Zittern bei Epilepsie: Ein Fachbegriff und seine Erscheinungsformen

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle können sich auf unterschiedliche Weise äußern, von kurzen Absencen bis hin zu tonisch-klonischen Anfällen, die mit heftigem Zittern und Zuckungen einhergehen. In diesem Artikel werden wir uns mit dem Fachbegriff für Zittern bei Epilepsie auseinandersetzen und die verschiedenen Anfallsformen beleuchten, bei denen Zittern eine Rolle spielt.

Einführung in die Epilepsie

Epileptische Anfälle sind in aller Regel schmerzlos. Betroffene erinnern sich hinterher meist nicht an den Anfall selbst. Bei einer Epilepsie kommt es durch unterschiedlichste Ursachen und Auslöser zu einer übermäßigen elektrischen Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Diese übermäßige Aktivität der Neuronen kann zu diversen Störungen führen und sich mitunter auch als typischer motorischer Krampfanfall äußern. Das muss aber nicht so sein. Manche Anfälle werden sowohl von Patientinnen und Patienten als auch Angehörigen kaum wahrgenommen, während andere zu Bewusstlosigkeit, Muskelkrämpfen, Stürzen und Zittern führen können. Ebenso können Störungen des Geruchssinns, Halluzinationen, Wutausbrüche, Migräne und Übelkeit auftreten. Oder Patientinnen und Patienten springen plötzlich auf und werfen Stühle um oder rennen unkontrolliert umher, woran sie sich später nicht erinnern können.

Fachbegriffe für Zittern bei Epilepsie

Obwohl es keinen spezifischen Fachbegriff gibt, der ausschließlich das Zittern bei Epilepsie beschreibt, wird das Zittern im Zusammenhang mit epileptischen Anfällen in der Regel als klonische Aktivität oder klonische Zuckungen bezeichnet. Diese Begriffe beschreiben die rhythmischen, zuckenden Bewegungen, die bei bestimmten Anfallsformen auftreten.

Klonische Anfälle

Klonische Anfälle sind durch wiederholte, rhythmische Zuckungen gekennzeichnet, die einzelne Muskeln oder Muskelgruppen betreffen. Das Ganze ähnelt einem heftigen Zittern. Diese Zuckungen sind unwillkürlich und können Arme, Beine oder den Körper insgesamt betreffen.

Tonisch-klonische Anfälle

Das ist die Art von Anfall, die die meisten Leute kennen: Betroffene versteifen (tonisch) gefolgt von einem Zittern oder Schütteln (klonisch). Tonisch-klonische Anfälle, auch Grand-Mal-Anfälle genannt, sind die bekannteste und dramatischste Form epileptischer Anfälle. Sie beginnen mit einer tonischen Phase, in der sich die Muskeln des Körpers plötzlich versteifen, gefolgt von einer klonischen Phase, in der es zu rhythmischen Zuckungen und Zittern kommt.

Lesen Sie auch: Das Gehirn als Kontrollzentrum

Weitere Anfallsformen und ihre Merkmale

Neben den klonischen und tonisch-klonischen Anfällen gibt es noch weitere Anfallsformen, die im Zusammenhang mit Epilepsie auftreten können.

Absencen

Diese sind wie kurze Momente der "Abwesenheit", in denen betroffene Kinder für eine kurze Zeit (oft nur wenige Sekunden) "abschalten" und nicht reagieren können. Es sieht so aus, als würden sie Tagträumen oder in Gedanken verloren sein. Absencen sind generalisierte Anfälle, die Kinder und Jugendliche betreffen können. Während einer Absence wirken Betroffene geistig abwesend. Da der Anfall spontan auftritt und meist sehr schnell wieder spontan abklingt, bleibt er meist lange Zeit undiagnostiziert.

Myoklonische Anfälle

Sie ähneln plötzlichen, ruckartigen Zuckungen, wie beim Erschrecken. Diese Zuckungen sind unwillkürlich und können Arme, Beine oder den Körper insgesamt betreffen.

Tonische Anfälle

Bei einem tonischen Anfall versteifen sich die Muskeln. Die Kinder könnte reglos werden und starr wie eine Statue wirken.

