Die Fazialisparese, auch Gesichtslähmung genannt, ist eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur, die durch eine Störung oder Schädigung des Nervus facialis (VII. Hirnnerv) verursacht wird. Dieser Nerv ist unter anderem für die motorische Kontrolle der Gesichtsmuskeln, die Geschmacksempfindung, die Speichel- und Tränensekretion sowie die Feinregulierung des Hörens verantwortlich. Die Erkrankung kann erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben der Betroffenen haben, da sie die Mimik, das Sprechen und die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen kann.
Was ist eine Fazialisparese?
Bei einer Fazialisparese handelt es sich um eine Lähmungserscheinung im Bereich der Gesichtsmuskulatur, die auf eine Schädigung des zuständigen Nervs zurückzuführen ist. Es handelt sich in dem Fall um den Nervus facialis. Eine Parese beschreibt dabei medizinisch eine teilweise Lähmung eines oder mehrerer Muskeln. Eine Fazialisparese kann sich auf sehr unterschiedliche Weise präsentieren. Dabei kann zum Beispiel das Auge nicht mehr richtig geschlossen werden, das Gesicht verzieht sich beim Lächeln oder die Sprache wirkt verwaschen. Dieses heterogene Krankheitsbild lässt sich durch die vielfältigen Funktionen und den komplizierten Verlauf des Nervus facialis erklären. Die Hauptaufgabe des Nervens besteht vor allem darin, die Gesichtsmuskulatur zu kontrollieren. Medizinisch spricht man auch von der sogenannten mimischen Muskulatur, die uns die verschiedensten Gesichtsausdrücke ermöglicht. Zusätzlich dient der Nervus facialis der Regulierung kleinerer Drüsen der Nasenschleimhaut, der Tränendrüsenfunktion und der Geschmacksempfindung, ebenso der Speichelproduktion und der Berührungsempfindung. Eine Fazialisparese kann plötzlich auftreten und wird oft als Symptom eines Schlaganfalls gedeutet. Meist sind jedoch andere Gründe für diese Muskelstörung verantwortlich.
Formen der Fazialisparese
Je nach Lokalisation der Nervenschädigung unterscheidet man eine zentrale und eine periphere Fazialisparese.
Zentrale Fazialisparese
Die zentrale Fazialisparese entsteht durch eine Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS), meist im Bereich des Gehirns, bevor der Nervus facialis den Hirnstamm verlässt. Die zentrale Schädigung kann durch eine Störung der kortikobulbären Bahn (motorische Bahn zwischen Hirnrinde und Hirnstamm) verursacht werden, was zu einer fehlerhaften Signalübertragung an die unteren motorischen Neurone im Fazialiskern führt. Die Symptomatik unterscheidet sich ebenfalls von der einer peripheren Fazialisparese. Die Lähmung zeigt sich dabei im Bereich der Gesichtsmuskulatur unterhalb des Augenlides, weil die Muskulatur oberhalb davon von beiden Gehirnhälften versorgt wird. Obwohl die zentrale Fazialisparese in den meisten Fällen nur von kurzer Dauer ist, so kann sie Symptom einer schwerwiegenden Erkrankung wie eines Hirninfarktes sein. Eine sofortige ärztliche Vorstellung ist daher dringend empfohlen.
Periphere Fazialisparese
Die periphere Fazialisparese entsteht durch eine Schädigung des Nervus facialis nach dem Austritt aus dem Hirnstamm. Bei dem peripheren Typus der Gesichtslähmung geht die Erkrankung auf die Schädigung des Nervs selbst zurück. Die Pathogenese der peripheren Fazialisparese ist oft mit einer Schwellung und Entzündung des Nervus facialis im engen Fazialiskanal (Canalis facialis) verbunden, was zu einer Kompression des Nervs führt. Diese Kompression behindert die Blutversorgung und Nervenleitung, was zu einer gestörten Funktion und letztlich zur Lähmung führt. Die periphere Fazialisparese stellt eine relativ häufige Diagnose dar und kann sich in Form verschiedener Symptome äußern. Der klassische Unterschied zur zentralen Fazialisparese in der Symptomatik liegt darin, dass häufig die gesamte mimische Muskulatur einer Gesichtshälfte inklusive der Augen- und Stirnmuskulatur betroffen ist. Des Weiteren zeigt sich eine periphere Läsion des rechten Nervus facialis auch auf der rechten Gesichtshälfte, bei einer linksseitigen Läsion verhält es sich dann entsprechend ebenso.
