Ursachen von Nervenschmerzen und Hinken: Ein umfassender Überblick

Einseitiges Hinken ist oft ein Versuch, Schmerzen in Bein, Hüfte oder Rücken zu vermeiden. Betroffene verlagern dabei möglichst wenig Gewicht auf die schmerzende Seite, heben das Bein schnell an und „fallen“ auf die gesunde Seite. Allerdings kann Hinken auch selbst Schmerzen verursachen, beispielsweise bei unterschiedlichen Beinlängen. Neben Schmerzen gibt es zahlreiche weitere Ursachen für einseitiges Hinken und Gangstörungen, darunter neurologische Erkrankungen.

Neurologisch bedingtes Hinken

Bei neurologisch bedingtem Hinken kann die Art der Gangstörung oft Hinweise auf die Ursache geben. Ein Beispiel ist der „Steppergang“, bei dem die Fußspitze beim Gehen hängt, weil der Nervus peroneus geschädigt ist. Dieser Nerv steuert die Muskeln, die den Fuß anheben. Um dies auszugleichen, heben Betroffene das Knie beim Gehen stärker an.

Symptome und mögliche Ursachen

Hinken kann in Verbindung mit verschiedenen Symptomen auftreten, die auf unterschiedliche Ursachen hinweisen:

  • Hinken mit Kreuzschmerzen, Gesäß- und/oder Beinschmerzen (Ischiasschmerz): Mögliche Ursachen sind Druck auf eine Nervenwurzel oder Nerven, Erkrankungen der Hüfte, des Knies oder des Fußes. Die Beschwerden treten oft nach dem Aufstehen, bei Gehbeginn und nach längeren Gehstrecken auf.
  • Zunehmendes Hinken mit Fuß-, Bein- und/oder Gesäßschmerzen nach längeren Gehstrecken: Dies kann auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) hindeuten, bei der die Blutgefäße verengt sind und die Durchblutung des Beins beeinträchtigt ist. Blasse Haut, Kältegefühl und Taubheitsgefühl können ebenfalls auftreten.
  • Hinken mit sichtbarem Schiefstand des Beckens und Schmerzen an Kreuz, Hüfte oder Beingelenken: Eine Beinlängendifferenz von mehr als 2 cm, Verletzungen, Lähmungen oder Operationen an Hüfte und Bein können die Ursache sein.
  • Unregelmäßiger, breitbeiniger Gang mit Schwanken und Fallneigung zu einer Seite, oft Unsicherheit beim Greifen: Dies kann auf einen Kleinhirnschaden hindeuten.
  • Plötzlich auftretendes Hinken mit Schwäche in einem Bein oder Fuß, Kribbeln und/oder Taubheitsgefühl an der gleichseitigen Körperhälfte: Ein Schlaganfall könnte die Ursache sein.
  • Plötzlich auftretendes Hinken mit Schwäche in einem Bein oder Fuß und Kreuzschmerzen, oft Schmerzen, Kribbeln und/oder Taubheitsgefühl in Gesäß und/oder Bein: Dies kann auf eine Reizung oder Kompression des Ischiasnervs hindeuten.
  • Verschiedene, wechselnde Gangstörungen: Diese können auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sein.

Polyneuropathie als Ursache von Nervenschmerzen

Eine häufige Ursache für Nervenschmerzen und Hinken ist die Polyneuropathie. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die durch Funktionsstörungen von Nervengruppen im peripheren Nervensystem gekennzeichnet ist. Betroffen sind Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks, besonders häufig in den Gliedmaßen, aber auch in den inneren Organen. In der medizinischen Literatur sind über 300 verschiedene Ursachen für Polyneuropathie beschrieben.