Ursachen und Auslöser von Epilepsie

Die genauen Ursachen für die Rolando-Epilepsie sind nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen Erbfaktoren sowie die natürlichen Reifungsvorgänge des Gehirns eine Rolle, da die Anfälle häufig mit Beginn der Pubertät von selbst enden. Bei einer Epilepsie kommt es durch unterschiedlichste Ursachen und Auslöser zu einer übermäßigen elektrischen Entladung von Nervenzellen im Gehirn. So können zum Beispiel Stoffwechselstörungen, genetische Faktoren, Kopfverletzungen, gutartige und bösartige Tumore, Hirnhautentzündungen oder Schlaganfälle entsprechende Veränderungen im Gehirn verursachen, welche solche übermäßigen Entladungen der Neuronen begünstigen.

Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Zittern bei Demenz

Diagnose und Behandlung von Epilepsie

Zur obligatorischen Basisdiagnostik von Anfällen gehören neben der Anamnese die körperliche und die zumindest orientierende neurologische Untersuchung sowie ein 12-Kanal-EKG. Nicht jedes Kind mit Rolando-Epilepsie benötigt Medikamente. Wenn die nächtlichen Anfälle nur selten vorkommen und das Kind nicht darunter leidet, ist eine medikamentöse Behandlung unnötig. Diese Entscheidung sollte jedoch in Absprache mit dem behandelnden Arzt und den Eltern getroffen werden. Dabei ist es wichtig, auch das Kind selbst zu befragen, um zu erfahren, wie es selbst die Anfälle wahrnimmt und es Angst vor ihnen hat. Die Epilepsie gilt als eine der am besten zu behandelnden neurologischen Erkrankungen der Welt und bis zu zwei Drittel der Patientinnen und Patienten werden durch die medikamentöse Therapie mit Antikonvulsiva anfallsfrei. Da Epilepsie jedoch nicht heilbar ist, gilt die Anfallskontrolle als wichtigstes Ziel. Diese ist oft nur durch eine lebenslange Einnahme der Anfallssuppressiva möglich, welche dann aber oft ein uneingeschränktes und selbstständiges Leben bis ins hohe Alter ermöglicht.

Rolando-Epilepsie als Beispiel einer benignen Epilepsieform

Die Rolando-Epilepsie (RE) ist die häufigste Epilepsie-Form im Kindesalter. Sie tritt zwischen dem 3. und 13. Lebensjahr auf, am häufigsten in den ersten Schuljahren. Diese Form der (gutartigen) benignen Epilepsie im Kindesalter wächst sich normalerweise, ohne bleibende Schäden aus, sobald die Jugend erreicht ist. Charakteristisch für die RE sind nächtliche Anfälle beim Schlafen - entweder nachts kurz vor dem Einschlafen oder morgens beim Aufwachen. Die epileptischen Anfälle zeichnen sich durch ungewöhnliche Empfindungen im Gesichtsbereich (Kribbeln, Taubheit, Verspannungen) und Sprachschwierigkeiten aus. Kinder mit Rolando-Epilepsie zeigen im Elektroenzephalogramm (EEG) oft auffällige zentrotemporale Spitzen, die dieser Erkrankung ihren Namen geben.

Symptome der Rolando-Epilepsie

Bei Kleinkindern umfassen die epileptischen Anfälle den gesamten Körper: Gesicht, Arme, Beine verkrampfen sich und zucken. Doch auch Halbseitenkrämpfe können auftreten, bei denen nur eine Körperhälfte von Verkrampfungen und Muskelzuckungen betroffen ist. Anschließend sind diese Körperbereiche kurzzeitig gelähmt. Im Schulalter äußert sich die Rolando-Epilepsie eher durch Kribbeln oder Taubheit im Gesicht. Meistens beginnen die Anfälle am Mundwinkel und werden von Würgen, Lallen und vermehrtem Speichelfluss begleitet. Es kommt zu Krampfanfällen, was die Muskulatur im Schlund- und Kehlkopfbereich kurzfristig schwächt.

Anfallshäufigkeit und -dauer bei Rolando-Epilepsie

Die Häufigkeit der Anfälle bei Rolando-Epilepsie variiert. Einige Kinder erleben sie nur gelegentlich, andere sind wiederholt betroffen. Die Frequenz kann auch im Verlauf der Erkrankung schwanken. Manche Kinder haben Phasen, in denen die Anfälle häufiger auftreten, gefolgt von Phasen, in denen sie seltener werden oder sogar zeitweise aussetzen. Ca. 75 % der Anfälle ereignen sich nachts, oft während der leichten Schlafphasen kurz nachdem die Kinder abends eingeschlafen sind oder in der Zeit vor dem morgendlichen Aufwachen. Die Dauer eines Anfalls ist kurz, sie reicht von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten.

