäße im Kopf zu beeinflussen.
  • Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes: Am Arbeitsplatz sollten Sie darauf achten, dass die Höhe von Schreibtisch, Stuhl und Computer richtig eingestellt ist.
  • Hausmittel: Bei Kopfschmerzen an Stirn und Schläfe können Hausmittel wie Pfefferminzöl Linderung bringen. Manchem Betroffenen, der nach langem Sitzen am Schreibtisch der Kopf wehtut, hilft aber auch eine Kälteanwendung.
  • Regelmäßiges körperliches Training und Stressabbau: Regelmäßiges körperliches Training und Stressabbau können eine Migräne sehr positiv beeinflussen. Gemäßigter Ausdauersport kann prophylaktisch wirken und wird auch oft betrieben in schmerzfreien Zeiten.
  • Vermeidung von Triggern: Dabei spielt es eine große Rolle, die individuellen Auslöser (Trigger) der Kopfschmerz-Attacken zu kennen uns sie im Alltag soweit möglich zu meiden. Wenn Lebensmittel die Trigger für Ihre Beschwerden sind, versuchen Sie, darauf zu verzichten. Achten Sie außerdem darauf, ausreichend zu schlafen.

Die Rolle der Neurologisch-Verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel

Die Neurologisch-Verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr.med. Dipl.Psych. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, alle Kopfschmerzen, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.

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Für die Aufnahme in die Klinik sind folgende Schritte notwendig:

  1. Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
  2. Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
  3. Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
  4. Alle Unterlagen und zusätzlich Kopien aller relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift gesendet.

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