Symptome der Polyneuropathie

Die Symptome einer Polyneuropathie können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nervenarten betroffen sind:

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  • Schädigung der sensiblen Nerven: Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühl oder stechende Schmerzen, oft beginnend an Zehen und Fingern. Die Rückmeldung der Nerven auf Druck und Temperatur sowie der Tastsinn sind eingeschränkt. Weitere Symptome sind Druck- oder Engegefühl, Kribbeln, stechende Schmerzen, ausbleibendes Schmerzgefühl bei Verletzungen, eingeschränktes Tastgefühl, Gangunsicherheit, brennende Schmerzen in den Füßen (Burning-Feet-Syndrom).
  • Schädigung der motorischen Nerven: Bewegungseinschränkungen bis zu Lähmungen, unwillkürliches Zucken von Muskelpartien, Krämpfe der Muskulatur, Muskelschwäche, verminderte Belastungsfähigkeit, langfristig auch Muskelschwund.
  • Schädigung der autonomen Nerven: Störungen von Körperfunktionen, die nicht der willentlichen Steuerung unterliegen, wie Verdauungsstörungen, Schwindel, Ohnmacht, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen, Geschwüre, Wassereinlagerungen im Körper, Impotenz oder herabgesetzte Schweißbildung.

Ursachen der Polyneuropathie

Eine Polyneuropathie kann verschiedene Ursachen haben:

  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus ist in Mitteleuropa die häufigste Ursache. Etwa die Hälfte der Diabetiker entwickelt im Laufe der Krankheit eine Polyneuropathie.
  • Alkoholmissbrauch: Langjähriger Alkoholmissbrauch kann als schleichendes Nervengift wirken.
  • Vergiftungen: Durch Arsen, Blei oder Lösungsmittel.
  • Infektionen: Gürtelrose, Herpes simplex, Borreliose, HIV oder Pfeiffersches Drüsenfieber.
  • Autoimmunerkrankungen: Guillain-Barré-Syndrom oder Kollagenosen.
  • Schilddrüsenunterfunktion oder -überfunktion.
  • Gicht.
  • Vitamin-B12-Mangel oder -Überdosierung.
  • Nieren- oder Lebererkrankungen.
  • Karzinome.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Insbesondere bei Chemotherapien.
  • Angeborene Erkrankungen: Wie HMSN.

Diagnose der Polyneuropathie

Die Diagnose einer Polyneuropathie umfasst:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und Konsumgewohnheiten.
  • Körperliche Untersuchung: Überprüfung der Reflexe, des Tastsinns und der Temperaturempfindlichkeit.
  • Blutuntersuchung: Bestimmung der Blutzucker- und Entzündungswerte, Leber- und Nierenwerte, Vitamin-B12-Konzentration und Nachweis von Antikörpern.
  • Elektroneurografie: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.
  • Elektromyografie: Testung der Muskelaktivität.
  • EKG: Aufzeichnung der Herzaktivität zur Erkennung von Schädigungen an den autonomen Nerven des Herzens.
  • Gewebeentnahme: Untersuchung einer Gewebeprobe unter dem Mikroskop.
  • Ultraschalluntersuchung der Harnblase: Bei Problemen beim Wasserlassen.
  • Genetische Untersuchung: In seltenen Fällen, um eine erblich bedingte Polyneuropathie auszuschließen.

Behandlung der Polyneuropathie

Die Behandlung der Polyneuropathie richtet sich nach der Ursache:

  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei Diabetes, Alkoholmissbrauch, Vergiftungen oder Vitaminmangel.
  • Medikamentöse Therapie: Schmerztabletten, Schmerzpflaster oder krampflösende Medikamente zur Linderung von Nervenschmerzen. Epilepsie-Medikamente und Antidepressiva können Missempfindungen und anhaltende Schmerzen abmildern.
  • Reizstromtherapie (TENS): Elektrische Impulse können Schmerzen lindern.
  • Physikalische Therapien: Wechselbäder, Krankengymnastik sowie kalte und warme Wickel zur Anregung der Durchblutung und Steigerung der Beweglichkeit.
  • Orthopädische Hilfsmittel: Schuhe oder Schienen zur Verbesserung der Stabilität beim Laufen und Stehen.
  • Homöopathie: Zur Linderung von Beschwerden wie Schmerzen, Missempfindungen und Kribbeln der Haut.
  • Akupunktur: Kann begleitend zur schulmedizinischen Behandlung eingesetzt werden.

