Mit zunehmendem Alter oder aufgrund verschiedener Faktoren wie ungesunder Ernährung, Stress oder bestimmten Erkrankungen kann die Funktion der Synapsen, den Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen, beeinträchtigt werden. Dies kann sich in Form von Gedächtnisproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten oder sogar neurologischen Erkrankungen äußern. Glücklicherweise gibt es natürliche Wege, um die Synapsenfunktion zu verbessern und die Gesundheit des Gehirns zu fördern.
Die Bedeutung von Vitalstoffen für das Nervensystem
Vitalstoffe, darunter Mikronährstoffe und organische Verbindungen, spielen eine entscheidende Rolle für die Gesundheit des Nervensystems. Der menschliche Körper kann diese Stoffe nicht oder nur unzureichend selbst synthetisieren, weshalb sie über die Nahrung zugeführt werden müssen. Ein Mangel an Vitalstoffen kann zu Beeinträchtigungen der peripheren Nerven oder der Gedächtnisfunktion bis hin zur Demenz führen.
Nahrungsergänzungsmittel: Segen oder Risiko?
Nahrungsergänzungsmittel (NEM) werden häufig eingesetzt, um dem Körper Vitalstoffe zuzuführen. Sie sind jedoch nicht für jeden notwendig. Für gesunde Menschen mit einer abwechslungsreichen, obst- und gemüsereichen Ernährung sind NEM aus ernährungsphysiologischer Sicht in der Regel nicht erforderlich.
Warnung vor unselektiver Supplementierung:
Eine unselektive Supplementierung ohne detaillierte Diagnostik ist nicht ratsam. Nahrungsergänzungsmittel können bei nachweislichen Nährstoffdefiziten, Risikogruppen oder in bestimmten Lebensphasen mit erhöhtem Nährstoffbedarf sinnvoll sein. Eine Langzeitstudie aus dem Jahr 2011 deutete darauf hin, dass eine Supplementierung nicht immer nur positive Auswirkungen hat und mit einer Erhöhung der Gesamtmortalität verbunden sein kann.
Polyneuropathie (PNP): Wenn die Nerven verrückt spielen
Die ausreichende Versorgung mit Vitalstoffen spielt auch bei der Polyneuropathie (PNP) eine entscheidende Rolle. Typische Symptome der PNP sind Taubheitsgefühle an Füßen und Händen. Ursachen können Medikamente, ein ungünstiger Lebensstil, ungesunde Ernährungsgewohnheiten, Operationen, Alkoholkrankheit oder Diabetes sein.
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Therapeutische Aspekte bei PNP
- Durchblutungsförderung und Versorgung mit Antioxidanzien, Aminosäuren, Elektrolyten und Vitaminen: Diese Faktoren sind wichtig für die Funktion von Muskeln und Nerven und können durch verschiedene NEM unterstützt werden.
- Ginkgo Biloba: Zeichnet sich durch protektive Faktoren und eine antioxidative sowie durchblutungsfördernde Wirkung aus.
- α-Liponsäure: Hat einen gewissen Stellenwert in der Behandlung der PNP erlangt, insbesondere bei diabetischer Neuropathie.
- Magnesium und Zink: Spielen eine wesentliche Rolle bei der Therapie der PNP, insbesondere in Kombination mit Antioxidanzien.
PNP: Ursache Mangelernährung
Eine Unterversorgung mit Vitamin B12 und Vitamin B6 ist eine häufige Ursache der idiopathischen PNP. Ursachen für eine Unterversorgung mit Vitaminen können Alkohol, Nerven- und Magenschutzpräparate, Medikamente, Magenverkleinerungen, chronische Magenerkrankungen oder das Kurzdarmsyndrom sein.
Wichtig: Eine Selbstmedikation mit Vitamin-B-Präparaten kann zu einer Überdosierung führen, die eine schmerzhafte sensible Polyneuropathie auslösen kann.
Kampf gegen das Vergessen: Vitalstoffe für kognitive Fähigkeiten im Alter
Vitalstoffe sind auch für die Sicherung der kognitiven Fähigkeiten im Alter von Bedeutung. In Österreich leiden ca. 130.000 Menschen an einer Demenz und ca. 500.000 Personen an leichten kognitiven Beeinträchtigungen (Mild Cognitive Impairment, MCI).
Brainfood: Ginkgo Biloba und Ginseng
Jüngste Metaanalysen zeigten signifikant niedrigere Plasmaspiegel von Vitamin A, D, E, Folsäure, Vitamin B12 und Zink bei Alzheimerpatienten. Neun Fallkontrollstudien von Alzheimerpatienten zeigten übereinstimmend reduzierte Folsäure- und Vitamin-B12-Spiegel, welche mit einem erhöhten Homocysteinspiegel verbunden waren.