Prognose und Therapie der Rolando-Epilepsie

Zum Glück hat die Rolando-Epilepsie oft eine positive Prognose. Viele Kinder hören auf, Anfälle zu haben, wenn sie in die Pubertät kommen. Meist ohne abweichende Hirn-Entwicklungen oder Gehirnschäden. Sinnvoll ist dagegen immer eine intensive Förderung und spezielle Unterstützung der betroffenen Kinder, um Entwicklungsauffälligkeiten (= Teilbereichsstörung) rechtzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Lesen Sie auch: Diagnose und Therapie bei Zittern infolge eines Schlaganfalls

Differentialdiagnose von Anfällen

Aus neurologischer Sicht macht es zunächst Sinn, zwischen epileptischen und nichtepileptischen Anfällen zu differenzieren. Unter dem differenzialdiagnostischen Fokus dieses Kapitels würde es sich anbieten, die nichtepileptischen Anfälle nach ihren jeweiligen Leitsymptomen zu gruppieren (z. B. Ohnmachten, Schwindelformen, plötzliche Stürze usw.). Viele Anfallsformen können jedoch mehrere oder wechselnde Leitsymptome aufweisen, sodass diese Anfallsleiden gleich an mehreren Stellen des Kapitels abgehandelt werden müssten.

Synkopen als Differentialdiagnose

Bei Synkopen handelt es sich um kurzzeitige Ohnmachten (Sekunden bis wenige Minuten), die durch eine globale Drosselung der Hirndurchblutung verursacht werden. Letztere stellt pathogenetisch den gemeinsamen Nenner aller Synkopenformen dar. In ätiologischer Hinsicht bilden die Synkopen jedoch eine sehr heterogene Krankheitsgruppe, wobei eine erste Orientierung die Zuordnung zu einer der beiden großen Subgruppen, der neurogenen und der kardialen Synkopen, bietet.

Dissoziative Anfälle als Differentialdiagnose

Bei Dissoziativen Anfällen verlieren Betroffene vorübergehend die Kontrolle über ihren Körper - mit Zuckungen, Ohnmachtsanfällen oder Verkrampfungen. Hierbei handelt es sich um das Gefühl, sich als fremd oder unwirklich zu erleben. Es kann sich anfühlen, als würde man sich von seinem eigenen Körper oder seinen eigenen Emotionen entfernt selbst beobachten. Typisch ist ein plötzlicher Kontrollverlust über den Körper. Es kann zu Zuckungen, Verkrampfungen oder einem Ohnmachtsanfall kommen. Anders als bei Epilepsie fehlt jedoch eine krankhafte elektrische Entladung im Gehirn. Die Anfälle entstehen ohne erkennbare körperliche Ursache und dauern oft mehrere Minuten. Dissoziative Anfälle sind meist Folge unbewusster seelischer Belastung.

Tiefe Hirnstimulation als Therapieoption

Alle pharmakoresistenten fokalen Epilepsien sind grundsätzlich mittels der tiefen Hirnstimulation behandelbar. Seit 2010 ist die Tiefe Hirnstimulation mit dem Zielpunkt anteriorer Thalamus (ANT)in Deutschland für fokale Epilepsie zugelassen.

Leben mit Epilepsie

Eltern von Kindern mit Rolando-Epilepsie stehen vor erheblichen Herausforderungen, trotz der guten Prognose. Die konstante Wachsamkeit, die nötig ist, um jederzeit bei Anfällen reagieren zu können, bedeutet oft große psychische und physische Belastungen. Schlafmangel ist nicht selten, da viele Anfälle in der Nacht auftreten. Darüber hinaus erfordert es viel Kraft und Geduld, die Kinder in ihren Entwicklungsphasen zu unterstützen, vor allem wenn zusätzliche Schwierigkeiten wie Sprachentwicklungsverzögerungen oder Verhaltensauffälligkeiten auftreten. Auch wenn mit dem Heranwachsen die Anfälle irgendwann ganz verschwinden, ist der Alltag für diese Familien geprägt von einer intensiven Fürsorge und viel Stress.

tags: #fachwort #fur #zittern #bei #epilepsie