Gangstörungen: Weitere Ursachen und Therapie

Eine Gangstörung liegt vor, wenn der Ablauf von Gehbewegungen beeinträchtigt ist. Dies kann das Gangmuster, die Ganggeschwindigkeit oder beides betreffen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Fehlfunktionen von Knochen, Muskeln und Gelenken bis hin zu neurologischen Erkrankungen.

Mögliche Ursachen für Gangstörungen

  • Neurologische Erkrankungen: Polyneuropathie, Spinalkanalstenose, Schlaganfall, Parkinson, Ataxie, Multiple Sklerose.
  • Orthopädische Probleme: Hüft- oder Kniegelenksarthrose, Meniskusverletzungen, Beinlängendifferenz.
  • Muskuläre Probleme: Sarkopenie (Verlust von Muskelmasse und Kraft im Alter).
  • Psychische Beeinträchtigungen.
  • Demenz.

Diagnose und Therapie von Gangstörungen

Die Diagnose von Gangstörungen umfasst eine Analyse des Gangbildes, gegebenenfalls mit apparativen Verfahren in einem Ganglabor. Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Krankheit. Bei reversiblen Ursachen, wie Vitaminmangel, besteht die Therapie in der Gabe von Vitaminen. Bei orthopädischen oder neurologischen Ursachen können operative Eingriffe, Medikamente, Physio- oder Ergotherapie helfen.

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Ischiasbeschwerden als Ursache für Beinschmerzen und Hinken

Ischias ist ein Symptom, das durch Reizung oder Kompression des Ischiasnervs verursacht wird. Der Ischiasnerv ist ein großer Nerv, der vom unteren Rücken über das Gesäß bis in die Beine verläuft.

Symptome von Ischiasbeschwerden

  • Schmerzen, die vom Rücken ins Bein ziehen.
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Bein.
  • Muskelschwäche im Bein.
  • Eingeschränkte Beweglichkeit.
  • Gangstörungen.

Ursachen von Ischiasbeschwerden

  • Bandscheibenvorfall.
  • Spinalkanalstenose.
  • Muskelverspannungen.
  • Entzündungen.
  • Rheumatische Erkrankungen.
  • Abszesse oder Tumore (selten).
  • Funktionsstörung des Iliosakralgelenks (ISG).

Diagnose und Behandlung von Ischiasbeschwerden

Die Diagnose von Ischiasbeschwerden umfasst eine körperliche Untersuchung, neurologische Tests und bildgebende Verfahren wie MRT oder CT. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann konservative Maßnahmen wie Schmerzmittel, Physiotherapie, Wärme- oder Kälteanwendungen umfassen. In einigen Fällen ist eine Operation erforderlich.

Radikulopathie als Ursache für Nervenschmerzen

Bei einer Radikulopathie wird eine Nervenwurzel des Rückenmarks gereizt oder geschädigt. Dies kann zu Schmerzen, Missempfindungen oder neurologischen Ausfällen führen.

Ursachen der Radikulopathie

  • Bandscheibenvorfall.
  • Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule (Spondylarthrose oder Spondylose).
  • Tumore.
  • Hämatome.
  • Infektionskrankheiten.

Symptome der Radikulopathie

Die Symptome hängen davon ab, welche Nervenwurzel betroffen ist. Bei einer zervikalen Radikulopathie (Halswirbelsäule) können Nackenschmerzen, Schulter- und Armschmerzen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Fingern auftreten. Bei einer lumbalen Radikulopathie (Lendenwirbelsäule) können Rückenschmerzen, Beinschmerzen, Taubheitsgefühle oder Lähmungen auftreten.

Diagnose und Behandlung der Radikulopathie

Die Diagnose der Radikulopathie umfasst eine neurologische Untersuchung und bildgebende Verfahren wie MRT oder CT. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann konservative Maßnahmen wie Schmerzmittel, Physiotherapie oder interventionelle Schmerztherapie umfassen. In einigen Fällen ist eine Operation erforderlich, um die Nervenwurzel zu dekomprimieren.

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