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Ursachen der Fazialisparese
Die Ursachen einer Gesichtslähmung sind vielfältig und darüber hinaus noch nicht vollständig erforscht. Bei über 60% der peripheren Gesichtslähmungen ist keine direkte, nachweisbare Ursache erkennbar. Man geht davon aus, dass verschiedene Faktoren zu entzündlichen Ödemen der Nerven führen. Als Risikofaktoren für eine Gesichtslähmung gelten hoher Blutdruck und Diabetes. Diabetes schädigt bei schlechter Einstellung der Blutzuckerwerte nicht selten die Nerven und kann so auch den Nervus facialis betreffen. Letztlich kann extremer Stress eine Gesichtslähmung begünstigen. Eine zentrale Fazialislähmung ist das Ergebnis einer Funktionsstörung direkt im zuständigen Hirnbereich. Diese kann beispielsweise durch eine Hirnblutung, einen Hirntumor, einen Schlaganfall oder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) hervorgerufen werden. Bei einem Schlaganfall wird die Blutversorgung des Gehirns plötzlich auftretend gestört, es kommt zu Ausfällen des zentralen Nervensystems.
Idiopathische Fazialisparese (Bell-Parese)
Bei der idiopathischen Fazialisparese, auch bekannt als Bell-Parese, wird angenommen, dass eine Reaktivierung des Herpes-simplex-Virus (HSV-1) eine entzündliche Reaktion im Bereich des Nervus facialis auslöst. Diese Reaktivierung führt zu einer zellulären Entzündungsreaktion, die den Nerv in seinem Verlauf durch den knöchernen Kanal beeinträchtigt, was die Nervenfunktion weiter stört. Die häufigste Form der einseitigen Fazialisparese ist mit einem Anteil von etwa 50-65% unbekannter Ursache. Sie wird auch als “Bell-Parese” bezeichnet. Die sogenannte idiopathische Fazialisparese scheint dabei beide Geschlechter und die verschiedenen Altersgruppen gleichermaßen zu betreffen. Eine genaue Ursache konnte bislang nicht identifiziert werden. Meist findet sich eine Schwellung des Nervens, der durch einen Reizzustand hervorgerufen wird. Verschiedene Faktoren wie Stress, Infektionen, Schwangerschaft oder Zugluft scheinen das Auftreten dieses Reizzustandes zu begünstigen, sodass es zu einer Einengung des Nervens im Knochenkanal kommt. Im Regelfall entsteht die Lähmung nur einseitig und tritt unerwartet auf. Doch auch Fälle mit Vorzeichen wie Schmerzen in der Nähe des Ohres oder Empfindungsstörungen in der Wange kommen vor. Betroffene wachen dann morgens mit einer halbseitigen Lähmung auf, die sich innerhalb von etwa drei Tagen vollständig ausprägt.
Weitere Ursachen der peripheren Fazialisparese
Neben der idiopathischen Form gibt es eine Reihe weiterer Ursachen für die periphere Fazialisparese:
- Infektionen: Verschiedene Infektionskrankheiten können eine Fazialisparese zur Folge haben. Die weitaus häufigste Infektion ist dabei die Borreliose. In einigen Fällen geht der Fazialisparese auch eine Infektion mit dem Herpes Zoster Virus voraus. Infektion mit dem Herpes-Simplex-Virus, Herpes Zoster (Gürtelrose) oder dessen Sonderform Zoster oticus, bei dem speziell der Ohrbereich angegriffen ist. Borreliose, verursacht durch das Bakterium Borrelia burgdorferi. Bei einer otogenen Fazialisparese geht die Entzündung vom Ohr aus. D.h. Auch weitere Infektionskrankheiten wie Röteln, Mumps, Kinderlähmung und die Grippe können zur Lähmung des Gesichts führen, da bei allen die Gefahr besteht, dass sich die Infektion auf den Gesichtsnerv ausbreitet. Bei einer Mittelohrentzündung ist die Gefahr dafür aufgrund der räumlichen Nähe zum Nerven besonders hoch. Eine solche Schädigung der Nerven ist jedoch meist nur vorübergehend.
