Das "Fallbuch Neurologie, 4. Auflage" von Roland Gerlach und Andreas Bickel, erschienen im Thieme Verlag, bietet mit 100 ausführlichen Fällen einen umfassenden Einblick in das Fach Neurologie. Dieses Buch ist besonders wertvoll für Studierende im Praktischen Jahr (PJ) mit Wahlfach Neurologie oder für Studenten, die Neurologie als viertes Prüfungsfach im M3-Examen haben.
Zielgruppe und Schwerpunkte
Das Werk richtet sich primär an PJ-Studenten mit Wahlfach Neurologie oder an Studenten, die Neurologie als 4. Prüfungsfach im M3-Examen haben. Für diejenigen, die Neurologie als 4. Prüfungsfach haben, ist dieses Buch wahrscheinlich schon zu ausführlich oder man sollte sich zumindest auf die relevantesten Themen beschränken. Obwohl der Schwerpunkt auf den wichtigsten Themen liegt, werden auch sehr spezielle Krankheitsbilder behandelt. Zu den wichtigsten Themen der Neurologie wie Schlaganfall, Epilepsie und Meningoenzephalitis gibt es mehrere unterschiedliche Fälle. Allerdings gibt es auch einige Fälle zu sehr speziellen Themengebieten wie PROMM oder Narkolepsie. Die Schwerpunkte in diesem Buch liegen insbesondere auf prüfungsrelevanten Themen, die in verschiedenen Fällen bearbeitet werden.
Struktur und Inhalt
Das Buch ist so aufgebaut, dass sich eine Prüfungssituation gut simulieren lässt und eignet sich zum gegenseitigen Abfragen in Gruppen oder zum eigenständigen Bearbeiten von Fällen. Auf den ersten 100 Seiten befinden sich die einzelnen Fälle mit einem einleitenden Text und jeweils 3-6 Fragen. Anschließend folgen im zweiten Teil auf insgesamt 250 Seiten die Antworten zu den Fällen und die Kommentare zu dem behandelten Krankheitsbild (2-3 Seiten pro Fall). Viele Fälle enthalten auch Bildfragen (CCT, cMRT, Röntgen-Thorax) oder Fragen zu elektrophysiologischen Untersuchungen.
Die Krankheitsbilder in den Fällen werden auf 1-2 Seiten kompakt zusammengefasst und beinhalten die Epidemiologie, Pathogenese, Klinik, Diagnostik, Therapie und Prognose.
Vorbereitung auf das M3-Examen
Das Buch eignet sich zur Vorbereitung für das M3-Examen sowie PJ-begleitend für alle Universitäten. Es beinhaltet alle prüfungsrelevanten Themen und behandelt diese ausführlich.
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Kritikpunkt: Fehlende Wichtung der Fälle
Ein Nachteil dieses Buches ist die fehlende visuelle Wichtung der einzelnen Fälle. Die Fälle besitzen keine bestimmte Reihenfolge, und wenn man sich die Diagnose nicht vor der Bearbeitung eines Falls anschaut, kann man leider nicht einschätzen, ob der Fall überhaupt Relevanz besitzt. Beispielsweise ist Fall 38 die PROMM und Fall 100 die lumbale Spinalkanalstenose. Falls man nicht alle 100 Fälle bearbeiten möchte, sollte man sich die Diagnosen daher vorher einmal anschauen und die weniger wichtigen Fälle rausstreichen, da man bei Bearbeitung in der normalen Reihenfolge sonst wichtige Fälle auslassen würde.
Aufbau des Buches im Detail
Zu Beginn gibt es ein Inhaltsverzeichnis nach Themen und nach Diagnosen. Darauf folgen auf insgesamt 100 Seiten 100 Fälle mit jeweils 3-6 Fragen. Die Fälle besitzen keine bestimmte Reihenfolge. Anschließend folgen im zweiten Teil auf insgesamt 250 Seiten die Antworten zu den Fällen und die Kommentare zu dem behandelten Krankheitsbild (2-3 Seiten pro Fall).
