Neurochirurgie: Ein umfassender Überblick über das Fachgebiet

Die Neurochirurgie ist ein spezialisiertes Gebiet der Medizin, das sich mit der operativen Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen des Nervensystems befasst. Viele Menschen assoziieren mit dem Begriff Neurochirurgie risikoreiche Eingriffe an Gehirn, Rückenmark oder Wirbelsäule, die einen längeren Krankenhausaufenthalt erfordern. Dank der Fortschritte bei minimal-invasiven Techniken können heute jedoch viele neurochirurgische Eingriffe weniger belastend durchgeführt werden.

Definition und Abgrenzung

Der Begriff "Neurochirurgie" setzt sich aus den griechischen Wörtern "neuron" (Nerv) und "cheirourgia" (Handarbeit, Chirurgie) zusammen. Die Neurochirurgie befasst sich mit der operativen Behandlung von Schädigungen oder Erkrankungen des peripheren oder zentralen Nervensystems, der Steuerungszentrale des menschlichen Körpers. Das Zentralnervensystem (ZNS) besteht aus Gehirn und Rückenmark und ist für Denken, Fühlen, Erinnern und die Verarbeitung von Informationen aus Körper und Umwelt verantwortlich. Das periphere Nervensystem (PNS) umfasst alle Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark.

Im Gegensatz zur allgemeinen Chirurgie konzentriert sich die Neurochirurgie auf sehr kleine Bereiche und Strukturen und wird häufig mikrochirurgisch durchgeführt. Der Neurochirurg behandelt nicht nur Verletzungen, Erkrankungen und Fehlentwicklungen des ZNS und PNS, sondern auch die versorgenden Blutgefäße und Hüllen. Hinzu kommen Voruntersuchungen sowie anschließende Maßnahmen zur Therapie und Rehabilitation.

Ein häufiger Fehler im Stellenmarkt besteht darin, Neurochirurgie mit allgemeiner Chirurgie zu vermischen. Fachärzte sollten darauf achten, ihre spezifischen Kompetenzen klar darzustellen, während Kliniken bei Ausschreibungen präzise Anforderungen benennen sollten.

Historische Entwicklung

Die Entwicklung der Neurochirurgie als eigenständiges Fachgebiet begann im frühen 20. Jahrhundert.

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Das Behandlungsspektrum der Neurochirurgie

Die Neurochirurgie umfasst ein breites Spektrum an Operationen, darunter:

  • Hirntumore: Entfernung oder Verkleinerung von Tumoren im Gehirn.
  • Aneurysmen: Behandlung von Aussackungen in Blutgefäßen des Gehirns.
  • Schädel-Hirn-Trauma: Versorgung von Verletzungen des Gehirns und Schädels nach Unfällen.
  • Wirbelsäulenerkrankungen: Behandlung von Bandscheibenvorfällen, Spinalkanalstenosen und anderen Erkrankungen der Wirbelsäule.
  • Epilepsiechirurgie: Operative Behandlung von Epilepsie, wenn Medikamente nicht ausreichend helfen.
  • Funktionelle Eingriffe: Tiefe Hirnstimulation zur Behandlung von Bewegungsstörungen wie Parkinson oder Tremor.
  • Periphere Nervenchirurgie: Behandlung von Nervenverletzungen und Engpass-Syndromen.

Minimal-invasive Techniken in der Neurochirurgie

Durch die Einführung und Weiterentwicklung minimal-invasiver Techniken können heute viele Eingriffe schonender durchgeführt werden. Insbesondere bei Bandscheibenoperationen wurden in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt. Dank der Schlüssellochchirurgie unter Verwendung eines Endoskops ist der erforderliche Zugangsweg zur geschädigten Bandscheibe immer kleiner geworden. Dies hat den Vorteil, dass die Hautwunde und damit die Narbe kleiner ausfällt, und der Patient kann früher aufstehen, sodass auch ein ambulantes Vorgehen möglich ist. Ein entscheidender Vorteil der minimal-invasiven Vorgehensweise ist die weitgehende Schonung des umgebenden Gewebes. Vernarbungen im Operationsgebiet, die früher häufig Ausgangspunkt erneuter Beschwerden in Form des "Postdiscektomie-Syndroms" waren, fallen deutlich geringer aus.

Schwerpunkte in der Neurochirurgie

Die Neurochirurgie beschäftigt sich nicht nur mit Eingriffen an Gehirn und Wirbelsäule, sondern auch mit den kleineren Nerven in der Peripherie. Zum Beispiel ist der Neurochirurg immer dann gefragt, wenn bei Unfällen und Verletzungen Nerven durchtrennt wurden oder Nerven im Rahmen von sogenannten Engpass-Syndromen eingeklemmt und gequetscht werden. Ein bekanntes Beispiel ist das Karpaltunnelsyndrom, bei dem der Nervus medianus im Handgelenk eingeengt wird.

Bandscheibenvorfall

Zwischen den Wirbelkörpern der Wirbelsäule liegen die Bandscheiben, die Flexibilität und Dämpfung bieten. Kommt es zu einem Bandscheibenvorfall, beispielsweise durch Überlastung oder genetische Ursachen, reißt die umgebende Hülle der Bandscheibe, der gallertartige Kern tritt aus und drückt auf das Rückenmark. Betroffene klagen über teils heftige Schmerzen im Rückenbereich, die - ja nach Lage des Prolaps - bis in die Beine ausstrahlen (Beispiel: Druck auf den Ischiasnerv). Die Folgen können Taubheit und Lähmungen sein.