- Trauma: Eine traumatische Gesichtslähmung ist Folge von Brüchen der Schädelbasis, vor allem des Felsenbeins. Daneben kommen Verletzungen des Gesichts, des Unterkiefers oder der Ohrspeicheldrüse sowie operative Eingriffe in diesen Bereichen bzw.
- Tumoren: Gut- oder bösartige Geschwülste (Tumoren) im Verlauf des Gesichtsnervs, z.B. Akustikusneurinom (AKN) ‒ gutartiger Tumor, der von den Schwann'schen Zellen des vestibulären Anteils des VIII. Hirnnerven, dem Hör- und Gleichgewichtsnerven (Nervus vestibulocochlearis), ausgeht und im Kleinhirnbrückenwinkel oder im inneren Gehörgang gelegen ist. Das Akustikusneurinom ist der häufigste Kleinhirnbrückenwinkeltumor. Mehr als 95 % aller AKN sind einseitig. Tympanales Faszialisschwannom (Paukenhöhle (Tympanum) oder das Trommelfell (Membrana tympani) betreffend). Letztlich können sämtliche Tumore, die in anatomischer Nähe zum Ohr und damit dem Hauptstrang des Nervs liegen, zur Ursache für eine Fazialisparese werden.
- Autoimmunerkrankungen: Autoimmunerkrankungen zeichnen sich dadurch aus, dass durch verschiedene Prozesse die körpereigenen Strukturen durch das Immunsystem angegriffen werden. Einige können dabei eine periphere Fazialisparese auslösen. In diesem Zusammenhang kennt man vor allem die Sarkoidose (Morbus Boeck oder Morbus Schaumann-Besnier) und das Guillain-Barré-Syndrom als Auslöser einer peripheren Fazialisparese. Sjögren-Syndrom (Gruppe der Sicca-Syndrome) - Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen, die zu einer chronisch entzündlichen Erkrankung der exokrinen Drüsen, am häufigsten der Speichel- und Tränendrüsen, führt; typische Folgeerkrankungen bzw.
- Seltene Ursachen: Seltene Ursachen einer Gesichtslähmung sind Vergiftungen durch Medikamente oder Giftstoffe sowie Ohrfehlbildungen. Ischämiebedingt (wg. SARS-CoV-2 (Synonyme: neuartiges Coronavirus (2019-nCoV); 2019-nCoV (2019-novel Coronavirus; Coronavirus 2019-nCoV); Wuhan-Coronaviru) - bei der Infektion der Atemwege mit dem SARS-CoV-2 kommt es zu einer atypischen Pneumonie, die den Namen COVID-19 (engl. seltene bakterielle Infektionen: Diphtherie (Corynebacterium diphtheriae), Ehrlichiose (Bakterium Ehrlichia canis), Leptospiren, M. pneumoniae, Bartonella henselae, Rickettsien (Bakterien der Gattung Rickettsia).
- Erbkrankheiten: Eine Gruppe von Erkrankungen, im Rahmen derer eine Fazialisparese auftreten kann, sind Erbkrankheiten, bei denen genetische Faktoren zur Ausbildung eines Krankheitsbildes führen. Dabei kann es sich um Erkrankungen wie das Möbius-Syndrom handeln, bei dem die Gesichtslähmung schon im Säuglingsalter auftritt. In solchen Fällen sind einige Nerven, darunter auch der Nervus facialis, unterentwickelt bzw. durch Entwicklungsstörungen nicht voll funktionsfähig. Eine weitere mögliche Erbkrankheit ist das Melkersson-Rosenthal-Syndrom. Es handelt sich hierbei um eine seltene Erkrankung, deren genaue Ursache nicht bekannt ist, bei der man aber vom Vorliegen genetischer Faktoren ausgeht. Die Erkrankung betrifft vorwiegend Patienten zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr und fällt dabei vor allem durch eine Schwellung der Ober- und/oder Unterlippe, eine Faltenzunge und wiederkehrende Fazialisparesen auf.