Wichtig: Im frühen Stadium der Alzheimerkrankheit sind bereits bis zu 40 % der zerebralen Synapsen geschädigt. Hier könnten medizinische Nahrungsergänzungsmittel einen günstigen sekundärpräventiven Effekt aufweisen. Zum Erhalt kognitiver Fähigkeiten sind ein gut ausgewogener Ernährungszustand mit einem hohen Anteil an Vitamin B12, Folsäure und Vitamin E ebenso wichtig wie eine gute Durchblutung des Gehirns, die durch Ginkgo Biloba und Ginseng gefördert wird.
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Orthomolekulare Medizin zur Demenz-Prävention
Die orthomolekulare Medizin setzt auf die Versorgung des Körpers mit optimalen Konzentrationen natürlicher Mikronährstoffe, um Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Besonders in der Prävention und Behandlung chronischer Erkrankungen - einschließlich neurodegenerativer Krankheiten - setzt die orthomolekulare Medizin auf hochwertige Vitalstoffe in teils hohen Dosierungen, stets unter individueller Anpassung an den Bedarf des Patienten.
Alzheimer verstehen: Pathophysiologie und Angriffspunkte für Mikronährstoffe
Alzheimer-Demenz ist eine komplexe neurodegenerative Erkrankung, bei der über Jahrzehnte schleichend Gehirnzellen absterben und geistige Fähigkeiten verloren gehen. Mikronährstoffe können an verschiedenen Stellen dieser Krankheitsentwicklung ansetzen:
- Antioxidativer Schutz: Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Carotinoide und Selen neutralisieren freie Radikale und schützen die Zellen.
- Entzündungshemmung: Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D und bestimmte Pflanzenstoffe haben antientzündliche Effekte im Nervensystem.
- Homocystein und Gefäßgesundheit: B-Vitamine senken den Homocysteinspiegel und verlangsamen den Hirnabbau.
- Energiehaushalt und Insulinsignalwege: B-Vitamine, Coenzym Q10, Magnesium und L-Carnitin unterstützen den Energiestoffwechsel der Zellen.
- Neurotransmitter und Synapsen: Vitamine und Aminosäuren sind Bausteine für Neurotransmitter.
- Amyloid-Clearance: Vitamin D fördert die Aufnahme und den Abbau von Amyloid-β durch Immunzellen.
Wichtigste Mikronährstoffe zur Demenz-Prävention
- B-Vitamine (B₆, B₁₂, Folsäure): Schützen Nervenzellen, senken Homocystein und beugen Hirnatrophie vor.
- Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA): Entzündungshemmende „Brain Food“-Fette, essentiell für Hirnmembranen und Synapsen.
- Vitamin D: Wichtig für Immunfunktion und Schutzmechanismen im Gehirn.
- Antioxidantien (Vitamin C, E, Selen): Neutralisieren freie Radikale im energiehungrigen Gehirn.
- Magnesium: Wichtig für die Signalübertragung zwischen Gehirnzellen und Gedächtnisbildung.
- Zink & Selen: Spurenelemente, essentiell für Wachstum und Reparatur von Nervenzellen.
- Coenzym Q10 & L-Carnitin: Unterstützen die Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle).
- Lithium (Spurenelement): Könnte das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen.
B-Vitamine (B₆, B₉, B₁₂): Homocystein senken, Gehirn schützen
B-Vitamine sind Schlüsselstoffe für das Nervensystem. Sie werden für die Myelinisierung, die DNA-Reparatur und die Bildung von Neurotransmittern benötigt. Gemeinsam wandeln sie das Zellgift Homocystein in Methionin bzw. Cystein um.
Ein Überschuss an Homocystein wirkt gefäßschädigend und ist neurotoxisch. In der VITACOG-Studie schrumpfte das Gehirn (Hippocampusregion) in der B-Vitamin-Gruppe um 30% langsamer als in der Placebogruppe - bei den Patienten mit erhöhtem Homocystein.
Praxis: Im Rahmen der Demenzprävention wird empfohlen, bei Erwachsenen (insbesondere ab 50+) den Homocysteinwert im Blut bestimmen zu lassen. Ist dieser erhöht (>10-12 µmol/L), sollte nach Rücksprache mit dem Arzt eine B-Vitamin-Supplementierung erfolgen.
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Wichtig: Vitamin B₁₂ sollte im Alter regelmäßig kontrolliert werden - schätzungsweise 10-30% der Senioren haben einen Mangel, der zu irreversiblen Nervenschäden führen kann.
Weitere Nahrungsergänzungsmittel zur Verbesserung der Synapsenfunktion
Neben den bereits genannten Vitalstoffen gibt es weitere Nahrungsergänzungsmittel, die zur Verbesserung der Synapsenfunktion beitragen können:
- Citicolin: Kann bei geistiger Erschöpfung und Konzentrationsproblemen helfen und die Neuroplastizität fördern.