Karpaltunnelsyndrom

Auf der Innenseite der Handwurzel verläuft der Nervus medianus, begleitet von den Sehnen der Muskeln der Fingerbeuger, durch einen engen Kanal, der als Karpaltunnel bezeichnet wird. Kommt es zu einem chronischen Druck auf den Nerven oder wird er eingeklemmt, zum Beispiel durch andauernde Fehlhaltungen, entstehen Schmerzen. Diese werden durch Bewegungen verstärkt. Der Neurochirurg wird zunächst die Ursache eines Karpaltunnelsyndroms feststellen.

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Hämatome

Eine lebensbedrohliche Verletzung, die als Folge von Unfällen auftritt und ein sofortiges Eingreifen des Neurochirurgen erfordert. Zugrunde liegen Blutungen innerhalb des Schädels nach Einwirkung von außen, die sich auf das Gehirn auswirken. Der Facharzt für Neurochirurgie unterscheidet zwischen dem epiduralen und subduralen Hämatom sowie einer intracerebralen Blutung. Es besteht die Gefahr einer längeren Bewusstlosigkeit des Patienten bis hin zum Koma. Zur Diagnostik macht der Neurochirurg ein CT- oder eine MRT-Aufnahme des Kopfes.

Meningeome

Hierbei handelt es sich um einen meist gutartigen Tumor der Hirnhaut. Lange Zeit bleibt er unerkannt; Patienten berichten schließlich über dauerhafte Kopfschmerzen, Übelkeit oder Probleme beim Riechen oder Schmecken. Je nach Lokalisation können auch Wesensveränderungen auftreten.

Hydrocephalus

Der Neurochirurg unterscheidet zwischen dem primären bzw. idiopathischen und dem sekundären (Normaldruck-)Hydrocephalus. Der primäre Hydrocephalus wird auch als "Altershirndruck" bezeichnet, der sekundäre Hydrocephalus ist Folge einer zugrunde liegenden, vorherigen Verletzung bzw. Erkrankung, wie zum Beispiel eine Blutung in den Subarachnoidalraum oder eine Hirnhautentzündung.

Diagnostische Verfahren in der Neurochirurgie

Sowohl vor als auch nach dem operativen Eingriff wird der Facharzt für Neurochirurgie den Patienten begleiten. Zu den wichtigsten diagnostischen Verfahren gehören:

  • MRT (Kernspintomographie): Bildliche Darstellung der inneren Organe und Gewebe, wie beispielsweise von Kopf oder Gehirn.
  • EEG (Elektro-Enzephalogramm): Messung der Gehirnströme über Spannungsveränderungen des Gehirns.
  • Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Muskelaktivität.
  • Stimulationsverfahren: Elektrische Reize in umschriebenen Hirnbereichen, die für bestimmte Körperfunktionen wichtig sind. Das Verfahren wird zur Diagnostik, aber auch zur Überprüfung von OP-Ergebnissen durchgeführt.
  • Lumbalpunktion: Untersuchung der Zusammensetzung des Liquors, der Gehirn und Rückenmark umgibt, um Hinweise auf mögliche Erkrankungen zu erhalten.

Schmerztherapie in der Neurochirurgie

Leidet ein Patient unter bestimmten Metastasen oder Tumoren im Bereich der Rückenmarksnerven, kann der Neurochirurg diese durch eine Operation zwar lindern, den Patienten aber nicht vollständig heilen. Kann der Neurochirurg chronische Schmerzen nicht vollständig ausschalten, kommen andere Verfahren zum Tragen. Der operative Eingriff im Bereich der Schmerztherapie ist dann in ein Gesamtbehandlungskonzept eingebunden, die Behandlung erfolgt also interdisziplinär.

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Ausbildung zum Neurochirurgen

Im Anschluss an das Medizinstudium erfolgt eine 72 Monate dauernde Weiterbildung, in welcher der angehende Neurochirurg die Facharztkompetenz erlangt. 48 Monate ist der Arzt in der stationären Patientenversorgung, sechs Monate in der Intensivmedizin tätig. Bis zu zwölf Monate dürfen im Fachbereich Chirurgie und/oder in Neurologie, Neuropathologie bzw. in der Kinderneurochirurgie abgeleistet werden.

Arbeitsmarkt und Gehalt

In Deutschland gibt es über 3.000 Neurochirurgen. Von diesen arbeiteten 2.615 als Facharzt für Neurochirurgie, über zwei Drittel in Kliniken und Krankenhäusern. Das Gehalt eines Neurochirurgen mit eigener Praxis liegt im Durchschnitt bei 209.000 Euro. In einer Klinik als angestellter Facharzt für Neurochirurgie verdient der Neurochirurg zwischen 72.000 und 95.000 Euro pro Jahr.

Beispielhafte Neurochirurgische Klinik

Die Klinik für Neurochirurgie am Klinikum Ludwigsburg ist im Verbund der Regionalen Kliniken Holding das einzige neurochirurgische Versorgungszentrum mit einem weit über den Landkreis hinausreichenden Einzugsbereich. Durch die hochmoderne technische Ausstattung ist die Behandlung aller gängigen neurochirurgischen Krankheitsbilder sichergestellt. Das Team aus Chefarzt, Oberärzten, Fachärzten und Assistenzärzten behandelt auf Stationen mit Überwachungseinheit stationäre Patienten. Über operative Eingriffe werden in der NeuroSuite, einem doppelten Hybrid-OP mit integriertem intraoperativen MRT, durchgeführt. In den Spezialambulanzen werden jährlich ca. Patienten behandelt.

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