- Geburtslähmung: Geburtslähmung (Verletzung des Nervus facialis) ‒ insbesondere erhöhtes Risiko bei Zangengeburt (lat.
Ursachen der zentralen Fazialisparese
Ursachen einer zentralen Fazialisparese sind meist Erkrankungen, die das Gehirn betreffen. Hierzu zählen ebenso wie Tumore auch der Hirninfarkt, Verletzungen des Gehirns, Kinderlähmung oder Multiple Sklerose. Im Gegensatz zur peripheren ist bei der zentralen Parese meist auch ein Arm oder eine komplette Körperhälfte gelähmt.
Symptome einer Fazialisparese
Die Fazialisparese beeinträchtigt die Fähigkeit der Gesichtsmuskulatur, sich zu kontrahieren, was zu Gesichtsasymmetrien, einem herabhängenden Mundwinkel, fehlendem Lidschluss und einem Verlust der Mimik auf der betroffenen Seite führt. Der komplizierte Verlauf und die vielen Funktionen des Nervens sind dafür verantwortlich, dass sich eine Schädigung je nach Lokalisation in unterschiedlichen Symptomen äußert. Das Leitsymptom der Fazialisparese ist die schlaffe Lähmung der Gesichtsmuskulatur. Diese äußert sich beispielsweise im Herabhängen des Augenlides, der fehlenden Fältelung der Stirn oder dem nicht mehr funktionierenden Lidschlag. Diese Einschränkung wird vor allem beim Sprechen deutlich. Der Nerv versorgt des Weiteren zahlreiche Speicheldrüsen, sodass es zum Beispiel durch Beeinträchtigung der Tränendrüsen zu Trockenheit im Bereich der Augen oder zu Mundtrockenheit kommen kann. Zudem ist der Nervus facialis an der Geschmacksempfindung der vorderen zwei Drittel der Zunge beteiligt, sodass auch diese beeinträchtigt sein kann. Ein Ast des Nervus facialis versorgt sehr kleine Muskeln im Bereich des Ohres, deren Aufgabe vor allem darin liegt, sehr laute Töne für das Gehör zu dämpfen. Besteht eine Schädigung im Bereich dieses Nervenanteils oder vor Abgabe dieses Astes, können die Betroffenen von einer sogenannten Hyperakusis betroffen sein. Dabei werden Geräusche und Töne als unangenehm laut empfunden.
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Typische Fazialisparese-Symptome:
- Die Muskeln im Gesicht erschlaffen, die Augenbrauen sinken ab, die Haut kribbelt, kommt einem wie taub vor, das Gesicht fühlt sich steif an.
- Bei vielen Betroffenen schmerzt das Ohr und auch der Geschmackssinn ist gestört.
- In schweren Fällen ist es den Betroffenen nicht mehr möglich, das Augenlid zu schließen oder den Mundwinkel zu bewegen.
- Der Mund ist ständig trocken, ebenso die Augen.
- Zusätzlich reagieren die Betroffenen empfindlicher auf Geräusche.
- Auch das Sprechen und die Fähigkeit, über Mimik ihre Gefühle auszudrücken, leiden bei einer Gesichtslähmung. Das verursacht zusätzlich psychische Belastungen.