- L-Tyrosin: Unterstützt den Organismus in Situationen mit erhöhtem Bedarf an Neurotransmittern und kann die Dopamin- und Noradrenalinproduktion ankurbeln.
- Brahmi: Steigert die Acetylcholin-Aktivität und schützt das Gehirn durch ihre antioxidative Wirkung vor freien Radikalen.
- Löwenmähne: Fördert die Neurogenese und die Verbesserung von Gedächtnis und Konzentration.
- Rhodiola: Reguliert den Cortisolspiegel und fördert auf diese Weise mehr Gelassenheit.
- Acetyl-L-Carnitin: Verbessert die mentale Energie und Aufmerksamkeit, fördert die Acetylcholinproduktion und schützt Nervenzellen vor oxidativem Stress.
- Huperzin A: Steigert die Verfügbarkeit von Acetylcholin und verbessert das Arbeitsgedächtnis und Reaktionsvermögen.
- Omega-3-Fettsäuren (DHA): Sind essenzielle Bestandteile der Zellmembranen im Gehirn und unterstützen die Nervenzellkommunikation und Stimmung.
- Ginkgo Biloba: Fördert die Durchblutung des Gehirns und kann die geistige Klarheit im Alter erhalten.
Der Einfluss des Lebensstils auf die Synapsenfunktion
Neben der Ernährung und der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln spielt auch der Lebensstil eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Gehirns und die Funktion der Synapsen.
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Fördert die Durchblutung des Gehirns und die Produktion von Neurotransmittern.
- Geistige Herausforderungen: Fordern das Gehirn heraus und fördern die Bildung neuer Synapsen.
- Ausreichend Schlaf: Ermöglicht dem Gehirn, sich zu regenerieren und neue Informationen zu verarbeiten.
- Stressmanagement: Chronischer Stress kann das Gehirn negativ beeinflussen.
- Soziale Interaktion: Soziale Kontakte und Interaktion sind gut für die Seele und das Gehirn.
BDNF: Ein Wachstumsfaktor für das Gehirn
BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) ist ein Protein, das die Gehirnfunktion und das periphere Nervensystem beeinflusst. Es verhindert das Absterben vorhandener Gehirnzellen und fördert das Wachstum neuer Neuronen und Synapsen.
Tipps zur Erhöhung des BDNF-Spiegels
- Sonne: Sonnenlicht fördert die Vitamin-D-Produktion, die den BDNF-Spiegel beeinflusst.
- Sport: Regelmäßiger und intensiver Sport kurbelt die BDNF-Produktion an.
- Intermittierendes Fasten: Kann die Synthese des Proteins BDNF um ein Vielfaches steigern.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, hochwertigem Fleisch, gesunden Fetten, Obst und Nüssen stärkt das Gehirn.
- Supplemente: Curcumin, Grüner Tee und Omega-3-Fettsäuren können die BDNF-Produktion unterstützen.
Omega-3-Fettsäuren: Essenzielle Nährstoffe für das Gehirn
Omega-3-Fettsäuren sind essenzielle Nährstoffe, die dazu beitragen können, die kognitiven Funktionen zu verbessern, Entzündungen zu verringern und das Gehirn vor altersbedingten Schäden zu schützen. Sie unterstützen die Gesunderhaltung der Zellmembranen und verbessern die Kommunikation zwischen den Zellen.
Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren können über die Nahrung (Kaltwasserfische, Leinsamen, Chiasamen, Walnüsse) oder über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden.
Bedarf an Omega-3-Fettsäuren
Gesunde Menschen im Erwachsenenalter sollten laut Experten täglich 200mg bis 5g Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen.
Brainfood: Optimale Ernährung für das Gehirn
Brainfood sind Lebensmittel und Speisen, die dem Gehirn die optimale Nährstoffkombination für eine reibungslose Funktion liefern sollen. Die bestmögliche Ernährung für das Gehirn ist bunt und abwechslungsreich mit viel Obst und Gemüse, hochwertigen pflanzlichen Ölen, Vollkorngetreide, Nüssen, Samen sowie hin und wieder Fleisch oder Fisch.
Wichtige Nährstoffe für das Gehirn
- B-Vitamine (B6, B9, B12): Beeinflussen die Botenstoffe im Gehirn positiv.
- Eisen: Unterstützt eine optimale Signalweiterleitung im Gehirn.
- Jod: Unabdingbar für Nervenzellen.
- Ungesättigte Fettsäuren: Wichtig für die Gesundheit der Synapsen und für die Gehirnleistung.
Neuroplastizität: Die Superkraft des Gehirns
Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, sich an neue Situationen anzupassen und neue Verbindungen zwischen Nervenzellen zu bilden. Durch regelmäßige Stimulation und Herausforderungen kann die Neuroplastizität gefördert und die Synapsenfunktion verbessert werden.
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