Weitere empfehlenswerte Werke
Neben dem "Fallbuch Neurologie" gibt es weitere Bücher, die für die Vorbereitung auf Prüfungen und den klinischen Alltag in der Neurologie hilfreich sein können:
- MEX Das mündliche Examen - Neurologie, 1. Auflage: Bietet einen gut strukturierten und auf Prüfungsrelevanz basierten Überblick für die mündliche M3-Prüfung.
- Kurzlehrbuch Neurologie: Vermittelt den prüfungsrelevanten Stoff kompakt für Studierende.
- Taschenatlas Neurologie: Ein handliches Nachschlagewerk, um sich schnell einen Überblick über verschiedene neurologische Themen zu verschaffen.
- Endspurt Klinik Skript Neurologie: Fasst die wichtigsten Themengebiete des Fachs kurz und präzise zusammen, vor allem zur Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen (M2).
- Duale Reihe Neurologie: Ein ansprechend aufbereitetes Lehrbuch und Nachschlagewerk mit Wiederholungsmöglichkeiten am Rand jeder Seite.
- Checkliste Neurologie: Ein äußerst praxisorientiertes Werk im Kitteltaschenformat mit stringenter Gliederung in Grundlagen zur Diagnostik, Leitsymptome und neurologische Krankheitsbilder.
Fallbeispiel: Multiple Sklerose
Um die praktische Relevanz des "Fallbuch Neurologie" zu verdeutlichen, betrachten wir ein Fallbeispiel zum Thema Multiple Sklerose (MS).
Fall: Eine 32-jährige Patientin stellt sich mit weiteren Schüben einer seit 3 Jahren bekannten MS vor. Unter einer Basistherapie mit Interferonen kam es zwischenzeitlich zu 4 weiteren Schüben. Die Patientin fragt nach der Möglichkeit einer Umstellung der Schubprophylaxe.
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Fragen:
- Ist der Wunsch der Patientin gerechtfertigt? Von welchen Kriterien lassen Sie sich bei Ihrer Entscheidung leiten?
- Welche Maßnahmen stehen zur Schubprophylaxe bei schubförmiger MS (RRMS) generell zur Verfügung? Gliedern Sie nach der „Wirkstärke“ und geben Sie die Applikationsform an!
- Welche der genannten Substanzen kämen für Sie in diesem konkreten Fall in die engere Auswahl? Begründen Sie!
- Sie empfehlen auch nichtmedikamentöse und ggf. weitere medikamentöse Maßnahmen. Welche könnten dies in diesem Fall sein?
- Sie entscheiden sich für Natalizumab (Tysabri®) 1 x/Monat als Infusion. Welche wichtige potenzielle Nebenwirkung müssen Sie kennen und die Patientin darüber schriftlich aufklären?
Antworten (auszugsweise):
- Der Wunsch ist gerechtfertigt, wenn es tatsächlich zu 4 Schüben unter der Therapie gekommen ist. Grundlage der Entscheidung ist das NEDA-Konzept (No Evidence of Disease Activity).
- Milde/Moderate Verläufe: Interferon Beta 1a s. c. und i. m.; Interferon Beta 1b s. c.; pegyliertes Interferon Beta 1a s. c.; Glatirameracetat s. c.; Teriflunomid oral. Moderate bis schwere Verläufe: Dimethylfumarat oral; Fingolimod oral; Daclizumab s. c. Schwere bis hochaktive Verläufe: Natalizumab per inf.; Alemtuzumab per inf.
- Aufgrund der weiteren Schübe unter Interferon muss ein Medikament mit höherer Wirkstärke angeboten werden, z.B. Dimethylfumarat, Fingolimod, Daclizumab, Natalizumab oder Alemtuzumab.
- Physiotherapie und Ergotherapie bei Tremor und Gangstörung, Vitamin-D-Supplementation bei Mangel, Raucherentwöhnung.
- Wichtige Nebenwirkung von Natalizumab ist die PML (Progressive multifokale Leukenzephalopathie) durch Reaktivierung des JC-Virus.
Kommentar:
Die Schubprophylaxe stellt ein komplexes Thema in der MS-Behandlung dar. Fast jedes Jahr werden neue Substanzen zugelassen, die unterschiedliche Wirkstärken, Nebenwirkungsraten und Kosten haben. Eine Rezidivprophylaxe sollte spätestens nach dem 2. Schub oder bei Nachweis einer Progression im MRT begonnen werden.
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