- Unvollständiger Lidschluss - erhöhtes Risiko für Augentrockenheit oder Hornhautschäden
- Herabhängender Mundwinkel - erschwertes Lächeln, Sprechen, Essen oder Trinken
- Asymmetrische oder starre Mimik
- Synkinesien - unwillkürliche Mitbewegungen, z. B. Schließen des Auges beim Lächeln
- Verlust des natürlichen, emotionalen Gesichtsausdrucks
- Empfindungs- oder Geschmacksstörungen (je nach Ausprägung)
Diagnose der Fazialisparese
Obwohl ein erfahrener Arzt eine halbseitige Gesichtslähmung meist schon durch eine Blickdiagnose erkennen kann, sollte die Diagnostik einer systematischen Gliederung folgen. An erster Stelle des Patientengespräches steht dabei die ausführliche Anamnese. Interessant sind dabei vor allem Informationen zu möglichen Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und eine möglichst zeitlich-genaue Einordung über das Auftreten der ersten Symptome. In diesem Gespräch und in der anschließenden körperlichen Untersuchung ergibt sich dann meist ein markantes klinisches Erscheinungsbild: Der Mundwinkel steht offen, Speichel fließt aus, die Sprache wirkt schwer verständlich und das Augenlid schließt nur teilweise oder gar nicht. Nach Ausschluss von Symptomen, die auf ein akut gefährliches Krankheitsgeschehen hinweisen und eine sofortige Intervention erfordern, folgt im Anschluss meist eine Blutentnahme. Ziel hierbei ist es, virale oder bakterielle Infektionen auszuschließen. Die neurologische Untersuchung prüft die Funktionstüchtigkeit der zentralen und peripheren Nerven. Bei einer peripheren Lähmung ist es wichtig, die Schädigung des Nervs zu lokalisieren. Abhängig davon, ob die Schädigung der Nerven innerhalb oder außerhalb des Schädels liegt, ist die Lähmung unterschiedlich stark ausgeprägt: so können nur die Gesichtsmuskeln gelähmt sein oder aber bei einer Schädigung innerhalb des Schädels auch Geschmack, Empfindung oder Speichelfluss beeinträchtigt sein. Man unterteilt die Fazialisparese nach Schwere ihrer Ausprägung in sechs Grade, wobei Grad 1 „keine Lähmung“ bedeutet und Grad 6 „komplette Lähmung“. Bei der Diagnose ist die Bestimmung von Grad 2 und Grad 3 besonders kritisch, da der Gesichtsausdruck des Betroffenen unauffällig ist, der Nerv aber dennoch bereits leicht geschädigt ist. Bei dem Verdacht auf eine periphere Schädigung wird eine Elektromyographie herangezogen. Durch diese Methode lässt sich unterscheiden, ob eine Muskellähmung durch eine Schädigung des Muskels an sich oder durch eine Nervenschädigung verursacht wird. Um eine zentrale Fazialisparese zu diagnostizieren, kommen verschiedene bildgebende Verfahren wie eine MRT-, CT- oder Röntgenuntersuchung zum Einsatz, die das Gehirn und den Schädel darstellen, sodass mögliche Verletzungen lokalisiert werden können.
Zusammenfassend umfasst die Diagnostik folgende Schritte:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und Erfassung möglicher Risikofaktoren.
- Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Gesichtsmuskulatur und neurologische Untersuchung.
- Blutuntersuchung: Ausschluss von Infektionen (z.B. Borreliose, Herpes Zoster).
- Elektrophysiologische Untersuchungen (Elektromyographie): Bei Verdacht auf periphere Schädigung zur Unterscheidung zwischen Muskel- und Nervenschädigung.
- Bildgebende Verfahren (MRT, CT): Bei Verdacht auf zentrale Ursachen oder Tumoren.
- Lumbalpunktion: Untersuchung des Nervenwassers bei Verdacht auf Entzündungen des Nervensystems.
Therapie der Fazialisparese
Aufgrund der vielfältigen Ursachen, die zu einer Gesichtslähmung führen können, lässt sich kaum ein einheitliches Behandlungskonzept beschreiben. Vielmehr richtet sich der behandelnde Spezialist nach dem jeweiligen zugrundeliegenden Krankheitsbild. Sowohl medikamentöse als auch operative Therapieverfahren kommen dabei zur Anwendung. Eine Fazialisparese, deren Ursache in einem Schlaganfall liegt, muss sofort in einer dafür vorgesehenen Klinik behandelt werden: Verschlossene Hirnarterien müssen sofort geöffnet, Hirnblutungen unterbunden und ein erhöhter Hirndruck schnellstmöglich reduziert werden. Kann als Ursache ein bakterieller oder viraler Infekt identifiziert werden, so erfolgt hier eine antibakterielle bzw. antibiotische oder antivirale medikamentöse Therapie. Im Fall der sehr besonders häufigen Bell-Parese bestehen auch unbehandelt sehr gute Genesungschancen. Etwa 60 Prozent der Betroffenen gesunden von selbst. Bei den übrigen Patienten versucht man meist, der Entzündung der Nerven mit einer Kortisontherapie entgegenzuwirken. Zusätzlich muss ein Austrocknen der Augen bei fehlendem Lidschluss verhindert werden. Hierbei kommen zum Beispiel Salben oder nächtliche Verbände zum Einsatz. Auch eine begleitende Physiotherapie zur Übungsbehandlung der mimischen Muskulatur kann den Betroffenen helfen. In einigen Fällen kann auch eine operative Therapie sinnvoll sein. Je nach Ausprägung der Nervenschädigung kann hierbei beispielsweise eine Rekonstruktion des Nervens oder eine Fusion der Fasern des Nervus facialis mit denen eines anderen noch funktionstüchtigen Gesichtsnerven verbunden werden, sodass die Muskeln wieder angesteuert und bewegt werden können.
Die Therapie orientiert sich immer an der individuellen Situation - mit dem Ziel, Mimik, Symmetrie und Lebensfreude wiederherzustellen. Dabei stehen konservative als auch operative Möglichkeiten zur Verfügung.
Konservative Behandlung
- Medikamentöse Therapie:
- Kortikosteroide (z.B. Kortison): Bei idiopathischer Fazialisparese zur Entzündungshemmung und Abschwellung des Nervs.
- Virostatika (z.B. Aciclovir): Bei Verdacht auf Herpes-simplex- oder Varizella-Zoster-Virusinfektion.
- Antibiotika (z.B. Doxycyclin): Bei Borreliose.
- Physiotherapie und Mimiktraining: Verbesserung der Koordination und Muskelaktivität.
- Botulinumtoxin-Injektionen: Entspannung überaktiver Muskelgruppen und Reduzierung von Synkinesien.
- Schutz des Auges: Augentropfen und -salben zur Befeuchtung, Uhrglasverband in der Nacht.
Operative Behandlung
Eine operative Behandlung wird empfohlen, wenn:
- die Lähmung länger als 6-12 Monate besteht,
- keine spontane Regeneration mehr erkennbar ist,
- deutliche funktionelle Einschränkungen bestehen (Lidschluss, Mundschluss, Sprache, Symmetrie),
- Schmerzen, muskuläre Fehlspannungen oder ausgeprägte Synkinesien auftreten.
Folgende operative Möglichkeiten stehen zur Verfügung:
- Nervenrekonstruktion oder Nerventransfer: Z. B. Cross-Face-Nerventransfer zur Wiederherstellung dynamischer Bewegungen.
- Muskeltransplantation (Gracilis-Flap): Ermöglicht die aktive Wiederherstellung des Lächelns.
- Implantation von Gold- oder Platingewichten ins Oberlid: Verbessert den Lidschluss und schützt das Auge.
- Statische Suspensionen: Sorgen für eine bessere Gesichtssymmetrie in Ruhe.
- Selektive Neurektomie: Sinnvoll bei ausgeprägten Synkinesien und Fehlspannungen.
Wann ist eine OP bei einer Gesichtslähmung sinnvoll?
Gerade bei langanhaltenden Gesichtslähmungen kann eine Operation Lebensqualität, Selbstvertrauen und Ausdrucksfähigkeit nachhaltig verbessern. Warten Sie nicht zu lange Wenn keine Besserung eintritt, sollte man eine OP nicht allzu lange hinauszögern. Nach einem bis anderthalb Jahren ohne neuronale Impulse wird die Gesichtsmuskulatur in Fettgewebe umgewandelt. Dann müssen die nicht mehr vorhandenen Muskeln mittels Muskeltransfer aus dem Oberschenkel ersetzt werden.
Nachsorge nach einer Operation
Nach einer Operation begleiten wir unsere Patient*innen engmaschig, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. So fördern wir nicht nur die funktionelle Erholung, sondern auch das Vertrauen ins eigene Gesicht. Die Nachsorge beinhaltet folgende Maßnahmen:
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- Regelmäßige ärztliche Kontrollen
- Kontinuierliche Physiotherapie und gezieltes Mimik-Training
- Anleitung zur Narbenpflege
- Individuelle Anpassung der Behandlung im Verlauf
Verlauf und Prognose
In ca. 80 Prozent dieser Fälle heilt die Lähmung aus, wobei die Dauer des Heilungsprozesses je nach Schweregrad sehr variieren kann. Studien haben gezeigt, dass etwa zwei Drittel aller Patienten mit einer Bell-Parese innerhalb von vier Monaten eine komplette Ausheilung erfahren. Etwa drei Viertel aller Patienten mit kompletter Fazialisparese berichten nach etwa sechs Monaten über eine sehr gute Heilung. Spätfolgen der Erkrankung können sogenannte „Krokodilstränen“ sein, d. h. unwillkürlicher Tränenfluss beim Essen. Nicht selten kann es auch zu einem erneuten Aufflammen der Erkrankung kommen. Vor allem Patientinnen und Patienten, die unter der idiopathischen Fazialisparese leiden, haben eine sehr gut Prognose. Sie erholen sich in 80 % der Fälle innerhalb von 3 - 6 Monaten ohne bleibende Lähmungen. Schon nach 4 - 10 Wochen kann bereits eine deutliche Besserung sichtbar sein. Bei schweren Fällen oder Verletzungen sind die Prognosen allerdings schlechter. Es können Synkinesien - unwillkürliche Mitbewegungen-, Gesichtsasymmetrien oder der durch Reizung der Geschmacksnerven bedingte Tränenfluss (Krokodilstränen-Phänomen) bestehen bleiben. Auch eine dauerhafte Lähmung ist möglich. Entscheidend ist eine frühe und konsequente Behandlung, um die besten Ergebnisse zu erzielen. In der Regel kommt es nach 4-6 Wochen zu einer beginnenden Remission (Besserung der Symptome). In 80 % der Fälle bilden sich die Symptome innerhalb von 6 Monaten vollständig oder fast vollständig zurück. Bei nicht behandelten Patientinnen kommt es 9 Monate nach Symptombeginn zu einer teilweisen Rückbildung. Regelmäßige Verlaufskontrollen sollten so lange stattfinden, bis sich die Lähmung gut zurückgebildet hat. Ist die Lähmung innerhalb eines Jahres nicht zurückgegangen, sollte die Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum erfolgen. Mit rekonstruktiven chirurgischen Maßnahmen können erfahrene Spezialistinnen eine (eingeschränkte) Wiederbelebung der Gesichtsbewegungen (Mimik) erreichen. Die Prognose ist insgesamt gut. Eine vollständige Rückbildung erfolgt selbst ohne Behandlung in 65 % bzw. 85 % der Fälle nach 3 bzw. 9 Monaten. In 4-14 % der Fälle kommt es zu einem Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv). Die Erholungsraten sind bei infektiös bedingten Fazialisparesen (z. B. durch eine Zoster-Infektion oder Borreliose) höher als bei unfallbedingten Fazialisparesen. Die Rückbildung einer Fazialisparese bei Neuroborreliose erfolgt meist innerhalb von 1-2 Monaten.
Negative prognostische Faktoren:
- Vollständige Lähmung des Nervus facialis
- Keine Besserung nach 3 Wochen
- Alter > 60 Jahre
- Starke Schmerzen
- Begleiterkrankungen: Bluthochdruck, Diabetes
- Gürtelrose im Gesicht als Ursache
- Verletzung als Ursache
- Schwangerschaft
- Hyperakusis (Geräuschüberempfindlichkeit)
- Bei elektrophysiologischen Untersuchungen nachgewiesener ausgeprägte Schädigung des Nervus facialis
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